Vatikanische Untersuchungskommission lädt Medjugorje-"Seher" nach Rom

(Rom) Vicka Ivanković, Mirijana Dragičević, Marija Pavlović, Ivan Dragičević, Ivanka Ivanković und Jakov Čolo, die berühmten „Seher“ von Medjugorje, werden sich wahrscheinlich bereits nach dem Sommer im Vatikan einfinden, um auf die Fragen der vom Papst eingesetzten Untersuchungskommission zu antworten. Dies berichtet der römische Internetdienst Petrus. Mit dem Vorsitz der Untersuchungskommission betraute der Heilige Vater Kardinal Camillo Ruini, den ehemaligen Bischofsvikar von Rom und Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz. Die Kommission hat den Auftrag, die angeblichen, von der Kirche noch nicht anerkannten Marienerscheinungen im herzegowinischen Ort zu untersuchen, die seit dem 24. Juni 1981 ununterbrochen bis heute stattfinden sollen.

Vor allem werden die sechs „Seher“ gerufen, um der vom Papst beauftragten Kommission die zehn Geheimnisse der Gottesmutter zu übergeben, die sie ihnen anvertraut hätte. Die offizielle Vorladung wurde noch nicht verschickt, wie die Internetseite Petrus berichtet. Die Kommission, die im vergangenen März ihre Arbeit aufgenommen hat, will die „Seher“ jedoch persönlich kennenlernen. Der Bischof von Mostar unterrichtete die Kommission vom Ungehorsam der „Seher“ gegenüber der zuständigen diözesanen Autorität. Schatten auf die angeblichen übernatürlichen Erscheinungen, die Millionen von Pilgern in die Nähe von Mostar ziehen, würden vor allem theologische Ungenauigkeiten und Widersprüchlichkeiten sowie die endlose Flut der „Botschaften“ werfen, die von den „Sehern“ nach den „Erscheinungen“ verbreitet werden.

Nach Abschluß ihrer Tätigkeit wird die Kommission der Glaubenskongregation einen Bericht überreichen. Der Kongregation stehen dann weitere Maßnahmen zu. Das Ergebnis der Untersuchungen läßt sich nicht absehen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß zahlreiche römische Prälaten damit rechnen, daß der Heilige Stuhl am Ende nur eine „innere Eingebung“ der „Seher“ feststellen werde, aber keine authentischen, übernatürlichen Erscheinungen. Die „innere Eingebung“ erfolgt mittels einer inneren Stimme jedoch ohne sichtbare, äußere Erscheinung. Aus Medjugorje würde in diesem Fall eine kirchlich anerkannte Gebetsstätte. Die Pilger könnten weiterhin den Ort aufsuchen, jedoch mit dem klaren Hinweis, daß es vor Ort keine Marienerscheinungen gab.

Seit Beginn der „Erscheinungen“ stehen sich innerkirchlich zwei konträre Positionen entgegen. Auf der einen Seite jene, die die Erscheinungen als Fälschung ablehnen, zu ihnen gehört auch der Ortsbischof von Mostar. Auf der anderen Seite Millionen von Gläubigen und die bosnischen Franziskaner, die Medjugorje als Seelsorger betreuen.

Marienerscheinungen sind in der Christenheit seit dem 4. Jahrhundert überliefert. Im Lauf des 20. Jahrhunderts hat sich das Phänomen erheblich intensiviert. Die älteste dokumentierte Erscheinung der Gottesmutter geht auf das Jahr 352 zurück. Damals, so die Überlieferung, erschien Maria zeitgleich einem Patrizierpaar und Papst Liberius und bat um den Bau einer Kirche. Die Kirche wurde tatsächlich erbaut. An ihrer Stelle steht heute die päpstliche Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.

Laut katholischer Lehre ist die Glaubensoffenbarung mit dem Tod des letzten Apostels und der Niederschrift des Neuen Testaments abgeschlossen. Marienerscheinungen werden daher als Stärkung des Glaubenslebens und der Hoffnung der Gläubigen gesehen. Eine Anerkennung und damit Verehrung wird erst nach einer genauen Prüfung ausgesprochen. Im Lauf der Geschichte nahm die Kirche stets eine sehr zurückhaltende Position ein. Nicht selten hatte sie es mit Hochstaplern, geistlichen Schwärmern oder Geisteskranken zu tun. Es seien unter den kirchlich anerkannten Marienerscheinungen nur die ersten und die bisher letzte der Neuzeit genannt: 1531 Unsere Frau von Guadalupe in Mexiko und 1983 Unsere Frau vom Rosenkranz von San Nicolás in Argentinien.

Da Marienerscheinungen kein Dogma und damit unveränderbarer Teil der Glaubenslehre sind, kann die Kirche eine Erscheinung nur als vertrauenswürdig bestätigen. Sie verlangt jedoch von keinem Gläubigen, daran glauben zu müssen. Laut katholische Lehre kann man ein sehr guter Katholik sein, ohne an irgendeines dieser Phänomene zu glauben. Entsprechend billigt die Kirche die Verehrung. Botschaften der Erscheinungen werden jedoch als Privatoffenbarung betrachtet, die dem Wort Gottes immer untergeordnet bleibt.

(Petrus/GN, Bild: flickr/gnuckx)

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