[Update] Gespräche zwischen Piusbruderschaft und Rom – Die Chronologie der Ereignisse

Bischof Bernard Fellay im Generalhaus der Piusbruderschaft im Schweizerischen Menzingen vor einem Bild von Papst Benedikt XVI.
Bischof Bernard Fellay im Generalhaus der Piusbruderschaft im Schweizerischen Menzingen vor einem Bild von Papst Benedikt XVI.

Bischof Fellay der Generalobere der Piusbruderschaft in seinen Amtsräumen vor dem Bild von Papst Benedikt XVI. Chronologie der Gespräche zwischen Piusbruderschaft und Heiligem Stuhl(Vatikan/Menzingen) Es verdichten sich die Anzeichen, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. unmittelbar davorsteht, dem Heiligen Stuhl ihre Antwort auf die „Doktrinelle Präambel“ zu geben. Eine Antwort, die negativ ausfallen wird. Die Piusbruderschaft in der Person ihres Generaloberen Bischof Bernard Fellay wird, wie es aussieht, in wenigen Tagen die von Rom geforderte Unterzeichnung der „Doktrinellen Präambel“ ablehnen und diese Ablehnung theologisch begründen.

Das „Non possumus“ wird die „Präambel“ in ihrer derzeitigen Fassung vom 13. Juni 2012 betreffen. Was dies konkret für die Gespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft bedeuten wird, läßt sich noch nicht abschätzen. Wird damit nur die Gesprächsphase Levada/Pozzo beendet und in eine neue Gesprächsphase Di Noia übergeleitet? Wird statt einer „Präambel“ ein von Di Noia angerissener neuer Weg gegangen? Oder bedeutet eine Ablehnung der „Präambel“, daß der Heilige Stuhl „alles“ versucht hat und die Gespräche für gescheitert und damit für beendet erklärt? Werden neue kirchenrechtliche Sanktionen gegen die Bruderschaft verhängt? Kommt es zum erneuten Bruch?

Eine Chronologie der Ereignisse:

August 2005: Papst Benedikt XVI. empfängt wenige Monate nach seiner Wahl den Generaloberen der Piusbruderschaft, Msgr. Bernard Fellay in Audienz. Der Papst äußert dabei den Wunsch, daß die Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückkehrt.

7. Juli 2007: Papst Benedikt XVI. erläßt das Motu Proprio Summorum Pontificum und erlaubt allgemein für die gesamte Kirche die Feier der überlieferten, sogenannten „tridentinischen“ Messe nach dem Missale von 1962 als „außerordentliche Form des römischen Ritus“.

15. Dezember 2008: Msgr. Fellay bittet in einem Schreiben an die für die Gemeinschaften der Tradition zuständige Päpstliche Kommission Ecclesia Dei in seinem und im Namen der drei anderen Bischöfe der Bruderschaft um die Rücknahme des Exkommunikationsdekrets der Bischofskongregation vom 1. Juli 1988. Er sichert die Anerkennung des päpstlichen Primats und des päpstlichen Lehramtes zu.

21. Januar 2009: Die Bischofskongregation hebt mit Dekret die „Exkommunikation“ der vier Bischöfe Bernard Fellay, Alfonso de Gallareta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson auf.

8. Juli 2009: Papst Benedikt XVI. lädt die Piusbruderschaft zu Gesprächen über Lehrfragen nach Rom ein, um die jeweiligen Positionen zu klären und die Möglichkeit einer Versöhnung auszuloten.

26. Oktober 2009: Am Sitz der Glaubenskongregation in Rom beginnen die theologischen Gespräche in einer „herzlichen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre“. In den kommenden anderthalb Jahren finden rund zehn solcher Gespräche statt.

14. September 2011: Kardinal William Levada, der Präfekt der Glaubenskongregation, übergibt dem Generaloberen der Priesterbruderschaft in Rom eine „Doktrinelle Präambel“. Die Anerkennung und Unterzeichnung der „Präambel“ wird vom Heiligen Stuhl zur Bedingung für die kanonische Anerkennung der Piusbruderschaft gemacht. Rom teilt mit, daß „nicht-substantielle“ Änderungsvorschläge an der Formulierung möglich sind.

7. Oktober 2011: Am italienischen Distriktsitz in Albano Laziale bei Rom tagen die Oberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und beraten über die Antwort auf die „Doktrinelle Präambel“. Trotz Meinungsverschiedenheiten wird die Position des Generaloberen Fellay gestärkt, konstruktiv auf eine Einigung hinzuarbeiten und Änderungsvorschläge für „nicht annehmbare“ Teile der Präambel auszuarbeiten.

21. Dezember 2011: Die Piusbruderschaft übermittelt Rom eine erste Antwort, die von Rom jedoch nicht als solche betrachtet wird.

14. Januar 2012: Msgr. Fellay übermittelt Rom eine zweite Antwort der Bruderschaft, die vom Heiligen Stuhl als solche entgegengenommen und einer eingehenden Prüfung unterzogen wird.

16. März 2012: Kardinal Levada erklärt Msgr. Fellay bei einem Treffen in Rom, daß die bisherige Antwort der Piusbruderschaft „ungenügend“ ist und der Heilige Stuhl sich innerhalb eines Monats eine endgültige Antwort erwartet, ohne diese Aufforderung an ein Ultimatum zu knüpfen.

26. März 2012: In den Kirchen und Kapellen des Deutschen Distrikts der Bruderschaft wird ein Schreiben des Distriktoberen Pater Franz Schmidberger verlesen, in dem er von „begründeten Hoffnungen auf eine zufriedenstellende Lösung“ spricht, durch die „alle Kräfte der Tradition in der Kirche gestärkt würden“.

14. April 2012: Zwischen der Piusbruderschaft und deren römischen Gesprächspartnern einigt man sich in intensiven Kontakten auf eine Formulierung, die für beide Seiten annehmbar ist und auch Papst Benedikt XVI. „persönlich überzeugt“ habe [P. Thouvenont in einem Rundschreiben vom 25. Juni 2012].

Bischof Fellay informiert die Priester der Bruderschaft, daß ein akzeptabler Text für die Antwort vereinbart werden konnte, die er dem Heiligen Stuhl zukommen lassen werde. Sie beruht auf zwei Grundsätzen:

  1. daß von der Bruderschaft keine Abstriche im Glauben und dem, was sich davon herleitet verlangt werden (Liturgie, Sakramente, Moral, Disziplin);
  2. daß der Bruderschaft wirkliche Handlungsfreiheit gewährt wird, die ihre Entwicklung möglich macht.

Die sich abzeichnende Einigung löst innerhalb der Bruderschaft Nervosität aus: Die anderen drei Bischöfe der Bruderschaft sprechen in internen Schreiben ihr Mißtrauen über das Entgegenkommen Roms aus und warnen vor einer möglichen „Falle“.

16. April 2012: Katholisches.info berichtet: „Die Einigung zwischen Rom und Piusbruderschaft scheint besiegelt“.

17. April 2012: Bischof Fellay übergibt dem Heiligen Stuhl im Namen der Bruderschaft eine „Glaubenserklärung“, mit „Präzisierungen“ zur „Doktrinellen Präambel“, wie es vorher mit Rom „informell abgestimmt“ [P. Niklaus Pfluger] worden war. Zur definitiven Einigung scheint nur mehr die formelle Zustimmung Roms zu fehlen.

18. April 2012: Der Heilige Stuhl bestätigt den Eingang der Antwort. Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi spricht von einer „ermutigenden“ Antwort, die „ein Schritt vorwärts“ ist. Die Erklärung werde von der Glaubenskongregation geprüft und dann dem Papst vorgelegt, so der Vatikan-Sprecher, der für die Prüfung durch Rom mit „einigen Wochen“ rechnet. Er gibt bekannt, daß am Ende die endgültige Fassung der Präambel veröffentlicht wird, auf die man sich einigt, nicht aber die ursprüngliche Fassung vom September 2011. Noch „können wir die Gespräche nicht als positiv abgeschlossen betrachten“, aber, „wer die Antwort der Lefebvrianer gelesen hat, hält sie für deutlich verschieden von der vorherigen“.
Vatikanisten rechnen damit, daß die Einigung und die kanonische Errichtung der Bruderschaft als Personalordinariat unmittelbar bevorstehen. Das Generalhaus der Bruderschaft warnt offiziell vor übertriebener Euphorie:

„Es handelt sich um einen Etappe, nicht um den Abschluß.“

Inoffiziell ist man sich der Einigung so gut wie sicher.

29. April 2012: Beim Spes-Unica-Sonntag in Hattersheim erklärt Pater Niklaus Pfluger, der 1. Assistent von Bischof Fellay:

„Die Verhandlungen der vergangenen beiden Jahren haben offenkundig werden lassen, daß die unterschiedlichen Standpunkte in zentralen Fragen der Kirchenlehre nicht überbrückt werden können. In den vergangenen Wochen wurde nun deutlich, daß Papst Benedikt XVI. so sehr an einer kanonischen Lösung für die Bruderschaft interessiert ist, daß er bereit ist, mit ihr ein Abkommen zu schließen, auch wenn diese die strittigen Texte des II. Vatikanischen Konzils und die Neue Messe nicht anerkennt.“

Papst Benedikt XVI. verlange heute weniger von der Bruderschaft, als Erzbischof Lefebvre 1988 zu akzeptieren bereit war.

2. Mai 2012: Der Vatikanist Andrea Tornielli schreibt, daß innerhalb Mai die Prüfung der „Glaubenserklärung“ abgeschlossen sein werde, die die Piusbruderschaft in die volle Einheit mit Rom führen dürfte.

10. Mai 2012: Msgr. Juan Ignacio Arrieta, der Sekretär des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte bestätigt, daß es keine doktrinellen Hindernisse für eine Einigung mit der Piusbruderschaft gebe:

„Ich denke, daß wir die doktrinellen Probleme klären konnten, auch wenn es nicht leicht war, dies schriftlich zu Papier zu bringen.“

3. Mai 2012: Der deutsche Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse erklärt in Rom nach einem Gespräch mit Kurienkardinal Kurt Koch in einem KNA-Interview, daß ihm der Kurienkardinal versichert habe, dass die Piusbrüder das nachkonziliare Lehramt und damit die Autorität des II. Vatikanum  anzuerkennen haben. Das gelte auch für «besonders sensible» Fragen wie das Bekenntnis zur Religionsfreiheit und das Verhältnis zum Judentum. Da gebe es «kein Zittern und Zaudern seitens des Vatikan», habe ihm Kardinal Koch erklärt. Diese Fragen seien „Essentials, bei denen der Vatikan nicht nachgeben“ werde.

12. Mai 2012: Bischof Fellay trifft sich in Rom mit Vertretern der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei zu einem „positiven“ Gespräch“, bei dem der Generalobere den sicheren Eindruck gewinnt, daß eine Einigung zum Greifen nahe ist. Die Antwort der Bruderschaft in Form der „Glaubenserklärung“ wird von Ecclesia Dei als befriedigend betrachtet.

16. Mai 2012: Die Vollversammlung der Glaubenskongregation (der aus dem deutschen Sprachraum die Kardinäle Kardinäle Christoph Schönborn, Walter Kasper, Kurt Koch und der Bischof von Regensburg Gerhard Ludwig Müller angehören) prüft auf ihrer Sitzung die Antwort der Piusbruderschaft und formuliert „einige Beobachtungen, welche in weiteren Diskussionen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft Beachtung finden werden“. Die „Situation“ der drei Bischöfe der Piusbruderschaft soll wegen ihres bekanntgewordenen Schreibens gegen eine Einigung mit Rom „getrennt und einzeln beurteilt werden“.
In diesem Zusammenhang werfen Kardinäle die Frage auf, ob man denn wisse, wer noch welches Gewicht in der Bruderschaft habe und ob sich selbst bei einer Einigung durch eine Spaltung der Bruderschaft anschließend nicht das Problem erneut stelle. Irritiert zeigen sich die Mitglieder der Glaubenskongregation zudem über Indiskretionen auf Seiten der Bruderschaft, die Gegnern einer Einigung zugeschrieben werden.

Kardinal Albert Malcolm Ranjith, der Erzbischof von Colombo erklärt, bereit zu sein, die Leitung des Priesterseminars seines Erzbistums der Piusbruderschaft anzuvertrauen.

20. Mai 2012: Bischof Fellay erklärt in Wien zu einer möglichen Einigung:

„Ich kann Euch versichern, es ist der Wille des Papstes, daran gibt es keinen Zweifel. Aber zweifelsohne ist es nicht der Wille aller in der Kirche.“

7. Juni 2012: Bischof Fellay erklärt in einem DICI-Interview:

„Bei uns mißtraut man Rom, weil man zu viel Unannehmlichkeiten erlitten hat; darum denkt man, daß es sich um eine Falle handeln könnte. Es ist wahr, daß unsere Feinde von diesem Angebot als von einer Falle träumen können; aber der Papst, der wirklich diese kirchenrechtliche Anerkennung will, schlägt sie uns nicht als eine Falle vor, was das römische Angebot dem Recht und den Tatsachen nach erlaubt. Ja, es ist der Papst, der dies will, und ich habe es öfter wiederholt. Ich besitze hinreichend genaue Elemente, um zu behaupten, daß das, was ich sage, wahr ist. […] Ich glaube, wenn meine Mitbrüder sehen und verstehen, daß es dem Recht und den Tatsachen nach im römischen Vorschlag eine wirkliche Möglichkeit für die Bruderschaft gibt, ‚alles in Christus zu erneuern‘, trotz aller Verwirrung, die in der Kirche heute noch besteht, sie ihr Urteil korrigieren könnten ‑ nämlich mit dem kanonischen Statut in der Hand und den Tatsachen vor Augen.“

9. Juni 2012: Kardinal Levada wird von Papst Benedikt XVI. in Audienz empfangen und berichtet diesem über den Stand der Gespräche und das Votum der Glaubenskongregation.

13. Juni 2012: Bischof Fellay reist auf Einladung von Kardinal Levada nach Rom in der begründeten Annahme, die Einigung besiegeln zu können. Statt dessen übergibt der Kardinal eine Neufassung der „Doktrinellen Präambel“, mit der man, so Bischof Fellay, wieder am „Ausgangspunkt“ angelangt“ ist. Der Inhalt der „Präambel“ bleibt weiterhin geheim.

Ebenso wird Fellay ein Vorschlag für eine mögliche kirchenrechtliche Anerkennung der Bruderschaft als Personalprälatur übergeben. Bischof Vitus Huonder von Chur erklärt am selben Tag dem St. Galler Tagblatt, daß er sich eine baldige Einigung erwarte.

14. Juni 2012: Vatikan-Sprecher Lombardi sagt vor Journalisten, daß die von Kardinal Levada übergebene Neufassung der „Präambel“ „nicht exakt“ aber weitgehend dem am 15. April von Bischof Fellay übergebenen Vorschlag entspreche. „Es ist klar, daß der Ball nun bei der Piusbruderschaft liegt“, so Lombardi, diese habe zugesagt, ihre Antwort „in einem annehmbaren Zeitraum“ vorzulegen. Nun sei „die letzte Etappe der Untersuchung der Situation durch die Bruderschaft angebrochen“, so der Vatikan-Sprecher, der zum Ausdruck bringt, daß der Heilige Stuhl auf eine Einigung hofft. Die Letztentscheidung, so Pater Lombardi, steht dem Papst zu.

20. Juni 2012: Der Vatikanist Andrea Tornielli schreibt, daß die Kardinäle am 16. Mai Zweifel zu verschiedenen Änderungs- und Präzisierungsvorschlägen der Bruderschaft aufgeworfen haben und Korrekturen an Formulierungen (vor allem zum II. Vatikanum) vornahmen, die sie für inakzeptabel hielten. Die Bruderschaft habe die neue Fassung der „Doktrinellen Präambel“ anzunehmen. Spielraum für neue Gespräche gebe es nicht. Der Papst teile verschiedene Bedenken seiner Mitarbeiter. Die Bischof Fellay übergebene neue „Präambel“ sei vom Papst genehmigt worden.

25. Juni 2012: Pater Christian Thouvenet, der Sekretär von Bischof Fellay teilt in einem internen Rundbrief an die Oberen der Bruderschaft mit, daß die von Bischof Fellay im April Rom übergebene „Glaubenserklärung“ im Vorfeld mit den römischen Gesprächspartnern abgeklärt wurde und – wie diese informell mitteilten – Papst Benedikt XVI. „persönlich überzeugt“ habe. Die neue Fassung der „Präambel“ entspreche hingegen faktisch der Erstfassung vom September 2011 und sei deshalb für die Bruderschaft „inakzeptabel“. Die Gespräche mit Rom seien an einem „toten Punkt“ angelangt.

26. Juni 2012: Papst Benedikt XVI. beginnt mit einem Umbau der Römischen Kurie durch den alle bisherigen Ansprechpartner in den Gesprächen mit der Piusbruderschaft ausgetauscht werden. Der amerikanische Dominikaner, Kurienerzbischof Augustine Di Noia wird zum Vize-Präsidenten von Ecclesia Dei ernannt. Seine Ernennung wird in der Piusbruderschaft begrüßt. Erzbischof Di Noia gehört einer anderen Richtung als Kardinal Levada an, was den Umgang mit den zwischen Heiligen Stuhl und Piusbruderschaft umstrittenen Punkt des II. Vatikanums betrifft. In einem ersten Interview erklärt er: „Die Gespräche gehen inzwischen seit drei Jahren weiter, aber der Heilige Vater will eine Sprache oder eine Weise finden, um alle zu versöhnen. Wir müssen alle I-Tüpfelchen setzen und denen von der Bruderschaft helfen, eine Formel zu finden, um ihre theologische Integrität zu bewahren. Die Einigung ist nahe, man muß ihr nur einen letzten Anstoß geben.“

28. Juni 2012: Radio Vatikan berichtet, daß jüngste Äußerungen von Bischof Fellay in Rom für „Irritationen“ gesorgt haben, in denen er erklärte, Rom verlange von der Bruderschaft nicht mehr, das gesamte II. Vatikanum zu akzeptieren. Die Glaubenskongregation habe daher auf ihrer Versammlung vom 16. Mai bekräftigt, daß die Annahme des vollständigen Lehramtes der katholischen Kirche Grundlage für eine Einigung ist.

30. Juni 2012: Papst Benedikt XVI. bestätigt auf Anfrage der Piusbruderschaft in einem Brief an Bischof Fellay, daß die Neufassung der „Präambel“ seinem Willen entspricht. Die Existenz des Schreibens wird am 16. September von Bischof Tissier de Mallerais bekanntgegeben und am 18. September vom deutschen Distriktoberen in einem Interview bestätigt.

2. Juli 2012: Papst Benedikt XVI. ernennt Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation und gleichzeitig Präsidenten von Ecclesia Dei. Die Ernennung wird von der Piusbruderschaft keineswegs begrüßt. Es kommt zu einem wenig freundlichen öffentlichen Schlagabtausch zwischen der Bruderschaft und dem neuernannten Glaubenspräfekten. Die Bruderschaft erwartet, daß die Gespräche durch die Ernennung „schwieriger“ werden.

7.-14. Juli 2012: Das Generalkapitel der Piusbruderschaft tagt in Econe. Bischof Richard Williamson wird vom Generaloberen wegen „anhaltendem Ungehorsam“ die Teilnahme verweigert. Die Entscheidung wird von 29 von 38 Oberen gutgeheißen. Das Generalkapitel formuliert drei unverzichtbare Voraussetzungen für eine Einigung mit Rom: 1) den ausschließlichen Gebrauch des Missale von 1962, 2) die Freiheit, Kritik an den „Irrtümern oder den Neuheiten des Modernismus, des Liberalismus, des Zweiten Vatikanischen Konzils und deren Folgen“ üben zu dürfen, 3) die Garantie zumindest eines Bischofs. In der öffentlichen Schlußerklärung heißt es: „Wir haben die notwendigen Bedingungen für eine eventuelle kanonische Normalisierung definiert und angenommen. Es wurde festgelegt, daß in diesem Fall vorher ein außerordentliches, beschließendes Kapitel einberufen wird.“

25. Juli 2012: Der Pressesaal des Heiligen Stuhls gibt bekannt, daß Rom die öffentliche Erklärung des Generalkapitels nicht als Antwort betrachtet. Rom erkenne jedoch eine Gesprächsbereitschaft. Technische Fragen, wie einen exemten Status der Bruderschaft, die sie dem Einfluß der Diözesanbischöfe entzieht, gelten als lösbar, wie der Vatikanist Tornielli berichtet. Im Vatikan, so Tornielli, betone man, daß die Neufassung der „Präambel“ durchaus „verschiedene von Bischof Fellay formulierte Vorschläge und Anregungen“ berücksichtigt. Es handle sich daher um keinen „Rückschritt“, als hätte es die Gespräche nie gegeben.

Zwei Punkte der Präambel seien wieder in die Präambel eingefügt worden, einer auf Wunsch der Glaubenskongregation, der andere auf Wunsch des Papstes. In der Glaubenskongregation gebe es starke Widerstände gegen die Vorstellung, daß Konzilsdokumenten auch nur in Teilen „Irrtümer“ zugeschrieben werden. Man erwarte sich von der Piusbruderschaft, zwischen den Konzilsdokumenten und ihrer Interpretation zu unterscheiden und anzuerkennen, daß das Lehramt von keiner anderen Instanz beurteilt werden könne. Der zweite Punkt betrifft den Novus Ordo Missae. Der Heilige Stuhl erwartet sich, daß die Piusbruderschaft bei aller Kritik an Mißbräuchen und aller Diskussion über die Liturgiereform und deren Umsetzung, deren Lizeität anerkennt.

6. September 2012: Die Piusbruderschaft teilt der Kommission Ecclesia Dei mit, daß sie für Reflexion und Studium der Vorschläge des Heiligen Stuhls mehr Zeit braucht, um Rom eine angemessene Antwort geben zu können.

10. September 2012: Bischof Fellay schließt zwei amerikanische Priester der Bruderschaft wegen „Ungehorsams“ aus. Beide waren entschiedene Gegner einer Einigung mit Rom.

18. September 2012: Pius.info veröffentlicht ein Interview mit Pater Schmidberger, dem deutschen Distriktoberen der Piusbruderschaft. Dieser gibt bekannt, daß Papst Benedikt XVI. auf Anfrage bestätigt hat, daß die am 13. Juni Bischof Fellay übergebene „Präambel“ von ihm genehmigt wurde und daher seinem Willen entspricht. Aus dem Kontext läßt sich entnehmen, daß Rom zwei Punkte fordert: 1.) die Anerkennung der „Lizeität“ (Erlaubtheit) des Novus Ordo Missae und 2.) die Bestätigung des Vorhandensein einer Kontinuität des II. Vatikanums und des nachkonziliaren Lehramtes mit dem früheren Lehramt und den vorausgegangenen Konzilien.

2. Oktober 2012: Der neue Glaubenspräfekt, Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller sagt in einem Interview mit dem National Catholic Register von EWTN: Die Piusbruderschaft müsse „eine gewisse Form der Entwicklung in der Liturgie akzeptieren. Der Heilige Vater hat den ewig gültigen Wert der außerordentlichen Form der Liturgie anerkannt, aber dort müssen sie auch anerkennen, daß die neue ordentliche Form der Liturgie, die nach dem Konzil entwickelt wurde, gültig und rechtmäßig ist“. Befragt, wie die Gespräche weitergehen würden sagte er: „Ich bin immer voll Vertrauen in unseren Glauben und optimistisch. Wir müssen beten, daß es einen guten Willen und Einheit in der Kirche gibt.“

6. Oktober 2012:  Glaubenspräfekt Müller erklärt im NDR: „Diese Bruderschaft ist für uns kein Verhandlungspartner, weil es über den Glauben keine Verhandlungen gibt.“ Und weiter: „Es gibt keine Ermäßigungen was den katholischen Glauben angeht, gerade wie er auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil gültig formuliert worden ist. […] Das Zweite Vatikanische Konzil steht nicht im Gegensatz zur gesamtkirchlichen Tradition, allenfalls im Gegensatz zu mancher falschen Interpretation des katholischen Glaubens.“

18. Oktober 2012: Pater Pfluger der 1. Assistent von Bischof Fellay erklärt in einem Interview mit der Kirchlichen Umschau (Ausgabe November): „Es gibt in Rom Gegner einer kirchenrechtlichen Regularisierung der Bruderschaft. Denn eine offizielle Anerkennung der Bruderschaft wäre ja das Signal, daß die Epoche des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirchengeschichte geendet hat und ein neues Kapitel beginnt. Das paßt natürlich den Konziliaren nicht; für sie wäre eine Anerkennung der Priesterbruderschaft St. Pius X. nicht nur ein Affront, sondern eine Infragestellung des Konzils, also ein Debakel. Offenbar konnten sie sich durchsetzen.“

23. Oktober 2012: Bischof Richard Williamson wird wegen „anhaltenden Ungehorsams“ aus der Bruderschaft ausgeschlossen. Der Beschluß dazu war bereits am 4. Oktober gefaßt worden, dem Bischof jedoch eine Frist eingeräumt worden, sich unterzuordnen, die er ungenützt verstreichen ließ.

27. Oktober 2012: Der Heilige Stuhl räumt der Piusbruderschaft mehr Zeit für eine Antwort ein. In einer Stellungnahme der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei heißt es, bei den Gesprächen zwischen Rom und Econe brauche es „Geduld, Ernsthaftigkeit und Durchhaltevermögen“.

1. November 2012: In der November-Ausgabe des deutschen Mitteilungsblattes der Bruderschaft schreibt Pater Schmidberger: „Die Gespräche mit Rom wegen einer Normalisierung unserer Beziehungen zum Heiligen Stuhl sind ins Stocken geraten – von einem Scheitern zu sprechen ist allerdings übertrieben und wird der Sache nicht gerecht.“

3. November 2012: Msgr. Guido Pozzo, der Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei wird von Papst Benedikt XVI. zum Päpstlichen Almosenier ernannt und verläßt die Kommission.

6. November 2012: Die Kommission Ecclesia Dei erteilt auf Anfrage eine negative Antwort, ob ein Gläubiger durch den Besuch einer von einem Priester der Piusbruderschaft zelebrierten Heiligen Messe die Sonntagspflicht erfüllt. Sie widerspricht damit einer Antwort derselben Kommission vom 18. Januar 2003, die lautete: „Im strikten Sinn können Sie Ihre Sonntagspflicht erfüllen, indem Sie einer Messe beiwohnen, die von einem Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X. zelebriert wird.“

11. November 2012: In Paris spricht Bischof Fellay über das „Stocken“ der Gespräche, für die er „widersprüchliche Signale“ Roms und „Sabotage“ durch Teile der Kirche verantwortlich macht.

28. Dezember 2012: Für mediales und innerkirchliches Aufsehen sorgt ein Vortrag von Bischof Fellay im kanadischen New Hamburg. Der Generalobere der Piusbruderschaft fragte: „Wer hat sich während dieser Zeit am meisten widersetzt, daß die Kirche die Bruderschaft anerkennt? Die Feinde der Kirche. Juden, Freimaurer, Modernisten.“

18. Januar 2013: Es wird bekannt, daß der Vize-Präsident von Ecclesia Dei, Kurienerzbischof Di Noia bereits vor Weihnachten Bischof Fellay einen umfangreichen persönlichen Brief geschickt hat (der Originalbrief), den dieser Anfang 2013 allen Priestern der Bruderschaft zukommen ließ. Di Noia bekräftigt darin, daß die Fortsetzung des Dialogs ein „großer Wunsch“ Papst Benedikts XVI. ist und unterbreitet in dem Schreiben neue Lösungsansätze, um zu einer Einigung zu gelangen. Unter anderem solle die Frage nach der Haltung gegenüber umstrittenen Punkten des II. Vatikanums offenbleiben und einer zukünftigen Entscheidung überlassen werden.

20. Januar 2013: Bischof Charles Morerod von Genf-Lausanne-Freiburg, der Mitglied der vatikanischen Theologendelegation war, die von 2009-2011 mit der Piusbruderschaft Lehrgespräche führte, bekräftigt mit einem Dekret, daß Priestern der Piusbruderschaft in seiner Diözese die Nutzung von Kirchen und Kapellen untersagt ist, da sie a divinis suspendiert sind.

1. Februar 2013: Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Müller, gibt der Tageszeitung Die Welt ein Interview, das auch von der Piusbruderschaft als „katholisch“ bezeichnet wird: „Das könnte eine Erklärung für seine nicht besonders verständnisvolle Haltung gegenüber der Piusbruderschaft sein: ‚Wir brauchen keine Piusbruderschaft‘, – prägnant zusammengefaßt –, ‚wir sind selber katholisch‘.“ So die Reaktion auf Pius.info.
Auf die Frage, wie es mit der Aussöhnung mit der Piusbruderschaft weitergeht, sagt der Glaubenspräfekt: „Einfach und schwer. Die Glaubenskongregation hat der Priesterbruderschaft die Dogmatische Präambel vorgelegt. Die beinhaltet nichts als die Ganzheit des katholischen Glaubens, wo legitimerweise dem Papst die letztverbindliche Lehrautorität zusteht. Daraufhin ist bis jetzt keine Antwort erfolgt. Wir warten aber nicht endlos.“

[Update 7.2.2012: Es wurde auf den Rundbrief von Pater Thouvenot (25. Juni 2012) verlinkt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Una Fides

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78 Kommentare

  1. Beten wir weiterhin für die Einheit zwischen der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Jesu Christi und der Priesterbruderschaft St. Pius X.! Würde die Priesterbruderschaft jetzt die Doktrinelle Präambel ablehnen, wäre das für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte das Ende und eine weitere Spaltung der Christenheit und das ist nicht im Sinn oder im Willen unseres Herrn Jesus Christus! Der Heilige Stuhl ist der Priesterbruderschaft so entgegengekommen, wie einem Vater seinem Sohn der sich verirrt hat, oder einem Schaf was sich in Dornen verfangen hat. Ich wünsche der Priesterbruderschaft St. Pius X: die Einscht und Bekehrung, so wie es der verlorende Sohn im Evangelium hatte! Möge Gott die getrennten Sohne und Töchter in seiner einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Jesu Christi zürückführen!

      • Die Antwort könnte vielleicht negativ ausfallen, aber wir wissen es nicht und darum können wir hoffen und beten das es nicht zum Bruch kommt!

        • Sehr geehrter Herr Luster,
          ihren guten Willen in allen Ehren, aber ihre Worte zeigen ebenso wie die Äußerungen vieler anderer, dass Sie die Lage und die Umstände nicht kennen. Die Antwort muss negativ sein und Rom wird auch nicht nachgeben. Rom muss insb. die volle Anerkennung des ‚Konzils‘ und der Erlaubtheit des des NOM verlangen, die Brunderschaft kann und wird dies nicht tun und sich auch nicht ausliefern. Weder die eine noch die andere Seite kann und wird sich selbst verleugnen.
          Für mich ist nur die Frage, welche Konsequenzen Rom daraus zieht. Wird erneut eine Exkommunikation erklärt, beispielsweise „all jener, die nicht das ‚Konzil‘ oder den Status des Lehramtes als Richter über die (Auslegung der) Tradition vollumfänglich anerkennen?

        • Ich weiß das es theologische Gründe gibt für die Piusbruderschaft, gerade wegen der geforderten Anerkennung des NOM oder Teilen des 2.Vatikanums.
          Aber es hat ja eine deutliche Zubewegung des Heiligen Stuhls gegeben, die jetzige Antwort ist die Entscheidung für die Einheit oder für den Bruch. Sollte es zum Bruch kommen wird eine erneute Exkommunikation ausgesprochen und die betrifft die Weihbischöfe, Priester, Ordenleute und Laien. Den es ist für einen katholischen Christ nicht erlaubt an den Sakramenten teilzunehmen bei der Piusbruderschaft (siehe Motu proprio von 02.07.1988).
          Der Bruch wäre eine Sünde gegen Jesus Christus dem Haupt der Kirche! Also versündigen sich beide und das darf um Gottes Willen nicht geschehen, es gibt schon zuviel Spaltung und Parteiung.

          Eine Frage kennen Sie Lage und Umstände? Waren Sie bei den Gesprächen bei oder kennen Sie den Inhalt der doktrinellen Präambel? Sie können auch nicht mehr wissen als alle anderen die sich hier äußern.

          Man sollte auch guter Hoffnung sein, wenn alles auf Bruch hindeutet.

    • Die Piusbruderschaft hat sich nicht verirrt, verirrt haben sich vielmehr die Modernisten.

      Und das Entgegenkommen des Papstes ist leider nicht so weit, wie es sein müßte.
      Rom verlangt von der Piusbruderschaft Unmögliches, indem es darauf besteht, daß die Piusbruderschaft den schlechten NOM und die Falschheiten des 2.Vatikanums gutheißt.

      Das kann die Piusbruderschaft nicht, wenn sie dem katholischen Glauben treu bleiben will.

  2. Die Pius-Bruderschaft ist katholisch. Und alle die wirklich katholisch sind und dem Papst folgen haben sehr zu kämpfen und werden verlacht.
    Pius folgt mehr dem Papst als viele Priester der rk Kirche. Folglich werden sie bekämpft. Das ändert sich auch nicht, wenn sie zur rk Kirche zurück kehren. Aber da kämpfen sie wenigstens gemeinsam mit dem Papst. Und das wäre ein Bollwerk gegenüber dem erstarkten Atheismus und Priester, die die Weisungen Roms übergehen und die Gläubigen in die Irre führen.
    Eins kann man sagen, dass Pius die Gläubigen nie in die Irre führt. Es wäre tragisch, wenn Pius die Zeichen der Zeit nicht erkennt und das Angebot aus Rom nicht annimmt. Ein Schisma würde Pius und die rk Kirche schwächen.

  3. (…)“ wo legitimerweise dem Papst die letztverbindliche Lehrautorität zusteht.“ (…)
    Kein gläubiger Katholik kann und darf diesen Halbsatz leugnen. Wenn nicht die DENKBAR schlimmste, verheerende Situation eintritt: Das letzt Konzil und die letzten Päpste interpretieren definierte Lehraussagen früherer Konzilien und Päpste NEU. Es ist das Ende von ewig gültigen Glaubensaussagen, das Ende des Glaubens an unantastbar geoffenbarte Glaubenswahrheiten. Der Glaube der katholischen Kirche löst sich auf in Relativismus und Beliebigkeit. Wie es dem Zeitgeist, den gerade modernen philosophischen Strömungen entspricht.
    Wenn einem das klar geworden ist, und es kann einem klar werden, wenn man den Denzinger zur Hand nimmt und das vorkonziliare Lehramt mit dem „konziliaren-nachkonziliaren Lehramt“ vergleicht, ist dem regierenden Papst zu widersprechen.
    Wie oft ist mir in den letzten Jahren die Erinnerung ins Bewusstsein getreten: Ein treues, katholisches „Diaspora-Mädchen“ lernt im (vorkonziliaren) Religionsunterricht: Der Papst ist nur unfehlbar, wenn er ex cathedra spricht. „Wie gut“, freute ich mich. Die „Evangelen“ können uns nicht vorwerfen, wir seien blind und autoritätsfixiert. Denn kein Mensch, auch nicht der Papst, kann in jeder Äußerung, Auffassung, unfehlbar sein. Er ist immer gebunden an die Lehre der Kirche, er hat kein Recht, diese von sich aus abzuändern. Doch das war abstrakt, reine Theorie, real nicht vorstellbar. Es war vor dem Konzil, die Gläubigen wussten nicht, was bald auf sie zukommen würde…
    Ich hatte damals keine Ahnung, dass die Freude des “ katholischen Diaspora-Mädchens“ einer so bitteren Prüfung ausgesetzt würde.
    Zurück in die Gegenwart: Die FSSPX hat die Aufgabe, für die Kontinuität des Glaubens von Anbeginn bis heute zu kämpfen. Ich sehe es so. Und dann kann ich nur beten, dass sie einig bleibt und für den bedrohten Glauben kämpft. Auch wenn der Preis fast unerträglich hoch sein sollte. Doch JEMAND muss für den Glauben kämpfen…

  4. Beten wir für die Einheit zwischen der Kirche und der Bruderschaft, auf der Basis des Glaubens. Beten wir, dass der Papst die Kraft haben möge, die Irrtümer und Verirrungen, die die Kirche seit mehreren Jahrzehnten quälen, nicht nur zu benennen, sondern auch zu bekämpfen. Beten wir dafür, dass Papst Benedikt XVI. nicht nur als großer Theologe, sondern auch als großer Streiter für den Glauben in die Geschichte eingehen wird.

    Lieber Benedikt Klaus, der verlorene Sohn hatte nach meinem Wissen, als er den Vater verließ doch alles verspielt, was er hatte. Übertragen wir nun mal die Situation auf das Verhältnis zwischen Kirche und Bruderschaft: verdingt die Bruderschaft sich als Schweinehirte und hungert dabei so, dass sie reumütig zum Vater zurückkehrt, um sich zu ihrer Sünde zu bekennen und die Kirche um eine Stelle als Tagelöhner zu bitten? Offen gesagt, nach meiner Wahrnehmung scheint es mir eher so zu sein, dass der Vater eine ganze Menge verspielt hat, oder finden Sie die Aufgabe so großer Klöster wie Weingarten, Siegburg, um nur mal einige zu nennen, toll? Die Kirche liegt im deutschsprachigen Raum am Boden und ist derart kraft- und saftlos, dass diese sich nicht in der Lage sieht, den tapferen Herrn Lohmann durch einen, nur durch einen einzigen ihrer zahlreichen Bischöfe und Weihbischöfe zu unterstützen!

    Beten wir also dafür, dass der Vater die Demut findet, seinen verlorenen Sohn um Hilfe zu bitten, ohne Vorbedingungen, einfach nur aus der Sorge um das Seelenheil der Menschen.

    • Die Piusbruderschaft hat die Einheit verspielt in dem sie unerlaubt Bischofsweihen getätigt hat, sie erkennt auch weiterhin verschiedene Teile des 2.Vatikanum nicht an und Teile des Lehramtes nach Pius XII. auch nicht, was Ökumene und Dialog mit anderen Religionen oder die ordentliche Form der heiligen Messe. Die Piusbruderschaft muss sich bewegen, der Heilige Stuhl hat sich bewegt!

      Meines erachtens liegt die Krise unserer Kirche darin das es eine falsche Auslegung des 2.Vatikanischen Konzils gab, darum braucht es eine Refom der Refom in Kontinuität mit der Tradition!

      Ich persönlich finde es auch sehr tragisch das Kirchen und Klöster geschlossen werden und umfunktioniert werden, das hat aber auch mit Gläubigenmangel zutun und mit Mangel an Berufungen! Das Herr Lohmann von antireligiösen und auch von kirchlichen Persönlichkeiten bekämpft oder in Stich gelassen wird ist nicht verwunderlich, den Herr Lohmann steht voll und ganz aus Liebe zur Wahrheit die Gott ist für die Lehre der Kirche ein, auch wenn man diese nicht hören will!

      Beten wir für die Einheit und bleiben wir in Christus Jesus und seiner einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche verbunden!

      • Sie haben Recht: Die Päpste bis Pius XII. haben die Teile des 2. Vatikanischen Konzils, jene die auch die Piusbrüder ablehnen, als Irrtum und nicht katholisch bezeichnet.

        Das 2. Vatikanische Konzil ist Ursache der Glaubens- und Kirchenkrise.

        Seit der Reformation gibt es kein Ende der Krise in den evangelischen Glaubensgemeinschaften. Ständige Abspaltungen und neue theologische Irrlehren. So wie es bei der Kirche seit dem 2. Vatikansichen Konzil nun auch ist: immer mehr Irrlehren und Gemeinschaften, die alles andere sind als katholisch.

        Würde die Piusbruderschaft die Teile der Lehren des 2. Vatikanischen Konzils was Ökumene und die sogenannte ordentliche Form der Messe angeht anerkennen, würde sie sich nicht nur selbst verleugnen und ihren Gründer verraten, sondern viel schlimmer: Den einzig wahren Glauben: den Katholischen würden sie verraten. Gott bewahre bitte Deine Kirche davor.

        • Ursache ist die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils, nicht die Texte Ansich.

          Ökumene müsse dahin gehen das die Katholische Kirche dahinarbeitet das die getrennten kirchlichen Gemeinschaften wieder zu ihr zurückkommen. Die ordentliche Form/Ritus ist nicht falsch, sondern auch eine falsche Umsetzung des Textes zuzuschreiben; Liturgiesprache, Richtung der Zelebration, Liturigemissbräuche, Hand- oder Mundkommunion, Kommunionbänke, man hätte nicht so radikal den Ritus ändern müssen, das manche denken das seit 1969 was neues da wäre. Die Sprache der Piusbruderschaft ist mir zuscharf gegen Juden, Freimaurer, Modernisten und anderen Religionen, es wäre besser in Dialog zutreten und die anderen von der Wahrheit der christlichen Religion zuüberzeugen.

          Die derzeitige nicht eindeutige Lage der Piusbruderschaft ob sie in Einheit mit der Kirche ist oder nicht, macht es schwierig zusagen ob alles richtig ist was diese tut. Der schlimmste Makel ist die Trennung, den Jesus sagt im Joh 15 getrennt von mir könnt ihr könnt ihr keine Frucht bringen. Bewahre deine und unsere Kirche vor Trennung und Uneinigkeit!

    • Lieber Klaus Benedikt,

      ich möchte Ihnen mal ein Beispiel nennen, um die Ihnen die Widersprüche der Texte des II. Vatikanischen Konzils näherzubringen:

      „Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.“ (Lumen Gentium Nr. 14).

      und nun ein anderes Zitat:

      „Ebenso sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften trotz der Mängel, die ihnen nach unserem Glauben anhaften, nicht ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles. Denn der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie als Mittel des Heiles zu gebrauchen, deren Wirksamkeit sich von der der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet.“ (Unitatis redintegratio Nr. 3)

      Wenn jene Menschen nicht gerettet werden können, die nicht in die katholische Kirche eintreten (LG), wie können dann die getrennten Kirchen und Gemeinschaften durch den Geist Christi als Mittel des Heiles gebraucht werden (UR)?

      Aber nein, das II. Vatikanische Konzil ist widerspruchsfrei, selbstverständlich, und kann vollständig im Lichte der Tradition intrepretiert werden, bloß, und das ist nun mal halt der Punkt, dass so gut wie alle heutigen Theologen der Rückkehrökumene mit Bezugnahme auf die Konstitution Unitatis redintegratio eine Abfuhr erteilen.

      Komisch oder?

      Das Konzil bezeugt eindeutig, dass jene Menschen nicht gerettet werden können, die nicht in die katholische Kirche eintreten, aber die Rückkehrökumene, d.h. das Bestreben, Christen anderer Konfessionen dazu zu bewegen, in die Kirche wieder einzutreten, soll aber auch nicht richtig sein (und zwar auf ausdrückliche Bezugnahme auf das gleiche Konzil).

      Also, was soll man anerkennen? Ach ja, richtig, das II. Vatikanische Konzil, insbesondere die dogmatischen Implikationen der Aussagen zur Religionsfreiheit, Judentum und Menschenrechten, und zwar ohne jedes wenn und aber.

      • „Wenn jene Menschen nicht gerettet werden können, die nicht in die katholische Kirche eintreten (LG), wie können dann die getrennten Kirchen und Gemeinschaften durch den Geist Christi als Mittel des Heiles gebraucht werden (UR)?“
        Indem sie auch lediglich mit Teilen „der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit “, welche von der katholischen Kirche hergeleitet sind, jenen Menschen, die um die katholische Kirche aber ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit nicht wissen, durch den Geist Christi als Mittel des Heiles behilflich sein könnten.
        Wenn man alle UNDs und ODERs berücksichtigt, kann man mit gutem Willen zu wohlwollender Interpretationen kommen.

      • Das es verschiedene Formulierungen gibt in Texten ist normal, man muss diese im Kontext lesen und dann was das Lehramt dazu ausgeführt hat. Es wird immer Widersprüche geben, das macht sich auch bemerkbar an verschiedenen Forderung von EKD und ZDK usw.! Die Theologen haben sich auch an das Lehramt der Kirche zu halten, auch wenn es verschiedene Theologen oder Theologinnen gibt die meinen Ihre eigene Meinung zum Maßstab zu machen.
        Man muss aber auch unter den einzelenn Dokumenten ihre Wertigkeit beachten einen Dogmatische Konstitution ist höher als ein Dekret oder eine Erklärung, Dekret und Erklärungen müssen im Kontext einer Dogmatischen Konstitution gelesen werden. Und die Texte im Lichte der Tradition.

        Frau Käßmann hat ja behauptet Sie sei katholisch und was ist Sie? Mitglied der evangelischen Gemeinschaft und Luther-Botschafterin.

        Wünsche noch eine gute Diskussion!

      • Lieber J.Jail,

        ich soll alle UND und ODER Ernst nehmen?

        Die negative UND-Verknüpfung, so wie dies Lumen Gentium Nr. 14 vornimmt („die um die katholische Kirche UND ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen“), bedeutet, dass beide Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um nicht gerettet zu werden. Nur wer die katholische Kirche kennt UND um ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit weiß, und dennoch nicht eintritt bzw. aus dieser wieder austritt, wird nicht gerettet.

        Eine Frage hätte: ist nach Ihrer Ansicht die Textstelle aus Lumen Gentium Nr. 14 , dass „jene Menschen nicht gerettet werden [können], die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten“, aus Ihrer Sicht so zu verstehen, dass es auf das „tatsächliche Wissen um die Heilnotwendigkeit“ ankommt (ich unterstelle, die zweite Voraussetzung, Kenntnis von der Katholischen Kirche dürfte bei den Mitgliedern der getrennten Kirchen und Gemeinschaften in aller Regel gegeben sein) oder bezieht sich Lumen Gentium Nr. 14 auch auf ein „Wissen können“?

        Nehmen wir mal an, diese Textstelle bezieht sich nur auf das „tatsächliche, bewußte Wissen um die Heilsnotwendigkeit“ der Kirche. Ist das der Grund, warum die Missionstätigkeit innerhalb wie außerhalb der Kirche weitgehend eingestellt wurde, denn, wer von der Heilsnotwendigkeit nichts weiß, kann ja auch auf anderem Wege gerettet werden?

        Anders ausgedrückt: würde nicht jede missionarische Tätigkeit der Kirche mehr und mehr Menschen in die Lage versetzen, die Heilsnotwendigkeit der Kirche zu erkennen, und diese dann ins Verderben stürzen, sofern diese sich nicht für einen Eintritt in die Kirche entscheiden? Dann ergibt UR Nr. 3 durchaus einen Sinn, aber einen völlig absurden, denn dann dürfte die Kirche um das Seelenheil der Menschen gerade nicht die Botschaft Christi verkünden, aus Sorge um das Seeleheil.

  5. Ja, beten wir jetzt alle fest, dass die Piusbruderschaft diese (letzte?) Zeit der Gnade nicht ungenützt verstreichen lässt, in der der Papst ihnen wirklich maximal entgegengek. ist und ihnen genug Garantien gegeben hat, dass sie beschützt in der Kirche weiterhin ihrem Charisma werden treu bleiben können! (=Priesterausb. im alten Ritus). Anklägertum stammt hingegen nicht von Gott(!) Sich jedoch konstruktiv an der Auslegung des 2.VK in einer Hermeneutik der Kontinuität innerh.(!) der Kirche mitzubeteiligen, wäre doch das Gebot der Stunde(!) und ein not-wendiger und sinnvoller Beitrag, der – von Progressisten, die das 2.VK für ihre Privatvorstellungen instrumentalisieren möchten, halt weniger erwünscht – dafür umso mehr von den romtreuen Gläubigen geschätzt würde(!) und den zu leisten sie perfekt disponiert wären! Zeit der Gnade für die ganze Kirche??? Der Hl. Geist führt die Kirche, nicht Msgr. Lefebvre. Die Rolle des Papstes darin (der die Piusbruderschaft vehement zurückzukommen ruft!) nur theoret. anzuerkennen, ist eine schizoide Konstruktion, wenn man ihm glz. den Gehorsam in der Realität konkret verweigert und sich de facto über ihn und das Lehramt stellt – was in sich völlig unkatholisch ist! Eine grundsätzliche Anerkennung von Papst und sämtlichen Konzilien braucht es (nach alter kathol. Vorstellung!), um echt katholisch zu sein. Mehr wird auch nicht verlangt. – Eine Korrektur der missbräuchl. Interpretation und Umsetzung des 2.VK ist auch im Interesse der Kirche! Kann die Bruderschaft nicht die Zeichen der Zeit sehen u. den Wink Gottes, sich j e t z t u. h i e r , aber innerhalb der Kirche(!), fruchtbringend einzubringen? Die Türen stehen immer noch weit offen… Die Gespräche sollten unbed. mit viel Demut, Offenheit u. von viel Gebet begleitet, weitergeführt werden bis zum guten Schluss. Gott will die Einheit in der Kirche u. ER gibt auch die Gnade dazu, wenn wir auf Seine Stimme u. die Stimme der ganzen Kirche hören.

  6. So lange von der Piusbruderschaft verlangt wird, solche Aussagen über Bord zu werfen, wird es zu keiner Einigung kommen: „Wir hängen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele am katholischen Rom, der Hüterin des katholischen Glaubens und der für die Erhaltung dieses Glaubens notwendigen Traditionen, am Ewigen Rom, der Lehrerin der Weisheit und Wahrheit. Wir lehnen es hingegen ab, und haben es immer abgelehnt, dem Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenz zu folgen, die klar im Zweiten Vatikanischen Konzil und nach dem Konzil in allen Reformen, die daraus hervorgingen, zum Durchbruch kam. Alle diese Reformen haben in der Tat dazu beigetragen und wirken weiter an der Zerstörung der Kirche, dem Ruin des Priestertums, an der Vernichtung des heiligen Messopfers und der Sakramente, am Erlöschen des religiösen Lebens, am naturalistischen und teilhardistischen Unterricht an den Universitäten und Priesterseminaren und in der Katechese, einem Unterricht, der aus dem Liberalismus und dem Protestantismus hervorgegangen ist und schon etliche Male vom Lehramt der Kirche feierlich verurteilt worden ist…“

  7. „Ja, beten wir jetzt alle fest, dass die Piusbruderschaft diese (letzte?) Zeit der Gnade nicht ungenützt verstreichen lässt,“

    Vielleicht sollten wir auch noch ein Gebet hinzufügen.
    „Möge auch Rom diese (letzte) Zeit der Gnade nicht ungenützt verstreichen lassen.“ Sicher ist sicher.
    Per Mariam ad Christum.

  8. @Nassauer
    Was den großen Theologen Ratzinger anbetrifft, so muss ich Ihnen deutlich widersprechen. Hochbegabt ja, aber auch oder gerade Hochintelligente können der Versuchung erliegen, zu Häresien zu neigen bzw. sie zu vertreten.
    Ich weise auf das bekannte Werk Ratzingers hin: Einführung in das Christentum. Hier befinden sich Aussagen zur Christologie, die er zu Zeiten Kardinal Ottavianis, Papst Pius XII .und aller seiner Vorgänger. hätte streichen müssen oder er hätte seinen Lehrstuhl verloren.
    Nun kann man sagen, auch ein Theologe kann sich weiterentwickeln, der junge Professor Ratzinger ist nicht stehengeblieben. Doch er hat die umstrittenen Stellen nie gestrichen, alle Neuauflagen erscheinen unverändert.
    Warum jetzt die „letzte Zeit der Gnade“ gekommen sein soll, ist mir schleierhaft.
    Wenn die doktrinelle Präambel abgelehnt wird, womit zu rechnen ist, liegt der Ball wieder im Spielfeld der Glaubenskongregation.
    Ich gehe davon aus, dass die Antwort der FSSPX theologisch sehr fundiert und differenziert sein wird. Ob es sich die Glaubenskongregation dann leisten kann, nur mit Disziplinarmaßnahmen oder unbegründeten Aussagen plakativ zu antworten, ist die Frage. Die Macht dazu hat sie jetzt. Nur geht die Kirchengeschichte weiter. Auch die Konzilsepoche geht vorüber. Über diese Epoche wird ein Urteil gesprochen werden. Vielleicht ja auf dem nächsten Konzil…

    • Da gebe ich Ihnen Recht. Der Dogmatiker Michael Schmaus lehnte als Zweitkorrektor die ursprüngliche Fassung der Habilitationsschrift Ratzingers wegen modernistischer Tendenzen ab. Der Theologe Ratzinger kürzte die Schrift um die Teile, in denen es um das Offenbarungsverständnis von Bonaventura ging und bestand die Prüfung. Als Papst Benedikt XVI. verfügte er, dass die ursprüngliche (von Schmaus abgelehnte) Fassung in der Reihe Joseph Ratzinger – Gesammelte Schriften erscheint. Siehe auch: http://www.katholisches.info/?p=1449

      • Das war mir neu. Obwohl es mich nicht wundert. Denn noch als Kardinal Ratzinger fühlte er sich im Recht und Miachel Schmaus im Irrtum bei der Bewertung des ersten Teils der Habilitationsschrift, den er praktisch wegkürzte, damit sie anerkannt werden konnte.

  9. Beten wir dafür, dass die FSSPX endl. demütig erkennt, wo ihr Platz ist: unter dem Bischof von Rom und nicht über ihm(!). Eine Anerkennung des Papstes nur in Theorie, aber ihm nicht gehorsam zu sein de facto in Realität, ist eine schizoide Konstruktion. Man kann (auch u. gerade nach alter kathol. Vorstellung!) einfach nicht kathol. sein, ohne den Papst u. sämtliche Konzilien grundsätzlich anzuerkennen. Das ist einfach so. Sonst macht man sich bloss selber etwas vor. Und mehr wird ja gar nicht verlangt(!). Es ist ja nun wirkl. auch im Interesse des Papstes, dass das 2.VK endl. richtig, d.h.in der Hermeneutik der Kontinuität, interpretiert u. umgesetzt wird. Da ist noch Arbeit zu leisten… Man muss aber zw. 2.VK und seinem Missbrauch unterscheiden. Es wäre schön, wenn die Piusbruderschaft die Zeichen der Zeit erkennen u. sich h i e r u. j e t z t fruchtbringend einbringen würde. Wäre nicht gerade das ihre Chance u. ihr einzigartiger Beitrag, den sie perfekt zu leisten disponiert wäre? Eine Gnade für die not-wendige, echte Erneuerung in der Kirche? Aber nicht schismatisch, sondern innerh. der Kirche und konstruktiv. Anklagerei stammt nicht von Gott(!) und schadet der rk Kirche. Aber Einheit, Gehorsam u. Demut sind von Gott. Die Gespräche sollten in Gelassenheit, Beharrlichk., Demut. Offenheit u. begleitet von viel Gebet daher unbed. vorangeführt werden bis zur Einigung, die ja auch schon so nah schien(!). Die Zusage des Schutzes der FSSPX innerh. der Kirche (eigenen Bischof) – die Progressisten werden die FSSPX nicht bes. willkommen heissen (aber was macht das schon?!), die Gläubigen jedoch umso mehr(!) – und die Garantie, ihr echtes Charisma treu weiter ausüben zu können, hat sie erhalten. Di Noia hat in seinem Brief aufgezeigt, dass offene Fragen z.Z. offengelassen bleiben können – das ist eine Chance! – dass sie zu spät. Zeitpunkt Klärung finden können (unter Vorgabe der Deutung i.S. der Hermeneutik der Kontinuität). Was will man mehr! UBI PETRUS IBI ECCLESIA!

    • Monika M: Ja beten wir wieder und immer wieder, aber dafür das Rom endlich wieder katholisch wird, denn dann wird auch die Priesterbruderschaft St. PIUS X vollständig Platz in dieser finden. Und alleine an den Früchten des nicht dogmatischen 21 ökumenischen Konzils, ist zu erkennen das in diesen der Heilige Geist und die Heilige Tradition der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche mit Verachtung ignoeiert wurden. Leider stellen sich viele in die Welt verliebte Christen auf Blind, Taub und Stumm. Denn nur so ist die Gottes- Glaubenslosigkeit in der heutigen Zeit halbwegs zu verstehen, sammt den Unheiligen Früchten der Welt die auch in die Kirche eingedrungen ist, Massenmord an ungeborenen Kindern, Ehebruch, himmelschreiende Sünde der Sodomie usw.

      Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen.

  10. Liebe Cuppa,

    besten Dank für Ihre Klarstellungen. Die Frage, ob Papst Benedikt XVI. als großer Theologe in die Kirchengeschichte eingehen wird oder nicht, ist vielleicht für die Frage, ob und wie die Bruderschaft in die Kirche eingegliedert werden kann, auf den ersten Blick nicht von Bedeutung. Allerdings, auf den zweiten Blick wäre eine Betrachtung durchaus lohnenswert, weil es bei modernen Theologen auffällt, dass einmal publizierte Werke oder Ansichten nicht klar und offen widerrufen werden. So ist es in der Tat verwunderlich, warum es immer noch Schriften des „jungen“ Ratzinger gibt, die von den Schriften des „älteren“ Ratzinger abweichen, ohne dass in den später erschienenen Schriften ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass z.B. ein Standpunkt y oder y nicht mehr von dem Autor vertreten wird.

    Dieses Problem scheint mir nicht nur bei Papst Benedikt XVI., sondern auch u.a. bei Erzbischof Müller gegeben zu sein, was ja gerade der Ausgangspunkt für den Schlagabtausch zwischen der Bruderschaft unf Erzbischof Müller war.

    Diese fehlende Klarheit führt dann dazu, dass die Meisten, ich auch, auf entsprechende Hinweise zu den Werken Joseph Ratzingers aus seiner frühen Schaffenszeit auf die neueren Schriften verweise, was aber eigentlich der noch lebende Autor der Werke doch selber viel besser vornehmen könnte. Ich interpretiere demnach wohlwollend die unterschiedlichen Werke eines Theologen, obwohl dies nach meiner Überzeugung erst bei einem nicht mehr lebenden Autor sinnvoll ist, da dieser nun mal keine weiteren Erklärungen abgeben kann.

    Diese fehlenden Klarstellungen führen dann, übrigens ähnlich wie bei den Texten des II. Vatikanums, zu Missverständnissen, dazu, dass im Zweifel sich jeder das raussuchen kann, was diesem gerade in sein Weltbild passt. Diese Undeutlichkeit ist aus meiner Sicht mit einer der Gründe, warum anscheinend Rom und die Bruderschaft nicht „die gleiche Sprache“ zu sprechen scheinen (mit allen Folgen, die zukünftig kommen werden).

  11. Danke für die Chronologie es steht zu hoffen daß jetzt endlich schluß ist diese Verhandlungsrunde hat der FSSPX immens geschadet

  12. Fellays Beschreibung der Kirchenfeinde wird wie folgt wiedergegeben:
    „Wer hat sich während dieser Zeit am meisten widersetzt, daß die Kirche die Bruderschaft anerkennt? Die Feinde der Kirche. Juden, Freimaurer, Modernisten.“

    Dieses Zitat ist unvollständig. Ich habe den Vortrag auf Youtube angesehen und gehört. Fellay beschreibt nach 1:18 die Feinde der Kirche mit „The Jews, the masons, the modernists“. Also auf Deutsch: „Die Juden, die Freimaurer, die Modernisten“. Ich bitte um richtige Wiedergabe des Fellay-Vortrages.

    • Was ändert der Artikel vor den genannten Gruppen an der inhaltlichen Aussage von Weihbischof Fellay? Immerhin hat dieser nicht „All Jews, all masons, all modernists“ gesagt, das wäre dann etwas anderes, also verstehe ich Ihren Einwand, jedenfalls inhaltlich, nicht wirklich…

      • In den Sprachen, die den bestimmten Artikel verwenden, also auch Deutsch und Englisch, bezeichnet der bestimmte Artikel die Ganzheit oder auch die Gesamtheit des Beschriebenen.

        Beispiele aus dem Deutschen:

        ich esse Brot = ich esse etwas Brot
        ich esse das Brot = „ich esse das gesamte vorhandene Brot“ oder „ich esse den ganzen Brotlaib“

        ich sprach mit Politikern des Bundestages = ich sprach mit einigen (aber nicht allen) Politikern des Bundestages
        ich sprach mit den Politikern des Bundestages = ich sprach mit allen Politikern des Bundestages.

        Daher kann der bestimmte Artikel in Fellays Aufzzählung der Kirchenfeinde ohne weiteres jeweils durch „alle“ ersetzt werden.

        Wenn Fellay der Meinung ist, daß er sich vergalloppiert hat, daß vielleicht doch nicht alle Juden, Freimaurer und Modernisten Feinde der Kirche sind, sollte er meiner Meinung nach zu seinem Fehler stehen und ihn richtigstellen. Aber stattdessen den bestimmten Artikel zu unterschlagen, kommt mir unaufrichtig vor, und Unaufrichtigkeit mag ich nicht.

      • Hmm, da es bekanntlich nicht DIE Juden als handelnde Gemeinschaft gibt (Feindschaft setzt im Gegensatz zur Gegnerschaft ein aktives bzw. ein potentiell aktives Handeln voraus), genau so wenig wie DIE Traditionalisten, wie z.B. der Dialog unter uns beweist, erkläre ich mir diese sprachliche Ungenaugigkeit von Weihbischof Fellay aus dem Umstand, dass dieser kein „english native speaker“ ist. Grammatikalisch haben Sie durchaus Recht, von Sinn und Zweck des Gesagten bestreite ich dies.

        • Fellay entstammt der französischsprachigen Schweiz, also ist seine Muttersprache Französisch, und als Schweizer wird er sicher auch mit dem Deutschen von Kindheit an vertraut sein (ich hörte ihn auch schon auf Deutsch predigen).

          Auch das Französische hat den bestimmten Artikel, der ziemlich genau wie der englische (und der deutsche) bestimmte Artikel gebraucht wird. Von daher läßt sich seine sprachliche Ungenauigkeit eigentlich nicht erklären.

          Sinn und Zweck des Gesagten? Ich kann mich nicht des Eindrucks verwehren, daß Fellay etwas verbittert ist. Er wollte wohl als der große Versöhner zwischen Rom und Ecône in die Geschichte eingehen, ließ dafür auch einige Priester und einen Weihbischof schäbig über die Klinge springen und schien kurz vor dem Ziel zu sein – und dann das! Ein vielleicht böses Gewissen (angebracht wäre es) für nichts und wieder nichts! Aber unrecht Gut gedeiht eben nicht.

  13. Zur Frage des Gehorsams: Mindestens zweimal irrte ein Papst fatal, so daß ihm zur Rettung des Christentums widersprochen werden mußte und auch widersprochen wurde.

    Der erste Irrtum unterlief keinem Geringeren als dem Heiligen Petrus, also dem von Jesus Christus selbst eingesetzten Papst, der ursprünglich nur Juden missionieren wollte. Der heilige Paulus widersprach dem entschieden und auch entschieden berechtigt – Christus selbst hieß die Apostel, allen Völkern die Frohe Botschaft zu bringen. Ob es nun dem heiligen Paulus gelang, seinen Papst zu überzeugen oder nicht, schließlich entschied der Heilige Geist die Sache durch das Pfingstwunder.

    Mit dem zweiten päpstlichen Irrtum hatte es der heilige Bischof Athanasius zu tun, nämlich mit einem Papst, der der arianischen Irrlehre anhing. Es war ein harter Kampf, aber der heilige Athanasius blieb dem Glauben treu und konnte ihn schließlich durchsetzen – zeitweise eben gegen den Papst.

    Mit dem 2.Vatikanum haben sich leider erneut Irrtümer in die Kirche eingeschlichen, ja sogar der „Rauch Satans“ (Papst Paul VI.) ist in die Kirche eingedrungen. Die Piusbruderschaft hat nun die Aufgabe wie damals der heilige Athanasius, den katholischen Glauben zu verteidigen, zur Not auch gegen den Papst. Sofern sie diesem Glauben weiter treu bleibt, wird sie sich wohl schließlich durchsetzen, eben weil sie dann denn katholischen Glauben und damit Gottes Offenbarung verteidigt.

  14. Ich hoffe, dass die Beziehungen zwischen Rom und der FSSPX endlich einmal geklärt werden und wir nicht in diesem Zwischenzustand verharren. Es kann aber nur eines geben, entweder ist Rom auf dem falschen Weg und vertritt/begünstigt Häresien oder Rom hat sich geändert und wir können diesem Rom und dem Hl. Vater vertrauen.

    Die offiziellen Gespräche zwischen Vertretern der Bruderschaft und Rom wurden Mitte 2011(!) abgeschlossen, die Präambel(n) liegen auf dem Tisch. Das sind Fakten, nach diesen muss sich eine Entscheidung richten. Die privaten Gespräche und Scharmützel im Hintergrund sind uninteressant, sie werden wohl in der Geschichtsschreibung einmal nicht erwähnt werden.

    Was mich stört, ist diese Geheimnistuerei. Meines Erachtens muss alles offen gelegt werden, damit sich jeder ein Bild machen kann. Das wäre für uns Gläubige gut, aber auch für die ganze Welt, um zu sehen, welche Seite für was steht.
    Erzbischof Lefebvre war in seinen Schriften immer sehr klar und offen. Er berichtete über seine Begegnungen und jeglich bedeutender Schriftverkehr wurde abgedruckt.

    Ich hoffe, dass sich in dieser Hinsicht in der Bruderschaft etwas tut. Mein Verhältnis zu den Oberen kann nicht nur auf Vertrauen begründet sein, schlussendlich zählen nur Fakten und Inhalte.

    • Offenheit würde auch ich begrüßen, diese Geheimnistuerei ist einfach widerlich – übrigens auch unchristlich, Christus ist immer offen und geradeheraus.

      Es ist allerdings fraglich, wer für die Geheimnistuerei verantwortlich ist.
      Sowohl Rom als auch Ecône sind als Geheimnistuer denkbar, und wenn die eine Seite Geheimnistuerei verlangt, muß die andere Seite leider folgen.

  15. Häretische Bischöfe und Priester werden von Rom nur sanft oder gar nicht zurechtgewiesen, bei der Bruderschaft wird hart und aggressiv das letzte i-Tüpfelchen gefordert. Direkte Vergleiche mit dem früheren Lehramt werden tunlichst vermieden, da die Kirche ja erst so richtig seit Vatikanum II lebt und den Menschen endlich nicht mehr mit der Hölle droht.

    Ein Diözesanbischof hat einem Bekannten mitgeteilt, dass der Großteil seiner Priester nicht mehr an die Verwandlung der Opfergaben und an die Gottheit Jesu glaubt.
    Der damalige Pfarrer meiner Heimatpfarre hat bereits in den 70igern offen gesagt, dass bei der Wandlung nichts geschieht.
    Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Priester offen oder geheim eine Freundin haben. Wer ist für die Ausbildung der Priester verantwortlich? Es sind die Bischöfe, die aber von Rom ernannt werden.

    Meiner Meinung ist eine Anbindung der FSSPX erst dann möglich, wenn sich Rom sichtbar ändert und nicht mehr taktiert. Der Hl. Vater könnte es an den Ecclesia Dei Gemeinschaften beweisen, dass er es mit der Erneuerung der Kirche ernst meint. Er könnte ihnen die Unabhängigkeit von den Ortsbischöfen geben, dann könnten diese Gemeinschaften viel freier wirken.

    Die Petrusbruderschaft zum Beispiel hätte schon längst eigene Bischöfe bekommen können. Mir ist der Fall eines Familienvaters bekannt, der ein Kind zur Firmung hatte. Anfangs wurde vom ansässigen Diözesanbischof zugesagt, die Firmung im alten Ritus abzuhalten. Auf Druck von modernistischer Seite ist er dann eingeknickt und hat die Firmung im neuen Ritus abgehalten. Zähneknirschend musste der Vater sein Kind im neuen Ritus firmen lassen.

    Ich hatte seinerseits noch die Gnade, von Erzbischof Lefebvre gefirmt zu werden. Obwohl ich mit ihm aufgrund der sprachlichen Hürde nie persönlich sprechen konnte, kann ich bezeugen, dass er ein überaus freundlicher und liebenswürdiger Mensch war, er konnte aber auch eine ungeheurliche Tatkraft und Glaubensstärke an den Tag legen.

  16. „Ein Diözesanbischof hat einem Bekannten mitgeteilt, dass der Großteil seiner Priester nicht mehr an die Verwandlung der Opfergaben und an die Gottheit Jesu glaubt.“
    Dann betrügen diese Priester Christus und die Gläubigen die vor ihnen stehen. Kann dann überhaupt eine Wandlung stattfinden wenn sie ohne Glauben vor sich hinbrabeln? Und warum suchen sie sich nicht einen anderen Job? Wahrscheinlich bezahlt die Kirche zu großzügig und sie können nicht lassen.
    Wenn das stimmt dann steht die Uhr fünf Minuten vor Zwölf.
    Per Mariam ad Christum.

  17. Was die „Geheimnistuerei“ anbetrifft, ich denke, sie geht leider einseitig zu Lasten der Piusbruderschaft. Am Anfang der Verhandlungen war die Geheimhaltung vernünftig: Bei so vielen Widerständen von verschiedenen Seiten, verstärkt durch die Pressemeute, waren seriöse Gespräche ohne diese Geheimhaltung nicht möglich. Rom und Econe waren sich einig.
    Doch für Rom war es leicht. Die Glaubenskongregation war bis zur Ernennung des Regensburger Bischofs für ihre Diskretion bekannt. Bischof Fellay hingegen hat die Aufgabe, die Priester und Gläubigen auf die neue Situation vorzubereiten, einzustellen. Das geht aber nur bruchstückhaft, wenn man zur Geheimhaltung verpflichtet ist. Für eine gewisse Zeit ist der Vertrauensvorschuss einzufordern. Aber wenn Gerüchte hochkochen, z.B. die Piusbruderschaft werde eine Personalprälatur, kein Personalordinariat, wäre ein klares Wort notwendig gewesen. Weil eine Personalprälatur keinen ausreichenden Schutz gegen feindliche Diözesanbischöfe bietet. Mit dieser Sorge wurden Gläubige, die das wissen, alleingelassen. Das ist nur ein Beispiel.
    Mit der Ernennung Müllers zum Glaubenspräfekten wurden öffentlich Forderungen an die FSSPX gestellt. Über die Presse, teilweise über die Provinzpresse, konnte man sie erfahren. Kardinal Koch legte mit Bedingungen bei Vorträgen öffentlich nach. Die FSSPX ist seitdem in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch in der Defensive. Schlimmer noch: Man muss – oder musste – befürchten, dass es zu Spaltungen kommt.
    Doch wenn jetzt bald die offizielle Antwort auf die doktrinelle Präambel erfolgen soll – falls es stimmt – ist für Geduld zu plädieren. Die hat zuerst nach Rom zu gehen, alles andere wäre unseriös.
    Doch dann müssen die Fakten auf den Tisch, wenn sich die FSSPX nicht selbst schaden und den Eindruck vermeiden will, dass Rom inzwischen Katz und Maus mit der Piusbruderschaft spielt. Ich habe nichts zu fordern, ich kann nur sagen, wie ich es wahrnehme. Die klare, eindeutige Linie von

  18. Erzbischof Lefebvre ist für mich nicht mehr ansatzweise zu erkennen. Obwohl die Argumente der FSSPX stichhaltiger denn je sind. Alles hat der Gründer der FSSPX mit einem unglaublichen Feingefühl – neben seinen theologischen Argumenten – vorausgesehen, das ganze Elend dieser Glaubens- und Kirchenkrise , das er immer wieder vorausgesagt hat, liegt offen vor uns.
    Seine theologischen Argumente sind durch die Realität voll bestätigt. Die Modernisten in Rom haben mehrheitlich die Machtpositionen besetzt. Man kann sie öffentlich verantwortlich machen für den Zustand, in dem sich die Kirche befindet. Auch den Papst.
    Ich hoffe, es wird geschehen. Denn die Modernisten gewannen während des Konzils die Oberhand, sie haben maßgeblich die nachkonziliare Krise zu verantworten. Es war das gleiche „Personal.“ Periti sind nach dem Konzil in die höchsten Spitzen der Hierarchie aufgestiegen, die Konzilsväter, die während des Konzils den Kurs bestimmten, waren auch nachher maßgeblich in ihren Positionen. Es ist alles dokumentiert und nachzulesen.
    Egal, was Rom plant. Ich kann nur hoffen, dass die FSSPX ihre klare Linie wieder zurückgewinnt, die durch ihren Gründer verkörpert wurde. Weil es der Zustand der Kirche verlangt…

    • „Ich kann nur hoffen, dass die FSSPX ihre klare Linie wieder zurückgewinnt, die durch ihren Gründer verkörpert wurde.“

      Das hoffe ich auch, doch ist die Hoffnung leider nicht groß. Denn für eine derart klare Linie bedürfte es auch eines entsprechenden Generaloberen. Ich fürchte, daß die Piusbruderschaft sich in der Wahl des gegenwärtigen Generaloberen böse vergriffen hat, weil eben eine klare Linie nun ganz und gar nicht Fellay eigen ist.

      • Über die Wahl des gegenwärtigen Generaloberen erlaube ich mir kein Urteil. Ich kann nur sagen, dass ich unter dem Wirrwarr leide, der mit den Rom-Verhandlungen einhergeht. Und weil ich mich derzeit intensiv mit Erzbischof Lefebvre befasse, sehne ich mich geradezu nach seiner Klarheit. Wie soll man das wieder bewerten: Bischof Morerod erklärt, dass die Kritik an der neuen Messe durch die Piusbruderschaft die Einheit in Schwierigkeiten bringe. Nun ist diese – berechtigte – Kritik seit vierzig Jahren bekannt. Ich schließe daraus: Rom will eine Unterwerfung. (Den Vorwurf des Sedisvakantismus, der von einer anderen Internetseite pauschal erhoben wird, weise ich vorsorglich als diskriminierend zurück…).

        • Lieber cuppa,

          wenn Sie Klarheit wollen, dann müssen Sie Bischof Williamson lesen. Soviel man ihm vorwerfen kann, aber er hat sich immer klar und deutlich ausgedrückt. Seine Seminarbriefe von 1981-2001 gibt es als PDF, die Eleison Kommentare sind frei zugänglich, youtube ist voll von Aufnahmen.

          Den Vorwurf des Sedivakantismus weise ich auch zurück.

      • Richtig, lieber Seefeld,

        das hat ja auch Bf. Williamso (etwas flapsig, ja vielleicht zu flapsig [und die Gegener werfen ihm dies ja auch als Respektlosigkeit so vor], aber in der Sache durchaus treffend) formuliert, wenn er von „Fellay and his gang sprach“ und die einzige Hoffnung in einer Neuwahl des Oberen – eines anderen Oberen! – durch das Generalkapitel sah – welche, wie wir wissen, sich nicht erfüllt hat.

  19. Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. sich einer Einigung mit Rom verschließt, so hat sie damit sehr wohl recht. Die Ereignisse im Bistum Fribourg lassen das schlimmste befürchten. Welcher Gruppe wird dann den Zugang zu den Kirchen des Bistums und der Ordinationsgewlt des Ortsordinarius verwehrt? Den Petrusbrüdern? den Instituten Christkönig und St. Philip Neri? So kann und wird auf diese Weise päpstliche Gesetzgebung ausgehebelt (die Eriegnisse des Anfangs der 70er Jahre rund um die damals noch anerkannte Priesterbruderschaft St. Pius X. lassen grüßen!), das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ ist dann nichtmehr das Papier wert auf dem es steht. cuppa hat hier zum großen Teil recht.
    Ich sehe die Kirche auf einen Spaltungskampf zu gehen. Die Opfer dieser Spaltung werden die „Ecclesia Dei“-Institute, die „Summorum Pontificum“-Gruppen („Pro Missa Tridentina“, etc.) und die theologisch wie moralisch heruntergekommene Una-Voce-Bewegung (David Berger!) Es ist dann an diesen, sich zu entscheiden – für ihren eigenen Untergang (sei es durch die vollkommene Anpassung an die Modernisten oder Selbstauflösung) oder für den Kampf gegen das modernistische Kirchenverständnis, ausgedrückt in der legalistisch-rechtspositivistischen Haltung der Konzilskirche. Dann werden sie auf der Seite der Piusbruderschaft um jede einzlne Kiche (St. Nicolas de Chardonnay!) kämpfen müssen. Letztlich wird – so denke ich es – mit Mariens und Christi Hilfe die wahre Katholische Kirche, in der geglaubt wird, was „überall, zu jeder Zeit von allen geglaubt wird“ (Vinzenz von Lerins) obsiegen und die Konzilskirche sich bekehren. Oder sie wird untergehen – man sollte die Kampfbereitschaft der Traditionalisten nicht unterschätzen! Ihre dogmatische Rechtfertigung hat sie spätestens nach dem Pontifikat von Johannes Paul II. schon lange verloren. Ihr kann und wird nur die einzige Tradition helfen können.

  20. Meiner Meinung nach braucht Rom die Piusbruderschaft, um Vat. II und die neue Messe auf ewige Zeiten zu legitimieren. Nacher ist Schluss mit lustig. Die traditionellen Gemeinschaften werden ausgehungert, jeglicher Widerstand wird gebrochen. Die Bischöfe haben leichtes Spiel in ihren Diözesen. Sollte sich jemand erheben, dann werden ihm die Kirchen und Gelder entzogen.

    Wie schon einmal gesagt, Rom hat jetzt seit 1988 Zeit gehabt, seine Bereitschaft zur wahren Umkehr dadurch zu zeigen, in dem es die Petrusbruderschaft und die anderen traditionellen Gemeinschaften fördert und frei wirken lässt.

    Die Devise in der FSSPX war bis vor 10 Jahren immer, dass, wenn Rom sich bekehrt, sich die Probleme von selbst lösen und es keiner Verhandlungen mehr bedarf. Wahrscheinlich wird sich aber das Problem nicht in friedlichen Zeiten lösen, sondern erst dann, wenn durch äußere Einwirkungen wie Krieg und Unruhen die Bereitschaft für eine echte Umkehr da ist. Ich kenne die Zukunft natürlich nicht, aber die verschiedenen Prophezeiungen deuten eindeutig in diese Richtung (außer in Medjugorje, da gibt es nur Frieden und Wonne).

    Ich denke auch, dass man die Kampfbereitschaft der Traditionalisten nicht unterschätzen sollte. Unter den Gläubigen regt sich durchaus Widerstand, aber mit den Priestern zu streiten ist auch nicht der richtige Weg. Einige von den Priestern sind den Oberen sehr hörig und blocken alles ab und lassen keine Kritik zu. Diese predigen immer sehr allgemein, tun unwissend und haben keine bestimmte Meinung. Viele andere Priester müssen auf Druck der Oberen schweigen und leiden sehr darunter.

    Ich möchte das Engagement einzelner frommen Gläubigen und Priester in der Amtskirche nicht kleinreden. Diese versuchen wirklich, Gott zu dienen und dem Papst treu zu sein. Dennoch glaube ich nicht, dass das der richtige Weg ist. Diese Menschen bauen auf Sand (Konzil, neue Messe) und können dadurch leicht den Halt verlieren.

  21. @ cuppa (und renovatio, seefeld,…):

    „… werde eine Personalprälatur, kein Personalordinariat, wäre ein klares Wort notwendig gewesen. Weil eine Personalprälatur keinen ausreichenden Schutz gegen feindliche Diözesanbischöfe bietet.“ (cuppa).

    Aber auch hie ja mehr als ein Schlingerkurs des Generaloberen. Ihm vorzuwerfen, Wasser auf zwei Schultern zu tragen oder mit gespaltener Zunge zu sprechen und zu schlingern ist eigentlich noch untertrieben angesichts der Faktenlage. – Urteilen Sie selbst:

    Noch 2004 ist von Bf. Fellay nachzulesen (s. hier http://www.angelusonline.org/index.php?section=articles&subsection=show_article&article_id=2086 – der ganze Artikel liest sich übrigens wie eine eingen Verurteilung Fellays!!!), dass er sich vollkommen bewußt war, dass eine Personalprälatur uns nicht völlig von den Bischöfen befreit und daher nicht anzustreben ist:
    „An apostolic adminis­tration is even better than a personal prelature…. The Opus Dei, which is the only personal prelature existing today, is not subject to the local bishop for what concerns its members, but it cannot con­template any external action without the local bishop’s approval. With an apostolic administration, we would escape that limitation.“

    Und sogar 2010 sagte er noch: “If we are placed, for our apostolate, into the hands of the bishops, for the time being, it is not going to work. They are too many who look at us as enemies, and will treat us as enemies, and that would make our apostolate impossible. That’s not going to work”. http://www.sspx.org/superior_generals_news/bp_fellay_el_paso_2010_interview/bp_fellay_el_paso_interview-1.htm
    - auf Deutsch: Wenn wir für unser Apostolat den Bischöfen unterstellt werden geht das nicht!

    (Forts. folgt)

  22. (Forts.)

    Aber 2012 machte er gar keinen Hehl daraus, dass wir von Rom eine Personalprälatur erhalten würden und wir damit bis zu einem gewissen Grad von den Bischöfen abhängig wären.
    Also gar keine Gerüchte. So Fellay ja ganz offen im DICI-Interview v. 7. bzw. 8. 6. 2012 hier:

    „DICI: Die kanonische Struktur, von der Sie in Ihren jüngsten Erklärungen gesprochen haben, ist eine Personalprälatur. Nun verlangt aber das Kirchenrecht, can. 297, nicht nur die Diözesanbischöfe zu informieren, wenn es darum geht, ein Werk auf ihrem Territorium zu gründen, sondern ihre Erlaubnis zu erhalten. Wenn es klar ist, daß eine kirchenrechtliche Anerkennung unser Apostolat in seinem gegenwärtigen Zustand erhält, sind Sie dann dazu bereit, hinzunehmen, daß die Werke der Zukunft in jenen Diözesen, wo die Bruderschaft gegenwärtig noch nicht eingepflanzt ist, nur möglich sind mit der Erlaubnis des Bischofs?

    Mgr. Fellay: Es gibt über diese Frage viel Verwirrung, und diese fließt vor allem aus einem schlechten Verständnis vom Wesen der Personalprälatur., wie auch aus einer Verkennung der normalen Beziehung zwischen dem Ortsordinarius und der Prälatur…. [Fellay weiter, dass wir eher etwas wie ein Militätordinariat bekommen würden...]
    Trotzdem bleibt wahr – und dies ist das Kirchenrecht –, daß für die Eröffnung einer neuen Kapelle oder für die Gründung eines Werkes die Erlaubnis des Ortsordinarius notwendig wäre. Selbstverständlich haben wir Rom vor Augen gehalten, wie schwierig unsere gegenwärtige Lage in den Diözesen ist, und Rom arbeitet noch an dem Problem. Hier und dort wird es wirklich eine Schwierigkeit geben, aber seit wann ist das christliche Leben ohne Schwierigkeit? Sehr wahrscheinlich werden wir auch das entgegengesetzte Problem haben, d.h. daß wir nicht über hinreichend Kapazitäten verfügen, auf Anfragen antworten zu können, die uns von befreundeten Bischöfen zukommen,“

    (Forts. folgt)

  23. (Forts.)
    Im selben Interview (http://www.dici.org/en/documents/gesprach-mit-bischof-bernard-fellay-uber-den-gegenwartigen-stand-der-beziehungen-der-bruderschaft-mit-rom/)
    sagt er dann auch noch:
    „Und wenn man also bei einer Schwierigkeit zu keiner Lösung käme, so müßte man sich an Rom wenden, und es gäbe ein römisches Eingreifen, um das Problem zu regeln.“

    - Im besten Fall heillos naive, eben Rom vertrauend!!

    (und eben die lapidare Feststellung: „Hier und dort wird es wirklich eine Schwierigkeit geben, aber seit wann ist das christliche Leben ohne Schwierigkeit?“ – Pah! – Man vergleiche das mit den eigenen Aussagen von 2004 und 2010, s. oben!)

    Nun haben aber Bf. Tissier und Williamson und P. Pfeifer u. Chazal massiv und MIT RECHT genau diese Unterstellung unter die Bischöfe in einer Personalprälatur kritisiert!

    Aber auf dem Generalkapitel dann das Desaster, dass man die Exemption von den Bischöfen nicht als eine absolut notwendige Bedingung sine qua non aufgestellt hat (erste drei) sondern nur als WÜNSCHENSWERTE, aber verzichtbare (letzte drei)!!

    Nun habe erneut MIT RECHT Bf. Williamson und PP. Pfeiffer, Chazal etc. dies kritisiert – Bf. Tissier leider nicht mehr, denn der saß ja nun (wieder) mit im Boot!

    Aber die Verwirrung ist noch nicht zu Ende, Nun kommt ja erst der Clou.

    In seinem berühmten New Hamburg – Vortrag rudert Fellay zurück, ja macht erneut eine 180-Grad-Wende! Er gibrt den Kritikern quasi Recht und gesteht quasi einen Fehler des Generalkapitels ein (!!) – aber eben echt Fellay: „quasi“ – bzw. er gesteht natürlich keinen Fehler ein, gibt zumindest keinen ehrlich zu. Sondern, und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, versucht wie folgt die Kritik abzuschmettern, während er dabei eigentlich zugibt, die Kritik war vollauf berechtigt (ich bin zutiefst beschämt ob dieses Verhaltens Fellays):
    Er sagt, dass es eigentlich absolut notwendig sei, von den Bischöfen völlig unabhängig zu sein.
    (Forts. folgt)

  24. @dspecht
    Es war die Internetseite von Michael Charlier, der gestern pauschal den Vorwurf des Sedisvakantismus erhob, die damals eine anonyme Meldung veröffentlichte, wonach die Bischöfe vorhätten, sofort nach der Anerkennung der FSSPX als Personalprälatur alle Kapellen, Priorate als verboten in ihrer Diözese zu erklären. Ich erinnere mich, es war um die Zeit herum, als von einer bevorstehenden Einigung auszugehen war. Ich erinnere mich weiter, mich deswegen mit einem Blogger gestritten zu haben, ich hielt das für unmöglich. Mir wurde nachgewiesen, dass eine Personalprälatur keinen Schutz bieten kann.
    Damals bekam ich wirklich Angst. Ich wusste, der Bischof „meiner“ Diözese macht alles, um die überlieferte Messe zu verhindern. Ich fing in meiner Hilflosigkeit an zu rechnen: Es ist viel zu teuer. Wenn die Kirchen und Kapellen nicht mehr benutzt werden dürfen, muss er eine Entschädigung zahlen, sie gehören ja nicht der Diözese…Das war mein Hintergrund für den Satz in meinem Kommentar…Weil ich damals noch nicht in die „Pius-Kapelle“ ging, es aber fest vorhatte, habe ich nicht gewagt, als völlig Fremde den Prior anzurufen und ihn zu fragen, wie es weitergeht. Es war ein ziemlich übles Gefühl…
    Ich hoffe, dass dieser Stress in absehbarer Zeit vorbeigeht. Ich glaube es erst, wenn Rom die Einigungsgespräche für beendet erklärt…

  25. (Forts.)

    Er gibt offen zu, dass diese Exemption eigentlich ein Bedingung sine qua non hätte sein müssen (also, denkt jeder logisch denkende Mensch: ok., Fellay sieht jetzt ein, dass er einen – weiteren – Fehler gemacht hat u auch das Generalkapitel und dass die Kritiker wie Williamson eigentlich Recht hatten u sagt sorry und korrigiert den Fehler. Aber nein, Achtung was folgt:)

    Er sagt (ab 0:48:40) „…that point has been granted, what means our apostolate woud be independent from the bishops. That´s why in the conditions which have posed during the Chapter you find this point in the less important. Its one of the major. But as we already got it we did not emphazise it. Because we already have it, you see?!“ – Unabhängigkeit von den Bischöfen wurde uns gewährt. Das ist der Grund, warum man diesen Punkt im Generalkapiltel unter den WENIGER WICHTIGEN (!!) findet. Es ist einer der WICHTIGEN (!!). ABER da wir ihn ja bereits ERHALTEN haben, haben wir ihn nicht betont. Weil wir ihn ja schon HABEN, sie verstehen?!“

    Man sieht die Taktik Fellays – warum streut er Sand in die Augen der Gläubigen. Warum?? („Damage control“, wie man im Englischen sagt)

    Es ist so beschämend für mich – ich schäme mich wirklich, ich habe früher den Oberen vertraut, sie immer für aufrichtig gehalten, u nun das (das war ja nicht die einzige Unwahrheit oder Verdrehung der Wahrheit in den letzten Monaten).
    Denn hier stimmt ja gleich doppelt etwa nicht:

    1. Wir HABEN ja noch gar nichts, denn es ist ja noch gar kein Abkommen unterzeichnet (oder hat Fellay dies schon heimlich getan?). Es ging doch i Generalkapitel um Bedingungen für d ZUKUNFT. Wie kann ich da sagen, ich brauche e der wichtigsten Punkte nicht zu betonen, weil wir ihn eh schon hätten?!?!!!

    2. Das stimmt ja gar nicht – wir haben von Rom ja gar keine völlige Unabhängigkeit „erhalten“, sondern nur ein Personalprälatur – was Fellay ja offen zugibt, s.oben DICI!!
    Aber „seit wann ist das Leben ohne Probleme?“!! Puh!

    • Könnte vielleicht gemeint gewesen sein, dass es beabsichtigt war, die FSSPX als Personalprälatur innerhalb eines exempten Personalordinariates der Tradition zu errichten?

      • Nein, kann nicht sein – sonst hätte Fellay ja nicht im DICI-Interview (s. oben gesagt – und auch dort habe ich es fett hervorgehoben):

        „Trotzdem bleibt wahr – und dies ist das Kirchenrecht –, daß für die Eröffnung einer neuen Kapelle oder für die Gründung eines Werkes die Erlaubnis des Ortsordinarius notwendig wäre. Selbstverständlich haben wir Rom vor Augen gehalten, wie schwierig unsere gegenwärtige Lage in den Diözesen ist, und Rom arbeitet noch an dem Problem. Hier und dort wird es wirklich eine Schwierigkeit geben, aber seit wann ist das christliche Leben ohne Schwierigkeit?

        Es geht klarerweise nicht um ein Ordinariat. Das gibt Fellay offen zu.

  26. Mein Vorsatz war, mich strikt aus den Inerna der Piusbruderschaft herauszuhalten. Aber das unterminiert das Vertrauen.
    Ich verstehe das nicht: Es ist unbegreiflich. Auf solchen Winkelzügen kann kein Segen ruhen. Das sind doch „Grundgesetze des geistlichen Lebens“, die man nicht übertreten darf.

    • Richtig, cuppa -

      das ist es auch, was mir ENDGÜLTIG die Augen geöffnet hat – nach dem ersten eye-opener der Ernennung Müllers und dem zweiten und den weiteren, als ich dessen Texte und dann auch nochmal die von Bendedikt-Ratzinger und von di Noia etc. studiert habe.

      Und in der Tat (und das an alle aber bes. an Armin):

      Nach den „Grundgesetzen des geistlichen Lebens“ bzw. den Regeln zur Unterscheidung der Geister ist EINDEUTIG klar, wo hier der Gute geist wirkt und wo nicht.

      Denn Sie, lieber Armin, haben mich und andere ja immer wieder darauf hingewiesen, gerade diese Unterscheidung der Geister vorzunehmen und auch den diabolos ins Spiel gebracht (allerdings auf die Williamson-Fraktion beziehend).

      Nun habe ich aber mehrfach erlebt wie Fellay und andere Obere – eben immer wieder, nicht nur als Einzelfall oder Ausrutscher – mit Unwahrheiten, Verdrehungen der Wahrheit, Unterstellungen etc. gearbeitet haben.

      Während ich bei Williamson und Pfeiffer und Chazal etc. immer, ohne Ausnahme, nur klare, sachbezogene, ehrliche, offene, geradlinige, direkte – wenn auch z.T, harte, scharfe, aber nie falsche, verdrehende oder unterstellende – Aussagen und Handlungsweisen erlebt habe. Alles dokumentierbar.
      (Bei ihnen herrscht der klare [wenn auch bisweilen deutliche und harte Ton) des Erzbischofs vor. Gerade heraus, direkt, ehrlich.)

      Und somit ist nach den Regeln zur Unterscheidung der Geister EINDEUTIG klar, wo der Gute Geist, der GEIST GOTTES, ist und wo nicht.
      EINDEUTIG!

  27. F. wird in dem oben zit. NewHamburg-Vortrag ja übrigens noch deutlicher:

    Nach dem oben bereits Zitierten “..Es ist einer der WICHTIGEN (!!). ABER da wir ihn ja bereits ERHALTEN haben, haben wir ihn nicht betont. Weil wir ihn ja schon HABEN, sie verstehen?!“ fährt er unmittelbar fort:
    It does not mean that it is less important. No. It´s VERY IMPORTANT. MAJOR. If we don´t have it, no way to go in –
    das meint nicht, dass es weniger wichtig wäre. Nein. Es ist (sogar) SEHR WICHTIG, ÄUßERST WICHTIG [MAJOR]. Wenn wir dies nicht bekommen dann können wir nicht eintreten.“

    Also, wir bekommen erklärt, dass d Forderung nach der Exemption,der Unabhänigkeit von d Bischöfen, i Generalkapitel nur unter d WENIGER WICHTIGEN eingereiht wurde

    Dann bekommen wir erklärt, dass der Punkt in Wirklichkeit aber ÄUßERST WICHTIG sei, ja eine conditio sine qua non!

    (So, denkt der Logiker: Ergo war es e Fehler vom Generalkapitel, man hätte es dort unter die ersten, nämlich die absolut notwendigen sine-qua-non Bedingungen einreihen müssen, statt unter die weniger wichtigen, nicht notwendigen. Und Fellay sieht das nun ein, gibt den Kritikern Recht, korrigiert den Fehler [und entschuldigt sich a evtl. bei den Kritikern, die hier recht lagen]
    aber nein, weit gefehlt – es geht folgendermaßen weiter:)

    Schließl bekommen wir erklärt, dass es dennoch legitim war, diese Forderung (die ja eigentlich eine absolut notwendige sein müsste, eine zuhöchst wichtige) auf dem Kapitel nur unter die weniger wichtigen, nicht notwendigen einzureihen:
    weil wir diese Exemption ja bereits hätten!! – „Hä?!?“ möchte man sagen – „habe ich mich vielleicht verhört?!“.
    Nein, leider nicht!

    Und wie eben zitiert: dass d Bedingung a d Kapitel unter die weniger wichtigen eingereiht wurde bedeute keineswegs, dass sie weniger wichtig sei!

  28. Ich könnte wie gesagt weitere Beispiele von Verdrehungen der Wahrheit, Unterstellungen etc. bringen. Aber mich beschämt es sehr und ich bin wie gesagt auch schockiert, da ich beileibe kein blinder Anhänger Williamsons war (und auch weiter nicht bin) und eher den Oberen vertraut habe und argwöhnisch gegü Williamson war. Aber ich musste meine Haltung aufgrund vieler Fakten revidieren – beschämender, schockierender Fakten, die ich selbst vor einem dreiviertel Jahr kaum für möglich gehalten hätte und Kritikern diesbezüglich vielleicht auch erst mal misstraut hätte,
    Wenn die Fakten weniger klar würden, würde ich auch selbst mein Urteil weiterhin zumindest zurückhalten. Aber sie sind leider klar.
    Da es aber wie gesagt so beschämend ist und ich auch müde bin, nun erst mal kein weiterer Kommentar.
    Ich kann aber gern bei Gelegenheit noch weitere Belege posten, von eindeutigen Unterstellungen, Unwahrheiten, Strohmännern, etc. durch die Oberen.
    Gerade auch was man Williamson oder Pfeiffer unterstellt hat – so unglaublich, dass ich verstehen kann, wenn viele das nicht glauben, nicht wahrhaben, wollen und mich daher als miesen Scharfmacher oder Kritikaster ansehen.
    Daher bei Gelegenheit dann eben noch das ein oder andere Beispiel, um objektive Fakten sprechen zu lassen.

  29. Btw. (wie der Brite oder Ami sagt):

    Wenn Bf. Fellay (s. oben) uns sagt: dass d Bedingung a d Kapitel unter die weniger wichtigen eingereiht wurde bedeutet keineswegs, dass sie weniger wichtig ist

    - dann ist das ja schon fast eine Hermeneutik a la Müller, di Noia oder Cantalamessa!
    Oder Benedikt-Ratzingers. Denn hier wird das Generalkapitel ja einer Art „Hermeneutik der Kontinuität unterworfen“ und werden Widersprüche einfach weginterpretiert, Dinge werden einfach uminterpretiert oder vertuscht….

    Ja, liebe cuppa, kafkaesk, fast zum Lachen!!

  30. @D.Specht
    Bischof Williamson ist – für mich – überhaupt keine Alternative. Ich kann nicht bestreiten, dass er ein guter Theologe ist, dass er Gläubigen mit seiner Theologie ein guter Wegweiser war und vielleicht auch noch ist.
    Aber was für eine Persönlichkeit hat er? Er wusste bei seiner Intelligenz, wie seine Verharmlosung des Holocaust ankommt, . Dann wollte er sich von einem bekannt rechtsradikalen Anwalt verteidigen lassen, das war eine bewusste Provokation! Eine zahlenmäßig so kleine Priesterbruderschaft kann dadurch in eine Existenzkrise geraten. Auf Priesteramtskandidaten wirkt das doch abschreckend…
    Ich eigne mir gerade das gesellschaftlich-politische Denken des Erzbischofs an. Nichts ist anspruchsvoller, nichts strengt mich mehr an. Ich bin gezwungen, meine selbstverständlich politisch-liberalen Vorstellungen über Bord zu werfen. Es strengt wirklich wegen der unglaublichen Differenziertheit der Positionen des Erzbischofs an, die von seiner tiefen Frömmigkeit bestimmt sind. Nach einem groben Schema könnte man sagen, sie sind „Rechts.“ Doch das Schema ist viel zu grob. Es passt nicht. Und die Positionen Williamsons desavouieren diejenigen des Erzbischofs, sie karikieren sie in denkbar übelster Weise. Sie verzerren sie ins nicht mehr Erkennbare.Einen schlechteren Dienst konnte er dem Erzbischof nicht erweisen.
    Derzeit wirkt die FSSPX fast führungslos – auf mich. Pius.info, nie ausfallend, immer sachlich-kritisch, seitdem ich es anklicke, wirkt immer profilloser. Vor einer Woche hat Bischof Tissier de Mallerais niedere Weihen in Zaitzkofen vorgenommen. Eine Predigt hierzu finde ich nicht. Ich glaube nicht, dass er nicht gepredigt hat. Hatte sie zu viel Profil, ein paar Kanten, die ins Weichzeichner-Bild derzeit nicht passen? ist sie der Zensur zum Opfer gefallen? Ich weiß es nicht, vielleicht hat der Bischof gar nicht gepredigt, obwohl ich das ungewöhnlich finde.
    Vielleicht verhandelt der GO ja heimlich weiter mit Rom und diese Predigt stört?

  31. Fortsetzung
    Ich weiß es nicht, es ist reine Spekulation. Alles ist Spekulation. Niemand von den Gläubigen darf etwas zum Stand der Verhandlungen mit Rom wissen. Vielleicht dient auch diese Meldung, über die wir uns hier austauschen, der Desinformation? Vielleicht erfolgt gar keine Antwort jetzt?
    Gläubige müssen nicht alles wissen, darauf haben sie kein Anrecht. Aber seit sieben Monaten überhaupt nichts SUBSTANTIELLES zu hören, nachdem vorher Rosenkranzkreuzzüge ausgerufen waren, finde ich ziemlich beunruhigend. Gläubige scheint das jetzt nichts mehr anzugehen. Diese Einstellung hatte Erzbischof Lefebvre nicht. Er hätte es den Gläubigen ehrlich gesagt, wenn eine Situation zu prekär ist, um darüber öffentlich zu sprechen. Aber gab es jemals solch eine Verworrenheit wie derzeit? Ich denke nicht. Nicht unter Erzbischof Lefebvre.

  32. Nachtrag:
    Die Pius-Bischöfe haben das Predigen vielleicht aufgegeben. Wenigstens nach der Homepage des deutschen Distrikts. Bischof de Galarreta hat im Dezember in LaReja Weihen gespendet. Es gibt nur Bilder. Schade. Ich habe sehr gerne die Predigten der Bischöfe gelesen oder gehört. Wegen der Theologie. Die sich so wohltuend von der Theologie der „Konzilsbischöfe“ abhebt…Wenn man die Jahrzehnte gehört hat, besteht wirklich Nachholbedarf…
    Ich täusche mich doch hoffentlich nicht? Ich habe doch sonst die Predigten der Bischöfe Tissier de Mallerais und de Galarreta gefunden…

  33. Nachtrag II
    D.Specht, während des Schreibens entwickeln sich Vorstellungen, ich fahre fort: Egal wie man zu Bischof Williamson steht, der inhaltlich dogmatisch vielleicht sehr treu gegenüber Erzbischof Lefebvre war, seine Form des Widerstands war unmöglich. Er hat sich selbst rausgekegelt, sich selbst aus dem Spiel genommen. Diese Form der Auseinandersetzung hätte der Erzbischof garantiert verurteilt.
    Es bleiben noch die beiden Bischöfe als Hoffnungsträger. Um der Verantwortung für das Bestehen der Priesterbruderschaft gerecht zu werden, müssen sie äußerst vorsichtig sein. Eine Spaltung mit einer starken Minderheit könnte die FSSPX in den Ruin treiben. Alle Bischöfe wissen das, auch der GO. Und die anderen Oberen. Ich fürchte, wir befinden uns in einer Patt-Situation. Sie darf nicht vorzeitig verlassen werden. Eine Trennung ist wirklich der allerletzte Ausweg.
    Ich wünschte, das alles wäre nur ein Alptraum.

    • Daß Bischof Williamson sich selbst aus der Piusbruderschaft rausgekegelt habe, ist nicht wahr. Bei allen seinen Taten muß immer bedacht werden, was diesen an Mißhandlungen an Bischof Williamson durch den GO und anderen vorausging. Erzbischof Lefèbvre wäre niemals mit Weihbischof Williamson derart schäbig umgegangen wie Fellay und andere das taten.

    • Liebe cuppa,

      auch ich muss aufs Deutlichste hier widersprechen, dass sich Bf. Williamson selbst aus der Bruderschaft geekelt hätte.
      Seefeld hat hier Recht.
      Auch wenn ich vieler Ihrer Aussagen zustimmen kann, gerade auch in dem posting vom 5.56 – so müsste man einiges doch mehr differenzieren und einiges kann man eben nicht so stehen lassen. Aber das in aller gebotenen Ausführlichkeit zu tun verbietet der Raum hier und auch meine Zeit.
      Wie Sie zumindest richtig andeuten – egal wie unangebracht oder unangemessen Äußerungen Williamsons zu historischen Fragen gewesen sein mögen oder auch nicht, theologisch-philosophisch ist er der Verwalter des Erbes des Erbischhofs.

      Auch ich kann nur dringendst empfehlen, seine Werke, Rundbriefe und Vorträge zu lesen, ja zu studieren, wie es oben schon jemand empfohlen hat.

      Und dass er sich selbst rausgeekelt hat etc. kann man eben nicht so stehen lassen. Der Streit ging um ganz tief liegende Dinge, nämlich exakt um die Grundausrichtung der Bruderschaft (eher liberal und bereit, ein Abkommen mit Rom zu schließen und auf Schmusekurs mit der Welt zu gehen oder antiliberal mit allen Konsequenzen). Man vgl. den offenen Brief Williamsons, der den Nagel auf den Kopf trifft:

      http://www.katholisches.info/2012/10/25/offener-brief-von-bischof-richard-williamson/

      (Allerdings ist der Brief stellenweise schlecht übersetzt; so muss es etwa nicht „schimmeligen Dachboden in London“ heißen, sondern „um in einer Dachgeschosswohnung in London zu vergammeln [verschimmeln]“)

  34. Ups, sehe gerade, hieß ja „rausgekegelt“.
    Aber ändert sachlich nichts, ja kommt meinem Urteil eher noch entgegen:

    Er hat sich sicher nicht selbst rausgekegelt, sondern ist rausgekegelt worden. Dass, was er dazu beigetragen hat, war mehr als notwendig.

    Es ist wie beim Erzbischof: Auch ihm könnte man ja vorwerfen – und viele haben das ja auch oder tun es noch – , dass er sich selbst aus der Kirche rausgekegelt habe und auch selbst Schuld sei, wenn er exkommuniziert wurde etc.
    Nur dass seine Taten eben notwendig waren und daher ihn keine Schuld trifft, wenn er von Rom rausgekegelt wird!

    • Wenn es so ist, und ich kann es inhaltlich nicht bestreiten, weil ich seine Schriften nicht kenne, warum hat er dann dem Generaloberen das goldene Tablett gereicht, auf dem dieser den Ausschluss legen musste? Man kann nicht in einer religiösen Gemeinschaft ‚von Fellay und seiner Bande‘ sprechen, die zu stürzen seien.Man kann es denken, wünschen, aber man muss versuchen, seine Aggressionen im Gebet, in der Beichte zu reinigen. Man muss „übernatürliche Mittel anwenden“, mahnte der Erzbischof immer wieder. Dann läuft auch die notwendige Auseinandersetzung nicht aus dem Ruder.
      Bf.Williamson hat nicht in London leben müssen wegen seiner Einstellung Rom gegenüber, sondern wegen der Holocaust-Verharmlosung. Es war kein Zeichen der Reue, dann noch den Anwalt wechseln zu wollen und sich durch einen Anwalt vertretenzu lassen, der bekannt rechtsradikal ist. Bf. Fellay musste ihm mit dem Ausschluss drohen, damit er davon Abstand nahm. Sollte über die Piusbruderschaft schon wieder eine Skandal- Lawine niedergehen? Wie sollte in diesem Fall der Generalobere reagieren? Ich sehe keine Lösung, als ihm kein öffentliches Amt mehr anzuvertrauen.

      Warum diese unglückselige Verbindung zwischen Rechtsradikalismus und Piusbruderschaft herstellen, die es gar nicht gibt? Was veranlasst einen Briten, die NS-Verbrechen zu verharmlosen? Und das als Bischof der Piusbruderschaft?

      Erzbischof Lefebvre hat immer gefordert, man müsse sich persönlich im Griff haben. Und alle Zeugnisse, die ich lese, bestätigen, dass er ein Mann von hoher Selbstbeherrschung war, ein Mann, der Herr seiner selbst war.
      Wer seinen Oberen als „Bandenhäuptling“ in aller Öffentlichkeit darstellt, muss die Konsequenzen tragen. Schade, dass Bf. Williamson diese unakzeptablen Mittel der Auseinandersetzung gewählt hat. Denke ich…

      • Ich habe doch schon früher geschrieben, daß dieses „Fellay und seine Bande“ dem Ausschluß Bischof Williamsons von dem Generalkapitel folgte.

        Dieser Ausschluß war -wie auch schon gezeigt- ein klarer Bruch der Statuten der Piusbruderschaft, denen zufolge zu den Generalkapiteln auch die Weihbischöfe einzuladen sind. Bischof Williamson war damals Pius-Weihbischof, also wäre er einzuladen gewesen. Und diese statutenwidrige Ausladung war ja keineswegs die erste Infamie Fellays gegenüber Weihbischof Williamson. Die Rede von „Fellay und seiner Bande“ war zwar hart, angesichts der zahlreichen Fehlhandlungen Fellays gegenüber Weihbischof Williamson zumindest verständlich, wenn nicht sogar berechtigt.

        Denn Fellay verging sich ja nicht nur wiederholt an Weihbischof Williamson. Letztgenannter sieht auch die Gefahr, daß Fellay die Piusbruderschaft von dem Wege Erzbischof Lefèbvres hinwegführt. Dieser fellaysche Eiertanz, diese notorische Geheimnistuerei, einige Handlungen und Aussagen Fellays geben den Befürchtungen Weihbischof Williamsons leider einige Nahrung, und zutreffendenfalls auch der Bezeichnung „Fellay und seine Bande“ die Berechtigung.

        Diese Geheimnistuerei – ich kann ja verstehen, daß die Verhandlungen geheim geführt werden. Aber Schlüsseldokumente wie die Präambel und auch die Antwort (nun erfolgt oder immer noch nicht erfolgt? – bei Fellay blickt man einfach nicht durch) der Piusbruderschaft MÜSSEN veröffentlicht werden. Erzbischof Lefèbvre hätte keine derartige Geheimnistuerei betrieben.

        Wie sagt Christus doch so gut und richtig: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, alles andere ist von Übel.
        Daran sollte sich jeder Christ halten, ein Priester erst recht und noch mehr ein Bischof.

        Was nun dieses Sich-im-Griff-haben betrifft: Das muß erst einmal Fellay bei sich selbst verwirklichen. Ein Vorgesetzter, der sich nicht im Griff hat, der für irgendwelche eigene Ziele reihenweise „Untergebene“ feuert und auch die Statuten bricht, verdirbt sein „Unternehmen“.

      • Zu den Aussagen Bischof Williamsons über jene dunklen Jahre jetzt doch einmal etwas:

        Zunächst hat Bischof Williamson weder die Nationalsozialisten als solche noch die nationalsozialistische Judenverfolgung gutgeheißen. Er behauptete auch nicht, daß keine Juden unter den Nationalsozialisten umgekommen seien. Er bestritt allerdings, daß Juden massenweise in Gaskammern umgebracht worden seien.

        Verharmlosung? Hier wurde auf Bischofs Williamsons englische Herkunft hingewiesen. In England besteht größere Meinungsfreiheit als in Deutschland, in England gibt es beispielsweise keinen §130. Wer will in Deutschland ausschließen, daß Bischof Williamson in England etwas zu lesen bekam, was in Deutschland nicht verfügbar ist?

        In den letzten Tagen beschäftigte ich mich etwas näher mit Katyn. Dazu: Im September 1939 griff nicht nur Hitler, sondern auch Stalin Polen an. Kurz danach ließ Stalin bei Katyn und an anderen Orten zehntausende polnische Offiziere und andere polnische Intellektuelle ermorden. Dieses Verbrechen wurde von der deutschen Wehrmacht im Frühjahr 1943 entdeckt, woraufhin deutscherseits internationale Fachleute zur Untersuchung nach Katyn eingeladen wurden. Und hier bitte ich den Zeitpunkt zu beachten: Frühjahr 1943 – das heißt, nach Stalingrad, also als die Reichswehr auf dem Rückzug war. Das heißt auch gut ein Jahr nachdem die Judenvergasung begonnen haben soll.
        Und nun eine Frage an alle Leser: Wie kann das möglich sein, daß die Nationalsozialisten internationale Fachleute nach Katyn einladen, um das dortige Verbrechen zu untersuchen, nachdem sie seit über einem Jahr selbst noch viel schlimmere Verbrechen dieser Unart begangen haben sollen? Wie kann das insbesondere zu einem Zeitpunkt geschehen sein, als die Wehrmacht auf dem Rückzug war, also damit gerechnet werden mußte, daß die Rote Armee früher oder später nach Auschwitz usw. kommen würde und damit die Gefahr bestünde, daß die dortigen Verbrechen aufgedeckt würden?

        Kann darauf jmd. überzeugend antworten?

      • In Sachen Bischof Williamson sollte man außerdem zwischen seinen Aussagen zum Glauben und seiner Meinung zu historischen Ereignissen unterscheiden.

        Seine Aussagen zum Glauben sind mit seinem Bischofs- und Priestersein verbunden, seine Meinung zur nationalsozialistischen Judenverfolgung ist dagegen seine Privatmeinung. Und ich finde, daß man Privates und somit auch Privatmeinungen respektieren sollte.

        Und ich finde es auch gut, wenn jemand zu seiner Meinung steht, statt „Einsicht“ vorzutäuschen.

        Außerdem posaunte Bischof Williamson seine Meinung über die nationalsozialistische Judenverfolgung nicht von sich aus heraus, sondern beantwortete damit eine Frage schwedischer Journalisten – oder auch Journaillen.

        Hätte er die Antwort verweigern sollen? Das wäre sicher „klug“ gewesen, aber auch unhöflich. Die Frage wurde übrigens gestellt, BEVOR die Exkommunikationserklärungen gegen die Bischöfe der Piusbruderschaft aufgehoben wurden. Vielleicht hätte Bischof Williamson anders geantwortet, wenn er von dieser Exkommunikationserklärungsaufhebung gewußt hätte – aus Rücksicht auf Papst und Piusbruderschaft. Aber von dieser Aufhebungserklärung konnte er damals eben nichts wissen.

        Übrigens: Als der jüdische Hohepriester unseren Herrn Jesus Christus fragte, ob Christus der Sohn Gottes sei, antwortete Christus auch nicht „klug“, sondern ehrlich – im vollen Wissen, was dieser Antwort folgen würde.

  35. Man kann den Widerstand Bischof Williamsons auch anders sehen. Wir wissen, dass im Vatikan Freimaurer und andere Feinde der Kirche sitzen. In Fatima heißt es, dass Satan bis an die Spitze der Kirche vordringen wird. So gesehen kann ich ihn verstehen, wenn er aus allen Rohren schießt und sich kein Blatt vor den Mund nimmt.
    Irgendwo habe ich die Aussage Bischof Fellays gelesen, dass er 2012 unzählige Kontakte mit römischen Vertretern hatte. Ich kann mir vorstellen, dass da auch listige und falsche Schlangen dabei waren, die ihn umgarnen und einfangen wollten. Auch fühlt er sich dadurch sicher menschlich und persönlich gebunden und kann nicht mehr offen gegen die Irrtümer ankämpfen.

  36. „Fellay und seine Bande“

    Meinte da Bischof Williamson nicht nur Bischof Fellay und seine engsten Mitbrüder, sondern auch einen gewissen Anwalt?

  37. Ich kann nur Seefeld beipflichten – „Bf. Fellay and his gang“ ist mehr als berechtigt und angebracht – wenn man bedenkt, was eben „Fellay and his gang“ die letzte Zeit, ja die letzten Jahre getan haben. Und in der Tat, ein Rechtsbruch nach dem anderen, eine liberale Tat nach der anderen, eine Unterstellung oder Verdrehung der Wahrheit nach der anderen… (ich habe ja bereits einiges davon dokumentiert, auch Seefeld hat auf wichtige Dinge hingewiesen. Es gab eben auch echte Rechtsbrüche bzw. beugungen). Wenn man hier nicht berechtigt ist von einer „gang“ zu sprechen, dann weiß ich nicht, wann sonst.

    Außerdem müssen Sie bedenken, dass es in einem informellen Rahmen war, bei einer mehrteiligen Konferenz, und nicht in einer offiziellen Stellungnahme.
    Da von „Bf. Fellay and his gang“ zu sprechen ist aufgrund der Faktenlage und eben des informellen, fast familiären Rahmens zumindest verzeihlich.

    Aber mehr noch – es war notwendig, dies nicht nur zu denken, sondern auch offen auszusprechen. Gut, man hätte auch sicher einen anderen Ausdruck finden können, der etwas sachlicher und weniger flapsig ist. Aber wenn Bf. Williamson etwa „der rechtsbeugende Generalobere und die von ihm ernannten rechtsbrecherischen, verleumderischen, das Erbe des Erzbischofs verratenden Oberen“ gesagt hätte, wären Sie da wirklich zufriedener gewesen? Ist dann nicht das flapsige „Fellay and his gang“ nicht letztlich sogar feiner und zurückhaltender?! Bf. Fellay („and his gang“ – ja, wozu sicher auch ein Anwalt gehört) waren ja umgekehrt nicht zimperlicher: man verglich Bf. Williamson mit einem Klumpen Uran.

    Nun, man mag ja der Auffassung sein, dass der Vergleich ganz gut passt. Aber er ist sicher nicht weniger informell-flapsig als der inkriminierte. Und dieser ist zumindest nicht weniger passend als jener!

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