Eine Clerical-Pop Story – Warum die perfekte Eintönigkeit im Jubelchor für Papst Franziskus Zweifel weckt

Franziskus und Benedikt XVI. gemeinsames Bild Ikone der neuen Clerical Pop ArtDer Rechtsphilosoph Mario Palmaro und der Journalist Alessandro Gnocchi beschäftigten sich in der Tageszeitung Il Foglio mit der „perkten Einstimmigkeit“, mit der Papst Franziskus als neuer „Popstar“ am katholischen Firmament (aber nicht nur) gefeiert wird. Sie versuchen in ihrer Analyse dieses „bisher unbekannten“ Phänomens einen Vergleich mit der Popkultur und deren Gesetzmäßigkeiten, ihrem Konformismus, dem Verharren auf der Gefühlsebene und ständiger Grenzüberschreitungen.

Clerical-Pop

von Alessandro Gnocchi und Mario Palmaro

Mit diesem Papst hat ein Chor mit perfekter Einstimmigkeit eingesetzt, der Zweifel weckt. Bei jemandem, der nicht im Chor singt.

In der katholischen Welt ist also der Frieden ausgebrochen. Ausgenommen der eine oder andere physiologische Querkopf, scheinen mit der Wahl von Papst Franziskus I. alle zufrieden zu sein und jeder Widerspruch scheint besänftigt. Ein geradezu einmaliges Ereignis in zweitausend Jahren Kirchengeschichte, wenn man bedenkt, daß das Schöne am leidenschaftlichen Katholischsein, sofern man davon noch sprechen kann, gerade immer handfeste theologische Prügeleien zwischen einer theologischen Schule und einer anderen Schule, zwischen einem Orden und einem anderen Orden, zwischen einem Charisma und einem anderem Charisma waren.

Seit dem 13. März 2013 hat das katholische Volk mit großer Anteilnahme der Welt alle Unterschiede und Streitpunkte und jeden Groll beiseitegelegt, um wie in einem Popkonzert an einer endlosen La-Ola-Welle zu Ehren des neuen Papstes mitzumachen. Alle sind Hauptakteure eines großen Happenings, bei dem, wie bei allen solchen Ereignissen, die Lust dominiert, sich alle gleich zu fühlen, sich mit etwas und mit jemand zu identifizieren, zu vergessen, was man noch bis eine Sekunde vor Kauf der Eintrittskarte war.

Gemeinsame La-Ola-Welle und jeder fühlt sich berufen, „strahlende Horizonte“ für „Kirche von Papst Franziskus“ zu prophezeien

Das genügt schon, daß jeder sich berufen fühlt, neue strahlende Horizonte für die „Kirche von Papst Franziskus“ zu prophezeien. Das alles ohne auch nur einen Erinnerungskrümel an die Dramen, die bis vor kurzem so schwer auf dem Schiff des Petrus lasteten, daß es fast zu kentern schien. Pädophilie, Geschäftemacherei, Sittenlosigkeit, Machtkämpfe, und alles was Benedikt XVI. angeblich zum Rücktritt gezwungen hätte, sind von den Titselseiten der Zeitungen und aus der Gerüchteküche verschwunden: Es gibt sie nicht mehr.

Es genügt schon, wenn man es wagt, ein einfaches „Hoffen wir…“ anzufügen, etwa in der Schlange beim Lieblingsgemüsehändler, wo natürlich auch der antiklerikalste Kunde beteuert, wie sehr ihm dieser neue Papst gefällt, um sich unverhofft auf gefährlichen Abwegen wiederzufinden. Die durch die drei Punkte gekennzeichnete kleine Gedankenpause hinter dem vorsichtig-schüchtern geäußerten „Hoffen wir“ können viele schon nicht ertragen und es braucht nur eine Kleinigkeit, um auf der Anklagebank zu landen mit sofortiger Verurteilung ohne Berufungsmöglichkeit, und zwar im Namen einer Barmherzigkeit und einer Sanftheit, die die katholische Welt  erst jetzt entdeckt zu haben scheint.

Widersprüchliche Konservative, die 2005 Wahl Benedikts statt Bergoglios bejubelten …

Die Widersprüchlichkeit dieser so unversöhnlichen und intoleranten Begierde nach Barmherzigkeit und Sanftheit scheint niemandem aufzufallen. Man ist versucht den Sänger Max Pezzali und die alte Musikgruppe 883 paraphrasierend zu sagen: Das ist das harte Gesetz des Pop. Angesichts der einmütigen Haltung, den Beginn dieses Pontifikats im Zeichen von Widersprüchen zu lesen, die niemanden stören, nicht einmal jene katholischen Köpfe, die unter Benedikt XVI. so sehr die klare Strenge der Vernunft liebten, ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, vom harten Gesetz des Clerical-Pop zu sprechen.

Ein Phänomen neuester Prägung, das, was das Sich-Lustigmachen über das Prinzip der Nicht-Widersprüchlichkeit anbelangt, anderen um nichts nachsteht. Um nur ein Beispiel anzuführen, genügt es an die Scharen von Konservativen zu denken, die sich 2005 im Siebten Himmel fühlten, weil Joseph Ratzinger an Stelle von Jorge Mario Bergoglio gewählt wurde, und die sich nun im Siebten Himmel fühlen, weil Jorge Mario Bergoglio an die Stelle von Joseph Ratzinger getreten ist.

Und wenn es jemand wagt die Einzigartigkeit dieser Einmütigkeit zu analysieren, die so viele Widersprüche in sich birgt, wird ihm sofort das garantiert rostbeständige Argument entgegengehalten, daß über dem Konklave schließlich der Beistand des Heiligen Geistes liegt. Ein Argument, das aber, so unkritisch hingeworfen, nicht erklärt, warum diese Einmütigkeit eben einzigartig ist. Um die Absonderlichkeiten der modernen Welt, ja sogar der katholischen zu verstehen, genügt es nicht nur zerstreut der einen oder anderen Vorlesung in Dogmatik gelauscht zu haben. Es bräuchte zumindest ein wenig von der Erfahrung von Max Pezzali.

Bilder und Schlagworte von Katholiken und Nicht-Katholiken haben sich angeglichen

Vorausgesetzt man war vorher drei Meter über dem Himmel unterwegs, muß man mit etwas Geduld einige Stufen, bis auf die Ebene der Menschen heruntersteigen. Dort angekommen folgt die Entdeckung, indem man sich die Finger mit der Druckerschwärze der Zeitungen schmutzig macht, indem man Internetseiten, Fernsehen und Radio verfolgt, dem Palaver im Kaffeehaus, im Büro, im Hauptschiff der Kathedrale oder in einer abgelegenen Kapelle lauscht, daß Katholiken und Nicht-Katholiken die gleichen Bilder vor Augen haben und die gleichen Schlagworte im Mund führen. Wenige, einfache, absolute, so wie es sich eben gehört für das, was die kollektive Vorstellungswelt formt. Neues Futter für die Gefräßigkeit der Medien, denen man nicht zum Vorwurf machen kann, daß sie fleißig ihrer Aufgabe nachkommen. Wenn man diese unersättlichen Monster füttert, vielleicht in der Illusion, sich ihrer bedienen zu können, endet man damit, von ihnen verschlungen, zerkaut und wieder ausgespuckt zu werden, allerdings so wie es ihnen gefällt, mit einem anderen Aussehen und anderer Natur.

In den 70er Jahren machte der Medientheoretiker Herbert Marshall McLuhan darauf aufmerksam, daß „die entmenschlichte Welt, in der wir leben, eine außergewöhnliche Gefahr für die menschgewordene Kirche“ ist. Oder, daß die von den elektronischen Medien geschaffene Welt „als vernünftig erscheinendes Faksimile des mystischen Leibes, eine betäubende Erscheinung des Antichristen ist. Schließlich ist der Fürst dieser Welt ein großer Elektronik-Ingenieur.”  Aber niemand hörte ihm zu. „Die Theologen haben sich nicht einmal herabgelassen, einen Blick auf ein solches Problem zu werfen“, wie Marshall McLuhan selbst schrieb.

Bild beider Päpste Ikone der Clerical-Pop Art

So wurde aus dem realen religiösen Bild immer mehr eine kollektive Vorstellungswelt, bis sie sich in perfektem Pop-Stil in einer Art von undefiniertem und undefinierbarem universellem Bestreben präsentierte. Die beispielhafte Ikone dieses Ergebnisses ist das Bild der beiden Päpste, Franziskus und Benedikt, einer neben dem anderen. Ein so entfremdendes sichtbares Fragment scheint  ein Werk von Andy Warhol, eine Replik der berühmten Siebdrucke, bei denen sich mehrfach Porträtbilder von Marilyn Monroe oder Mao wiederholen. Andererseits war Warhol sehr religiös, ein so eifriger und fleißiger Pfarrangehöriger, daß er es schaffte, im fernen Jahr 1980 Papst Johannes Paul II. zu treffen.

Abgesehen von der meritorischen Frage, für die Historiker und Theologen zuständig sind, ist der gemeinsame Anblick der beiden Päpste nebeneinander auf der formalen Sprachebene die tragende Säule der bisher ungekannten Einmütigkeit, die Franziskus I. umweht. Im reinsten Pop-Art-Geist, können die beiden Figuren gleichzeitig nach verschiedenen Gesichtspunkten gelesen werden. Von denen eine über die andere gelegt wird, und eine als Negativ der anderen interpretiert werden kann, oder die eine als Abschwächung oder Verstärkung der anderen, aber auch als unterschiedliche Nuancen einer möglichen dritten Figur, und so weiter und so fort. An diesem Punkt wird klar, daß ein irreversibler Mechanismus von Repliken in Bewegung gesetzt wurde, der dazu führt, daß das vorherrschende Bild sich durchsetzt. Und nicht von ungefähr spricht man von einem Bild, denn – einmal soweit – spielt es keine Rolle mehr, ob es sich dabei um die Wirklichkeit handelt.

Franziskus-Verzicht auf traditionelle Gewänder von genialer Funktionalität

Die interessanteste Folge dieses Phänomens ist eine Art von atemlosem Wettrennen, um den Gesten und Worten von Papst Franziskus eine bestimmte Bedeutung zuzuschreiben in der Illusion, damit alle widersprechenden Bedeutungen auszuschließen. Da nur am Bild und nicht an der Realität laboriert wird, wirkt man auf diese Weise lediglich an der Verwirklichung eines kollektiven Opus mit. Wer meint, eine eigene exklusive Interpretation des Pop-Phänomens zu liefern, um es sich zu eigen zu machen, tut in Wirklichkeit nichts anderes als seinen farbigen Pinselstrich dem Bild hinzuzufügen, das wesentlich aussagekräftiger ist als die Summe aller Pinselstriche. So kräftig, daß es sogar ohne den kleinsten Farbtupfer auskommen könnte. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist der Verzicht des neuen Papstes auf die traditionellen Gewänder geradezu von genialer Funktionalität, da diesen Pop-Art-Pinselstriche geradezu zuwider sind. Da macht sich das Weiß viel besser unter dem man im Gegenlicht die schwarzen Alltagshosen erkennt, das so offensichtlich bar jeder Persönlichkeit ist, daß es dazu verleitet, es zu vereinnahmen ohne zu durchschauen, daß man vereinnahmt wird.

Dem was Franziskus I. bisher gesagt, vor allem aber getan hat, eine besondere Bedeutung zuzuschreiben, ist nichts anderes als die Intelligenz im Leerlauf zu gebrauchen aus dem einfachen Grund, weil die Ebenen auf denen man sich bewegt verschieden sind. Der Philosoph und Sprachtheoretiker Lucio Spaziante schrieb in einem Aufsatz „Soziosemiotik des Pop“, der trotz des Titels sehr lesenwert und intelligent ist: „Die Pop-Kultur zeichnet sich als eine Kultur des Machens statt des Wissens aus, wo man, um der Spontanität Raum zu lassen, es vorzieht nicht zu wissen, wo die Praxis mehr zählt als die Theorie. Wer Rockmusik hört, weiß, daß er in jener Welt erstmals Herr eines Territoriums ist. Dort gibt es keine Professoren, nicht Tausende von zu lesenden Büchern, keine Kultur und Politik zu verstehen. Es genügt einen Sänger zu lieben, manchmal zu imitieren, die gleichen mentalen und physischen Kleider anzuziehen und schon erfindet man sich gesellschaftlich neu. Im Pop gibt es keine wirkliche Anstrengung zur Theorienbildung. Damit die Inhalte klar werden, müssen sie extrahiert werden. […] Der Pop schafft den Durchbruch, hier wie anderswo, trotz Sprachbarrieren. Der Grund dafür liegt wahrscheinlich darin, daß der Sinn der Worte das letzte ist, was man erfaßt.“

Nicht Glauben sondern elementares Gefühl ist der Kitt

Diese Dimension des Wortsinns erklärt diesen Wunsch, sich mit den gerade in Mode stehenden Popstars zu identifizieren, auch dem, der gerade in der katholischen Welt aktuell ist. Eine Erhebung in Pfarreien, Gemeinschaften und Bewegungen würde schnell ergeben, daß jeder Gläubige ein eigenes Bild vom Papst hat. Und wenn man der Sache auf den Grund ginge, würde man feststellen, daß der Kitt, der diese Riesenwelle zusammenhält, ein vages, elementares Gefühl ist, das weit, zu weit unterhalb des Glaubens, der Glaubens-  und Morallehre angesiedelt ist.

Das Praktizieren des katholischen Glaubens verlangte jedoch immer den Gebrauch von Intellekt und Willen. Mit dieser anspruchsvollen Askese der Vernunft, zusammen mit dem Gebet und dem Blut der Märtyrer hat die Kirche ihre Kinder aufgezogen und die Welt bekehrt: nicht indem sie für ein Konzert in die Arena ging, sondern um im Namen des Logos den Löwen gegenüberzutreten. „Die Wiege der Kirche“, schrieb Marhall McLuhan, „war das griechisch-römische Alphabet, das nicht vom Menschen, sondern von der Vorsehung entwickelt wurde. Die Tatsache, daß die griechisch-römische Kultur schon immer den Großteil der Menschheit kennzeichnete, der dann christlich wurde, wurde nie in Frage gestellt. Es wird selbstverständlich vorausgesetzt, daß die Missionare ihren Glauben wahrscheinlich vom geschriebenen Wort empfingen.“

Es war Mitte der 70er Jahre, als der kanadische Wissenschaftler diese Anmerkungen verfaßte. Es war das goldene Zeitalter des Pop, den die katholische Welt sich auf dramatische Weise anschickte, sich mit den übrigen vier, fünf Jahren Verspätung zu eigen zu machen.

Der Papst war damals ein Intellektueller erster Güte wie Paul VI. und daher klingt es umso prophetischer und messerscharf was McLuhan am Ende seiner Ausführung anfügte: „Ich wünschte, die Kirche würde mehr über die Geburt der Kirche in der Wiege des griechisch-römischen Alphabets sprechen. Dieses kulturelle Erbe ist unentbehrlich. Das Problem ist, daß sie selber nicht die Antwort kennen: Sie kennen sie wirklich nicht. Es gibt keinen in der Hierarchie, den Papst mit eingeschlossen, der diese Sachen weiß. Niemand.“

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews bearbeitet

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45 Kommentare

  1. Ein Oberhaupt der katholischen Kirche, welches einstimmig von der Meute der internationalen Medien und Presse nicht nur klaglos akzeptiert, sondern auch noch grenzenlos bejubelt wird, sollte jedem gläubigen Katholiken den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Oder wenigstens ein leichtes Magendrücken verursachen.

      • Ist der Papst ein Popstar, daß er gute Publicity braucht? Muß die ganze Welt den Papst nun liebhaben, lieber Vincentius? Hat Jesus auch gute Publicity gebraucht? Hat Jesus auch allen nach dem Mund geredet, damit sie ihm zujubeln und toll finden? Fragen über Fragen…

        • Ich habe nirgends geschrieben, dass Jesus oder der Heilige Vater publicity brauchen. Schaden kann es allerdings der Botschaft vom göttlichen Allerbarmen gewiss nicht.

    • Genau, da haben Sie Recht.
      Wir sind zum Zeichen, dem widersprochen wird, nicht für den Beifall der Welt da.
      Was wenn Franz die Abtreibung anspricht, Disziplin in der Sexualität einfordert, die Homosexualität als Sünde postuliert, den Ehebruch verurteilt und und und.
      Alles (vormals) Katholische Positionen, die durch Verschweigen nicht weg sind.
      Nein, natürlich muß man ihm Zeit geben, aber obs hilft, mal sehen.

      • Unsinn, Christus ist das Zeichen, dem widersprochen wird, nicht wir. Und zwar nicht wegen der Sexualmoral. Darüber hat der Herr erstaunlich wenig gepredigt. Sondern wegen seiner Botschaft von Liebe und Vergebung.

  2. Wirklich ein scharfsinniger Artikel, der einiges erklärt – ich habe mich in den letzten Wochen gewundert, woher dieses einmütige Jubilieren über Franziskus kommt. Wenn ich ehrlich sein soll, beängstigen mich seine täglichen Predigten. Sie sind knallharter, purer Moralismus, haben keinen theologischen roten Faden und offenbaren stattdessen kalten autoritären Stil. Franziskus formuliert Verurteilungen, die weit über das hinausgehen, was das depositum fidei fordert. Beispiel: Die „Verleumdung“, so der Heilige Vater heute, „ist schlimmer als eine Sünde: die Verleumdung ist Ausdruck des Satans“. Also zum Mitschreiben: es gibt Sünden, die so schlimm sind, dass sie schon keine Sünde mehr sind, sondern „Ausdruck Satans“, im Gegensatz offenbar zu „normalen“ Todsünden, die kein Ausdruck Satans sind? Oder wie? Mit solchen Sätzen werden ganz normale Menschen dämonisiert! Die Klatschbase, die hintenherum irgendeinen Unsinn redet, der meinetwegen unangenehme Folgen hat, ist also schlimmer als ein Ehebrecher oder Mörder. Oder wie? Jedenfalls doch schlimmer als ein Sünder nach den Papstworten. – In dieselbe Kerbe haute neulich sein Satz, wer nicht demütig sei, sich nicht selbst erniedrige, sei kein Christ (!). Was soll das heißen? Spricht er damit eine Art Exkommunikation aus? Oder ist das einfach nur so dahingesagt?
    Aber wie auch immer – wenn man die Foren durchforstet: die Leute sind rasend vor Lust über diese krausen und gefährlichen Reden, wirklich fast wie das hysterische Publikum eine Pop-Konzertes.
    Mir wird zunehmend unwohler bei all dem. Ich kann die wahrhaft demütige und sanfte Stimme Jesu darin nicht wirklich hören. Und ich hoffe immer noch, zu erwachen und feststellen zu dürfen, dass ich mich irre!

    • Ich wußte nicht, ob ich über seine „Jeder Christ muß sich erniedrigen“ Predigt lachen oder weinen sollte. Nirgendwo, aber auch nirgendwo in Neuen Testament fordert Jesus Erniedrigung; Demut, Reue, Abkehr von Sünden ja, aber keine Erniedrigung. Jesus selbst wird aber durch andere Kräfte erniedrigt, und wie er erniedrigt wird. Das sollte schon alles sagen.

        • „Wer aber sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“ – Dies ist ein völlig anderer Kontext, hier werden Hochmut und Demut sowie ihre Folgen bzw. Früchte beschrieben. Bei „Jeder Christ MUSS sich erniedrigen“ wie es Papst Franziskus fordert, dagegen geht es um die Erniedrigung an sich, die er zum Zwang macht für das Christsein. Zwei vollkommen verschieden Dinge also.

        • Ich sehe schon, der erste Vorsitzende des Papst Franziskus Fanclubs ist wieder aufgetaucht mit all seinem Cheerleading. Willkommen, lieber Vincentius und viel Erfolg beim Papst bejubeln! Und wenn man schon die Hl. Schrift zitiert, dann sollte man schon verstanden haben, was sie uns sagen will, denn Metaphern und Gleichnisse sind nun mal nicht jedermans Sache.

        • Jesus hat seinen zwölf Aposteln die Füße gewaschen.
          Wäre das Letzte Abendmahl ein Mahl wie jedes andere gewesen, hätte er dazu auch Leute von der Straße gerufen, Krüppel und Bettler und andere, von denen er in der Feldpredigt Luk 6 spricht, auch Frauen, die in seinem Gefolge waren (und die beim historischen Letzten Abendmahl vielleicht im Nebenraum waren), und ihnen die Füße gewaschen. Aber er hat nicht. Und so wie Franziskus mit seiner Aktion etwas ausdrücken wollte (was?), so wollte auch der Heiland mit dieser seiner konkreten Beschränkung auf den Kreis der zwölf Apostel etwas ausdrücken.
          Nun hat Papst Franziskus am Gründonnerstag Jesus Christus offenkundig überboten. Oder wie muss man seine Geste deuten? Denn nicht wir, die wir darüber rätseln, haben diese Geste getan, sondern der Papst war es.
          Da auch der Fußkuss im Bewusstsein der Katholiken und der Menschheit Verschleiß leiden kann, käme als gesteigerte Geste der päpstlichen Selbsterniedrigung (bzw. der Erniedrigung des Christentums vor den nichtchristlichen Weltreligionen – denn darum scheint es hier symbolisch zu gehen) in Frage, dass er am nächsten Gründonnerstag den Füßen der zwölf Apostelrepräsentanten seinen Nacken zum Niedertreten darbietet.

        • Die Fußwaschung ist kein Sakrament, es müssen nicht 12 Leute oder gar Männer sein. Im Abendmahlsaal waren wohl auch die Frauen, die Jesus begleiteten anwesend. Beim Pessachmahl gibt es keine Geschlechtertrennung – und es wäre mir neu, dass Frauen keinen Zugang zur Kommunion hätten.

    • Es ist mein Bestreben zu lernen, Papst Franziskus in seiner Art anzunehmen.
      Noch ist mir das nicht ganz gelungen und ich fühle Vorbehalte ihm gegenüber.

      Im Gegensatz zu Ihnen allerdings finde ich das, was er uns sagt, nicht tadelnswert. Manches davon hat mich beeindruckt.
      Das Thema „Verleumdung“ z.B. ist es schon wert, dass man sich näher damit befasst.
      Natürlich ist Ehebruch schlimm, Mord etwas ganz und gar destruktives.
      Verleumdung jedoch darf man auch nicht unterschätzen.
      Es geht nicht um die Klatschbase. Es kann Schlimmeres aus Verleumdung entstehen. An anderer Stelle habe ich Ihnen darauf geantwortet.

      Es ist seine „Armut“, die mich irritiert. Dass Papst Franziskus ganz persönlich einen einfachen Stil pflegen möchte, nehme ich ihm ab und finde es auch gut.
      Aber Armut zu demonstrieren, indem er beispielsweise auf schöne Gewänder verzichtet – leicht kann echte oder vermeintliche Demut zum Hochmut werden.

      Seine Art, auf andere zuzugehen, kommt an!
      Doch ein freundlicher, unkomplizierter Umgangston ist nicht alles.
      Wenn der neue Papst bemerkt, dass er bei den Leuten „ankommt“, wenn er sieht, dass immer mehr Besucher auf den Petersplatz strömen, kann auch das Grund zum Hochmut werden. Es muss ihm ja nicht einmal bewusst werden.

      Wie wird sein Handeln die Kirche verändern?
      Das frage ich mich und bin unsicher.
      Manchmal hoffnungsfroh und ein andermal skeptisch!

      • Lieber Marienzweig, auch ich habe Ihnen an anderer Stelle geantwortet und sage es noch mal hier: Ich sagte nicht, dass Verleumdung nicht schlimm ist. Es ist ein Verstoß gegen das 8. Gebot. Jeder Verstoß gegen die Liebe ist eine Todsünde, lesen Sie einfach den Katechismus der Katholischen Kirche. Ja, Verleumdung ist eine schwere Sünde, wenn sie in vollem Bewusstsein passiert. Aber sie ist eine Sünde, „mehr“ nicht.
        Der Papst klärt nicht, warum er in dieser Weise moralisiert. Es bleibt dem Hörer überlassen, hier seine aufgestauten Frustemotionen hineinzuprojizieren („Ja, genau, endlich sagt mal einer was gegen….!“). Und dann sind wir so schlau wie vorher. Dass üble Nachrede nicht gut ist, wussten wir auch schon vorher. Was aber folgt nun? Diese rhetorischen Formulierungen des Franziskus sind so gedrechselt, dass auch sehr leicht am Ende jeder, der nicht das von sich gibt, was dem „unfehlbaren“ Papst, der sich eben nicht, wie es normalerweise gilt, sachlich sauber positionieren muss, so ganz unscharf nicht zusagt, als „Verleumder“ mit „mangelder Demut“ dasteht und ihm plötzlich das Christsein abgesprochen wird, wie der Heilige Vater es ja neulich schon verbal ausgetestet hat: Wer sich nicht selbst erniedrigt, ist kein Christ. Das gilt dann für alle, nur für ihn und seine Adlati nicht – solche Befürchtungen steigen mir eben auch auf.

        • Sehr scharf beobachtet. Im Grunde sind solche dämonisierenden Ausgrenzungsmechanismen typisch für eine sich etablierende (Meinungs-)Diktatur.

      • Wollen wir also für unseren Papst beten! Das hat er schon am 13.3. nach seiner Wahl erwünscht. Und auch füreinander – um große Brüderlichkeit!

    • das geht mir nun seit dem 13. März so. Ich mag im Moment nicht mehr an Text schreiben, verfolge aber jeden Artikel hier bei katholischesinfo und melde mich später mal wieder länger. Ich bin tieftraurig und verstehe die katholische Welt nicht mehr, ob so vieler ganz bewußt gewollten Veränderungen des neuen Papstes, der sich doch dadurch selber in Gegensatz zum –von mir so sehr geschätzten –Papst BenediktXIV setzt. Manchmal mag ich das alles gar nicht mehr verfolgen, damit ich meine innere Ruhe wieder finde. KOMM HEILIGER GEIST!!

  3. An beide Autoren möchte ich kurz ein wenig erleutern.
    1. Es gibt den heiligen Geist wirklich
    2. Papst Benedikt XVI und Papst Franziskus ergänzen sich sehr gut. Jeder hatte seine Zeit und gerade so wie es kam ist es richtig.
    3. Jorge Mario Bergoglio war nie ein Gegenkandidaten von Joseph Ratzinger, eine Papstwahl läuft anders ab und wer Jorge Mario Bergoglio kennt weiß das er Joseph Ratzinger immer sehr geschätzt hat.
    So denke viele Katholiken die treu hinter Papst Benedikt XVI stehen …

    • Ja, schön – keine Ihrer Erläuterungen betrifft meine Aussagen! Ich stimme Ihnen so allgemein, wie Sie formulieren, zu. Meine Gedanken sind aber nicht allgemeiner Natur!
      Wenn Sie den Text, den wir eigentlich kommentieren, noch mal lesen, werden Sie entdecken, dass jeder treue Katholik, zu denen ich mich zähle (!), aufgefordert wird, seinen Intellekt und Willen zu gebrauchen. Es kann nicht darum gehen, seinen nüchternen Verstand an der Garderobe abzugeben.
      Ich hatte mich zu konkreten Sätzen des Franziskus geäußert und meine Bedenken geäußert. Und es ist bedenklich, wenn ein Papst etwas lehrt, was bisher nicht Lehre der Kirche war. Die Unfehlbarkeit des Papstes stellt ihn nicht über die Tradition der Kirche. Ich sagte ja: ich wünschte, ich wache auf und es ist nicht so, wie ich es befürchten muss!

      • Ich kann ihrer Beunruhigung in keinster Weise folgen. Wo sehen sie konkrete Probleme? Es ist für mich nicht erkennbar, an welchen Stellen Papst Franziskus den Lehren der Kirche widerspricht. Gerade seine deutliche Verurteilung der US- Nonnen heute, sollte doch die Erzkonservativen Kreise unserer Kirche beruhigen. Der Mann möchte nicht die Kirche auflösen und er ist auch nicht Satan oder der Antichrist. Es ist einfach nur einen anderen Stil der pflegt. Er pflegt einen anderen Stil als Bendeikt und Bendeikt pflegte einen anderen Stil als Johannes Paul.
        Ich glaube des weiteren, dass viele (gerade europäische Christen) manches was dieser Papst sagt, falsch deuten. Er hat eine völlig andere Vita als alle Päpste zuvor. In Südamerika wird der katholische Glaube und auch die Theologie ganz anders praktiziert als bei uns in Europa. Teilweise wird da eine härtere Wortwahl benutzt als bei uns und in jedemfall ist es da mit der Theologie auch Konservativer. Und genau aus diesem Grund kann ich nicht verstehen, was alle hier gegen Franziskus haben. Es ist doch für unseren Glauben zweitrangig, ob der Papst rote Schuhe trägt oder eine moderne Ferula (um mal anere Kommentare aufzugreifen).
        Es sollte jedenfalls zweitrangig sein, für viele ist es das scheinbar nicht und geanu jene fühlen sich, meines Erachtens nach, nun von Franziskus angegriffen, da dieser sagte, dass die Kirche sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
        Und nur als kleiner juristischer Hinweis: Nur weil der Papst in einer Predigt etwas sagt, ist das nicht unfehlbar richtig und bindenden Kirchenlehre.
        Unfehlbar ist der Papst nur wenn er zB. ein Dogma verkündet. Also keine Sorge, wenn man anderer Auffassung ist als der Papst, kann man trotzdem noch ins Reich Gottes kommen 😉

        • Und ich kann nicht folgen – es geht nicht um konservativ oder nicht, es geht um präzise und wahrhaftige Argumentation, um Respekt vor der Tradition und Lehre. Es geht darum, dass jedes Wort, jede Geste eines Papstes an Konnotationen gemessen und verstanden wird, dass er sich gut überlegen muss, was er wann sagt und tut.
          Seine Gesten sind jedoch eindeutig populistisch, seine Worte werden nicht mit wachem Ohr gehört. Das will ja der Artikel, über den wir diskutieren (!?) sagen.
          All seine Signale und auch seine mangelnde Präzision findet in einem großen hermeneutischen Kontext der heutigen Kirchenkrise mit all ihren Argumenten und verminten Feldern statt. Da kann doch keiner einfach so drübertorkeln ud glauben, für ihn gelten andere Gesetze der Rede und des handeln, nur weil er aus Argentinien kommt. Auch Franz hat ganz normal studiert, wie wir hier in EU auch, und weiß ganz genau, wie die Spielregeln der Rhetorik, der Diskutierkunst und der PR funktionieren. Und das eben beunruhigt mich: er tut das alles mit Bedacht und keineswegs „aus Versehen“.

      • Natürlich ist der Papst derjenige, der entscheidet, was Lehre der Schrift und der Tradition ist. Das ist im Prinzip die Botschaft von Pastor Aeternus und Dei verbum.

        • Ach tatsächlich? Sie wissen selbst, dass das himmelschreiender Unsinn ist. Es gibt auch eine Kirche vor dem aktuellen Papst! Mit Konzilsbeschlüssen, kanonisierten Texten etc. pp. Dem hat sich auch Seine Heiligkeit – in aller Demut übrigens – zu beugen.

        • Das ist kein Unsinn, das ist kirchliche Lehre. Was diese beinhaltet, sagt der Papst. Das ist seines Amtes.

        • Nein, es hat keinen Sinn, andere haben es Ihnen in diesen Foren schon x-mal erklärt… – der Papst kann nicht kirchliche Lehre von Null auf neu deuten oder ihr gar widersprechen – warum ist Ihnen der Kadavergehorsam gegenüber dem Papst überhaupt so wichtig, wo Sie andererseits ohne irgendein Problem die Heilige Schrift anzweifeln? Ihre Argumente sind teilweise falsch, teilweise in sich widersprüchlich und inkonsistent. Bitte denken Sie darüber nach und lesen noch mal die Konzilsakten Vat. I. + II. Nur eine Objektivierung hilft, die eigenen Gedanken zu ordnen.

  4. Einmal hat Franziskus in einer seiner täglichen „Perlen“ gesagt: „Wer nicht zu Christus betet, der betet zum Teufel!“ Starke Worte! Wollte er damit sagen, dass Muslime, die nicht zu Christus, sondern Allah beten, beten zum Teufel? Sicher nicht, denn sonst hätte er sie jawohl nicht als „Gläubige“ und „Hoffnung“ bezeichnet. Was bedeutet es also? Man weiß es nicht. Ich denke, er will seine Worte nicht auf die Goldwaage gelegt wissen. Bergoglio-Franziskus erklärt nicht. Er überlässt das Deuten seiner Worte und Taten (erster Papst, der Musliminfüße küsste) anderen.

    • Lesen Sie diese Predigt doch vor dem Hintergrund der Adressaten: Das sind die Kardinäle gewesen. Er sagt den Kardinälen letztlich damit: Stellt Christus über alles. Nichts ist so wichtig wie er, kein klerikales Gehabe (wie Knopfloch- oder Schuhfarben), nicht einmal die Kirche selber. Wer dem Klerikalismus mehr huldigt als Christus, hat diesen verlassen!

  5. Die perfekte Eintönigkeit im Jubelchor … gilt das auch für die Herren Kardinäle?

    Wie berichtet wurde, soll Bergoglio im Konklave mit einer satten 80-Prozent-Mehrheit zum Papst gewählt worden sein, und das bereits im fünften Wahlgang! Wie ist diese einvernehmliche Wahl überhaupt zustande gekommen? Gab es denn keine Opposition? Wo waren denn all die „Ratzingerianer“ im Konklave? Warum hatte man von dem“Papabile“ Bergoglio acht Jahre lang nichts gehört?

  6. Zu einigen Postings hier möchte ich folgendes sagen:
    1. Schmähende Hinweise auf die „Erzkonservativität“ mancher Kommentatoren sind sachlich unzulässig! Man bedenke, dass Jesus bei seinem Verhör vor dem Hohen Rat schon darauf hinwies, dass erst der sachliche Nachweis der Falschheit einer Aussage von Relevanz ist!
    2. Ja, lese man doch mal die Heilige Schrift zum Thema „Verleumdung“ oder „Demut“. „Demut“ ist nicht Unterwürfigkeit. „Demut“ kennzeichnet v.a. mein Verhältnis zu Gott. Es kann sein, dass die Außenwelt Demut nicht als solche erkennt, sondern für Hochmut hält – und umgekehrt. Das ist auch kirchen- und theologiehistorisch ein wahres Minenfeld! Was die Verleumdung betrifft, lese man 1. Petrus 2. Oder die Sündenlehre des KKK – wie gesagt: Sünden, die so schlimm sind, dass sie keine Sünde mehr sind, gibt es nach der Lehre der Kirche nicht.
    3. Ein Papst soll wie jeder Christ seine Worte auf die Goldwaage legen! Ja – lehrt nicht Jesus „Jaja neinnein“, und wird nicht jedes unserer Worte am Ende gewogen werden? Dass ein Papst ausgerechnet sich einen Fauxpas nach dem anderen erlauben darf und das fromme Volk träumt davon, dass er es schon nicht so gemeint haben wird oder gar den verdächtigen Kardinälen mal endlich eine Lektio erteilen wollte – auch das geht an der Bibel vorbei: gibt es konkrete Vorwürfe zu erheben, müsste er unter vier Augen die betreffenden Kardinälen ansprechen und nicht Allgemeinplätze in die Welt hinausschreien. Was wäre das für ein Führungsstil, der seine Leute durch eine Art Bloßstellung vor aller Welt diszipliniert? Sind nun Demagogie und Rhetorik der neue Stil?

    • Die von Ihnen angesprochenen Personenkreise haben genau deshalb ein Riesenproblem, da man immer mehr den Eindruck bekommt, daß bei Franziskus ein Ja auch wirklich ein Ja ist und ein Nein wirklich ein Nein. Falls er seine Amtsführung so fortsetzt, wie er damit begonnen hat, wird das zu GlaubWürdigkeit im wahrsten Sinnen der Worte führen: Kirche muß lebendig sein und für die Menschen da sein.

    • Zunächst möcht ich Ihren Ausführungen zustimmen. Auch ich sehe langsam die Grenze zur Demagogie überschritten.
      Wo ich noch einen Frage habe ist die Aussage (weiter oben), daß jeder Verstoß gegen die Liebe eine Todsünde wäre.
      Damit wäre es dann doch jede, da das Wesen einer Sünde die mangelnde Gottesliebe ist.
      Ich habe noch gelernt für eine Todsünde müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
      1. Die Schwere der Materie.
      2. Das Wissen um die Sündhaftigkeit.
      3. Die Freiwilligkeit der Tat.
      So steht es meines Wissens auch noch im Kathechismus des Hl. Pius X.
      Hat sich da etwas geändert?
      Danke!

      • Ja, so habe ich es auch gelernt. Sie haben recht: ich habe zu kurz formuliert, was im KKK so steht:
        Nr. 1855 „Die Todsünde zerstört die Liebe im Herzen des Menschen durch einen schweren Verstoß gegen das Gesetz Gottes. In ihr wendet sich der Mensch von Gott, seinem letzten Ziel und seiner Seligkeit, ab und zieht ihm ein minderes Gut vor.“ Im weiteren wird dann ausgeführt, dass schwere Sünden vor allem an den 10 Geboten gemessen werden können (Nr. 1858)
        Sie haben recht damit, dass jede Sünde ein Verstoß gegen die Liebe ist. Allerdings zerstört die lässliche Sünde die Liebe nicht.

        Davon unabhängig: unsere Sünden sind Sünden, mehr nicht. Ich möchte es noch mal sagen, weil mir immer wieder unterstellt wurde, auch auf kath.net oder sonst, gelehrte Diskussionen seien hier fehl am Platz, wo doch so viel Mobbing überall passiert etc. und: ich würde Verleumdung für keine schwere Sünde halten…
        Doch, doch, doch, natürlich! Aber auch der Papst darf den Sünder nicht zum Dämon machen, der Sünden begeht, die „mehr als eine Sünde“ sind. Ich wollte darauf hinweisen, dass das ein theologischer Brandsatz ist, der wirklich jeden – nach gusto – in die Luft sprengen kann, der den Papst kritisch sieht. Denn am Ende wird auf diese Weise jeder Widerspruch, jedes Bedenken seinen Sätzen gegenüber zur „Verleumdung“ stilisiert werden können. Das beunruhigt mich. Und die Emotionalität auf den Foren lässt hier nichts Gutes ahnen: wehe all denen, die Handlungen dieses Papstes kritisch kommentieren… sie erhalten immer unsachliche, moralisierende und anschuldigende Antworten papsttrunkener Fans. Der Gipfel war auf kath.net der Kommentar, es sei jetzt nicht mehr die Zeit für „hohe Rösser“ (eben der sachbezogenen Reflexion), wie sie BXVI. noch pflegte. Ja, welche Zeit ist jetzt angebrochen? Die der Demagogie?

        • Inzwischen glaube ich, Sie zu verstehen, was Sie meinen.
          Sünde ist Sünde – da haben Sie sicher recht. Es gibt keine „Hit-Liste“ bzw. Negativ-Liste derselben.

          Mir war es nur ein Anliegen, herauszustellen, dass bei der Sünde der Verleumdung immer zwei betroffen sind.
          Einmal natürlich der Sünder selbst, der Täter ist.
          Und dann u.U. ganz massiv derjenige, der verleumdet wurde.
          Im schlimmsten Fall wird ihm die Ehre und die Würde genommen.
          Manchmal weiß er nichts davon oder er kann sich das veränderte Verhalten seiner Umgebung ihm gegenüber nicht erklären.
          Es muss schlimm für ihn sein, aufgrund übler Nachrede plötzlich aus der Gruppe herauszufallen und kann mangels Selbstbewusstseins zur persönlichen Katastrophe werden.

          Aber es stimmt: Sünde ist Sünde! Doch sie kann vergeben werden.

          Was mich allmählich nervt, ist der ewig wiederholte Satz: „Kein Blatt Papier passt zwischen Papst emer. Benedikt und Papst Franziskus.
          Es kommt mir vor, als möchte man aufkommende Zweifel mit diesem Spruch niederhalten.
          Ob sich ein Blatt, keines oder viele Blätter dazwischen legen lassen, muss sich erst noch zeigen.
          Welches Gesicht trägt die katholische Kirche in einigen Jahren?

        • Danke, ich glaube, wir verstehen uns jetzt!

          Ihre Beobachtung von dem „Kein Blatt Papier geht theologisch…“ teile ich.
          Und zwar deswegen, weil Franziskus sich ja theologisch noch gar nicht geoutet hat.
          Bei Franziskus fehlt die persönliche geistliche Verbindung zwischen den einzelnen Sätzen. Es klingt zwar irgendwie fromm, aber sobald man genauer hinsieht, greift man ins theologisch Leere.
          Ich weiß nie, worauf er sich präzise bezieht, um was es ihm eigentlich geht – außer eine allgemeine pseudo-christlichen Moral und die Satanskeule, die er gerne so drohend gegen Unbekannt schwingt. Auch seine vom Kreuz bzw. Jesus in der Mitte verstehe ich nicht – er sagt einfach, er stelle es in den Mittelpunkt. Gut, und was weiter? Jetzt müsste er konkret werden – aber es kommt nichts. Stattdessen brilliert er mit zweideutigen „Gesten“, die man dann so oder so deuten kann. Und in den Foren streiten die Leute seitenlang um rote Schuhe und Herrenschneider, anstatt bei der flachen Theologie hellhörig zu werden. Oder sie fallen in Ekstase, weil er ihnen diese Franziskuspillen einwirft wie eine Droge. Droge wofür oder wogegen? Ein einziges Verwirrspiel! Das traf auf BXVI. in keiner Weise zu – es liegen Äonen zwischen den beiden.
          Und es ist nicht bloß eine Stilfrage – man muss alles zusammen betrachten, die Sätze, die Schuhe, die zynischen Sprüche („Maskerade“), die äußerst kostenaufwendige „Demut“ etc.

        • Liebe/r @zeitschnur!
          Übrigens ein interessantes Pseudonym.
          Es freut mich, dass wir uns gegenseitig annähern konnten.

          Sie stehen, so habe ich den Eindruck, Papst Franziskus sehr viel reservierter gegenüber als ich.
          Wie es aussieht, wissen Sie von Theologie auch sehr viel mehr als ich.
          Sie können Ihre Ausführungen besser begründen.
          Ich argumentiere lediglich aus meinem Glauben und manchmal -leider- auch aus dem Bauch heraus.
          Als Mitglied des OFS und Vorsteherin unserer Ortsgruppe habe ich mich natürlich über die Entscheidung des neuen Papstes, sich Franziskus zu nennen, sehr gefreut.
          Andererseits weist diese Entscheidung auf ein enormes Selbstbewusstsein hin.
          Ein Selbstbewusstsein, das in Gefahr kommen kann, ins Stolze, Überhebliche abzugleiten.

          Wenn sich Papst Franziskus der Armut verschrieben hat, so erkenne ich das uneingeschränkt an. Aber dann darf sich diese Armut nicht in einem Mangel an „schöner“ Liturgie und schöner Paramente ausleben.
          Wie Sie ja auch schreiben, kostet diese von allen hochgelobte Bescheidenheit eine Menge zusätzliches Geld.

          Der Poverello aus Assisi hat für sich die Armut gewählt und sie konsequent gelebt.
          Aber soweit ich weiß, hat er dies nicht auf die litugischeVerehrung Jesu übertragen, die edel und schön sein sollte.

          Generell stehe ich Papst Franziskus freundlich abwartend gegenüber, ohne jedoch meine inneren Widerstände zu ignorieren.
          Ich möchte einfach ehrlich mit mir selber sein!

          Danke übrigens, dass Sie unter gleichem Nickname auch anderswo kommentieren.
          Ich mache es ebenso, weil ich damit zeigen möchte, wofür ich stehe.
          Verschiedene Identitäten sind da nicht unbedingt hilfreich!
          Ihnen viel Gutes!

        • Ja, schön! Ich stand F. auch abwartend gegenüber, aber jetzt hat er einiges formuliert, was mich zutiefst entsetzt. Wenn Sie den aktuellen Artikel über ihn hier auf dieser Website lesen (Konzil…“Halsstarrige“…) können Sie mich vielleicht noch besser verstehen. Wenn die „Welt“ berichtet, er sei ein deutlicher Antintellektualist – natürlich, weil der Hochgebildete im Verdacht steht, nicht „demütig“ genug zu sein – dann packt mich das Grauen! Will er aus dem Bauch heraus machen, was er denkt und mit seiner Demuts- und Satanskeule alle potenten Kritiker aus dem Feld schlagen?

        • Vieles von dem was sie zu obigem Artikel schreiben trifft mein Empfinden.
          Die moralisierenden Predigten bilden einen markanten Kontrapunkt zu den Predigten von Papst Benedikt, der ein wahrer Weisheitslehrer ist.

          Die Berichterstattung in den Medien gibt eine völlig vernebelte Sicht auf Papst Franz, die mit seinen
          r e a l e n Handlungen und Äußerungen schwerlich in Einklang zu bringen sind.
          Besonders schmerzlich ist wie oft dabei Papst Benedikt in seinem bisherigen Wirken herabgewürdigt wird, bis dahin daß selbst aus kirchlichen Kreisen geäußert wird, daß eigentlich Kardinal Borgoglio bereits 2005 anstelle K. Ratzinger hätte gewählt werden sollen.
          Übler geht es wohl kaum.

          Die Kirche wird auch diesen erkennbaren Weg durch den finsteren Tunnel wieder ans Licht schaffen.
          Wachet und betet allezeit!
          .

  7. Den sehr guten Artikel gelesen und mich nicht mehr so allein gefühlt. Von mir keine Äusserung über Papst Franziskus, aber bei der Wahl Benedikts die Faszination durch Glauben und Vernunft und jetzt ?
    Ich lese in diesen ratlosen und, trotz der österlichen Freude, bitteren Tagen von Joseph Ratzinger „Eschatologie-Tod und ewiges Leben“, 1977erschienen. Das Buch ist ein Lebensmittel. Überlege mit meinem Mann, ob wir uns nach und nach die Gesammelten Werke von unserem großen Papst als intellektuellen Notvorrat zulegen.

  8. Nachdem ich alle Kommentare gelesen habe, kann ich diesen Beitrag nun besser einordnen, was mir beim ersten Durchlesen nicht gelang.

    Hier meine ursprünglichen Gedanken: Ich kann mir nicht recht vorstellen, was man mit diesem Beitrag eigentlich bezwecken wollte… soll das eine sachliche Kritik sein oder geht es da in erster Linie nur um Verächtlichmachung? Ich vermute Letzteres!
    Mit Argumenten wie „perfekte Eintönigkeit im Jubelchor für Papst Franziskus“ und „Papst Franziskus als neuer ‚Popstar‘ am katholischen Firmament“ wird zuerst die Realität verzerrt dargestellt, um dann gezielt Bedenken äußern zu können. Irritiert und unzufrieden sind, wie die Autoren schreiben, nur einige Querköpfe, zu denen sie sich wohl auch selber zählen. Leidenschaftlich katholisch wie sie sich wohl selber wähnen, vermissen sie momentan offensichtlich handfeste theologische Prügeleien zwischen den kath. Richtungen… für sie scheinen sich plötzlich alle verbrüdert zu haben, um wie in einem Popkonzert an einer endlosen La-Ola-Welle zu Ehren des neuen Papstes mitzumachen und neue strahlende Zukunft der Kirche zu prophezeien.
    Ja, genau das erhoffen sich viele, ohne dabei – und das ist der erste totale Fehlschluss der beiden – die von ihnen erwähnten Missstände in der Kirche zu vergessen, die es aufzuarbeiten gilt. Und genau das traut man Papst Franziskus eben sehr wohl zu. Die beiden Autoren etwa nicht?
    Komisch finde ich auch die Skepsis der beiden, was Barmherzigkeit und Sanftheit in der Kirche anbelangt… diese Eigenschaften scheinen sie für sich wohl noch nicht entdeckt zu haben.
    Nach einem nochmaligen Hinweis auf die vielen Widersprüchlichkeiten dann ihr Erklärungsversuch: das harte Gesetz des Clerical-Pop, das viele blind machen würde, u.a. für die Gegensätze zw. Benedikt und Franziskus usw.
    Muss man dahinter Spaltungsversuche vermuten? Und: Wären solche nicht eher von Spiegel-Redakteuren zu erwarten, weniger von kath. Autoren?
    Irgendwie alles recht komisch!

  9. Der Sprach-Styl des neuen Papstes entspricht seiner groben und moralisierenden Art,die so langsam aber sicher lanweilig und abstrus wirkt. Geradezu verdächtig ist seine nicht enden wollende erwähnung des „Teufels“ und „Satans“-oder was er darunter versteht…..Dann sollte er sich doch auch gefälligst der Klagen vom Montini Papst Pau lVI, erinnern,das berühmte Wort -vom Geruch-Gestank Satans,der durch einen Spalt in die Kirche eingedrungen ist! Aber nix da.Er lässt es beim Jammern und Anklagen sein.Genau wie seine Vorgänger.Das Konzil ist für ihn unangreifbar und „Heilig“.Aber eben,er will nicht zurück hinters Konzil .Basta.Das ist es.Er interpretiert wie Pseudointellektueller , dass er aber jetzt ein grosses unehrliches Theater aufführt,gereicht ihm sicher nicht zur Ehre,noch das der Kirche.

  10. Mir wird das alles mit jedem Tag zunehmend unheimlicher. Ein Papst wird für Äußerungen bejubelt, die absolut nichts besonderes darstellen, weil sie ganz einfach katholisch sind. Sind wir schon so weit, daß man es bereits bejubeln muß, wenn ein Papst ein Kreuzzeichen macht?

    Noch seltsamer wird es, wenn es um Aussagen geht, die hier etwas respektlos als „Geschwurbel“ oder „Geblubber“ bezeichnet wurden, die aber auf jeden Fall durch ihre Nichtfaßbarkeit hervorstechen und bei denen man sich fragt, was genau damit eigentlich gesagt werden sollte.

    Vollends gerät man dann ins Zweifeln, wenn man solche Kommentare liest:

    „und wieder eine „Pille“, bei der geraten ist, sich vor der Einnahme hinzusetzen. es können Schwindelgefühle auftreten :-)“

    „Energie wie ein Atomkraftwerk, man vergißt schlicht seine 76 Jahre. und man muß von „Trab“ auf „Galopp“ umschalten, um hinterherzukommen :-)“

    „Danke für diese allerliebste Pille Ich möchte ja gerne die Gesichter der ewigen Modernisten sehen! Da kommt der Stellvertreter Christi und fegt mit eisernem Besen darüber!“

    „Ja, der Hl. Vater ist gütig und klasse! Aber: Wir sollten „aufwachen“ aus welchem Phlegma,bitte schön? Wir fühlen uns jetzt schon so stark -knackig und wach!Und keine Verhinderung kann jetzt schon die beste Morgengymnastik unsere echt kath. Seelen bremsen,hopplala`!“

    Da fragt man sich wirklich, ob es noch mit rechten Dingen zugeht… Ich meine: Nein! Was für ein Bild der früheren Päpste und der „vorkonziliaren“ Kirche muß man haben, wenn man jeden Allgemeinplatz des derzeitigen Papstes so feiert, als hätte es vorher nur lebenslose Pappkameraden gegeben?

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