Die Rebellion einer Leihmutter gegen die Logik des perfekten Kindes

Rebellion der Leihmutter(New York) Crystal Kelley erhielt einen Brief von Rechtsanwalt Douglas Fishman, dessen Inhalt nicht deutlicher sein hätte können: „Sie sind verpflichtet, die Schwangerschaft sofort zu beenden. Sie haben bereits zuviel Zeit vergeudet.“ Kelley war eine Leihmutter, die für Geld ihren Uterus zur Verfügung stellt, um Kinder für andere zur Welt zu bringen. Ihre Rebellion gegen eine inhumane Menschlichkeit schildert Mattia Ferraresi, der New York-Korrespondent der Tageszeitung Il Foglio.

Als Kelley den Brief erhielt, waren es nur mehr elf Tage bis zum Beginn der 24. Schwangerschaftswoche, der spätestmögliche Termin für eine Tötung des ungeborenen Kindes durch Abtreibung, der im US-Bundesstaat Connecticut erlaubt ist. Über diesen Stichtag hinaus würde sie nicht nur einen schiefgegangenen Auftrag, sondern auch ein Kind haben. Beim Kind, in ihrem Bauch, das sie für andere austrug, war eine Hasenscharte und eine Gaumenspalte, eine Wunde am Kopf und Herzprobleme festgestellt worden. Das Kind entsprach damit nicht den Anforderungen der Kunden, die bei der Leihmüttervermittlungsagentur ein gesundes Kind bestellt hatten. Das Kind wurde von ihnen abgelehnt, wie man eben ein schadhaftes Produkt zurückweist, für das man schließlich bezahlt. Die Formel, mit der dies mitgeteilt wurde, lautete, daß die Beschwerden zu groß seien für ein menschenwürdiges Leben. Kurzum, was Kelley in ihrem Bauch trug, war kein „lebenswertes Leben“. Das Urteil für das Kind lautete: Todesstrafe.

Bei Unzufriedenheit des Kunden: Hinrichtung

Kelley kannte die Mechanismen des Leihmüttermarktes. Die junge Mutter hatte bereits die Leihmutter gespielt. Eine Agentur vermittelte die Aufträge. Sie kassierte jedes Mal 22.000 Dollar. Dabei hatte sie auch zwei Fehlgeburten, weshalb sie auch die dramatischen Seiten einer Schwangerschaft kannte. Da wandte sich ein Paar an sie, das kein viertes Kind haben konnte und trotz mehrfacher Versuche auch mit künstlicher Befruchtung gescheitert war. Da es vom Paar noch eingefrorene Embryonen gab, sollten diese einer Leihmutter eingesetzt werden. Kelley ist diese Leihmutter. Die Schwangerschaft verläuft planmäßig, bis bei einer Routinekontrolle auf dem Ultraschallbild „wahrscheinlich“ Fehlbildungen festgestellt werden. Die Ärzte diagnostizieren, daß das Kind wahrscheinlich nur zu 25 Prozent völlig gesund sein werde. Die Eltern-Kunden machen vom vertraglich festgelegten Rücktrittsrecht Gebrauch. Das Kind entspricht nicht den vertraglich festgelegten Bedingungen.

Konkret bedeutet das, auch das ist im Vertrag genau geregelt, daß die Schwangerschaft zu beenden und damit das „defekte“ Kind zu töten ist. An dieser Stelle tritt Rechtsanwalt Fishman auf den Plan. In seinem Schreiben heißt es: „Angesichts der Untersuchungsergebnisse, sind die Eltern der Meinung, daß die Eingriffe, die wegen der gesundheitlichen Probleme des Mädchens notwendig wären, für ein Neugeborenes übertrieben sind, und die Schangerschaftsunterbrechung eine menschlichere Option ist.“

Kelley verweigert die Abtreibung des Kindes

Für Kelley ist das eine ganz neue Situation. Sie hatte eine solche Möglichkeit bisher verdrängt. Und nach einigem Überlegen, ist sie sich sicher: Sie will nicht abtreiben, auch jetzt nicht. Es spielt keine Rolle, von wem das Kind ist, das sie in ihrem Bauch trägt und wie es um den Gesundheitszustand dieses Kindes steht, das ihr anvertraut ist. Schließlich schreibt sie auf ihrem Blog: Die Eltern-Kunden „waren sichtlich verärgert. Sie sagten, doch kein Kind in die Welt zu setzen, nur damit es leidet. Ich solle mich anstrengen „wie Gott“ zu sein, und Mitleid zu haben. Ich habe ihnen geantwortet, daß sie mich ausgesucht haben, um ihr Kind auszutragen und zu beschützen, und das würde ich tun. Ich habe gesagt, daß es nicht ihnen zusteht, Gott zu spielen.“

Damit begann ein harter Rechtsstreit. Die Leihmütteragentur schickte ihre Vertreter, um Kelley zu überzeugen. Sie erklärten ihr, daß ein behinderes Kind ihr Leben zerstöre und zwar in jeder Hinsicht. Aus dem Geschäft sei sie ohnehin draußen, wenn sie sich nicht an die Spielregeln halte. Um sie umzustimmen, wurden ihr 10.000 Dollar auf den Tisch gelegt, die sie ablehnt. Ein Blick auf das eigene Bankkonto läßt sie einen Augenblick zögern, ob sie nicht den Preis hinauftreiben und dann nachgeben solle. Doch den Gedanken verwirft sie gleich wieder. Sie hat ihre Entscheidung getroffen, daß sie nicht über das Leben des Kindes zu entscheiden  habe. Sie fährt 700 Meilen in den US-Bundesstaat Michigan, wo die Frau, die das Kind zur Welt bringt, auch rechtlich dessen Mutter ist und nicht, wie in Connecticut die „genetische Eigentümerin“.

Kelley hat nicht die Mittel, das Kind zu behalten, aber sie ist sich sicher, daß es jemand gibt, der sich um das kleine Mädchen kümmert. Sie wendet sich an entsprechende Stellen. Heute ist das Mädchen neun Monate alt. Ihre Gesundheit ist zwar zerbrechlich, aber sie lebt in einer Familie, die sie bedingungslos liebt.

Text: Il Foglio/Giuseppe Nardi
Bild: Screenshot CNN

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3 Kommentare

  1. Die teuflische Maske der „Religion der Demokratie“….
    wollte Crystal Kelley zur „Endlösung“ zwingen….
    Gott sei Dank ohne Erfolg !

    Auszug aus dem Beitrag von Hw Steiner von der Pius-Bruderschaft über die pervertierte Auslebegesellschaft;
    Teil 1:

    „(…)
    „Euer aufklärerisches System ist an die Grenze gestoßen.
    Dort, wo es nur noch Gott korrigieren könnte.

    Aber in eurer ach so aufgeklärten Demokratie
    gibt es eben keinen Gott mehr.

    Nur noch in den Wohnzimmern und Hinterhöfen.
    Im Privatleben.
    Nicht im Bundestag und im Parlament, dort,
    wo ihr eure gottfreien Abstimmungen vollzieht.
    Und auch die berufenen Propheten der Kirche, die euer Tun längst hätten verurteilen müssen, sie sitzen wie Blinde daneben und schweigen.
    (….)
    Ihr seid schon längst dabei, den
    DESIGNER-MENSCHEN ZU ERSCHAFFEN!
    Einen Menschen, der den Werten der Ich-Gesellschaft und des Materialismus genügt:
    ohne Behinderung, ohne Fehl und Makel, blond, blauäugig.
    Ja, Mary Shelleys Frankenstein ist Wirklichkeit geworden.
    Was ist das Nächste, über das ihr in eurer gtenzenlosen Hybris abstimmen werdet?

    Über die Todespille für alte Menschen?
    Weil das Sozialsystem nicht mehr haltbar sein wird, in fünf, in zehn oder zwanzig Jahren?
    Dann wird Auschwitz nicht mehr in Polen sein,
    sondern überall.
    In jedem Altenheim,in jeder Pflegeanstalt.
    So wie Auschwitz schon längst inallen Abtreibungskliniken ist, 
    wo unwertes Leben vernichtet wird.(…)

  2. Teil 2:

    -
    „Ja, unwertes Leben. 
    Ihr nennt es nicht so, damit man nicht sieht, wie der „demokratische Mensch“ dem rassistischen Menschen gleicht.
    (….)
    So wie alle Ideologen des 20. Jahrhunderts zur Errichtung ihrer Reiche erst Gott töteten.
    (….)
    „Eritis sicut Deus – Ihr werdet sein wie Gott.“

    Ihr baut an der 
    „Religion der Demokratie“
    und setzt damit den Menschen auf eine Stufe, die er nicht haben kann: an die Stelle Gottes. 
    Ihr lehrt die Menschen abzustimmen über das, was sie gar nicht bestimmen können.

    Ihr wollt die Menschen glauben machen, dass ein Paradies entsteht. 
    In Wirklichkeit konstruiert ihr die Hölle.
    Für die Schwächsten unter uns, die
    Ungeborenen, das keimende Leben, die Alten und Kranken hat sie längst begonnen….“
    -

    http://www.razyboard.com/system/morethread-religion-der-demokratie-forumtradi-2207688-6109554-0.html

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