Drama der Christen Nordkoreas – Märtyrerbischof nach 64 Jahren offiziell für tot erklärt

Eines der letzten stalinistischen Regime löschte die Kirche fast zur Gänze aus. Rom hat den seit 64 Jahren vermißten Bischof Hong Yong-Ho offiziell für tot erklärt(Vatikan/Pjöngjang) In der Gestalt des katholischen Bischofs Francis Hong Yong-Ho konzentriert sich das ganze Drama der Christen Nordkoreas. Der mit 106 Jahren älteste Bischof der Welt wurde nun vom Vatikan offiziell für tot erklärt. Zwei Mal im Monat veröffentlicht das Staatssekretariat Änderungen im Päpstlichen Jahrbuch. In der Veröffentlichung vom 1. Juli fand sich eine Notiz zu Nordkorea, der letzten noch existierenden stalinistischen Diktatur, die zudem in regelmäßigen Abstände in die Schlagzeilen kommt, weil sie mit dem Einsatz von Atomwaffen droht.

Die Notiz besagt, daß der Heilige Stuhl die koreanische Diözese Pjöngjang offiziell als vakant erklärt hat. Das setzte voraus, daß der Vatikan Bischof Francis Hong Yong-Ho für tot hält. Seit vielen Jahren war der Eintrag zur Diözese Pjöngjang und zu Bischof Hong Yong-Ho einer der geheimnisvollsten und bemerkenswertesten des Päpstlichen Jahrbuchs. Dabei verlieren sich die Spuren des Bischofs bereits im fernen 1949. Seither galt der Bischof ganze 64 Jahre lang offiziell als vermißt.

Geboren am 12. Oktober 1906, wurde Francis Hong Yong-Ho 1933 zum Priester geweiht und 1944 von Papst Pius XII. zum Apostolischen Vikar ernannt und zum Bischof geweiht (zur Biographie von Bischof Hong und der Lage der katholischen Kirche in Nordkorea am Beginn der kommunistischen Herrschaft siehe Bericht 1 und Bericht 2 über die Märtyrer von Tokwon um die Abtei der Missionsbenediktiner von St. Ottilien). Bischof Hong Yong-Ho fiel wie zahlreiche andere Priester Ende der 40er Jahre der schrecklichen Verfolgung durch das kommunistische Regime unter Kim Il-sung zum Opfer.

Bischof Hong Yong-Ho ein Symbol für eine offiziell ausgelöschte Kirche – Untergrundkirche

Offizielle Informationen über den Verbleib des Bischofs gibt es nicht. In der geringen Auskunftsbereitschaft des Regimes hieß es zuletzt nur lapidar, eine Person dieses Namens sei in Nordkorea nicht bekannt.

64 Jahre lang führte das Päpstliche Jahrbuch Bischof Hong Yong-Ho dennoch weiterhin als „vermißt“. Zuletzt galt er als ältester Bischof der Welt. Anfangs hoffte man in Rom, daß der Bischof in einem kommunistischen Konzentrationslager eingesperrt wurde, aber noch am Leben sei. Im Laufe der Zeit wurde immer klarer, daß Bischof Hong Yong-Ho wahrscheinlich bereits 1949 von Kommunisten ermordet wurde und in einem Massengrab verschwunden ist.

Der Vatikan hielt mangels offizieller Todesmeldung an seiner Praxis fest. Bischof Hong Yong-Ho wurde zum Symbol für die ausgelöschte katholische Kirche in Nordkorea. Er wurde aber auch zum Symbol des politischen Widerstandes gegen das Regime, das die Religionsfreiheit seit zwei Generationen mit Füßen tritt.

Bischof Francis Hong Yong-Ho, das Drama der Kirche NordkoreasJedes Jahr neu wurde Nordkorea durch den Eintrag im Päpstlichen Jahrbuch der Spiegel vorgehalten. Der 1949 verschwundene Bischof und die nordkoreanischen Märtyrer waren nicht vergessen. „Eine Geste des Heiligen Stuhls, um auf das Drama, das die Kirche in Korea erlebt hat und noch immer erlebt, aufmerksam zu machen“, so Kardinal Nicholas Cheong Jin-suk von Seoul (zum Drama der Christen in Nordkorea siehe eigenen Bericht). Papst Johannes XXIII. erhob am 10. März 1962 bewußt das Apostolische Vikariat von Pjöngjang in den Rang einer Diözese. Zum ersten Bischof ernannte er den Apostolischen Vikar Msgr. Hong Yong-Ho, obwohl dieser bereits seit mehr als 12 Jahren vermißt wurde.

Die Notiz vom 1. Juli, daß die Diözese Pjöngjang nun offiziell als vakant und Bischof Hong Yong-Ho als tot gilt, hat jedoch nichts damit zu tun, daß man im Vatikan das „Drama“ der nordkoreanischen Katholiken für abgeschlossen betrachtet. Geändert hat sich in der Kim-Familiendiktatur nämlich nichts. 1994 ist zwar der „ewige Präsident“, Staats- und Regimegründer Kim Il-sung gestorben, und 2011 auch sein Sohn Kim Jong-il, doch auch der Enkel des „ewigen Präsidenten“, Kim Jong-un hält an der stalinistischen Staatsdoktrin fest.

Südkoreas Bischöfe leiten Seligsprechungsverfahren ein

Ausschlaggebend für die Änderung im Jahrbuch war der Antrag der südkoreanischen Bischöfe, den Märtyrer-Bischof Hong Yong-Ho und 80 Gefährten seligzusprechen (siehe eigenen Bericht). Zur Einleitung eines solchen Verfahrens bedarf es des nihil obstat der Heiligsprechungskongregation in Rom. Ein solches kann nicht ausgestellt werden, solange eine Person nicht tot ist. Mit der jüngst erfolgten Änderung im Jahrbuch ist der Weg für die Einleitung des Verfahrens frei. In Nordkorea gibt es seit 1949 keine Priester und keine kirchliche Hierarchie mehr. Der Vatikan ernennt für alle Bischofssitze südkoreanische Bischöfe zu Apostolischen Administratoren. Zugang zu ihren nordkoreanischen Diözesen habe sie allerdings keinen. Korea ist durch einen Eisernen Vorhang getrennt wie es das geteilte Deutschland bis 1989 war.

Während die katholische Kirche in Südkorea seit Jahrzehnten ein enormes Wachstum erlebt, wurde sie in Nordkorea ausgelöscht. Offiziell gab es vor 1949 55.000 Katholiken im Norden des Landes. Bis vor kurzem wurde die Zahl der Katholiken heute auf wenige Hundert geschätzt. Auch die offiziellen Angaben des Regimes schwanken. Zuletzt zeigte der „demokratische Zentralismus“ ein bisher ungeahntes Interesse an den Zahlenangaben der religiösen Minderheiten. Das Regime will damit der Kritik begegnen, systematisch die Menschenrechte zu verletzen. Jedenfalls wuchs die Zahl der Katholiken offiziell von 200 auf 800 und schließlich sogar auf 3000. In katholischen Kreisen Südkoreas wird davon ausgegangen, daß es in Nordkorea rund 10.000 Untergrund-Katholiken gibt. Einen Priester gibt es im Land keinen. Neuerdings fahren gelegentlich, wenn es das politische Klima möglich macht und das Regime erlaubt, katholische Priester von Südkorea nach Pjönjang, um in der einzigen offiziell existierenden Kirche die Heilige Messe zu zelebrieren. 1949 waren alle Kirchen des Landes zerstört worden. Erst 1988, als in Südkorea die Olympischen Spiele stattfanden, errichtete Nordkorea „über Nacht“ eine Kirche, um das eigene Image ein wenig aufzupolieren.

1949 alle Kirchen zerstört – 1988 zu Olympiade für jede Konfession eine errichtet

Betreten dürfen die Kirche nur die 800 offiziell registrierten und vom Regime anerkannten Katholiken, obwohl das Regime selbst in jüngsten Verlautbarungen für die internationale Öffentlichkeit von 3000 Katholiken sprach. Verwaltet wird die Kirche von einer regimehörigen Vereinigung, die in keiner Verbindung mit dem Heiligen Stuhl steht. Vorsitzender ist der Laie Jang Jae-on, der bis vor kurzem Präsident des Roten Kreuzes von Nordkorea war.

Nordkorea ist eines der wenigen Länder der Erde, das mit dem Vatikan keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhält. Das gleiche gilt für die große nordkoreanische „Schutzmacht“, die Volksrepublik China. Zwischen Südkorea und dem Heiligen Stuhl gibt es diplomatische Beziehungen seit 1963.

Am 27. Juli jährte sich zum 60. Mal die Teilung Koreas. Die Bischöfe des Landes initiierten einen Friedensmarsch, der bis zur Demarkationslinie führte und riefen die Katholiken auf, für die Wiedervereinigung zu beten. Mit dem Märtyrerbischof Francis Hong Yong-Ho und seinen Gefährten haben sie vielleicht bald offiziell anerkannte Fürsprecher im Himmel.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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1 Comment

  1. Das ist so tieftraurig. Warum glauben wir hier, wir könnten uns das geistige Gut, wofür andere ihr Leben gelassen haben, leichtfertig verspielen? Ob es etwas nützt, im Jahre 1962 einen wahrscheinlich bereits Toten zum Bischof einer fiktiven Diözese zu erheben, wenn man gleichzeitig im selben Jahr auf dem Konzil verweigert, diese grauenhafte Ideologie, die zu dem Missstand führt, zu verwerfen?
    Hat diese Geste des Heiligen Stuhls, die JXXIII. begann, nicht etwas Kafkaeskes, Abstruses, Gespenstisches an sich?

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