Wer wird neuer Erzbischof von Salzburg? Österreich und die "weiße" Häresie

(Vatikan/Salzburg) Mit dem Bischofssitz ist ein wohlklingender, an andere Zeiten erinnernder Titel verbunden. Der Erzbischof von Salzburg, bis 1803 als Fürsterzbischof auch weltlicher Herrscher, führt noch heute den Ehrentitel eines Primas Germaniae. Seit 2002 hat der Steirer Msgr. Alois Kothgasser die Kathedra des heiligen Rupert inne. Am 29. Mai wird der Salesianer seinen 75. Geburtstag begehen. Er erreicht damit das im Kirchenrecht vorgesehene Alter, in dem jeder Amtsträger seinen Rücktritt anzubieten hat, was jedoch nicht heißt, daß der Papst – im Falle eines Bischofs – dieses Angebot annehmen muß.

Den amtierenden Primas Germaniae drängt es aus dem Amt

Erzbischof Kothgasser scheint es jedoch geradezu aus dem Amt zu drängen. Tiefe Bruchlinien, latente Schismen, weiße Häresien können die Freude am Amt verleiden. Kothgasser hat sein Rücktrittsgesuch bereits eingereicht und versucht mit Papst Benedikt XVI., der bereits von frühester Kindheit an über den Inn in das gegenüberliegende majestätische Salzburgische schauen konnte, seine Nachfolge zu regeln.

Es gibt starke Bemühungen, Msgr. Manfred Scheuer, den vierten Bischof der noch jungen Diözese Innsbruck zum künftigen Erzbischof von Salzburg zu erheben. Denselben Weg ist bereits Msgr. Kothgasser gegangen, der zuvor fünf Jahre Bischof von Innsbruck war. „Ich werde hoffentlich Gelegenheit haben, um mit dem Papst selbst zu reden, um das Bestmögliche herauszuholen“, erklärte der noch amtierende Erzbischof. Was genau er damit meinte, blieb „offen“, denn wichtig sei jedenfalls, daß sein Nachfolger „weltoffen“ sei.

Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer mit den besten Chancen und einem Aber

Manfred Scheuer, 57 Jahre alt, vermittelt derzeit hinter den Kulissen zwischen der Kirche und dem Paradox einer ungehorsamen Priesterfronde, die nach ihrem Willen, manche sagen recht willkürlich, die Kirche verändern möchte. Es soll ein „Schisma“ vermieden werden, wie es inhaltsschwanger in österreichischen Kirchenkreisen heißt. Das Wort wiegt schwerer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Das Schisma ist inhaltlich durch eine neue Theologie, die sich schmiegsam den Zeitgeist-Bedürfnissen anpaßt, längst vollzogen. Daß es noch nicht als solches proklamiert wurde, deutet an, daß es auch in Zukunft kaum dazu kommen dürfte. Im deutschen Sprachraum ist heute eine „weiße“ Häresie am Werk, die, dem Jansenismus gleich, um ein historischen Beispiel herauszugreifen, statt einer Kirchenspaltung, die Kirche von innen heraus umzubauen versucht.

Scheuer, der den Priester-Rebellen am nächsten steht, hat Auftrag „Schisma“ zu verhindern

Es ist bekannt, daß Bischof Manfred Scheuer unter Österreichs Bischöfen den „Rebellen“ am nächsten steht, was ihn in den Augen seiner Amtsbrüder offensichtlich für das Amt eines Vermittlers qualifizierte. Seiner Meinung nach seien die sieben Punkte des Forderungskatalogs der 2006 ins Leben gerufenen ungehorsamen „Pfarrer-Initiative“ nicht als Paket, sondern einzeln zu prüfen. Ein Standpunkt, den sich auch der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn zu eigen machte.

Die heilige Kommunion an wiederverheiratete Geschiedene könne laut Scheuer gewährt werden, wenn auch unter bestimmten Bedingungen. Die große Zahl von Katholiken, die sich der Praxis von Lebensabschnittspartnerschaften angeschlossen haben, scheint zu beeindrucken. Es bestehe „Änderungsbedarf“, so der Bischof von Innsbruck, der bald, zumindest dem Ehrenrang nach, als Primas von Deutschland an der Spitze der deutschsprachigen Kirche stehen könnte.

Bischof Scheuer ist ebenso der Meinung, daß es „aus pastoraler Sicht notwendig“ sei, den Laien zu erlauben, während der Heiligen Messe predigen zu können.

Katalog der weißen Häresien ist lang in Österreich

Der Katalog der weißen Häresien ist lang. Es geht um Frauenordination, die Aufhebung des „Zwangszölibats“ und die Demokratisierung der Kirche. Die Forderungen sind seit Jahrzehnten dieselben. Verändert hat sich der Vebreitungsgrad dieses Denkens unter den Inhabern kirchlicher Positionen. Der Marsch durch die kirchlichen Institutionen ist in den deutschsprachigen Ländern in hohem Maße vollzogen. Die Forderungen haben zwar nichts an Qualität gewonnen, dafür werden sie heute wenn nicht aus einer inhaltlichen, so doch einer quantitativen Position der Stärke vorgebracht.

Die Schwäche der Oberhirten ließ Schritt um Schritt und Jahr um Jahr zurückweichen in der Glaubensverkündigung und bei der Besetzung von kirchlichen Funktionen. In Österreichs Diözesen gibt es seit Jahrzehnten, abgesehen von der formalen fachlichen Qualifikation, faktisch nur zwei Kriterien, um eine kirchliche Stelle zu erhalten, egal auf welcher Ebene: man muß der katholischen Kirche angehören und sollte nie wegen konservativer oder romtreuer Haltung aufgefallen sein. Den Rest zum Zustand der dortigen Kirche kann sich damit jeder selber denken.

Sind schwache Oberhirten des Lasters Anfang?

Die Schwäche der Oberhirten veranlaßte Papst Benedikt XVI. am Gründonnerstag, dem Tag der Priester im Kirchenjahr, sich direkt an die österreichischen Priesterrebellen zu wenden. Die ganze Autorität des Petrusamtes sollte zur Vernunft und zur Ordnung rufen. Der Papst erinnerte daran, daß der Ungehorsam kein Weg sei, um die Kirche zu erneuern. Damit sprach er den Rebellen die Absicht ab, trotz der von ihnen gern gebrauchten Vokabel, eine wirkliche Erneuerung der Kirche zu wollen.

Ein Signal dafür, daß man im Vatikan über die Entwicklung in Österreich, mit der jene in anderen Ländern zusammenhängt, sehr besorgt ist. Aber auch ein Signal, daß eine Schmerzgrenze erreicht ist, an der jeder der Rebellen ganz für sich allein entscheiden wird müssen, welchen Weg er einschlagen will.

Rom läßt Spielraum, überläßt das Terrain aber nicht den Rebellen

Es mehren sich die Zeichen, daß die Kirche den Rebellen nicht das Terrain überlassen will. Dem Redemptoristenpater Tony Flannery, der irischen Schwesterorganisation der österreichischen Priesterrebellen, erteilte der Heilige Stuhl Schreibverbot. Die spanische Bischofskonferenz erklärte bereits 2011, daß die Gruppen von „Wir sind Kirche“ keine kirchliche Organisation sind. Mit anderen Worten: sie stehen außerhalb der Kirche.

Die 1995 enstandene Organisation versammelt verschiedene Gruppen, deren Gemeinsamkeit die Opposition zum kirchlichen Lehramt und zur kirchlichen Ordnung ist. Wie die spanischen Bischöfe feststellten, erhebt „Wir sind Kirche“ Forderungen, die sie „eindeutig von der Lehre der katholischen Kirche trennen, die verletzen und die kirchliche Einheit untergraben“. „Wir sind Kirche“ fördere die kirchliche Erneuerung nicht, sondern behindere, ja verhindere sie auf schwerwiegende Weise, so Spaniens Oberhirten.

„Wir sind Kirche“, eine Fußnote der modernen Kirchengeschichte

Die radikalmodernistische Gruppierung „Wir sind Kirche“ fördert theatralische Nachstellungen der Eucharistiefeier, in denen Laien wie Priester auftreten und handeln, indem sie eine Heilige Messe simulieren. Das Kirchenrecht verbietet unter Androhung der schlimmsten Strafe, der Exkommunikation, solche blasphemischen Spektakel, die selbst für Nicht-Gläubige den Eindruck einer peinlichen Inszenierung haben, wie Hans Peter Hurka, der Sprecher von „Wir sind Kirche“ zugeben mußte.

Zahlreiche österreichische Priester verletzten heute offen das Zölibatsgelübde und lassen wiederverheiratete Geschiedene zur heiligen Kommunion zu. Die vielfältigen Arrangements mit dem vorherrschenden Mainstram sind evident und gewiß der einfachere Weg, als die Verkündigung der unverkürzten katholischen Lehre. Die Bischöfe zeichnen sich bisher in der Regel mehr durch ihr Bemühen aus, doch irgendwie den Anschluß an die öffentliche Meinung nicht zu verlieren und damit gesellschaftliche Akzeptanz zu behalten, als durch ein klares und unzweideutiges katholisches Profil mit seinen Ecken und Kanten, die das Christentum zu allen Zeiten das „ganz andere“ sein ließ, eine eindeutige „Alternative“ zur Welt.

Rebellen stellen sich selbst außerhalb der Kirche

Nun kommt die simulierende „Laienmesse“ hinzu. „Es scheint offensichtlich, daß der Bruch mit Rom die abweichlerischen Priester außerhalb der Kirche stellt“, resümierte jüngst der Vatikanist Giacomo Galeazzi. Auch die Beförderung von Bischof Scheuer von Innsbruck nach Salzburg scheint noch längst nicht sicher zu sein. Sie würde gewissen Logiken innerhalb der österreichischen Bischofskonferenz entsprechen und noch mehr einer gewissen Erwartungshaltung romferner „Katholiken“. Die Anführungszeichen sind geradezu zwingend.

Die Beantwortung der Frage, wer neuer Erzbischof von Salzburg und Primas Gemaniae wird, wird Aufschluß geben darüber, wer letztlich das entscheidende Gewicht in der österreichischen Kirche hat. Mit Schrecken erinnern sich romtreue Katholiken an das Ernennungs- und erzwungene Rücktrittsszenario um den oberösterreichischen Pfarrer Gerhard Maria Wagner, der von Papst Benedikt XVI. bereits zum Weihbischof der Diözese Linz ernannt worden war, aber unter dem Druck eines konzertierten Widerstandes des progressiven Teils der Diözese, der Medien und schließlich auch von Christoph Kardinal Schönborn noch vor seiner Weihe und dem Amtsantritt zu Fall gebracht wurde.

Der spanische Vatikanist Francisco José Fernández de la Cigoña schrieb bereits vor längerer Zeit: „Wer in Österreichs Kirche Gehorsam und Demut sucht, wird fündig, aber nicht unbedingt dort, wo er es vermuten dürfte.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Insider

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7 Kommentare

  1. Solange in Ö (oder besser gesagt im deutschsprachigen Raum) die Wölfe im Schafspelz fürstlich über den Modernen Ablasshandel namens „Zwangskirchensteuer“ für ihr häretisch-schismatisches Wirken bezahlt werden, oder diesen die Missio canonici nicht entzogen wird, siehe die Hauptinitiatoren/innen von WiSiKi, POA, Laieninitiative, und die Berufsbischöfe eben wegen dieses Geldes diesen in den Allerwertesten kriechen, um dem Götzen Mammon zu dienen, wird sich in Ö nichts ändern. Ja, seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. zeigt auf und redet echt genial, aber was bringt dies, wenn weiterhin dem Papst dennoch ungesühnt Ungehorsam geleistet werden kann. Siehe das Verhalten der „Mietlinge“ zu den Pfarrern, die sich vor fasst 11 Monaten mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ offiziell von der Kirche abgespalten haben, und was ist bisher geschehen, bis auf leeres Geschwafel nichts, diese Wolfspriester dürfen weiterhin in ihren Gemeinden wüten, und Seelen in die ewige Verdammnis führen.

    Gott zum Gruße

    • Wie Sie über Ihre Brüder im Glauben reden, ist aber nicht sehr christlich, lieber Armin. Was haben Sie den von Ihnen Gerügten inhaltlich vorzuwerfen? Aufgabe des Petrus ist es, die Brüder (und Schwestern) zu stärken, nicht, sie niederzuwerfen.

      • Also Magnus,
        Seit wann ist es unchristlich, die Wahrheit zu sagen?
        Sie wissen doch ganz genau, dass derzeit wohl kein einziger österreichischer Bischof den A…. in der Hose hätte, seines Amtes zu walten, indem er Demokratie und Menschenrechte als Götzen verurteilt, die dem Christuskönigtum entgegengerichtet sind.
        Das mag auch an mangelnder Stärkung aus Rom liegen, aber die erste Verantwortung für die österreichische Herde haben doch wohl die österreichischen Hirten, oder?

        • Das ist nun wirklich Nonsens, die Menschenrechte als Götzen zu bezeichnen! Wer das tut, kennt die Bibel nicht, kennt insbesonders auch diverse Dokumente des Vat 2 nicht. Ein großer Faktor der Kirchenkrise ist die ausgrenzende Diskussion über anders Denkende. Aber da gibt es ja die Geschichte mit dem Pharisäer, der Gott dankt, dass er selbst nicht so einer ist, wie jener, der …. Diese pharisäische Haltung ist faktisch destruktiv.

  2. Nach meiner Meinung kommt (fast) alles darauf an, nach den Ursachen der Glaubens- und Kirchenkrise, den „weißen Häresien“ zu fragen.
    Nach der Lektüre von „Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte“ von Roberto de Mattei, dessen Buch mit seiner umfangreichen Dokumentation als Referenzwerk anzusehen ist, geht diese Krise auch zu Lasten Roms, der Päpste Johannes XXIII. und besonders Papst Paul VI.
    Papst Johannes Paul II. hat mit unbegreiflichen Bischofsernennungen das Maß vollgemacht. Er hat beispiesweise Yves Congar zum Kardinal ernannt, der u.a. die These vertrat, das religiöse Genie Martin Luther sei gleichzusetzen mit Augustinus und Thomas von Aquin, wenn nicht höher…
    Weil diese Päpste standhaft blieben bezüglich der Morallehre der Kirche, des Zölibats und des Frauenpriestertums gelten sie auch noch als „stockkonservativ“…Obwohl sie den modernistischen Bischöfen alles durchgehen ließen, nur die Traditionalisten überhart bestraften.
    Umkehr tut not.

  3. Herr Nardi macht es sich wieder einmal leicht.
    Er verbreitet Halbwahrheiten: Der Papst hat durchaus darauf hingewiesen, dass die Institution Kirche festgefahren sei, sieht also grundsätzlich Veränderungsbedarf, wenn auch auf andere Art wie die Priester-Initiative. Er verrät wenig Sachkenntnis, wenn er von „Zölibatsgelübde“ schreibt; denn es ist ein Versprechen, kein Gelübde. Er unterliegt einem ungeschichtlichen Denken, sonst wüsste er, dass es in der Kirche längere Zeit verheiratete Priester, Bischöfe und Päpste gegeben hat als unverheiratete. Er verwechselt das aggiornamento, das Heutigwerden von Kirche, mit einer modernistischen Anpassung an den Zeitgeist. Die Wiederzulassung von nach Scheidung Wiederverheiraten zur Kommunion haben vor Jahren schon die Kardinäle Lehmann und Kasper angemahnt, Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz erwartet diese Zulassung als Zeichen der Barmherzigkeit der Kirche in absehbarer Zeit.
    Denken Sie mal nach, Herr Nardi.

    • Laut dem Duden ist ein Gelübde „ein feierliches [vor Gott abgelegtes] Versprechen“. 😉 Eine Lektüreempfehlung für alle, die geschichtlich denken: Arturo Cattaneo: Die Bedeutung des Priesterzölibates. Eine kurze Antwort auf gängige Einwände. und: Christian Schenk: Priesterlicher Zölibat: Eine historische und theologische Begründung.
      Wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen, ist keine Frage von „Barmherzigkeit“. Ein Mensch, der durch eine schwerwiegende Sünde von Gott getrennt lebt und in diesem Zustand verharrt, kann nicht gleichzeitig die innigste Communio mit Christus in der heiligen Eucharistie erleben. Der Beichtstuhl steht jedem Sünder jederzeit offen. DAS ist Barmherzigkeit.

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