Religiöse Unterweisung verboten

China erläßt Kirchenverbot für Minderjährige

China
In den Provinzen Henan und Xinjiang wurde Priestern und Katechisten jede religiöse Unterweisung von Kindern und Jugendlichen verboten.

(Peking) Seit dem 8. April verbietet ein Rundschreiben in der chinesischen Provinz Henan Minderjährigen das Betreten einer Kirche und die Teilnahme an einer Heiligen Messe. Die Kommunistischen Partei von China beginnt mit der Durchsetzung ihrer neuen Religionspolitik.

Das Rundschreiben enthält ein totales Aktivitätsverbot für Priester für und mit Kinder und Jugendlichen. Das Verbot gilt nicht nur für religiöse Veranstaltungen, sondern auch für bloße Freizeit- oder Sportaktivitäten.

Das Rundschreiben wurde vom Amt für Religionsangelegenheiten der Provinz und der dortigen regimehörigen Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung erlassen. Es richtet sich im Befehlston an alle Dienststellen beider Gremien und forder, für die konsequente Umsetzung der Richtlinien zu sorgen.

Die Patriotische Vereinigung ist die in den 50er Jahren vom kommunistischen Staat gegründete schismatische Gruppierung, mit der die katholische Kirche Chinas von Rom abgespalten und die romtreue Kirche in den Untergrund gezwungen wurde.

China
Das amtliche Rundschreiben

Das Rundschreiben versteht sich als Umsetzung der neuen Religionsbestimmungen die unter anderem eine „Trennung der Religion von der Erziehung“ vorschreiben. Kategorisch ist das Verbot für Religionseinrichtungen, Priester und Katechisten, Minderjährigen auf irgendeine Weise eine religiöse Unterweisung zukommen zu lassen.

Das Rundschreiben sieht folgende Punkte vor:

  • In der ganzen Provinz ist die Organisation von Aktivitäten (z.B. Vorträge, Schule, Sommerlage, Winterlager usw.) zur religiösen Erziehung oder Unterweisung von Minderjährigen verboten.
  • Die Gläubigen, die zur Messe gehen, werden angewiesen, ihre Kinder der Aufsicht anderer Personen zu überlassen, sie aber nicht in die Kirche mitzunehmen.
  • Es wird darauf verwiesen, daß in der Vergangenheit das Volk vorwiegend informiert und erzogen worden sei, daß es nun aber um eine „rote Linie“ geht, die nicht übertreten werden darf.
  • Sollten die Anweisungen nicht befolgt werden, werden die Verantwortlichen der religiösen Einrichtungen dafür verantwortlich gemacht und ihnen die Zulassung für religiöse Aktivitäten entzogen und ihre religiöse Einrichtung geschlossen.
  • Das Rundschreiben und sein genauer Inhalt muß jeder Kirche und religiösen Einrichtung zeitnahe mitgeteilt werden.

Wie ein Priester von Anyang mitteilte, so AsiaNews, standen an den vergangenen Sonntagen jeweils Funktionäre der Patriotischen Vereinigung vor seiner Kirche und hielten alle Minderjährigen auf, die zur Messe in die Kirche gehen wollten. Vor der Kirche wurde eine Verbotstafel aufgestellt, die Minderjährigen das Betreten der Kirche verbietet.

Laut Informationen der romtreuen Untergrundkirche wurde das Rundschreiben in allen Städten und Dörfern der Provinz veröffentlicht. Sie soll sich aber nicht nur auf die Provinz Henan mit ihren 95 Millionen Einwohnern beschränken. AsiaNews liegen ebensolche Informationen aus der Provinz Xinjiang (24 Millionen Einwohner) vor.

Die Katholiken befürchten, daß die Bestimmungen bald in der ganzen Volksrepublik zur Anwendung kommen und sprechen bereits von einer zweiten „Kulturrevolution“. AsiaNews zitiert Untergrundkatholiken, die überzeugt sind, daß die Maßnahmen dazu dienen, der Ausbreitung des Christentums „die Beine zu brechen“, indem das Regime versucht, ihr den Nachwuchs zu nehmen.

Vorsitzender der Patriotischen Vereinigung von Henan ist der Priester Wang Yuezheng von Zhengzhou. Sekretär der Behörde für kirchliche Angelegenheiten in Henan ist der Priester, Li Jianlin. In vergangenen Tagen veröffentlichten chinesische Katholiken im Internet empörte Stellungnahmen gegen die beiden Priester, die eine „Schande“ seien. Wang Yuezheng wurde vom Regime in diesem Jahr zum Mitglied der Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes erkannt. Dabei handelt es sich um eine Art von zweiter Kammer des Nationalen Volkskongresses. Die Konsultativkonferenz hat die Funktion eines Beratungsgremiums für die herrschende Kommunistischen Partei Chinas.

Die jüngsten Entwicklungen werden von kirchentreuen Katholiken als Beweis für die Unzuverläßigkeit der Regierung in Peking gewertet. Ebenso als Belege für die Notwendigkeit der Kirche im Untergrund zu bleiben und sich nicht auf Abkommen mit dem Regime einzulassen und damit die Untergrundkirche auszuliefern.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: AsiaNews



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6 Kommentare

  1. Nebenbei interessant, wie aussen vor China seit langem im säkularen Menschenrechtsdiskurs gelassen wird. Immer das böse Russland, Polen, Ungarn usw.. In unseren Täuschung-, Verzerrungs-, Weltbildlücken- und Lügenmedien. Als ob wahrscheinlich aufs Ganze gesehen China mit seinen Hinrichtungen und Unterdrückungen gegen Christen und Tibeter auch nicht hundertmal schlimmer ist als al-Assad? Die Religionspolitik Chinas ist letztlich das, worauf die säkulare-freimaurerische Huxleysche UN-liberalkapitalistische Weltdiktatur sowieso hinaus will!

  2. Derartige Aktivitäten gilt es im Blick zu behalten, spricht doch viel für Probeläufe einer schleichenden Religionsregulierung, die – eventuell abgemildert – durchaus auch in anderen Weltgegenden zur Anwendung kommen könnte. Ziel ist, den Globalen Transformationsprozess fortzusetzen und „Störsignale“ der Religion gegen das social engineering (Gender, Homo-Ehe, Abtreibung, Euthanasie etc.) zu unterbinden. Die Idee, die Jugend der Kirche zu entfremden, ist ja geradezu ein „Klassiker“, ob Drittes Reich, DDR, UdSSR oder wo auch immer.

    Ob man derart auch in der EU vorgeht, ist fraglich, denkbar wäre eine Gleichsetzung Religion = Gesellschaftsspaltung und daher für ungefestigte Jugendliche schädlich, etwa wie Alkohol, Tabak oder Drogen. In Deutschland stellt sich wohl das Problem nicht, hier ist die diözesane Jugendarbeit unter der Aufsicht des i.d.R. linksgewirkten Verbands- und Gremienkatholizismus, da werden katholische Inhalte zuverlässig ausgefiltert…

  3. Voller Verhandlungserfolg von Papst Franziskus. Proselytenmacherei ist schliesslich zu vermeiden, und die Kinder gehören in China ja eigentlich der Partei. Dieselben Zustände bald auch in Deutschland.

  4. Das hat Papst Franziskus erreicht. Man muß sich doch wirklich fragen auf welcher Seite steht dieser Papst. Gefühlsduselige Volksnähe zelebrieren ,das machen auch ganz andere Leute. Fromme Katholiken, die es von Herzen ernst meinen sind diesem Papst suspekt, wenn nicht sogar zuwider. Das ist traurige Realität.

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