In Algerien wurden mehrer Christen verhaftet – Lage der Christen verschlechtert sich

(Algerien) In Algerien wurde am 29. März eine junge Frau verhaftet, nachdem bei einer Polizeikontrolle an einem Kontrollstützpunkt in ihrer Tasche mehrere Bücher über das Christentum gefunden wurde. Der offizielle Grund für ihre Verhaftung wurde nicht genannt. Die Frau wurde 24 Stunden lang in der Polizeistation festgehalten. Im Mai muß sie vor einem Gericht erscheinen. Bereits am 21. März wurden zwei Männer verhaftet, von denen der eine zehn Bibeln bei sich trug. Die Bibeln waren für seine Gemeinde bestimmt. Der andere Mann trug lediglich seine eigene Bibel bei sich. Nach einer Nacht im Gefängnis wurden sie wieder freigelassen, befürchten jedoch wegen missionarischer Tätigkeiten strafverfolgt zu werden. Zehn von 32 protestantischen Kirchen wurden bereits von der Regierung geschlossen. Die Lage für die Christen in Algerien verschlechtert sich. Insgesamt wurden derzeit 19 Kirchengemeinden angewiesen, ihre Aktivitäten einzustellen, erfuhr Open Doors von einem führenden algerischen Protestanten. Von den rund 33 Millionen Einwohnern Muslime sind rund 99 Prozent Muslime. Schätzungsweise 11.500, davon 1.500 Katholiken, 10.000 Protestanten – zumeist ehemalige Muslime – leben in Algerien.

Im Jahr 2007 tauchten in algerischen Medien Vorwürfe gegen die Kirche auf. Die Bürger werden vor Missionaren gewarnt, die Algerien „christianisieren“ wollen. Es wird über eine Verschwörungstheorie berichtet. Ausländer würden versuchen, christliche Minderheiten in Algerien zu etablieren, so daß andere Länder das Recht zur Einmischung in die algerische Politik haben. Nicht alle Medien teilen jedoch diese Ansicht. Der Kolumnist Mustapha Hammouche schrieb am 25. März 2008 in der algerischen Tageszeitung Liberté: „Aus der Repression des evangelistischen Proselytismus ist die Drangsalierung von Christen geworden.“ Gegenwärtig lassen die Schließungsanordnungen nicht nach. Nach Aussage von Mustapha Krim, dem Präsidenten der algerisch-protestantischen Kirche (EPA), haben die meisten Gemeinden schriftliche Anweisungen von der Polizei erhalten, ihre Aktivitäten einzustellen. Elf erhielten eine schriftliche Anordnung, sechs weiteren Gemeinden gab die Polizei eine mündliche Warnung und zwei wurden von einem Richter angewiesen zu schließen. Von den 19 Kirchen, deren Schließung angeordnet wurde, gehören vierzehn Gemeinschaften zur EPA und bei den anderen fünf handelt es sich um unabhängige Gemeinden.

Die Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und verbietet religiösen Organisationen jede Aktivität, die den Lehren des Islam entgegensteht. Der Druck der Regierung auf die Gemeinde nimmt zu. Algeriens Religionsminister Bouabdellah Ghlamallah wurde Anfang März 2008 in der Zeitung L’Expression zitiert: „Ich setze Evangelisation mit Terrorismus gleich“. Ein im September 2006 in Kraft getretenes Anti-Missionsgesetz beschränkt die Ausübung nicht-islamischer Religionen, indem etwa öffentliche religiöse Versammlungen wie Gottesdienste verboten werden. Organisierte christliche Gruppen müssen sich bei der Regierung registrieren lassen und die Einfuhr von christlicher Literatur wird kontrolliert. Das Gesetz verbietet jede Handlung, die „ermutigt, zwingt oder Mittel zur Verführung gebraucht, um einen Muslim zu einer anderen Religion zu bekehren sowie auch die Nutzung von Einrichtungen für Lehrtätigkeiten, Erziehung, Gesundheit, die Nutzung sozialer oder kultureller Einrichtungen, Ausbildungsstätten, anderer Institutionen oder finanzieller Mittel zu diesem Zweck.“ Es ist zum Beispiel untersagt, einen Muslim zu evangelisieren, d.h. ihm die christliche Botschaft weiterzusagen. Man riskiert bis zu fünf Jahren Gefängnis bei einem Verstoß gegen dieses Gesetz. Demnach sind auch Versammlungen in Kirchengebäuden bzw. in dafür vorgesehenen Räumen nicht mehr erlaubt. Verstöße werden mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet. Ausländer, die sich nicht an die Verordnung halten, erwartet neben einer Gefängnisstrafe von mindestens zehn Jahren zudem die Ausweisung aus dem Land. Viele Ausländer, besonders Christen, erhalten immer seltener ein Visum. Darin sieht Open Doors den Versuch, die algerischen Christen zu isolieren. Zum anderen wird versucht, mit dem neuen Gesetz christliches Leben in Algerien praktisch zu ersticken. Diesem Gesetz nach müßten sämtliche (nicht registrierte) Hausgemeinden und Hauskirchen geschlossen werden. Die meisten Christen in Algerien versammeln sich in Scheunen, Garagen oder in Ställen. Dies ist nicht mehr erlaubt, alle Christen dürfen sich nur noch in offiziellen Gebäuden versammeln. Die Regierung gestattet jedoch katholischen Kirchen, darunter auch der Kathedrale in Algier (Sitz des Erzbistums) sowie einer protestantischen Kirche Gottesdienste ohne die Einmischung der Regierung zu feiern. Nach Einführung der Vorschrift mußten algerische Gemeinden ihre Kirche registrieren lassen, um anzuzeigen, daß sie dem neuen Gesetz entsprechen. Anfangs zögerten einige Gemeinden, sich registrieren zu lassen, doch andere erhielten die „Konformitätsbescheinigung“, ohne in direkte Schwierigkeiten zu geraten.

(Open Doors International)

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