Römische Tagung war nicht umsonst

Kardinal Burke: Ein häretischer Papst ist zurechtzuweisen

Papstkritik
Die Tagung vom 7. April war Kardinal Carlo Caffarra und Kardinal Henry Newman gewidmet. Papstkritik legitim und Pflicht, wenn ein Papst eine Häresie lehrt oder fördert..

(Rom) War die römische Tagung „Katholische Kirche quo vadis?“ mit ihrer Papstkritik wirklich umsonst? Dieser Frage geht Emmanuele Barbieri von Corrispondenza Romana nach.

Was die Tagung vom 7. April wirklich umsonst, wie Avvenire, die Tageszeitung der Italienischen Bischofskonferenz am Tag darauf selbstzufrieden berichtete? Avvenire verdient es von niemandem ernstgenommen zu werden. Anders ist es bei John L. Allen, einem seriösen Vatikanisten, wenn auch progressiver Prägung.

"Katholische Kirche quo vadis?"
„Katholische Kirche quo vadis?“

Allen schreibt am 8. April auf der US-amerikanischen Nachrichtenseite Crux, daß von der Tagung die brüderliche Zurechtweisung von Papst Franziskus erwartet wurde, in Wirklichkeit „die sechs kurzen Punkte der Schlußerklärung sich darauf beschränken, die Lehren von Amoris laetitia zurückzuweisen“. Zudem „trägt die Erklärung keine konkrete Unterschrift, sondern wurde im Namen des ‚Gottesvolkes‘ abgegeben“.

Allen ist zuzustimmen, daß die Schlußerklärung der Tagung eine extrem schwache Botschaft war. Sie brachte nichts Neues, sondern scheint vielmehr ein Rückschritt zu sein im Vergleich zu anderen wichtigen Initiativen wie dem Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten des Ehesakraments, das zum Jahresbeginn von drei Bischöfen Kasachstans abgegeben und von weiteren Bischöfen unterzeichnet wurde. Erst ganz zu schweigen von der Correctio filialis von 2017.

Das ist aber auch schon alles, worin ihm zuzustimmen ist.  Die Teilnahme der beiden Kardinäle Raymond Burke und Walter Brandmüller an der Tagung war keineswegs umsonst und ist nicht zu unterschätzen. Sie widerlegt jene, die meinten, die Kardinäle hätten sich nach den Dubia vom Schlachtfeld zurückgezogen. Die öffentliche Zurechtweisung, die sich viele erwartet hatten, fand nicht statt, aber die Reden der beiden Purpurträger, wie auch jene von Bischof Athanasius Schneider, waren von höchstem Niveau und haben öffentlich die Rechtmäßigkeit des Widerstandes gegen eine kirchliche Autorität bekräftigt, die ihren Auftrag verrät.

Insbesondere Kardinal Burke betonte:

„Wie die Geschichte lehrt, ist es möglich, daß der römische Papst in Ausübung seiner Vollmachten einer Häresie verfallen oder seiner ersten Pflicht, die Einheit des Glaubens, des Kultus und der Disziplin zu bewahren und zu fördern, nicht nachkommen könnte.“

Schifflein des Petrus
Schifflein des Petrus

Die Feststellung ist von Bedeutung, weil die Veröffentlichung der Studie von Arnaldo Xavier de Silveira „Theologische Hypothese eines häretischen Papstes“ (Solfanelli, Chieti 2016) nicht das Wohlwollen einiger Theologen fand, die überzeugt sind, daß ein Papst nie in eine Häresie fallen könne.

Kardinal Burke zeigte dagegen auf, daß die theologische und kanonische Tradition der Kirche das genaue Gegenteil lehrt: Ein Papst kann in eine Häresie fallen und ist dann öffentlich zurechtzuweisen. Es ist nicht notwendig, daß die Zurechtweisung von Kardinälen erfolgt. Sie kann von jedem im Glauben gut gebildeten Gläubigen kommen.

Kardinal Walter Brandmüller hob unter Verweis auf Kardinal John Henry Newman die Wichtigkeit des sensus fidei eines jeden Getauften hervor.

„Er kann auf positive Weise zu einer tieferen Einsicht, zu einem klareren Verständnis und zu einem stärkeren Bekenntnis der geoffenbarten Wahrheit befähigen, und auf negative Weise kann er als eine Art geistliches Immunsystem wirken, das die Gläubigen instinktiv jeden Irrtum erkennen und zurückweisen läßt. Auf diesem sensus fidei stützt sich daher – neben der göttlichen Verheißung – auch die passive Unfehlbarkeit der Kirche, anders gesagt, die Gewißheit, daß die Kirche in ihrer Gesamtheit nie in eine Häresie fallen kann.“

Msgr. Athanasius Schneider erinnerte an die berühmte Vision von Papst Leo XIII., der Horden von Dämonen sich auf den Petersdom stürzen sah, um den Stuhl Petri zu erobern.

Gleich nach dieser Schauung verfaßte er den berühmten Exorzismus, das Gebet zum Erzengel Michael, und ordnete an, daß er am Ende einer jeden stillen Messe gebetet werden sollte.

„Der dramatische Satz über den Stuhl des allerseligsten Petrus wurde später von Pius XI. herausgestrichen, um jedes Glaubensärgernis zu vermeiden. Er hat aber auch nichts von seiner prophetischen Bedeutung verloren.“

Die Stimmen dieser Hirten der Kirche durchbrechen das Schweigen. Das allein würde schon genügen, um ihnen für ihr Zeugnis zu danken und sie zu ermutigen, ihren Weg weiterzugehen.

Text: Emmanuele Barbieri
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

 

 



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2 Kommentare

  1. Der Papst ist auch nur ein Mensch. Natürlich muss man ihn zwingend zurechtweisen, wenn er dem Glauben Schaden zufügt. Es führt kein Weg daran vorbei. Der katholische Glaube selbst steht weit über jedem Papst.

  2. „Häretischer Papst“: Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Verliert ein Häretiker nicht automatisch (ipso facto) seine Mitgliedschaft in der Kirche? Wenn Jesus kein Häretiker sein kann, dann ist es auch bei seinem Stellvertreter schwer vorstellbar.

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