Kardinal Cipriani: „Müller ist ein bißchen naiv“ – Impulsive Clelia Luro: Haben sich Befreiungstheologen wirklich geändert?

Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller (noch als Bischof von Regensburg) mit Gustavo Gutierrez(Rom) Am 11. September empfing Papst Franziskus den „Vater der Befreiungstheologie“, den Peruaner Gustavo Gutierrez in Audienz. Nach Rom eingeladen war Gutierrez von seinem Freund Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller worden. Müller präsentierte mit Gutierrez die soeben erschienene italienische Ausgabe eines von beiden gemeinsam verfaßten Buches. Wenig begeistert darüber gab sich der höchste peruanische Kirchenvertreter Juan Luis Kardinal Cipriani Thorne, Erzbischof von Lima. Er warf Müller vor, beim Thema Befreiungstheologie „ein bißchen naiv“ zu sein. Zum Papst-Empfang für Gutierrez meldete sich auch die impulsiv-progressive „Bischofswitwe“ Clelia Luro, laut Eigendefinition „Papstfreundin“ zu Wort.

Kardinal Cipriani übt Kritik an neuem „Hofieren“ von Gutierrez und der Befreiungstheologie in Rom

Kardinal Cipriani äußerte sich kritisch zur neuen Hofierung der Befreiungstheologie in Rom. Es geht um eine vom Marxismus gereinigte und ziemlich zahnlos gewordene Befreiungstheologie, dennoch weckt das Stichwort noch immer ungute Erinnerungen, als die „Befreiungstheologie“ in den 70er und 80er Jahren als marxistische Einfallspforte in die katholische Kirche wirkte. Zu denen, die Bedenken hegen, gehört der Erzbischof von Lima, Juan Luis Kardinal Cipriani Thorne. Als Lateinamerikaner und als Peruaner im besonderen weiß er noch zu genau um die linken Parolen, die eine Befreiung von der Sünde in eine Befreiung von „sozialer Unterdrückung“ uminterpretierten. Der südamerikanische Kardinal ist daher auch kurz angebunden zur römischen „Annäherung“ an die Befreiungstheologie, zumindest an Gutierrez. Zu Kurienerzbischof Müller befragt, sagte der Erzbischof von Lima, er ist „ein guter Deutscher, ein guter Theologe, ein bißchen naiv“. So der wenig schmeichelhafte Kommentar von Kardinal Cipriani am vergangenen Freitag auf Radio RPP.

Zur Audienz von Papst Franziskus für Gutierrez sagte der Kardinal: „Meine Lesart ist, daß [Müller] seinem Freund [Gutierrez], der ihm teuer ist, einen Gefallen tun wollte, und ihm auf irgendeine Weise helfen will, sich zu korrigieren und sich in die katholische Kirche einzufügen.“ Laut Kardinal Cipriani habe der Papst Gutierrez nur auf Wunsch von Kurienerzbischof Müller empfangen und das nicht offiziell.

Papst Franziskus (vorne), Kardinal Cipriani Thorne (hinten)Kardinal Cipriani: Befreiungstheologie fügte Kirche „großen Schaden zu“

Der Kardinal ist der Meinung, daß die inoffizielle Audienz vom vergangenen Donnerstag mißbraucht wird, um eine Anerkennung einer theologischen Richtung zu behaupten, die der „Kirche großen Schaden“ zugefügt hat. Der Kardinal erinnerte daran, daß Gutierrez zwar nie verurteilt wurde, daß in der ersten Hälfte der 80er Jahre der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger ihn aber aufforderte, „zwei seiner Bücher richtigzustellen“, eines davon war auch das Buch „Theologie der Befreiung“, die der ganzen Richtung den Namen geben sollte. Ob sich Gutierrez inzwischen „korrigiert hat, weiß ich nicht“, so der peruanische Kardinal.

Die Kirche, so Cipriani Thorne, habe sich nie der sozialen Frage und dem Elend der Menschen verschlossen. Es gehöre zur Verzerrung der Befreiungstheologie, einen solchen Eindruck behauptet zu haben, um sich selbst als einzig wirklich „evangelische“ Theologie darstellen zu können. Tatsächlich haben die Befreiungstheologen jedoch grundlegende Glaubenswahrheiten vertauscht.

Papst Franziskus habe Gutierrez eine Unhöflichkeit nicht verziehen

Der Vatikanist Sandro Magister bemerkte, daß Papst Franziskus Gustavo Gutierrez zwar empfangen habe, daß die Position des Papstes sich dennoch deutlich von jener des Präfekten der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Müller unterscheide. Als Lateinamerikaner kenne Papst Franziskus die Befreiungstheologie und ihre Verführungskunst sehr gut. Als Jesuitenprovinzial und auch noch als Bischof in Buenos Aires kritisierte Mario Jorge Bergoglio die Befreiungstheologie scharf. Zudem spiele noch eine persönliche Note hinein, die das distanzierte Verhältnis des katholischen Kirchenoberhauptes zu Gutierrez begründe, so Magister.

Allein die Tatsache, daß in der offiziellen Audienzliste des Vatikans Gutierrez nicht aufscheint und der Heilige Stuhl nach der Begegnung mit dem Papst auch keine Stellungnahme dazu veröffentlichte, sei Beleg, daß die wohlwollende Haltung von Kurienerzbischof seinem Freund Gutierrez gegenüber von Papst Franziskus so nicht geteilt werde.

Impulsiv „Bischofswitwe“ und „Papstfreundin“ Clelia Luro meldet sich wieder zu Wort

Clelia Luro mit dem Bild ihres Mannes Jeronimo Podesta, eines Ex-Priesters, Ex-Bischofs marxistischen Befreiungstheologen und wahrscheinlich ExkommuniziertenDie Unhöflichkeit, die Papst Franziskus Gutierrez, laut Magister nachträgt, ist zugegebenermaßen etwas verworren, da sie auf ganz persönlicher Ebene spiele. Quelle ist erneut die impulsive Clelia Luro, die sich, allerdings nicht als einzige, seit der Wahl Bergoglios zum Papst, medial ins Zeug legt, um Aufmerksamkeit auf die eigenen Anliegen zu lenken. Anfang Juli erhielt die argentinische Witwe auch im deutschen Sprachraum eine gewisse Bekanntheit, als die österreichische Tageszeitung Die Presse sie mit der Aussage zitierte, daß – ihrer Meinung nach – Papst Franziskus „bald“ den Priesterzölibat abschaffen werde. Ein Steckenpferd Luros, das mit ihrem ganz persönlichen Makel zu tun hat. Ein Kampf, den die inzwischen 87-Jährige schon seit Jahrzehnten führt. Stolz betont sie, daß sie der heutige Papst als Erzbischof von Buenos Aires jeden Sonntag angerufen habe. Eine Praxis, die sich offenbar nach dem Tod ihres Mannes ergab. Auch seit seiner Wahl zum Papst, hätte er sie bereits einige Male angerufen, zuletzt am 7. September.

Clelia Luros Wortmeldung erfolgte nicht uninteressiert. Sie ist vor allem eine Streiterin in eigener Sache beziehungsweise der ihres verstorbenen Ehemannes, um den sich bei ihr alles dreht und dessen „Ehre“ sie zu verteidigen sucht. Luro ist die Witwe nicht nur eines ehemaligen katholischen Priesters, sondern gleich eines Bischofs. Ihr Mann, Jeronimo Jose Podesta (1920-2000) war 1946 zum Priester und 1962 zum Bischof geweiht worden. Als Diözesanbischof von Avellaneda, einem Suffraganbistum der Erzdiözese Buenos Aires, mischte sich Podesta stark in die Politik ein. Der durch einen Militärputsch 1966 an die Macht gelangte Staatspräsident General Juan Carlos Ongania drängte auf seine Entfernung. Um einen diplomatischen Zusammenstoß zu vermeiden, wurde Podesta 1967 vom Vatikan als Bischof von Avellaneda zur Resignation veranlaßt und zum Titularbischof ernannt. Podesta setzte seine politischen Aktivitäten, unter anderem in der von der Sowjetunion gelenkten Christlichen Friedenskonferenz (CFK) fort. Seine politische und kirchliche Radikalisierung führte zu einer zunehmenden Entfernung von der katholischen Kirche. 1971 kehrte er der Kirche den Rücken und heiratete 1972 seine Sekretärin Clelia Luro, die seinen antikirchlichen und marxistischen Politkampf im Namen der Befreiungstheologie mittrug.

„Bischöfin“ Mayr-Lumetzberger leitet „apostolische Sukzession“ von Luros Mann her

Im hohen Alter wurde Jeronimo Podesta von allerlei kuriosen Kreisen entdeckt. Dazu gehörten etwa die Österreicherin Christine Mayr-Lumetzberger aus Linz und die Bundesdeutsche Gisela Forster aus München, die beide für ein Frauenpriestertum in der katholischen Kirche eintreten. Sie ließen sich von einem „Bischof“ Romulo Braschi zu „Priesterinnen“ und „Bischöfinnen“ weihen. Braschi beruft sich seinerseits darauf, von „Bischof“ Podestà unrechtmäßig aber gültig geweiht worden zu sein. Dies aber wird von Podestas Witwe, Clelia Luro, wiederum ausdrücklich bestritten. Abgesehen davon, daß die „apostolische Sukzession“ der Möchtegern-Bischöfinnen auf dünnem Boden steht, zogen sich alle Beteiligten, „Weihender“ und „Geweihte“, ohnehin die Exkommunikation zu. Die katholische Kirche kannte zu keinem Zeitpunkt ein weibliches Weiheamt. Papst Johannes Paul II. rief 1994 in einer „definitiven Stellungnahme“ in Erinnerung, daß es ein Frauenpriestertum nicht geben könne und daher auch nie geben werde.

Podesta starb 2000 in großer Armut, aber der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio war an sein Sterbelager geeilt, als einziger Vertreter der kirchlichen Hierarchie. Es ist nicht bekannt, ob Podesta mit der Kirche versöhnt gestorben ist. Clelia Luro rechnet Bergoglio jedenfalls diese Geste seither menschlich hoch an. Von ihren Kampfpositionen konnten sie offenbar auch die Telefonanrufe von Erzbischof Bergoglio nicht abbringen.

Papsttelefonat an Luro am 7. September? – Befreiung von der Befreiungstheologie?

In einem Schreiben an Gustavo Gutierrez machte Clelia Luro diese Begebenheit am Sterbelager ihres Mannes öffentlich bekannt. Veröffentlicht wurde ihr Brief auf der progressiven, katholischen Internetseite Redes Cristianas. Darin schreibt Luro, daß sie am 7. September von Papst Franziskus einen Telefonanruf erhalten habe. Der Papst habe ihr gesagt, eine Unhöflichkeit nicht vergessen zu haben, die Gutierrez ihrem Mann, Podesta angetan hatte.

Als Gutierrez auf einer Tagung der Vereinigung Priester der Dritten Welt in Cordoba einen Vortrag halten sollte, zu der auch der ehemalige Bischof Jeronimo Podesta eingeladen war, weigerte sich der peruanische Befreiungstheologe mit seinem Referat zu beginnen, „wenn Jeronimo im Saal geblieben wäre“. Gutierrez begann erst zu sprechen, als Podesta den Saal verlassen hatte.

Im selben Brief macht Clelia Luro Gutierrez Vorhaltungen, auch den anderen bekannten Befreiungstheologen und ebenfalls Ex-Priester Leonardo Boff gleich behandelt zu haben. „Wenn die Befreiungstheologie uns dazu bringt, Richter unserer Brüder zu sein, dann bräuchte es eine Befreiung von dieser Theologie“, schrieb die „Bischofs“-Witwe im moralisierenden Brustton von Ideologen, wie es die kämpferischen Befreiungstheologen in ihrem Inneren noch immer zu sein scheinen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Iglesia Descalza/Marco Longari/Triregnum

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Arnold Arnstadt

Klartext: ich habe Bange, es gibt Heute bestimmte Entwicklungen, denen die Kirche sehr schaden könnten!!

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