Amerikas Katholiken fühlen sich von Obama verraten und kehren ihm den Rücken

(Washington) 2008 stimmten die Katholiken mehrheitlich für Barack Obama trotz starker Vorbehalte der Bischöfe. Traditionell fühlen sich die amerikanischen Katholiken den Demokraten näher als den Republikanern. Seit der Präsidentschaft von Ronald Reagan sind jedoch erhebliche Verschiebungen eingetreten. Heute, 2012, steht das katholische Amerika geschlossen gegen Obama. Ausnahmslos.

Nicht nur die konservativen Gruppen protestieren gegen die Politik des Weißen Hauses, mit der Krankenhäuser heute auch „Dienstleistungen“ abdecken müssen wie die Tötung ungeborener Kinder und künstliche Verhütungsmittel, die der katholischen Ethik widersprechen. Auch die „liberalsten“ Teile des amerikanischen Katholizismus sind darüber „empört“.

Die katholischen Proteste haben deutlich zugenommen. Die Regierung teilte durch das Gesundheitsministerium mit, daß ab August 2013 auch kirchliche Vereinigung und Träger ihren Angestellten eine Krankenversicherung anbieten müssen, die Ausgaben für Abtreibungen und Verhütungsmittel zurückerstattet. Die Entscheidung wird von den Katholiken als Zwang aufgefaßt, der eine schwerwiegende Einschränkung der Religionsfreiheit bedeutet. Papst Benedikt XVI. hatte erst vor kurzem deutliche Worte zur Bedrohung der Religionsfreiheit durch die Regierung Obama gefunden.

Der Erzbischof von New York, Msgr. Timothy Dolan, Vorsitzender der amerikanischen Bischofskonferenz, verwarf die Regierungsmaßnahme im Namen der Kirche. Er rief die Katholiken auf, ihre Ablehnung der Regierungspolitik öffentlich hörbar kundzutun. Am Dienstag, dem 39. Jahrestag der Entscheidung Roe gegen Wade, mit der der Oberste Gerichtshof die Tötung ungeborener Kinder in den USA straffrei stellte, protestierten Zehntausende Lebensschützer für das Lebensrecht vor dem Obersten Gerichtshof in Washington. An ihrer Spitze stand Kardinal Daniel Di Nardo, der Erzbischof von Galveston-Houston. Er ist Vorsitzender der Lebensrechtskommission der amerikanischen Bischofskonferenz.

Die Proteste haben nicht nur amerikanische Wurzeln. Ein wichtiger Anstoß kam, wie bereits angedeutet, aus Rom. Papst Benedikt XVI. hatte mehrere amerikanische Bischöfe zu einem Ad-limina-Besuch empfangen. Der Papst sagte dabei, dabei, daß die Religionsfreiheit in den USA auf schwerwiegende Weise „bedroht“ sei. Unter den in Rom anwesenden Bischöfen war auch Kardinal Donald William Wuerl, der Erzbischof von Washington. In die USA zurückgekehrt, stellte er sich sofort an die Spitze des katholischen Widerstandes.

Die amerikanischen Katholiken fühlen sich von Obama verraten. Erst vor wenigen Tagen kündigte er wie schon oft an, er wolle sich für eine „Reduzierung der Abtreibungen“ einsetzen. Die Ankündigungspolitik haben die Katholiken satt. Der erneute „Bluff“ wurde auch von jenen Katholiken nicht mehr verdaut, die bisher die Gesundheitsreform des scheidenden Präsidenten unterstützt hatten. Für sie steht die Ordensfrau Carol Keehan, Vorsitzende der Catholic Health Association, die 2010, trotz der gegenteiligen Aufforderung der Bischöfe, die Gesundheitsreform von Obama öffentlich lobte, und von der Regierungspropaganda als Gegengewicht zur katholischen Kritik in großer Aufmachung ins Feld geführt wurde. Schwester Keehan erklärte vor der Presse, daß „Millionen Amerikaner durch die Reform geholfen wurde“. Der Vatikan gab bereits damals über den Osservatore Romano deutlich zu verstehen, auf welcher Seite er zwischen Erzbischof Dolan und Schwester Keehan steht.

Text: Palazzo Apostolico/Giuseppe Nardi
Bild: Pro Life Action

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