Will Rom eine gläubige oder eine „kirchenkritische“ Jugend

David und Salomon und die Jugendsynode

Jugendsynode
Jugendsynode: wenig begeisternde Vorbereitungstexte in einer überholten Soziologensprache. Gläubige Jugendliche haben ihren eigenen Text geschrieben. Wird Rom in aufgreifen?

(Rom) Am kommenden 3. Oktober beginnt die Bischofssynode über die Jugend. Zweieinhalb Monate vorher ist das Arbeitspapier, das Instrumentum laboris, das Grundlage der Synodenarbeiten sein soll, „noch immer halb geheim“, so der Vatikanist Sandro Magister. Gläubige Jugendliche haben, nachdem sie das von Rom vorgelegte Dokument wenig überzeugend fanden, einen eigenen Text verfaßt, der eine deutlichere Sprache spricht.

Am vergangenen 19. Juni wurde es zwar auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz vorgestellt. Zugänglich ist es aber nach wie vor nur in italienischer Sprache. Die aber wird weltweit von den allermeisten Jugendlichen nicht beherrscht.

„Zudem, wer den Text gelesen hat, wurde davon nicht eingenommen“, so Magister. Es sei auch nicht bekannt, daß irgendeine der bisherigen Vorbereitungsetappen zur Jugendsynode irgendeine Denkwürdigkeit hervorgebracht habe.

Das Thema der Synode lautet: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. Der Titel sei eher sperrig und nicht leicht zugänglich. Zudem bestand die Vorbereitung weitgehend aus einem „ungeordneten ‚Hören‘“ und aus Antworten auf einen Fragebogen. Allerdings war kein roter Faden erkennbar, nach denen „Jugendversammlungen“ einberufen wurden, um Antworten zu geben.

Zu einer Vorsynode versammelten sich 300 Jugendliche auch im Vatikan, wobei auch nicht klar wurde, nach welchen Kriterien diese 300 ausgewählt wurden.

Beklagt wurde beispielsweise, daß traditionsverbundene und glaubenstreue Jugendorganisationen von Rom einfach übergangen wurden.

Die eingehenden Rückmeldungen werden anhand von „soziologischen Modellen von geringer Qualität“ behandelt. Das Ziel scheint es zu sein, nicht die guten Kräfte und Ansätze zu stärken, sondern die längst bekannten, immer gleichen „Kritikpunkte“ an der Kirche einzufangen. Dazu hätte es allerdings nicht des Aufwandes bedurft. „Ein Blick in die jüngste Untersuchung des Pew Research Center in Washington hätte genügt“, so Magister.

Der Vorschlag eines jungen Jesuiten
Der Vorschlag eines jungen Jesuiten

Die inhaltliche „Bescheidenheit“ der geleisteten Vorbereitungsarbeit  zur Jugendsynode wird anhand der wenigen Empfehlungen für die Jugendlichen und die Jugendarbeit deutlich. Von der Synode werde aber ein starkes und glaubwürdiges Signal an die Jugend erwartet, so Magister. „Ein Wort, das die ‚Welt‘ nicht zu geben vermag, sondern die Handschrift des ‚Wortes‘, des ‚Logos‘, des menschgewordenen Gottes trägt.“

Ein interessantes Beispiel dafür lieferte der 39 Jahre alte Jesuit und Bibelkundler P. Vincenzo Anselmo, der sich in Neapel um die Ausbildung der Diözesanpriester kümmert. In einem Aufsatz empfiehlt er der Kirche gegenüber Jugendlichen als Vorbild das Handeln Gottes gegenüber David und Salomon. Als Gott sie rief, waren beide noch sehr jung. Dennoch berief sie Gott für Aufgaben im Rahmen der Heilsgeschichte, die sie nach menschlichem Ermessen nicht erfüllen konnten.

Beide wurden von Gott wegen ihrer Talente geschätzt, die von den Mitmenschen eher belächelt wurden. Als Salomon untreu wurde und den Götzen Opfer darbrachte, weil er dem Zeitgeist erlag, zeigte Gott Geduld mit ihm und weckte in ihm erneut den Wunsch, das Wort Gottes zu hören und ihm den Vorrang einzuräumen.

P. Anselmo schreibt:

„In der Heilsgeschichte vertraut der Herr den Jugendlichen, und Er vertraute einigen von ihnen das Schicksal Seines Volkes an“.

Dazu Magister:

„Es bleibt zu hoffen, daß die Bischofssynode die banale Soziologie der Vorbereitungstexte in den Papierkorb entsorgt und sich auf ernsthafte Weise diese Lektion der Bibel zu Herze nimmt“.

Sogar aus den Reihen der Jugendlichen selbst, die im vergangenen März an der Vorsynode in Rom teilnahmen, wurde Kritik an dem vom Synodensekretariat vorgelegten Text geübt. Eine starke Gruppe von Teilnehmern aus den USA, Polen, Irland, England, Hong Kong, Pakistan und anderen Ländern, die von ihren Bischöfen nach Rom entsandt worden waren, fand sich zusammen, um ein eigenes Papier auszuarbeiten. Am 21. Mai wurde es von LifeSiteNews veröffentlicht.

Einige Kernbotschaften an die Kirche lauten:

„Wir wünschen uns, daß die Kirche populär ist, denn wir möchten, daß alle die Liebe Christi kennenlernen. Wenn wir aber wählen müssen, zwischen Beliebtheit und Authentizität, wählen wir die Authentizität.“

Und:

„Wir wünschen keine Verwässerung oder Veränderung der kirchlichen Lehren. Wir lehnen die Idee völlig ab, daß die Kirche ihre Glaubenslehre ändern sollte, um die Bedürfnisse der Welt zu befriedigen.“

Auf diese gläubige Jugend sollte Rom mehr bauen als auf die „kirchenkritische“ Jugend.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/Civiltà Cattolica/LifeSiteNews (Screenshots)



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1 Kommentar

  1. Zitat: „Beklagt wurde beispielsweise, daß traditionsverbundene und glaubenstreue Jugendorganisationen von Rom einfach übergangen wurden.“
    Außerdem verkündete (der damalige Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz und Vertraute von Papst Franziskus) Bischof Galantino den Menschen auf dem Weltjugendtag 2016 in Polen, dass der barmherzige Gott „Sodom“ einst gerettet habe (s. katholisches.info vom 29.7.2016).
    Bedarf es da noch Fragen, welches Ergebnis der Jugend-Synode von derzeitigen kirchlichen Amtsträgern in Rom (und offensichtlich auch anderswo) wohl gewünscht (und deshalb auch protegiert!) wird?

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