Ein Haus für die Christen im Heiligen Land – Aktion um Rauswurf der Christen aus Jerusalem zu verhindern

(Jerusalem) Der Lateinische Patriarch von Jerusalem richtete einen außergewöhnlichen Aufruf an „alle Diözesen“ der Welt. Patriarch Fouad Twal ersucht jede katholische Diözese der Welt, einer christlichen Familie des Heiligen Landes ein Haus zu errichten, um den Exodus der Christen aufzuhalten. Der Erzbischof stellte die Aktion „Ein Haus für die Christen im Heiligen Land“ beim jährlichen Bischofstreffen der europäischen und nordamerikanischen Bischofskonferenzen mit den Bischöfen des Heiligen Landes vor, das seit zehn Jahren die Solidaritätsaktionen der Kirche mit der Heimat Jesu koordiniert, wie Bussola Quotidiana berichtete.

Eine Delegation der ins Heilige Land gereisten Bischöfe besuchte auch die kleine katholische Pfarrei im Gaza, wo einige Hundert Katholiken eingesperrt zwischen Islam und Judentum, zwischen dem Islamismus von Hamas und der israelischen Totalblockade des Gazastreifens, leben. Die Bischöfe bekräftigen ihre Mahnung an die Regierenden, sich für wirklichen Frieden und wahre Gerechtigkeit einzusetzen, „damit auch in diesem geschundenen Teil der Welt die Rechte aller gewahrt werden“. Da Frieden und Gerechtigkeit sich in den konkreten Dingen zeigt, wurde dem Thema Wohnraum für die Christen im Heiligen Land, das der Lateinische Patriarch vorbrachte, große Aufmerksamkeit gewidmet.

Das Wohnungsproblem der Christen betrifft mehrere Teile des Heiligen Landes, ist aber in Jerusalem besonders akut. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Jerusalem hat rund 780.000 Einwohner. Davon sind heute amtlich nur mehr knapp 11.600 oder 1,5 Prozent Christen aller Konfessionen, wie das Statistische Zentralamt des Staates Israel kurz vor Weihnachten bekanntgab. 500 Familien dieser kleinen Gemeinschaft verfügen über keine menschenwürdige Unterkunft. Das ist einer von mehreren Gründen, die maßgeblich zur Abwanderung der Christen aus dem Heiligen Land beitragen.

Warum aber herrscht unter Christen eine solche Wohnungsknappheit? In Jerusalem tobt ein erbitterter ethnisch-religiöser Kampf zwischen Juden und Moslems, der auch auf dem Wohnungsmarkt ausgetragen wird. Auf der einen Seite herrscht eine große Wohnungsnachfrage bei der arabischen Bevölkerung, die stark wächst. Die jüdische Stadtverwaltung, die eine Zunahme der nichtjüdischen, moslemischen Bevölkerung in Jerusalem verhindern will, gewährt nur tröpfchenweise Baubewilligungen an die Araber. Gleichzeitig schießen mitten im arabisch-moslemischen Osten der Stadt neue jüdische Wohnviertel wie Pilze aus dem Boden, die an Größe und Standard den Wohnraum, der Moslems und Christen zur Verfügung steht, weit übersteigt. Zusätzlich wird der jüdischen Bevölkerung auch die Errichtung von Zweitwohnsitzen in Eretz Yizrael erlaubt, was die Nichtjuden als zusätzliche Ungerechtigkeit empfinden, während ihre Bauansuchen abgelehnt werden. Die vom Staat Israel gelenkte Siedlungspolitik will die demographischen Verhältnisse Jerusalems im jüdischen Sinn modifizieren. Ein schwerwiegender Eingriff, der auch die Christen der Stadt zwischen die Mühlsteine geraten läßt. Sie gehören zum Großteil der arabischen Bevölkerung an und werden daher von der Stadtverwaltung als Nicht-Juden behindert.

Hinter den politischen Eingriffen der israelischen Behörden steht die Absicht, Jerusalem zur einen und unteilbaren Hauptstadt Israels zu machen. Trotz der internationalen Proteste, die ab und zu erhoben werden, änderte Israel bisher nicht seine Siedlungspolitik in und um Jerusalem. Der Marktpreis der Immobilien befindet sich durch die behördlichen Eingriffe auf einem Höchststand. Eine normale christlich-arabische Familie kann sie sich schlicht und einfach nicht leisten.

Aus diesem Grund sind das Lateinische Patriarchat von Jerusalem und die franziskanische Kustodie des Heiligen Landes seit einiger Zeit als Bauherren aktiv. Da der Kauf von Grundstücken in Ostjerusalem und seiner Umgebung aus denselben Gründen unmöglich ist, errichten sie auf eigenen Grundstücken, die der Kirche gehören, neue Wohngebäude für die Christen. Es geht nicht um Sozialhilfe, sondern um die Verteidigung der Rechte der Christen in Jerusalem, dazu gehört auch das Recht, als Christen in Jerusalem  bleiben zu können.

In wenigen Wochen wird das Patriarchat 40 neue Wohnungen an ebenso viele christliche Familien in Beit Safafa übergeben, einem arabischen Viertel im Süden von Jerusalem. Die Möglichkeiten der beiden katholischen Einrichtungen des Heiligen Landes sind begrenzt. Alleine sind sie nicht in der Lage, den Bedarf der Christen zu decken. Ein anderes Projekt, an dem Patriarchat und Kustodie beteiligt sind, ist das Bauprojekt „Steine der Erinnerung“ der Nichtregierungsorganisation ATS Pro Terra Sancta. Mit diesem Projekt wird alte, von Christen bewohnte Bausubstanz, die nicht mehr einer menschenwürdigen Unterbringung entsprechen, renoviert. Auf diese Weise sollen diese Gebäude der Immobilienspekulation der jüdischen und moslemischen Seite entzogen werden, die um jeden Quadratzentimeter Wohnraum kämpfen.

Das alles hat natürlich einen Preis. Daher richtete der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal seinen Aufruf an alle Diözesen der Welt. Wenn jede Diözese ein Haus für die Christen des Heiligen Landes baut, könnte ein Rauswurf der Christen aus Jerusalem verhindert und könnten die Rechte der Christen wirksam verteidigt werden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: BQ

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