Brief des Papstes an Maria Asuncion Milá

Todesstrafe: Bereits 2015 kündigte Franziskus eine Änderung an

Maria Asuncion Milá hatte bereits 2015 ein Schreiben von Papst Franziskus erhalten, in dem er die Änderung der Lehre über die Todesstrafe ankündigte.
Maria Asuncion Milá hatte bereits 2015 ein Schreiben von Papst Franziskus erhalten, in dem er die Änderung der Lehre über die Todesstrafe ankündigte.

(Madrid) Spanische Medien räumen einem Schreiben von Papst Franziskus an Maria Asuncion Milá breiten Raum ein.

Maria Asuncion Milá ist 99 Jahre alt. 1976 gründete sie die Spanische Vereinigung gegen die Todesstrafe. Ziel der Vereinigung war die Streichung der Todesstrafe aus der Verfassung des Landes, was 1978 gelang. Damit war ihr Kampf aber noch nicht beendet.  Seit der Veröffentlichung des neuen Katechismus der Katholischen Kirche im Jahr 1993 schrieb Milá drei Päpsten, um sie von ihrem Anliegen zu überzeugen, daß auch die katholische Kirche die Todesstrafe ächten und den Katechismus in diesem Punkt ändern sollte. Eine Antwort erhielt sie nur von Papst Franziskus.

Das Schreiben des Papstes

Einem bekannten, befreundeten Juristen gab die verehelichte Marquesa und Tochter eines Grafen einen Brief an den Papst mit, den dieser am Rande einer Tagung im Vatikan dem Sekretär von Franziskus überreichte mit dem Hinweis, es gebe in Spanien eine noble Dame, die von dieser Welt nicht abtreten will, bevor sie nicht eine Antwort des Papstes erhalten haben wird.

Am 27. März 2015 antwortete Papst Franziskus der energischen Spanierin mit einem handgeschriebenen Brief.

Das Schrieben von Papst Franziskus (2015)
Das Schrieben von Papst Franziskus (2015)

Diesen Brief nennt Maria Asuncion Milá seither ihren ganzen Stolz. Darin kündigte ihr Franziskus die Änderung der katholischen Lehre zur Todesstrafe und eine entsprechende Änderung des Katechismus an. Seither sollten mehr als drei Jahre vergehen.

Vor wenigen Tagen, am 2. August, setzte Franziskus seine Ankündigung in die Tat um. Die von ihm bereits im Mai gutgeheißene Neuformulierung des entsprechenden Absatzes im Katechismus wurde öffentlich bekanntgegeben. Sein Schreiben von 2015 macht nun in den Medien die Runde.

Maria Asuncion Milá entstammt einer bekannten, ursprünglich großbürgerlich-liberalen, aber königstreuen, katalanischen Familie. Ihr Großvater José Milá y Pí (1853–1922) war Bürgermeister von Barcelona.

Ihr Vater, José María Milá i Camps (1887–1955) war wie der Großvater Rechtsanwalt und führender Industrieller. 1919, als seine Tochter Maria Asuncion zur Welt kam, wurde er erstmals spanischer Parlamentsabgeordneter. Von 1920–1930 war er Präsident des Landtages der Provinz Barcelona. 1926 verlieh ihm König Alfons XIII. den Adelstitel eines Grafen von Montseny. Ihr Vetter Pere Milá i Camps ließ anläßlich seiner Hochzeit von Antoni Gaudì die Casa Milà in Barcelona errichten. Es war der letzte Profanbau bevor sich Gaudì ganz der Sagrada Familia zuwandte.

„Wer dem Tod ins Auge schaut, denkt anders über die Todesstrafe“

Aus Angst vor einer Machtübernahme von Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten unterstützte Maria Asuncions Vater die Diktatur von Miguel Primo de Rivera und war von 1927–1930 Mitglied der spanischen Nationalversammlung.

Maria Asuncion zeigt den Papst-Brief
Maria Asuncion zeigt den Papst-Brief

Während des Spanischen Bürgerkrieges wurde er von der Volksfront verhaftet und auf dem berüchtigten Gefängnisschiff Uruguay eingesperrt. Wie Maria Asuncion Milá schildert, habe sie die Sorge um den Vater geprägt. „Die kamen und haben ihn abgeführt. Niemand wußte, wo er war oder was mit ihm geschehen ist. Wir haben das Schlimmste befürchtet.“ Als Francos Truppen die Stadt einnahmen, befreiten sie José María Milá i Camps. Er selbst beschrieb seine Haft als „Schreckenszeit“. Er habe keine Auskunft erhalten und jeden Augenblick damit gerechnet, umgebracht zu werden.

Unter Franco wurde er 1939 noch einmal für wenige Monate Präsident des Provinzlandtages, widmete sich dann aber seinen wirtschaftlichen Aktivitäten.

Maria Asuncion heiratete den Marqués Manuel de Salinas, dem sie 12 Kinder schenkte. Seit ihrer Hochzeit ist sie Herrin der Casa Salinas, einem der prächtigsten Adelspaläste von Sevilla, der in jedem Reiseführer beschrieben wird. Neben karitativen Aktivitäten war sie auch stellvertretende Vorsitzende von Amnesty International Spanien.

In den vergangenen Jahren nützte sie wiederholt die Gelegenheit, bei Tagungen und Empfängen, aus der Ferne Papst Franziskus an die „Notwendigkeit“ einer Änderung des Katechismus in Sachen Todesstrafe zu erinnern. Bedenken wegen des päpstlichen Machtwortes kann sie nicht verstehen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Confidential (Screenshots)



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