Die Warnung an Benedikt XVI. von einem … Kasper – Anti-Ratzinger-Pontifikat in Planung

Kardinal Walter Kaspers Warnung an Benedikt XVI. Bewegungen hinter den Kulissen für ein Anti-Ratzinger-Pontifikat(Rom) Kardinal Walter Kasper wird am Konklave teilnehmen, obwohl er seit zwei Tagen 80 Jahre alt ist. Er wird damit der älteste Papstwähler sein. Der deutsche Kurienkardinal spinnt derzeit als gewichtigster Vertreter der progressiven Kardinäle die Fäden für ein Anti-Ratzinger-Pontifikat.

Der frühere Assistent von Hans Küng wurde 1999 von Johannes Paul II. als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart abgezogen und nach Rom befördert, wo er bis 2010 Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen war. Die Beförderung war Teil eines sanften Umbaus des deutschen Episkopats durch Zurückdrängung des progressiven Einflusses. Als „Minister“ des Heiligen Stuhls mäßigte Kasper zwar seine Haltung, aufgegeben hat er sie nicht. Innerhalb der Römischen Kurie war er theologisch gesehen der eigentliche Gegenspieler Benedikts XVI. Seit dessen Rücktrittsankündigung fiel es dem  Kardinal nicht schwer, zum wichtigsten Vertreter des progressiven Lagers unter den Konklaveteilnehmern zu avancieren. Eine Richtung, die zahlenmäßig unter den Papstwählern zwar nicht mehr groß ist, aber Verbündete sucht.

Assistent von Hans Küng als Kopf der progressiven Kardinäle

Wenig verwunderlich also, daß die linksliberale italienischen Tageszeitung La Repubblica den Kardinal um ein Interview bat. Jenes Blatt, von dem das dubiose Gerücht von einem angeblich erschreckend skandalösen Inhalt des Vatileaks-Abschlußberichts verbreitet wurde, der angeblich Papst Benedikt zum Rücktritt bewogen habe. Das unbewiesene Sex-Crime-and-Vatican-Gerücht fand weltweite Verbreitung. La Repubblica gehört derzeit zu jenen Blättern ähnlicher politischer Ausrichtung, die maßgeblich das Konklave von außen zu beeinflussen versuchen.

Die Zeitung fragte Kardinal Kasper, was er Benedikt XVI. sagen wird, wenn er ihn nach dem Konklave besuchen werde. Der Kardinal entblödete sich nicht, über die Medien bereits heute bekanntzugeben, was er dem gewesenen Papst, aber immerhin Papst,  irgendwann persönlich zu sagen gedenkt. Weniger Respekt kann man kaum an den Tag legen. Kaspers Wortmeldung läßt eine gewisse Nervosität erkennen, daß Benedikt XVI. den Kardinälen vielleicht einen Wunschkandidaten für seine Nachfolge zu erkennen oder zumindest das Anforderungsprofil seines Nachfolgers zu verstehen geben könnte.

Ein „Ratschlag“ als Warnung – Kaspers revolutionäre Pläne

Kaspers Antwort wirkt daher mehr auf das Konklave, als auf ein Gespräch mit Benedikt XVI. nach dem Konklave gemünzt und ist ein „Ratschlag“, der mehr einer Warnung entspricht. Was also möchte der Kardinal seinem deutschen Landsmann sagen?

„Viele Sachen. Die erste ist ein Ratschlag. Ich würde ihm empfehlen, sich von niemandem gebrauchen zu lassen. Die Gefahr ist zu groß, daß die Kirchenführung seinen Einfluß erleidet.  Das darf nicht geschehen. Er hat seine klare Entscheidung getroffen, die einen Schritt zurück verlangt. Er muß sich daher Zurückhaltung auferlegen. Er muß es vermeiden, sich in Fragen, die Kirchenleitung und Kirchenpolitik betreffen, einzumischen. Dann würde ich mit ihm noch, freundschaftlich, darüber sprechen, was uns beiden am meisten liegt, die Theologie.“

Die Zeitung betont dann, daß die deutsche Ortskirche im Papst vor allem eine autoritäre Figur sehe, die von oben diktiere, weshalb man in Deutschland besonders wert auf Unabhängigkeit von Rom lege. Auf die Frage, ob Kasper das auch so sehe, widerspricht der Kardinal nicht, sondern fordert eine nicht näher definierte Demokratisierung der katholischen Kirche nach protestantischem Vorbild:

„Es braucht eine neue Form der Ausübung der Kirchenleitung. Diese Form heißt Kollegialität, eine horizontalere Regierung. Die Kollegialität muß sich von den Bischöfen durch Vertretungsformen auf alle Teile des Gottesvolkes ausdehnen. Eine solche Kollegialität ginge in Richtung des Zweiten Vatikanischen Konzils von der Einheit in der Vielfalt zwischen allen, die an das Evangelium glauben und einem größeren Dialog mit den anderen Religionen. Es ist notwendig von der Trockenheit des römischen Zentralismus wegzukommen durch die Überzeugung, daß Zentrum nicht Zentralismus bedeutet.

Die Reform der Kurie ist eine Priorität. Gleichzeitig ist sie auch ein großes Problem, denn heute fehlt es an der Römischen Kurie an internem Dialog. Die Dikasterien sprechen nicht miteinander, es gibt keine Kommunikation. Dieser Zustand ist zu ändern.

In den Generalkongregationen haben wir noch nicht über Vatileaks gesprochen. Ich denke, daß die Kurie generell und auch unabhängig von Vatileaks revolutioniert werden muß. Ich bin der Meinung, daß neben dem Wort Reform noch ein zweites Wort zu gebrauchen ist: Transparenz. Die Kurie muß damit beginnen, die Transparenz nicht zu fürchten.“

„Zölibat, Frauenpriestertum, Homosexualität“ und das Schweigen Kaspers

Laut La Repubblica bewegen „Zölibat, Frauenpriestertum, Homosexualität […] „die Gewissen vieler Gläubigen“, Themen, die „mit Nachdruck in die öffentliche Debatte zurückkehren“. Kardinal Kasper widerspricht auch in diesem Fall mit keinem Wort, wenn er in seiner Antwort auch auf ein weiteres Stichwort eingeht:

„Das Verbot wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion zu geben, ist eine Wunde. Ich will nicht den zu gehenden Weg vorgeben, aber eines steht fest: Es braucht ein ernsthaftes Umdenken bei diesem Thema. Es braucht die Demut, das Argument von Fall zu Fall anzugehen. Die Bestimmung kann je nach Verschiedenheit der Situation geändert werden.“

Kardinal Kasper äußert keinen Wunschkandidaten als nächsten Papst: „Ich möchte, daß es keine Vorbehalte gegen niemanden gibt. Wir müssen offen für alles sein, für jede Nationalität und jede geographische Herkunft.“

Brasilianische Bischöfe haben progressive Medien aufgefordert, Stimmung für Kardinal Scherer zu machen

Unterdessen wurde bekannt, daß starke Bewegungen im Gange sind, den Erzbischof von Sao Paulo, Odilo Kardinal Scherer als Kandidaten des „linken“ Lagers in Stellung zu bringen. Bewegungen, in die auch die Progressiven klassischen Typs wie Lehmann und Kasper eingebunden sind. Wie die größte brasilianische Tageszeitung Folha de Sao Paulo am 5. März berichtete, hat die brasilianische Bischofskonferenz nicht nur die Kardinäle des größten lateinamerikanischen Landes aufgefordert, für Scherer zu stimmen, sondern auch ausdrücklich die progressiven Massenmedien aufgefordert, Stimmung für die Wahl Scherers zu machen.

Um Scherer sammeln sich nicht nur die zehn Prozent der alten Progressiven im Konklave, sondern alle „liberaleren“ Kardinäle, denen die Stufe des kirchlichen Wiederaufbaus von Papst Benedikt XVI. zu weit ging. So wird an einer Anti-Ratzinger-Nachfolge gezimmert, das das Pontifikat Benedikts XVI. in seinen „restaurativen“ Teilen annullieren soll. Eine Allianz, die auch Teile der Römischen Kurie einschließt. Jener Kurie, die unter Papst Paul VI. und Johannes Paul II. durch zahlreiche neue Räte, Akademien und Kommissionen stark vergrößert wurde. Die Leiter einiger Dikasterien möchten möglichst ein Eigenleben führen, weshalb diese traditionell mit den Progressiven an einem schwachen Papst interessiert sind, wie es Kardinal Kasper indirekt zum Ausdruck bringt. Wer ihn kennt, ist überzeugt, daß Kardinal Kasper neben Scherer, auch an einen Plan B denkt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Screenshot Romereporters

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Ein Gorbatschov hat gereicht, die Sowjetunion zu zerstören.
Ein Kasper reicht, die Kirche zu zerstören.
Um die Sowjetunion war es nicht schade.

Theophilos

Kasper zu unterstellen, er wolle die Kirche zerstören, ist schon starker Tobak. Die Kirche, so wie sie sich zur Zeit nach außen zeigt, ist in der Tat reformbedürftig. Dieses hierarchische von oben nach unten Denken und Handeln ist kaum auszuhalten und keinen klar denkenden Menschen zu vermitteln.

MisterX

Für klar denkende Menschen gibt es nur die Hierarchie von oben nach unten.

millymolly87

Danke für diesen Beitrag und diese kritische Distanz zu manchen Medien.
Ich ärgere mich, warum andere katholische Medien, auch Kath.net jeden Sensationsschwachsinn dieser linken Presse bringt. Heute auch wieder: „Angeblicher Vatileaks-Komplize gab anonymes Zeitungsinterview“, wieder ist es diese kirchenfeindliche „Republica“. Geht es noch schmutziger?
Da können sie gleich schreiben, dass sie es selber erfunden haben.

Mariahilfer

Das bringt es auf den Punkt.

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