Kardinal Schönborn: Die Madrider Katechese und der Wiener Aufstand – Fehlentwicklungen zu lange ignoriert

(Madrid) Wiens Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, erteilte der ungehorsamen Minderheit seines Klerus in Madrid eine Antwort. Bei einer von ihm dort vor deutschsprachigen Weltjugendtags-Teilnehmern gehaltenen Katechese bekräftigte er die Positionen der katholischen Kirche. Mit Blick auf die an ihrer Priesterberufung (ver)zweifelnden Rebellen bekräftigte der Kardinal die Unumstößlichkeit des priesterlichen Zölibats als konstitutionelles Element des Priestertums. „Ich habe auch einen ganz einfachen Grund dafür“, sagte der Kardinal den jungen Katholiken. „Jesus, hat für sich diese Lebensform gewählt. Ich glaube, es ist richtig, es ist sinnvoll, daß die römisch-katholischen Priester in dieser Weise Jesus nachfolgen. Ich weiß, es ist nicht einfach. Ich sage manchmal zu Jesus: Du bist wahrer Mensch. Du bist Mann, Du bist als Mann auf die Welt gekommen, als jüdischer Mann. Du bist Mann gewesen, auch in Deiner Sexualität. Herr, zeige mir, wie hast Du das gelebt? Ich kenne keinen Menschen, der einen so tiefen und so wunderbaren Umgang mit Menschen gehabt hat, auch mit Frauen, wie Jesus“, wie die katholische Nachrichtenagentur kath.net den Erzbischof von Wien zitiert. Die katholische Qualität der Katechese wird auch von jugendlichen Bloggern bestätigt, die am WJT teilnehmen.

Ob die Rebellen die Katechese des Kardinals lesen oder sich gar davon beeindrucken lassen, bleibt fraglich, schließlich werden sie von einer begeisterten Medienlandschaft angefeuert, die sich an dem innerkirchlichen Konflikt im wahrsten Sinne des Wortes ergötzt.

Es gehört zudem als auffallendes Merkmal zu Msgr. Schönborns Episkopat und Kardinalat, in Wien leisere Töne anzuschlagen als außerhalb, wenn es darum geht, die katholische Position zu erklären und zu vertreten. Es scheint gerade so, als handle Schönborn als Erzbischof mit der Verantwortung in Wien und Österreich anders als der Kardinal mit seiner Verantwortung für die Gesamtkirche. Eine gesunde Trennung scheint diese Aufspaltung indes nicht. Vor allem nicht für die katholische Kirche in Österreich und damit für das Glaubensleben und das Seelenheil der Österreicher.

Kardinal Schönborn sieht sich mit einer Fronde des österreichischen Klerus konfrontiert, der dem Zeitgeist und den Mechanismen der Welt folgend „Änderungen“, „Reformen“, „Korrekturen“ und „Kurswechsel“ verlangt. Konkret: Aufhebung des Zölibats, Frauenordination, Demokratisierung. Neben den Angriffen zu Hause bekommt der Kardinal auch römischen Gegenwind zu spüren. Dort zeigt man sich schon seit längerem unzufrieden damit, wie der Wiener Erzbischof mit der innerkirchlichen Kritik umgeht. Man wirft ihm vor, die schon lange erkennbaren Signale für Fehlentwicklungen ignoriert oder ihnen jedenfalls mit ungeeigneten Mitteln entgegengetreten zu sein. Der offene „Aufruf zum Ungehorsam“ von rund 250 Priestern und etwa 50 Diakonen sei, so Stimmen in der römischen Glaubenskongregation und Bischofskongregation, die logische Konsequenz des verfehlten Handelns, das diesem Teil des Klerus zu lange, zu viel Spielraum belassen habe. Kardinal Schönborn bekommt diese Kritik aus Rom auch am Rande des Weltjugendtages in Madrid zu hören: „In Österreich wurde ein Teil des Klerus, trotz offensichtlicher Schwierigkeiten, das katholische Priestertum in seiner ganzen Gestalt und Fülle zu akzeptieren – freiwillig zu akzeptieren, denn die Berufung zum Priestertum ist eine völlig freie Antwort des Gerufenen an Gott, zu der niemand auf irgendeine Weise gezwungen werden kann und darf – frei schwebend im Raum belassen, statt die Gestalt des Priestertums zu vertiefen und die Berufung der Betroffenen in brüderlicher Liebe zu stärken oder bei anhaltenden Zweifeln zu den notwendigen Konsequenzen zu bewegen“, so ein Kurienerzbischof.

Zur falschen Strategie des Kardinals gehörten auch Fehlentscheidungen bei den Bischofsernennungen. Um eine „Polarisierung“ in der österreichischen Kirche zu verhindern, setzte Kardinal Schönborn und mit ihm eine Reihe anderer Bischöfe auf „Deeskalation“. Konkret bedeutete dies, daß „konservative“ Teile der Kirche bewußt niedergehalten, während „progressive“ Teile gehätschelt wurden. Dem entspricht auf der Ebene der Bischöfe, daß „konservative“ Vertreter wie der ehemalige Bischof von St. Pölten, Msgr. Kurt Krenn, (zwangs)emeritiert oder der Pfarrer von Windischgarsten, Gerhard Maria Wagner, als Weihbischof von Linz und damit potentieller Nachfolger des Diözesanbischofs verhindert wurden.

Gerade in der Diözese Linz, dem Zentrum des „progressiven“ Ungehorsams, zeigt sich ein weiteres Scheitern von Kardinal Schönborns Personalpolitik. Der 2005 von ihm dorthin geschickte ehemalige Wiener Weihbischof Ludwig Schwarz, ist von den innerkirchlichen Ereignissen völlig überfordert. Die Diözese wirkt verwaist, gerade so als sei sie vakant. Nach zaghaften Versuchen, sich gegen einen linkskatholisch-grün usurpierten Diözesanapparat durchzusetzen, der das offizielle und öffentliche Erscheinungsbild der Ortskirche weitgehend prägt, resignierte der Bischof innerlich, ohne daß Abhilfe geschaffen wurde.

Das Aufbegehren der „Ungehorsamen“ zeigt wie die Dinge schließlich trotz „Deeskalation“ außer Kontrolle geraten, weil es nicht um Fragen der Form, sondern des Inhalts geht. Es rächt sich eben, wenn man zu spät handelt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikimedia/JMJ2011

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