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Wenn Bilder lügen – Das Märchen vom Hitler-Gruß Joseph Ratzingers

„Wenn Bilder lügen“ heißt eine Ausstellung, die erstmals bis Februar 1999 im Bonner Haus der Geschichte und seither als Wanderausstellung in zahlreichen anderen Städten gezeigt wurde. In die Ausstellung sollte jenes Bild als aktuelles Exponat aufgenommen werden, das seit geraumer Zeit im Internet, auch auf Youtube herumgereicht wird. Auf dem Bild, so die mitgelieferte Behauptung, sei Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., zu sehen, wie er den rechten Arm zum Hitler-Gruß erhebt. Es wird natürlich nicht vergessen zu erwähnen, daß der Hitler-Gruß mit den Worten „Heil Hitler!“ gekoppelt war.

Vor wenigen Tagen fand das Bild indirekt sogar Eingang in ein Buch und damit eine Art „höhere Weihe“, auf die Andrea Tornielli, Vatikanist der Tageszeitung Il Giornale aufmerksam macht. Eric Frattini, „Universitätsprofessor, Journalist und eklektischer Schriftsteller mit einer Leidenschaft für Geschichte und Politik“ wie der Verlag im Schutzumschlag schreibt, veröffentlichte in seinem Buch „Die Päpste und der Sex“ zwar nicht das Bild, erwähnt es aber als glaubwürdiges „Dokument“. Glaubwürdig sei also, daß der junge Ratzinger, im Gewand eines Priesters (!) den Hitler-Gruß entboten und damit seine nationalsozialistische Gesinnung offenbart habe.

In Wirklichkeit handelt es um eine ebenso klassische, wie böswillige Manipulation. Eben um ein treffliches Beispiel dafür, wie „Bilder lügen“ können. Das Originalbild stammt von der Primiz, die Joseph Ratzinger gemeinsam mit seinem Bruder Georg am Tag nach seiner Priesterweihe am 30. Juni 1951 (!) in der Pfarrkirche von Traunstein feierte. Das Foto dokumentiert den Primizsegen, den die beiden Neupriester den versammelten Gläubigen spendeten. Es genügte die Böswilligkeit, einen Bildausschnitt zu wählen, der nur Joseph Ratzinger zeigt, den ebenso zum Segen erhobenen linken Arm wegzulassen und schon wurde aus dem segenspendenden katholischen Priester Ratzinger ein angeblicher Nationalsozialist Ratzinger. Im Internet findet sich bekanntlich Müll jeder Sorte, daß jedoch ein Universitätsprofessor, der zudem Journalismus an der Universität von Madrid unterrichtet, in einem laut Eigendarstellung „fundierten und quellengestützten Sachbuch“, nicht nur unkritisch eine solche Manipulation übernimmt, sondern ihr auch noch Glaubwürdigkeit zuspricht, ist schwerwiegend. Ein Minimum an Recherche hätte genügt, um die Manipulation zu entlarven. Dies sollte zum Einmaleins eines Journalisten gehören, erst recht zu dem eines Universitätsprofessors.

Giuseppe Nardi, Bild: Sacri Palazzi