Symbolhafter Abbruch einer Kirche im "Jahr des Glaubens"

Abbeville_Saint-Jacques(Paris) Im „Jahr des Glaubens“ wurde in der französischen Stadt Abbeville in der Picardie Anfang April die Kirche Saint Jacques d‘Abbeville abgebrochen. Die Kirche stammte aus dem 12. Jahrhundert. Nach mehreren Um- und Neubauten 1482 und 1737 wurde die Kirche zwischen 1868 und 1876 nach den Plänen des Architekten Victor Deleforterie im neugotischen Stil neu errichtet. Abbeville gehört zur Diözese Amiens. Die Kirche, die im Zweiten Weltkrieg unbeschädigt blieb, wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht ausreichend instandgehalten. Nach ersten Witterungsschäden 2005 schritt der Verfall schnell voran.

Die seit 2008 regierende Stadtverwaltung erklärte, die notwendigen Kosten für die Renovierung nicht aufbringen zu können und beschloß den Abbruch der Kirche aus Sicherheitsgründen. Ein 2010 gegründeter Verein zur Rettung der Kirche konnte die Stadtregierung nicht mehr umstimmen. Am 31. Januar 2013 ordnete Bürgermeister Nicolas Dumont den „präventiven“ Abbruch an, um einer Gefährdung durch herabstürzende Teile der Kirche vorzubeugen. Der Gemeinderat stimmte dem Abbruch am 7. Februar zu, dessen Kosten mit 350.000 Euro veranschlagt wurden.

Am 15. und 16. April wurde die Kirche Saint Jacques abgebrochen, da Geld und Wille zu ihrer Erhaltung fehlten. Die Zerstörung der Kirche, die mit Blick auf den Zustand der Kirche auch symbolisch gedeutet werden kann, wurde auf Video festgehalten (Video 1, Video 2, Video 3).

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons

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10 Kommentare

  1. Was hat die Überschrift mit dem Artikel zu tun? Alle Gebäude werden irgendwann mal baufällig. Auch der alte Petersdom wurde im 16./17. Jahrhundert abgerissen!

    • Der Abbruch eines schönen, alten, wenn auch baufälligen Gotteshauses tut dem weh, dem Kirche Heimat ist.
      Wenn das Elternhaus abgerissen wird und sei es auch noch so alt, bleibt kaum eines der Familienangehörigen unberührt, weil dieses Haus dem Herzen sehr viel mehr ist als nur ein Steingebäude.
      So ist es auch mit einem Kirchengebäude. Es ist den „Glaubenskindern“ mehr als nur ein x-beliebiges Haus aus Stein.
      Ob großartige Kathedrale, ob einfache Ortskirche oder kleine Kapelle:
      Das Niederreißen ist ein Verlust und lässt einen gläubigen Menschen nicht unberührt.
      Da die Kirche eine immer geringere Rolle im Leben der Menschen zu spielen scheint, ist das schon ein aussagekräftiges Symbol.

    • Lieber Vincentius, manche Leute stören sich halt daran, wenn Kulturdenkmäler, hier besonders, Sakralbauten einfach so zerstört werden. Im übrigen ist das Nr 1 Merkmal atheistischer, totalitärer Systeme, daß diese Sakralbauten entweder zur Ställen, Magazinen o.ä. umfunktionieren oder gleich ganz abreissen. Und der Petersdom wurde an alter Stelle prächtiger neuerbaut als jemals zuvor. Na, merken Sie den Unterschied, lieber Vincentius?

      • Dieser „Bau“, wie sie ihn bezeichnen, war eine geweihte katholische Kirche, lieber Vincentius. Und es ist ein himmelweiter Unterschied ob man einen baufälligen „Bau“ abreißt, oder eine Kirche. Punkt.

      • Unter dem Vorwand, ein Gebäude sei baufällig, wurden in den kommunistischen Diktaturen ebenso wie im kapitalistsichen Westen wertvolle Kulturdenkmäler aus ideologischen Gründen oder aus reiner Profitgier abgerissen. Eine aus massivem Stein erbaute Kiche wie die hier genannte ist in ihrer Substanz nicht gefährdert, nur weil es ein paar Jahre hineingeregnet hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg warden die romanischen Kirchen Kölns – um nur ein Beispiel zu nennen – teilweise jahrzentelang der Witterung ausgesetzt und in ihrer Substanz dennoch sicher genug, um wieder aufgebaut zu werden. Das Argument mit der Baufälligkeit ist eines der scheinheiligsten und verlogensten, die es gibt. Nein, dieser Abriss ist Ausdruck eines Kulturkampfes und mit dem Abriss von Alt-St. Peter wirklich nicht zu vergleichen. Hier geht es um reine Ideologie! Und es ist beschämend für eine Kultur, die – ganz gleich, ob religiös oder laizisitsch – die Zeugnisse ihrer geistigen und religiösen Tradition nicht mehr zu würden weiß.

  2. Die alte Angst der Asterix-Gallier, der „Himmel könnte ihnen auf den Kopf fallen“ – das spricht auf einem der Filmchen ein Anwohner aus. Immer wenn ein Haus abgebrochen wird, wenn Bäume gefällt werden, in deren Gegenwart man jahrelang lebte, erdrückt einen das Gefühl, „entkleidet“, beraubt worden, plötzlich schutzlos zu sein.
    Bei einer geweihten Kirche muss das noch viel schlimmer sein, dieses Gefühl – Gott sei Dank habe ich das noch nie erlebt.
    Man könnte natürlich ein Gefühl gewonnener Freiheit für Neues empfinden.
    Wenn wir wüssten, es entstünden neue Kirchen, es gäbe eine Neuevangelisierung… aber dürfen wir diese Hoffnung derzeit haben?
    Wenn ich die Vorgänge in Europa beobachte, habe ich eher den Eindruck, dass die „ewige Kirche“, die Olivier Messiaen 1932 in einem grandiosen Orgelstück „erscheinen“ ließ („L‘apparition de l‘église éternelle“) nur noch den Augen des Glaubens erscheint, gewissermaßen als divergente innere Schau zu dem, was in unserer Kultur sichtbar geschieht: ja, die Kirche wird äußerlich abgebrochen. Der brutale Bruch mit der Kirche vollzog sich seit Jahrzehnten, auch innerhalb der Kirche. Der Ab-bruch der Kirche ist nun das nächste Stadium.
    Und das macht Ihnen nichts aus, Vincentius – denn abgebrochen wird hier eine Kirche, weil sie nicht mehr „gebraucht“ wird, weil sie sich „nicht mehr lohnt“, weil wir sie uns ökonomisch und aus Sicherheitsgründen nicht mehr leisten können?

  3. Schade, dass sich scheinbar nicht genug Menschen gefunden haben sich für den Erhalt dieser Kirche einzusetzen.

    Wenn wenigstens eine neue gebaut würde, wäre das was, doch wenn schon für den Erhalt der alten nicht genügend Geld vorhanden war…

    Beim Abriss hätten vorher aber die Kreuze entfernt werden sollen, ein Kreuz auf den Boden zu werfen sollte selbst bei einer Kirche die abgerissen wird (aus welchen Gründen auch immer), auf jeden Fall vermieden werden.

    Im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Herrlichkeit.

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