Freimaurertreffen „Cagliostro und Alchimie“ – Bischof verriegelt Kirchen: “Katholischer Glaube und Freimaurerei unvereinbar”

(San Marino) Am vergangenen Wochenende veranstalteten die beiden größten Freimaurerbünde Italiens eine Tagung zum Thema „Alchimie Alchimien“ in der mittelitalienischen Stadt San Leo. Der Großorient und die Großloge Italiens wollten damit dem Grafen Cagliostro die Ehre erweisen, der 1795 in der Festung von Montefeltro, so der damalige Name des heutigen San Leo, starb. Giuseppe Balsamo, der 1743 in Palermo geboren wurde, machte sich in der Zeit der Aufklärung unter dem Pseudonym eines Grafen von Cagliostro einen Namen als Abenteurer, Esoteriker und Alchimist. Die schillernde Figur, die sich durch Hellseherei und Magie finanzierte, wurde 1777 in London in die Freimaurerei aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt war er im Namen der Freimaurerei unterwegs oder gab dies zumindest vor. In Freimaurerkreisen ganz Europas war er willkommener Gast, in denen die Alchimie weit verbreitet war. Cagliostro behauptete, den Stein der Weisen gefunden zu haben und die Fähigkeit zu besitzen, Metall in Gold zu verwandeln. 1783 gründete er in Frankreich unter dem Name Graf Phenix den ägyptischen Ritus der Freimaurerei und versuchte im Sinne der Freimaurerei Einfluß auf die französische und europäische Politik zu nehmen.

Cagliostro, Alchimist und Freimaurer, stirbt 1795 im Kerker

1789 wurde er im Kirchenstaat verhaftet, wo die Freimaurerei verboten war. Angeklagt der Freimaurerei, der Magie, der Gotteslästerung, der Zuhälterei, der Urkundenfälschung, des Betrugs, der Verleumdung und weiterer Delikte, versuchte sich Cagliostro selbst als bloßen Scharlatan darzustellen. 1791 schuldig gesprochen, hätte er zum Tode verurteilt werden müssen. Da die Todesstrafe im Kirchenstaat nicht exekutiert wurde, erfolgte die Umwandlung der Strafe in lebenslangen Kerker. Antonio Balsamo wurde, nachdem er den Häresien abgeschworen hatte, in die Rocca di San Leo in der Romagna gebracht. Anfänglich verbrachte er die desolate Kerkerhaft mit frommen Übungen, Fasten und Gebet. Bald zeigte er jedoch psychische Instabilität, Wutausbrüche und behauptete, Visionen zu haben. In einem Schreiben an Papst Pius VI. stellte er sich als Heiligen dar, der der Welt eine Botschaft zu bringen habe. Am 26. August 1795 starb Cagliostro im Halbwahn zwischen Frömmigkeit und Gotteslästerung.

Die zwielichtige Gestalt des bekannten Freimaurers fand durch Schriftsteller wie Alexandre Dumas (Vater) und Alexander Tolstoj Eingang in die Weltliteratur. Die Freimaurerei vergaß ihn nicht. 2011 widmeten ihm Italiens Freimaurer vom 21. bis 26. August ihre traditionelle Sommertagung, die aus diesem Anlaß in der Stadt San Leo stattfand.

Protest von Bischof Negri gegen Freimaurertreffen

Dagegen protestierte der Bischof von San Marino-Montefeltro, Msgr. Luigi Negri, am 20. August mit einem Hirtenbrief an seine Diözese. Darin betonte er die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die es auch den Freimaurern erlauben müsse, sich frei versammeln zu können. Der Hirtenbrief hatte das Ziel, die Position der katholischen Kirche zur Freimaurerei in Erinnerung zu rufen. „Die Kirche und die Freimaurerei sind miteinander absolut unvereinbar, wie das von Kardinal Ratzinger am 26. November 1983 unterzeichnete Dokument feststellt. […] Die Freimaurerei entsteht mit dieser Feindschaft gegen die Kirche und verfolgt die Verwirklichung dieser Feindschaft durch die Zerstörung der Kirche und der christlichen Gesellschaftsordnung und durch deren Ersetzung durch eine substantiell atheistische Kultur und Gesellschaft, auch wenn sie sich auf den Baumeister des Universums beruft.“

Pfarrer sperrt Kirchen aus Sicherheitsgründen

Don Andrea Bosio, für die Kirchen der Stadt zuständig, entschloß sich während der Freimaurertagung die Gotteshäuser außerhalb der Gottesdienstzeiten zu verriegeln. Das galt vor allem für die Kathedrale (Montefeltro war vom 14.-16. Jahrhundert Bischofssitz) und die Stadtpfarrkirche. Offiziell wurde die Aussperrung der „Cagliostro-Jünger“ damit begründet, daß die Aufsicht an jenen Tagen nicht garantiert werden konnte. Don Bosio bekräftigte gegenüber der Presse: „Die Grundsätze der Freimaurerei sind seit jeher unvereinbar mit jenen des katholischen Glaubens und dem christlichen Katechismus.“ Die Vorkehrungen lassen eine weitergehende Besorgnis der Kirche erkennen, die offiziell nicht ausgesprochen wurde.

Die Maßnahme des Pfarrers wurde von Bischof Luigi Negri unterstützt: „Ich stimme der Entscheidung des Pfarrer vollkommen zu. Ich stelle nicht in Zweifel, daß die beiden regulären Freimaurereien ihre Veranstaltungen durchführen können. Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ist jedoch irritierend.“

Großorient und Großloge von Italien – die „reguläre“ Freimaurerei

Der Großorient von Italien wurde am 5. März 1805 mit Unterstützung Napoleons gegründet und umfaßt rund 650 Logen mit 18.000 Mitgliedern. Von der italienischen Staatsgründung 1861 bis zur faschistischen Machtübernahme bestimmte der Großorient das politische und gesellschaftliche Leben Italiens. In seinem Inneren entstand 1877 die skandalumwitterte, 1982 verbotene Loge P2 (Propaganda Zwei), die unter ihrem Großmeister Licio Gelli (interims seit 1970, offiziell seit 1975) Pläne zum Sturz der herrschenden Verfassungsordnung hegte. Wegen der politischen Skandale und den gerichtlichen Ermittlungen verlor der Großorient die Anerkennung durch die Vereinigte Großloge von England, die an der Spitz der regulären Weltfreimaurerei steht.

Die Großloge von Italien entstand 1910 als Zusammenschluß von Freimaurern des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, die 1908 den Großorient verlassen hatten. Sie steht den Großorienten von Frankreich, Belgien und Deutschland nahe. Sie zählt rund 400 Logen mit etwa 8000 Mitgliedern.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Bischof Luig Negri:Diözese San Marino-Montefeltro/Montage katholisches.info

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