Benedikt XVI. kehrt in den Vatikan zurück – Veröffentlicht Papst Franziskus letzte Enzyklika seines Vorgängers?

Jahr des Glaubens veröffentlicht Papst Franziskus letzte Enzyklika Benedikts XVI. über den Glauben?(Rom) In wenigen Stunden kehrt Benedikt XVI. in den Vatikan zurück. Am Nachmittag tritt er seine voraussichtlich letzte Reise an, die ihn von Castel Gandolfo nach Rom führt. In Rom wird er innerhalb der Leoninischen Mauern seine Unterkunft im Kloster Mater Ecclesiae beziehen. Damit beginnt ein noch nie dagewesenes „Zusammenleben“ zweier Päpste im Vatikan.

Ob es zu einer weiteren Begegnung zwischen ihnen kommen wird, wie jener in Castel Gandolfo? Papst Franziskus könnte seinen Vorgänger jederzeit mit wenigen Schritten durch die Vatikanischen Gärten besuchen. Auf theologischer Ebene hat jedenfalls eine gewisse Zusammenarbeit zwischen den beiden Päpsten begonnen.

Papst Franziskus könnte bald, es heißt noch im Herbst, seine erste Enzyklika veröffentlichen. Wie es scheint, wird dieser der Entwurf zugrunde liegen, den Benedikt XVI. seinem Nachfolger beim erwähnten Zusammentreffen am 23. März auf Castel Gandolfo übergeben hat. Die Geschichte des Entwurfs von Benedikt XVI. für eine Enzyklika über den Glauben ist schnell erzählt.

Die Entstehung des Entwurfs für eine Enzyklika über den Glauben

Mit der Eröffnung des Jahrs des Glaubens im Oktober 2012 übergab der Papst der Sektion für die Glaubenslehre an der Glaubenskongregation seinen Entwurf für eine Enzyklika, die den Glauben zum Gegenstand haben sollte. Der Auftrag lautete, ihn im Licht seiner Ausführungen zum Thema als Papst, aber auch in seinen früheren Büchern auszuarbeiten. Nach einigen Wochen Arbeit übergaben die Theologen ihre Arbeit. Noch nicht damit zufrieden, schickte sie Papst Benedikt XVI. mit Anmerkungen für eine erneute Bearbeitung zurück. Die zweite Überarbeitung der Kongregation wurde dem Papst knapp einen Monat vor seinem Amtsverzicht übergeben.

Die Sektion für die Glaubenslehre an der gleichnamigen Kongregation wird seit 2009 von Pater Hermann Geißler geleitet. Der 48jährige Tiroler Priester gehört der im österreichischen Bregenz am Bodensee beheimateten Gemeinschaft Das Werk an, der auch Leo Kardinal Scheffczyk verbunden war. Pater Geißler verdankt seine Priesterausbildung dem früheren Regensburger Bischof Rudolf Graber und dessen Priesterseminar Collegium Rudolphinum in Heiligenkreuz bei Wien, wo er an der philosophisch-theologischen Hochschule der Zisterzienserabtei studierte. In Rom setzte er anschließend seine Studien fort, wo er 1991 an der Lateranuniversität über Kardinal John Henry Newman promovierte und im selben Jahr zum Priester geweiht wurde. Nach zwei Jahren in der Pfarrseelsorge in Bregenz wurde Pater Geißler 1994 an die Glaubenskongregation berufen, wo er seit einigen Jahren als Sektionsleiter eine der drei Abteilungen der Kongregation leitet.

Den Entwurf für die Enzyklika führte Benedikt XVI. am 28. Februar im Gepäck mit nach Castel Gandolfo. Offensichtlich zufrieden mit der von der Sektion für die Glaubenslehre geleisteten Arbeit und den letzten von ihm selbst vorgenommenen Ergänzungen übergab er die druckfertige Enzyklika seinem Nachfolger mit dem Hinweis, daß es nun Papst Franziskus zustehe, zu entscheiden, was mit dem Entwurf geschieht.

„Lehrmäßig einwandfreie“, druckfertige Enzyklika an Papst Franziskus übergeben

Im Vatikan heißt es, daß der Text vollständig und durch und durch ratzingerianisch ist. „Er ist lehrmäßig einwandfrei und gut gemacht“, wie der Vatikanist Paolo Rodari seine Quelle an der Glaubenskongregation zitiert.

Der Glauben war das zentrale Thema des Pontifikats von Benedikt XVI. „Wo Gott ist, da ist Zukunft“ lautete 2011 nicht von ungefähr das Motto seines dritten Deutschlandbesuchs. Im Mittelpunkt stand mit einer geistigen Großanstrengung das Bemühen den modernen Menschen an Gott anzunähern. Ein Bemühen das jedoch immer auch die Kirche betraf aus dem Wissen heraus, daß die Krise der heutigen Kirche „eine Krise des Glaubens ist“. Benedikt XVI. war bewußt, daß in Teilen der Kirche der Kompaß nicht mehr die richtige Richtung anzeigt, weil sie das Einmaleins des Glaubens nicht mehr wirklich beherrschen. Die den Kardinaltugenden gewidmeten Jahre sollten, so die Intention des Papstes, im dritten und letzten Jahr des Glaubens, diesen stärken, aber auch auf den Mangel hinweisen.

Nun liegt die Enzyklika in der Hand von Papst Franziskus. Eine Veröffentlichung wird noch in diesem Jahr für möglich gehalten. Welche Änderungen der Papst daran vornehmen wird und wie umfangreich diese sein werden, ist noch nicht abzusehen.

Benedikt XVI. kehrt mit seinen Bücher in den Vatikan zurück, nicht allen, aber einem Großteil. Ein kleiner Teil wurde dem Päpstlichen Geheimarchiv übergeben. Für das ehemalige Kirchenoberhaupt wurde im Kloster eine Bibliothek und ein Studierzimmer geschaffen, was unter anderem die Umbauarbeiten nötig machte, die einen sofortigen Einzug verhinderten.  Ob es über diese Enzyklika hinaus noch weitere indirekte Formen der „Zusammenarbeit“ zwischen den beiden Päpsten geben wird, ist schwer abschätzbar und scheint nicht besonders wahrscheinlich. Tatsache ist, daß Benedikt XVI. in seiner klösterlichen Abgeschiedenheit mit seinem theologischen Sachverstand für eventuelle Anfragen seines Nachfolgers bestens gerüstet ist.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Amici Benedetto XVI.

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34 Comments

  1. Am Abend des 28. 02. 2013 endete das Pontifikat Benedikt XVI. Von ihm kann keine Enzyklika mehr veröffentlicht werden. Ein Notstand, der die Veröffentlichung der fertig verfassten Enzyklika verhindert hätte, bestand definitiv nicht.
    Jede Enzyklika seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus hat allein ihn zum Autor. Wenn er seinen Vorgänger als ‚Quelle‘ benutzt, ändert das nichts an dem Tatbestand.
    Oder haben wir uns jetzt an ein Papstkollegium zu gewöhnen? An eine Doppelspitze? Der eine ist für die Werbung, für die Medienarbeit zuständig, der andere für die Theologie.
    Unmöglich scheint in Rom nichts mehr.

    • Keine schlechte Idee. Beide wären für die jeweiligen Aufgabe absolut passend. Ich glaube aber nicht, dass Franciscus der naive ungebildete Mensch ist, der in diesem Blog so oft beschworen wird. Er ist in erster Linie Jesuit und als solchen sehr, sehr gut ausgebildet. Er weiß sehr genau was er tut und wenn er sich entscheidet Teile der nicht veröffentlichen Enzyklika von Benedikt einzuarbeiten ist das seine Entscheidung…….und die vom Benedikt (der wird kaum das Copyright einklagen). Ein Papstkollegium ist eine wunderbare Vorstellung, nur wie ist es dann mit „ex cathedra“??? Mein Tipp, haltet es mit Johannes 23: „wenn ich unfehlbar bin, wenn ich „ex cathedra“ spreche, spreche ich nicht „ex cathedra“. Wir haben kluge Päpste……

  2. Soviel zum Thema langgeplanter Papstrücktritt…
    Da übergibt der Papst Benedikt seine fertige und thematisch so überaus wichtige Enzyklika dem Nachfolger, der daran nun nach Gusto herumschnipseln und sich schlussendlich mit fremden Federn schmücken kann. Die Gläugigen erhalten dann einen raze-bergoglionischen Mischmasch und jeder kann sich wieder heraussuchen, was ihm passt. Das wird gefallen!

  3. Warum regen sich die Leute denn so auf, wenn es wirklich so wäre? Wäre es wirklich soooo entsetzlich wenn Papst emeritus Benedict XVI noch mal so etwas wie eine Enzyklika veröffentlichen würde? Das kann doch nur förderlich sein. Einen Theologen wie unseren Altpapst gibt es eben sobald nicht mehr. Ich hoffe, daß er noch lange lebt. Und eine katholische „Doppelspitze“ – hat doch was. Oder?

    • Ganz Ihrer Meinung, Regina. Nur, dass ich das nicht Doppelspitze nennen würde. Es gibt nur einen amtierenden Papst. Benedikt wird klug genug sein, sich zurückzuhalten, und Franziskus, ein ausgewiesener „Team-Player“, wird klug genug sein, seinen Vorgänger zu konsultieren, wo es ihm angebracht scheint. Das kann und sollte abseits der öffentlichen Wahrnehmung geschehen. Da die beiden völlig verschiedene Charismen haben, wäre diese bedingte Komplementarität gewiss zum Nutzen der Kirche. Man hat sich in letzter Zeit an so viel Neues gewöhnen müssen, dass dies einen nun wirklich nicht mehr umwerfen kann.

      • Die Anwesenheit zweier Päpste im Vatikan ist in der Kirchengeschichte absolut beispiellos und wirft theologische Probleme auf, die offenbar noch nicht richtig zu Ende gedacht worden sind. Kann – darf es denn überhaupt einen Papa emeritus geben? Es gibt emeritierte Bischöfe, Professoren etc. Ein emeritierter Bischof von Rom? Meinetwegen ja! Aber ein emeritierter Papst? Nein, das kann nicht sein. Ich sehe das Papstamt durch den Rücktritt Benedikts XVI. beschädigt. Schon wird der Ruf laut, den Titel „Stellvertreter Christi auf Erden“ abzuschaffen, so jüngst der Münchner Dogmatiker Stubenrauch. Ist das nicht ein direkter Angriff auf den päpstlichen Primat. Und Franziskus scheint ja auch keinen besonderen Wert auf diesen Titel zu legen. Wo soll das alles nur enden?

      • Umwerfen würde es einen nicht mehr, inzwischen ist wohl nichts mehr unmöglich, aber ob es gut wäre?

        Diese Situation hat es noch nie gegeben, man muss abwarten, wie sich das entwickeln wird.

      • Da wird sich gar nichts „entwickeln“. Ratzinger wird komplett im Off verbleiben, er wird seinen Nachfolger weder zu beeinflussen versuchen noch würde dieser das mit sich machen lassen. Mag Prof. Ratzinger sich aus unerfindlichen Gründen „Papa emeritus“ nennen lassen, wir haben nur einen Papst, Franziskus. Etwas anderes ist auch eine unmögliche Möglichkeit.

      • Ratzinger könnte aber Einfluss auf Papst Franziskus nehmen, das habe ich gemeint und dabei wäre mir nicht wohl.

      • Da müssen Sie sich nicht sorgen. Ratzinger ist inzwischen so geschwächt, daß er weder physisch noch psychisch noch in der Lage ist, seinen Nachfolger irgendwie einzunorden. Selbst wenn er dieses wollen würde, was bezweifelt werden darf. Und wie gesagt, Franziskus der Grosse wäre der Allerletzte, der solches mit sich machen liesse.

      • Da haben Sie ja interessante Insiderinformationen geoffenbart, werter Dunkelkatholik. Ist Ihnen zufällig auch bekannt, ob von offizieller oder inoffizeller Seite dem plötzlichen physischen und – wie sie interessanterweise behaupten – psychischen Verfall unseres vielgeliebten Heiligen Vaters emeritus ein wenig nachgeholfen wurde?
        Ach, und den Titel „der Grosse“ haben Sie unserem demütigen Franziskus nach gut einem Monat Bischof-von-Rom-Sein (wohlgemerkt: ich sage nicht Spielen!) auch schon zugedacht! Darf ich Sie ganz ohne Anflug von Häme fragen, ob Sie sich geistiger Gesundheit erfreuen? Oder leiden Sie seit dem 13. März an einer besonders ausgeprägten Form von Bergogliomanie?

      • Das ist die Frage der Fragen! Jetzt wird mir einiges klarer! – Die Bergogliomania muss mit hellseherischen Fähigkeiten verbunden sein – der Herr kennt sich in meinem Innenleben so gut aus, dass ich immer wieder staune und mich über meine mir bis dato unbekannte Doppelnatur wundern darf. Vielleicht ist es auch die Bergogliomanipuliomania?

  4. Unangenehme Vorstellung, dass da an einer fertigen Enzyklika, die es, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr vor dem 28.2.2013 an die Öffentlichkeit geschafft hat (?!), womöglich herumgeschnipselt oder herumgedoktert werden könnte…
    Gab es nicht schon Ärger wegen der Enzyklika „Spe salvi“ anno 2007? Zu kritisch gegenüber der säkularen und gottfreien Demokratie, zu sehr auf die Notwendigkeit einer fest verankerten christlichen Deutung der Lebensvollzüge fixiert etc. Zweifel daran, dass man eine Gesellschaft, die Gott ausschließt aus ihrer Verfassung dauerhaft menschlich halten kann… war es nicht so?

    Spräche etwas dagegen, dass Benedikt den als Enzyklika geplanten Text einfach als ganz normalen theologischen Text aus seiner Feder veröffentlicht? Weiß da jemand etwas?

    Manche, sehr kluge Kommentatoren hier, haben schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass das Problem der nachkonziliaren Kirche der fast völlige Verlust jedes übernatürlich-eschaologischen Denkens ist. Ohne dies ergibt der christliche Glaube keinen Sinn mehr und es ist ehrlicher, agnostischer Philosoph zu werden.

    Nur, wo traditionell geglaubt wird, wächst etwas – vgl. auch den Artikel heute über die Franziskaner der Immakulata.

    Wer Glauben hat, der Berge versetzen könnte, aber keine Liebe, klingt nach Blech – frei nach Paulus. Darauf berufen sich die Eschatologie-Verweigerer. Klammheimlich wurde aus christlicher Liebe in der glaubensfreien klerikalen Zone autoritäre Sentimentalität. Ob daher die Liebe, die Caritas, von der Paulus sprach, ohne rechten Glauben und rechte Hoffnung überhaupt möglich ist?

    Wer spricht mit Autorität und im vollen Einklang mit dem depositum fidei aus, was rechter Glaube ist? Mit Autorität wohlgemerkt, eben nicht im autoritären Stil des Ungehorsams, der die Achtung vor dem Amt umkehrt in Ansehen der Person und Klerikalismus oder womöglich akademischen Dünkel, der nach erhaltenen Preisen oder Zensuren und nicht mehr nach Wahrheit fragt…

    • „Wer Glauben hat, der Berge versetzen könnte, aber keine Liebe, klingt nach Blech – frei nach Paulus. Darauf berufen sich die Eschatologie-Verweigerer. Klammheimlich wurde aus christlicher Liebe in der glaubensfreien klerikalen Zone autoritäre Sentimentalität. Ob daher die Liebe, die Caritas, von der Paulus sprach, ohne rechten Glauben und rechte Hoffnung überhaupt möglich ist?“
      +++
      Haben Sie in dem Zusammenhang schon die heutige Tagespille von F. genossen?
      http://www.kath.net/news/41154

      Der päpstliche Gedanke, das unser „Nein“ zu diesem und jenem eine Folge des „Ja“ ist, das in der Liebe Christi bleibt, gefällt mir allerdings außerordentlich. So muss man auch das „Nein“ Erzbischof Lefebvres verstehen. Ob das der Papst allerdings genauso sieht und nun alles in seiner Macht stehende anordnet, um den Heiligen Geist für seine „zweite Arbeit“ freie Bahn zu schaffen (Stichwort: „das Experiment der Tradition wagen“/siehe Lefebvre-Zitat im Vorwort Mitteilungsblatt der FSSPX, Mai 2013, Nr.412, S. 2), auf dass uns der Heilige Geist anhand der Früchte zeige, welcher Weg der richtige für die Kirche ist!?

      • Tja…danke für den Hinweis auf die neueste Pille… Wann weiß ich, welches „Nein“ jetzt ein „Nein“ ist, das aus dem „Ja der Liebe“ kommt?
        Bei F. gibt es gutes und böses „Nein“.
        Lieber Hic est hodie – dieses F.-Pillen-Doping geht aufs intellektuelle Leistungsvermögen und macht mich scheu, diesmal gegen die katholischen „Puritaner“ und „Para-Evangelikalen“. Jetzt wissen Sie’s: Lefebvre war ein Para-Puritaner, ein neinsagender Guerilla ohne umgreifendes Ja. Zing, pifffpaff, erwischt! Ja, ja, das ist es – Moment, nein, äh ja, halt doch, diesmal ein gesundes „Nein“ wegen des liebevollen „Ja“ zu den Pius-Puris, jajaja und deswegen aus lauter Liebe neinnein. Nein, bzw. ja, oder doch umgekehrt? Also ich meine doch ein reines Nein ohne Ja drumherum, das ist der Fehler der Pius-Puris, und den machen wir natürlich nicht, neinnein, ja genau…

        Wochen später:

        Jesus hat gesagt, man könne an den Früchten erkennen, wo der Hl. Geist wirkt… Und unser Ja sei ein ja und unser Nein ein Nein.

        Ja, Sie haben recht. Ja Ja Ja!

  5. Streng genommen müßte Benedikt XVI. nach seinem Rücktritt wieder das sein, was er vorher, nämlich Kardinal. Das dem nicht so ist, lädt zu Spekulationen ein.

    • Streng genommen ist das Unfug. Er ist kein Kardinal mehr, seit er zum Papst gewählt wurde. Seine Titelkirche hat ein anderer Kardinal erhalten – soll der sie jetzt wieder abgeben? Kardinal ist mehr als ein rotes Mäntelchen…

      • Als „emeritierter“ Papst weiterhin das Privilegium des päpstlichen Habits zu haben, finde ich ebenfalls sehr ungewöhnlich. Das ist außerdem kein sehr zurückgezogenes Leben, das Benedikt XVI. im Herzen des Vatikan führen kann. Ich bin erstaunt. Wenngleich nicht unbedingt Montecassino, so zumindest einen völlig anderen Ort, entfernt von seiner päpstlichen Wirkungsstätte. Wäre es schlimm gewesen, wenn er sich für das Braum der Franziskaner oder das Schwarz eder Benediktiner entschieden hätte?

      • Gewisse Unterschiede gibt es schon: Benedikt trägt nur noch einen lose fallenden weißen Talar, ohne Zingulum und ohne Mozetta, dazu braune Halbschuhe.

        ich hätte es allerdings auch besser gefunden, wenn er z.B. einen schwarzen Talar tragen würde und wenn er seinen Ruhesitz außerhalb des Vatikans genommen hätte.

        Z.B. in einem Kloster in Bayern.

      • In der Tat, da haben Sie Recht. Da Ratzinger nur Weltpriester und kein Ordensmann ist, wäre der braune oder schwarze Ordenshabit für ihn natürlich nicht in Frage gekommen. Aber konsequent wäre es gewesen, wenn er wieder den normalen Anzug aus seiner Professorenzeit mit Kollar angezogen hätte. Dass er sich immer noch in der päpstlichen Soutane bewegt, lädt allerdings zu gewissen Spekulationen ein. Dominikaner ist er ja auch nicht. Wenigstens hat er die roten Schühchen entsorgt. 🙂 Und Franziskus ist so sturmfest und erdverwachsen, demm ist das wurscht, ob der sog. „Papa emeritus“ ein paar Schritte weit weg an der vatikanischen Maier oder auf dem Montecassino seinen Lebensabend verbringt

      • Und stellen Sie sich einmal vor, Papst Benedikt wäre nicht zurückgetreten (worden?), dann müssten sich der Vatikan und wir Gläubigen nicht mit diesen leidigen Problemfragen (Wohnsitze, Titel, rote Schuhe, Papastinsignien ja oder nein) herumschlagen, unser Si,si-No,no-Bergoglio-Neupapst hätte seine Tage friedlich am Ende der Welt beschließen können, wo seine Erdverwachsenheit einen gewissen sinnstiftenden Zweck erfüllt haben würde und wo er eventuell sogar noch einmal eine zweite Chance erhalten hätte, die von Ihnen attestierte Sturmfestigkeit – beispielsweise unter einer neuen Militärjunta – unter Beweis zu stellen. In summa: es wäre für ALLE Beteiligten ein Segen gewesen, wenn es diesen Papstrücktritt NIE gegeben hätte.

    • Immerhin wird dadurch quasi der „character indelebilis“ des Papstamtes betont. Papstsein ist halt mehr, als nur Bischof von Rom zu sein. Papst bleibt man für Zeit und Ewigkeit. Ein Rücktritt vom Papstamt ist deshalb in der Tat nur in ganz schwerwiegenden Ausnahmefällen möglich und theologisch im Grunde eine vollkommen unausgegorene Sache.

      • Wo bitteschön finden Sie den angeblichen „character indelebilis des Papstamtes“ belegt? da wäre ich neugierig, die Belegstelle genannt zu bekommen. Ein Papst wird nicht geweiht., er befindet sich also gegenüber dem dreifach gegliederten Weiheamt nicht in einem ontologisch höheren Status. Also ist das „Papstamt“, im Unterschied zum Bischofsamt, funktional, nicht sakramental. Konkret gesagt: Der Bischof von Rom ist dies nicht, weil er Papst ist, sondern der Papst ist Papst, weil er Bischof von Rom ist. Insofern ist es theologisch und kirchenrechtlich völlig richtig, daß der Papst von sich selber immer als „Bischof von Rom“ spricht. Was übrigens auch Benedikt XVI. stets getan hat.

      • Ach, da bitte ich um Ihre Hilfe, ist das Papstamt tatsächlich unlösbar mit dem Amt des Bischofs vom Rom verknüpft? Hätte dies dann zur Folge, wenn Rom beispielsweise unter die Herrschaft der Muslime fiele und unterginge, würde es dann keinen Ppast mehr geben, bzw. würde sein Bischofamt zur reinen Titulatur? Ist mit der Krönung des Papstes, der Wahl eines neuen Namens, seiner dreifachen Regentschaft und seinem umfassenden Jurisdiktionsprimat nicht auch eine ontologische Veränderung verbunden? Welchen dogmatischen Verbindlichkeitsgrad beansprucht Ihre rein funktionale Sicht auf das Papstamt?

      • Der Papst wird schon lange nicht mehr „gekrönt“ sondern feierlich in sein Amt eingeführt.

      • Das Papstamt ist entweder sakral oder banal. Wie soll denn ein Funktionär das Heil der Seelen in den Händen halten? Schon mal was von Binde- und Lösegewalt gehört?

      • Das Papstamt ist wie jedes geistliche Amt natürlich sakral und nicht banal. Aber es ist nun einmal nicht sakramental Oder haben Sie Belege, daß ein Papst jemals als solcher geweiht worden ist. Nach dem Kirchenrecht kann ja jeder männliche getaufte Katholik zum Papst gewählt werden. Nach erfolgter Wahl würde er natürlich geweiht aber eben „nur“ zum Bischof, mitnichten zum Papst. Ergo ist das Papstamt funktional, das des Bischofs von Rom sakramental. Und was den „umfassenden Jurisdiktionsprimat“ angeht: so ontologisch kann der nicht sein, sonst gäbe es ihn seit Anbeginn, statt erst seit 142 Jahren. Die Kirche ist 1871 Jahre ganz gut ohne ausgekommen. Also: worin soll die „ontologische Veränderung“ liegen, die einer durch seine Wahl zum Papst erfährt?? Zu einer ontologischen Veränderung gehört eine Konsekration. Wie wird ein Kardinal Papst zum Papst konsekriert?? Hab ich noch nie gehört.

      • Ihn gab es eben nicht erst seit 1871, das ist Quatsch! Das Konzil hat nicht „Wahrheit geschaffen“, sondern bloß festgestellt und explizit formuliert, was wahr ist und schon immer war. – So hat nicht etwa das IV. Lateran-Konzil „die Wesensverwandlung erfunden“, sondern bloß festgestellt, daß diese schon immer Glaube der Kirche war & immer sein wird. – Es ist also zu unterscheiden zwischen der Wahrheit selbst und der Erkenntnis & Feststellung dieser – zeit-invarianten – einen Wahrheit.

      • Es wäre ja auch ziemlich grotesk, zu behaupten, die Gravitationskraft zweier Massen sei „erst seit Newtons ‚Principia Mathematica‘“ proportional zum reziproken Abstandsquadrat dieser Massen …

      • Mit diesem pseudo-Einwand glauben heute ja auch viele, den frühen trinitarischen bzw. christologischen Konzilien bzw. Dogmata „begegnen“ zu können; nicht erst seit Nikäa / Konstantinopel / Chalkedon ist Jesus von Nazareth
        - identisch mit dem einziggeborenen Sohn Gottes, dem Logos, der zweiten Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit;
        - wesensgleich mit dem Vater;
        - wahrer Gott und wahrer Mensch. -
        Diese eine, ewige Wahrheit wird auch nicht im Geringsten etwa dadurch „geschmälert“, daß es – kontingenterweise – nun mal Kaiser Konstantin der Große war, der das 1. Konzil nach Nikäa einberief …

      • Ja, ich muss Ihnen da leider widersprechen. Der Jurisdiktionsprimat beruht auf wahrhafter bischöflicher Gewalt. Dies impliziert, dass der Papst nicht einfach nur Bischof von Rom, sondern, aufgrund seines umfassenden Primates, auch Universalbischof der Gesamtkirche ist. Als solcher spricht er ex cathedra unfehlbar. Als Bischof von Rom besitzt er diese Unfehlbarkeit nicht. Seit apostolischen Zeiten wird zwar die Lehr- und Leitungsautorität für die Gesamtkirche den Bischöfen von Rom als natürliche Nachfolger des Heiligen Petrus zugesprochen und das I. Vatikanum definierte es daher logischerweise als „de fide“, dass die Nachfolger des Petrus im Primat die römischen Bischöfe sind, auf welchem Rechtstitel diese Verbindung allerdings beruht, wurde nicht definiert. Eine Trennung des Primates vom römischen Bischofsstuhl ist daher im Bereich des Möglichen. Man sieht hieran, dass das Papstamt eine eigene Qualität besitzt, die im Jurisdiktionsprimat begründet ist, der den Papst wesentlich von anderen Bischöfen unterscheidet. Insofern kann ein Papst emeritus niemals wieder einfacher Bischof oder gar Professor sein. Charakter indelebilis hin oder her – der Vatikan sieht es offenbar ähnlich, sonst hätte man Benedikt diese Privilegien nicht zugestanden.

  6. Das Amt des Papstes ist gebunden an die besondere Aufgabe, die dem Apostel Petrus von Jesus Christus selbst verliehen wurde. Weil das Wirken dieses Apostels in Rom seinen Höhepunkt fand, gerade im Martyrium, ist der Papst immer auch der Bischof von Rom.
    Benedikt XVI. hat – richtig – meistens von sich als Nachfolger des Apostels Petrus gesprochen, öffentlich, auch vor Staatsoberhäuptern, bei allen öffentlichen Gelegenheiten. Mit ‚Bischof von Rom‘ bezeichnete er sich nur dann, wenn es angebracht war, wenn er sich ausschließlich an den römischen Klerus wandte, an „seine Römer.“
    Demonstrativ hat Papst Franziskus gegen dieses bis dahin gültige Amtsverständnis verstoßen, als er sich nach seiner Wahl der Weltkirche, ja, der Weltöffentlichkeit, als „Bischof von Rom“ vorstellte, sein Amt nicht mehr mit der Nachfolge des Apostels Petrus verband, das nur weltweit zu verstehen ist.
    Er ist zu klug, als dass er nicht gewusst hätte, was er tat.
    Es gibt nur EINEN Nachfolger des Apostels Petrus, Benedikt XVI. ist es seit seinem Rücktritt nicht mehr. Man mag das bedauern, darunter leiden, aber es ist hinzunehmen. Alles andere beschädigt das Amt des Papstes.
    Eine „MISCH-ENZYKLIKA“ , teils Benedikt, teils Franziskus, wäre für das Papstamt fatal. Allein, dass diese Möglichkeit ins Gespräch gebracht wird, zeigt, wie heruntergekommen das Amt des Papstes bereits ist.
    Noch erschreckender ist,dass die überwiegende Mehrheit der praktizierenden Katholiken sich nicht mehr daran stört. Schlimmer noch: Dass selbst die Leitung der FSSPX sich weitgehend zu dem „neuen Stil“ in Schweigen hüllt, so, als sei das alles ganz normal, was sich in Rom vor aller Augen abspielt.
    Vielleicht ist das ja auch normal, vielleicht ist Bischof Fellay einfach nur zeitgemäß, wenn er die überwältigende Zustimmung teilt, die Papst Franziskus entgegengebracht wird. Während eine völlig unbedeutende Kommentarorin in die Tiefen der Vergangenheit gesunken ist und es noch nicht mal merkt…

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