Was haben Irland und Chile gemeinsam? Die Lügen der Abtreibungslobby

Savita Halappanavar: Irland und Chile, die "berührenden" Lügen der Abtreibungslobby(Dublin/Santiago de Chile) Die Liberalisierung der Tötung ungeborener Kinder wurde ausnahmslos in allen Demokratien mit Lügen eingeführt. Für einzelne Länder gibt es genaue Studien, die die Chronologie der Ereignisse nachzeichnen. Zentrales Progagandainstrument war überall eine aufgeblasene Zahl angeblicher illegaler Abtreibungen, die den Regeln jeder Statistik spotteten, was aber keine Rolle spielte, da es genügend gleichgesinnte Medien und Politiker gab, die sie übernahmen.

Irland und Chile haben etwas Grundlegendes gemeinsam. Beide Länder sind katholisch, in beiden Ländern wird das Leben ungeborener Kinder geschützt und in beiden ist die Abtreibung verboten. Beide Länder haben eine der geringsten Müttersterblichkeitsraten der Welt. Und beide Länder sind deshalb der Abtreibungslobby ein Dorn im Auge.

Hochemotionaler, berührender (meist aber erfundener) Einzelfall als Abtreibungspropaganda

2012 gelang es den Abtreibungsbefürwortern, durch einen inszenierten Fall eine Bresche in die geltende irische Rechtsordnung zu schlagen. In diesen Tagen ist das irische Parlament dabei, den Schutz des Lebens aufzuweichen. In Chile versucht die Abtreibungslobby mit genau derselben Propagandamasche die Abtreibung durchzusetzen.1 In Chile stehen Präsidentschaftswahlen bevor. Der amtierende Staatspräsident hat sich zum Lebensrecht bekannt und lehnt jedes Nachgeben zugunsten des Kindermordes ab. Ganz anders die sozialistische Herausforderin Bachelet, die auf die Unterstützung der Abtreibungslobby und von US-Präsident Obama zählen kann. Ein hochemotionaler, rührseliger Einzelfall, der zudem zweckdienlich präpariert wurde,  soll die Stimmung für eine Gesetzesänderung zugunsten der Abtreibung vorbereiten. Darum ist noch einmal ein Rückblick auf den Fall in Irland (siehe eigenen Bericht) geboten.

In Irland ist die Tötung eines ungeborenen Kindes nach wie vor verboten und kann strafrechtlich geahndet werden. Die Begründung dafür ist ebenso simpel wie zutreffend: weil durch die Abtreibung ein Menschenleben getötet wird. Seit 1992 ist die Abtreibung unter bestimmten engumrissenen Umständen möglich, wenn das Leben der Frau durch die Schwangerschaft gefährdet ist, einschließlich einer konkreten Selbstmordgefahr. Die Statistik besagt, daß es in Irland in den vergangenen 20 Jahren nur alle zwei bis drei Jahre eine Abtreibung gab, weil die genannten Umstände in der Realität glücklicherweise sehr selten auftreten.

Der Fall Savita und die Abtreibungslobby

Seit langem suchte die Abtreibungslobby nach einem Vorwand, um den weißen Fleck Irland auf ihrer Abtreibungslandkarte zu beseitigen. Doch die katholische Inselrepublik bot kaum Möglichkeiten, die Abtreibungsmaschinerie zum Laufen zu bringen. Das standardmäßig genützte Argument einer angeblich hohen Müttersterblichkeit, die Abtreibung als Lebensschutz für die Frauen anpries, verfing in Irland nicht, das eine der geringsten Müttersterblichkeitsraten der Welt hat. Sie liegt deutlich niedriger als in vergleichbaren hochentwickelten Ländern, in denen die Tötung ungeborener Kinder liberalisiert ist.2

Irland war damit eines der menschenfreundlichsten Länder der Erde, in denen ungeborene Kinder geschützt waren und ihr Leben nicht von Abtreibungsärzten bedroht war. Dann trat 2012 der Fall Savita auf und wurde von der Abtreibungslobby sofort als willkommene Gelegenheit erkannt und ausgenützt, um den irischen Lebensschutz zu Fall zu bringen.

Wie stellte sich der Fall laut Medienberichten dar? Savita Halappanavar wandte sich am 21. Oktober 2012 an das University Hospital von Galway. Savita war im fünften Monat (17. Woche) schwanger. Sie klagte über starke Rückenschmerzen und verlangte die Tötung ihres ungeborenen Kindes. Die Universitätsklinik habe ihr geantwortet, daß keine Lebensgefahr für sie gegeben sei, das Herz des Kindes schlage und deshalb eine Abtreibung nicht möglich sei. Dies alles mit dem Zusatz, „das ist ein katholisches Land“. Einige Tage später ist das Kind auf natürliche Weise gestorben. Es wurde eine Fehlgeburt eingeleitet und das tote Kind entfernt. Dabei stellten die Ärzte bei Savita eine Blutvergiftung fest, die am 28. Oktober 2012 zu ihrem Tod führte. Die Abtreibungslobby verbreitete sofort die Behauptung, das irische Lebensschutzgesetz sei Schuld am Tod der jungen Frau und machte aus Savita eine „Märtyrerin“ der katholischen Grausamkeit.3

Ein Fall, der keiner war

Wer das bisher Dargestellte aufmerksam gelesen hat, weiß, daß es einen Fall Savita gar nie gegeben hat. Wenn das Leben der jungen Inderin bereits gefährdet gewesen wäre, als sie mit ihrem noch lebenden Kind ins Krankenhaus kam, hätten die Ärzte ihr bereits nach geltendem irischem Gesetz die Abtreibung nicht verweigert, da diese bei Lebensgefahr der Mutter bereits vorgesehen ist.

Durch ein geschicktes Handeln der Abtreibungslobby, allerdings mit dem Vorteil in den Redaktionsstuben zahlreiche Gleichgesinnte zu finden, wurde der Fall jedoch zum „Skandal“, zur Anklage gegen Irland und seine Rechtsordnung und gegen die katholische Kirche. Die Regierung setzte eine Untersuchungskommission ein, die am 13. Juni ihren Abschlußbericht, den Arulkumaran Report vorlegte.

Der Report stellte fest, daß die Nachricht vom Tod Savitas in Kreisen der Abtreibungsbefürworter zirkulierte, noch bevor er allgemein bekannt wurde.4 In diesen Kreisen wurde die Meldung bereits für eine Instrumentalisierung manipuliert, um sie für eine Abtreibungskampagne auszuschlachten. Die erste Journalistin, die den Fall bekanntmachte, Kitty Holland machte später einen Rückzieher. Anders als in ihrer ersten Aufmachung sei sie keineswegs sicher, ob Savita wirklich im Krankenhaus eine Abtreibung gewollt hat. Weshalb auch die Behauptung, die Abtreibung sei verweigert worden, und die ganze Geschichte überhaupt plötzlich auf wackeligen Beinen stand.5

Die Ärztin Katherine Astbury, die Savita behandelte, sagte vor der Untersuchungskommission aus, daß sie am 22. Oktober tatsächlich mit der Frau über eine Abtreibung gesprochen habe. Das Thema sei nur ein einziges Mal auf Wunsch der Frau angesprochen worden. Die Frau habe sich dabei selbst davon überzeugt, daß keine Gefahr gegeben war. Eine „Verweigerung“ der Abtreibung war daher nicht nötig. Die Ärztin sagte weiter aus, daß sie hingegen dann Meinung geändert habe, als sich der Zustand der jungen Inderin im Zusammenhang mit der Schwangerschaft verschlechterte. Da das Kind aber dann auf natürliche Weise gestorben ist, sei kein Eingriff mehr notwendig gewesen.

Eine Freundin von Savita, Mrudula Vasealli, sagte hingegen aus, sie habe gemeinsam mit Savita eine Hebamme, Anna Maria Burke, gefragt, ob man nicht „etwas machen könne“, um den Herzschlag des Kindes zu beenden. Die Hebamme habe geantwortet: „Wir machen das hier nicht. Das ist ein katholisches Land.“ Burke entschuldigte sich später für ihre Anmerkung, betonte jedoch, daß diese keinen Einfluß auf die medizinische Behandlung der Frau gehabt habe. Insgesamt gab die Universitätsklinik nach heftigen Medienspekulationen eine Erklärung ab, daß man dem Wohl der Patienten unter strikter Einhaltung der geltenden Gesetze verpflichtet ist und die Entscheidungen nicht einem „katholischen Ethos“ außerhalb des Gesetzes folgen.6

Das Ergebnis der Untersuchungskommission

Die Untersuchungskommission kam zum einstimmigen Ergebnis: Savita ist wegen einer tödlichen Infektion gestorben. Mit ihrem Tod haben weder eine angebliche Abtreibungsverweigerung noch der katholische Ethos etwas zu tun.

Die Kommission überreichte der Regierung eine Reihe von Empfehlungen, darunter auch jene, noch genauer zu definieren, wann eine Lebensgefahr für eine Frau gegeben sei. Die Kommission stellte eine ärztliche Nachlässigkeit und eine Nicht-Einhaltung der medizinischen Richtlinien fest. Nicht im Zusammenhang mit dem ungeborenen Kind oder einer möglichen Abtreibung, sondern später bei der Behandlung der Blutvergiftung.7 Eine gesonderte, vom Gesundheitsministerium eingeleitete Untersuchung wird ihren Bericht erst nach der Sommerpause abliefern.

Die klaren Aussagen des Arulkumaran Report hinderten die Medien nicht, mit entsprechenden Schlagzeilen einen ganz anderen Eindruck zu erwecken, als wären die Ärzte im Zusammenhang mit der weiterhin behaupteten Abtreibungsverweigerung schuld am Tod der Frau gewesen.

Dennoch lockern Regierung und Parlament den Schutz des Lebens

In der Zwischenzeit entscheidet das irische Parlament in diesen Tagen über einen Gesetzentwurf, der ausdrücklich die Tötung ungeborener Kinder in bestimmten Situationen legalisieren soll. Die Regierung knickte vor dem medialen und internationalen Druck ein. Bei Selbstmordgefahr soll per Gesetz eine Abtreibung erlaubt sein. Bisher war diese Möglichkeit bereits vorgesehen. Es war jedoch eine Entscheidung der Ärzte erforderlich, die den Zustand der Schwangeren zu untersuchen hatten, nicht die bloße Aussage der Betroffenen selbst.

In der ersten Lesung wurde die Änderung angenommen. Die zweite und letzte Lesung wird in der kommenden Woche erwartet. In jedem Fall sehen Lebensschützer in der Neuformulierung einen viel zu großen Ermessensspielraum und befürchten eine mißbräuchliche Anwendung. Die Rede ist von einem Gummiparagraphen, durch den die Möglichkeit zur Tötung ungeborener Kinder in Irland einreißen könnte. Will eine Frau ihr ungeborenes Kind töten lassen, braucht sie in Zukunft nur erklären, sich das Leben nehmen zu wollen.

Lebensrechtler befürchten zudem, daß das neue Gesetz ein Trojanisches Pferd ist, mit dem eine Bresche in das durch die irische Rechtsordnung geschützte Leben eines jeden Menschen geschlagen werden soll und weitere Schritte zur Abtreibungsliberalisierung folgen sollen.

Der irische Ministerpräsident Enda Kenny erklärte mehrfach, daß das Gesetzesdekret „das irische Abtreibungsgesetz nicht ändern wird“. Die Tötung ungeborener Kinder bleibe in Irland in den meisten Fällen verboten.

Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack darüber, wie ein tragischer Todesfall einer jungen Frau von der Abtreibungslobby für die industrielle Tötung ungeborener Kinder instrumentalisiert wurde. Der Historiker Tim Stanley schieb dazu: „Der gegen die Kirche gerichtete Journalismus ist häufig unverhältnismäßig. Wir können gerne ein kleines Mißverständnis nachsehen, wenn es sich um ein theologisches Thema handelt. In Wirklichkeit riechen wir aber häufig den Schwefelgeruch einer antikatholischen Hexenjagd.“

Und Chile steht gerade am Anfang derselben Inszenierung, die Irland seit dem vergangenen Jahr erlebte.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: UCCR

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Zuwendungsübersicht
  1. N24: Vergewaltigte Elfjährige darf nicht abtreiben v. 06.07.2013 []
  2. The Guardian: Amnesty report condemns US death rates of women in childbirth v. 12.03.2010 []
  3. The Telegraph: On abortion, on homosexuality and on abuse, the mainstream media has it in for the Catholic Church v. 07.12.2012 []
  4. LifeSiteNews: Abortion-promoters knew about Savita case days before media: Leaked e-mail v. 15.11.2012 []
  5. The Telegraph: Doubts over Savita’s tragic death: she may not have been denied an abortion v. 04.12.2012 []
  6. The Irish Times: Catholic ethos suggestion dismissed v. 16.11.2012 []
  7. The Irish Times: Report identifies multiple failures in treatment of Savita Halappanavar v. 13.06.2013 []

1 Comment

  1. Die mörderische Abtreibungs-Lobby kann nur lügen; als Werkzeug des Vaters der Lüge, Satan,ist sie gleichsam dazu „dienstverpflicht. Sie lügt nicht nur ununterbrochen….sie streut auch den Kult des Todes aus….
    nebst Mr. Obama noch ein ganzes Heer an Seelenverschmutzern in gegenseitiger „Unterstützung“; aus einem früheren Bericht bei kath.net:
    -
    „Westliche Regierungen setzen über die UNO lateinamerikanische Staaten unter Druck, ihre Abtreibungsgesetze zu liberalisieren
    Das Druckmittel ist dabei ein UN-Instrumentarium namens “Universal Periodic Review (UPR)“. 
    Es ist ein Dialogprozess zwischen Delegationen verschiedener Staaten zur Menschenrechtssituation in einem bestimmten anderen Staat.“
    Während der letzten drei Jahre haben sich 
    europäische Delegationen vor allem auf lateinamerikanische Staaten konzentriert. 
    Ein vorrangiges Anliegen sind dabei alle Themen um sexuelle und reproduktive Gesundheit. 
    Europäische Staaten haben hier mehrfach Druck ausgeübt, dass ein fehlender Zugang zu Abtreibung eine internationale Menschenrechtsverletzung darstelle.“

    Luxemburg drängt El Salvador, den “Zugang für Frauen zu Rechten und Einrichtungen sexueller und reproduktiver Gesundheit zu verbessern”, 
    Großbritannien verlangt, dass Costa Rica “Frauen mit angemessener Information versorgen soll, wie sie Zugang zu medizinischer Versorgung haben können, inklusive legaler Abtreibung”. 
    Schweden empfiehlt, dass Chile sich mehr bemühen soll, sicher zu stellen, dass “seine Abtreibungsgesetze mit Chiles Menschenrechtsverpflichtungen übereingestimmt werden.“


    So hört es sich an, wenn „humanistische“ Seelenverderber/innen als des Teufels Schergen die Welt mit dem Kult des Todes überziehen wollen…
    und natürlich wie schön zu sehen; alles unter dem Begriff der sog. „Menschen-Rechte“ !?

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