Das „Muster“ bei der Auswahl seiner Vertrauten

Papst Franziskus bevorzugt Mitarbeiter „mit einer Vergangenheit“

Folgt Papst Franziskus bei der Auswahl seiner Vertrauen, Mitarbeiter und Freunde nicht nur einer inhaltlichen Übereinstimmung, sondern einem ganz bestimmten Muster?
Achtet Papst Franziskus bei der Auswahl seiner Vertrauen, Mitarbeiter und Freunde nicht nur auf die Gesinnung, sondern folgt einem ganz bestimmten Muster?

(Rom) Papst Franziskus bevorzugt Mitarbeiter „mit einer Vergangenheit“, so InfoVaticana, das spanische Nachrichtenportal, das bergoglianischen Kirchenkreisen so lästig ist, daß man es abwürgen möchte.

Da wäre einmal Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, der Vorsitzende der Päpstlichen Akademie für das Leben. Als Papst Franziskus die erste Familiensynode einberief, warb Paglia für eine Öffnung für die Homosexualität. Während der Synode warb er für die Kasper-Bergoglio-Agenda Solche heterodoxen Ausritte sind für den ersten Bischof aus den Reihen der Gemeinschaft von Sant‘Egidio in reicher Zahl dokumentiert. Als Diözesanbischof hinterließ er nicht nur ein zweifelhaftes Fresko des Jüngsten Gericht mit homoerotischen Zügen, sondern auch ein ziemlich bankrottes Bistum.

Vor wenigen Tagen nahm er in einem Interview für das Magazin Tempi zum Fall Alfie Evans Stellung. Der kleine Junge aus Großbritannien soll sterben. So haben es englische Richter gegen den Willen der Eltern entschieden. Die katholischen Eltern haben sich in ihrer Verzweiflung an den Papst gewandt. Franziskus hat bisher nicht reagiert, dafür sein zuständiger Minister.

Statt Hilfe zu bieten, rechtfertigte Paglia die Entscheidung der englischen Gerichte erster und zweiter Instanz, die Sauerstoffzufuhr für den kleinen Alfie abzudrehen. Ein Todesurteil.

Der Eindruck solcher „römischer“ Verlautbarungen zu Fragen der Bioethik „haben eine deprimierende Wirkung“, so InfoVaticana. Obwohl Paglia bereits mehrfach durch zweifelhafte Aussagen und Aktionen aufgefallen ist, und die führenden, katholischen Bioethiker seine Entfernung aus dem Amt fordern, sitzt er weiterhin fest im Sattel, gestützt von Papst Franziskus.

Wie kommt das?

Das Muster

InfoVaticana wagt eine Antwort. Auf der Suche nach derselben, machten die Redakteure eine „intrigante und mysteriöse“ Beobachtung. Sie glauben ein „Muster“ ausfindig gemacht zu haben:

Papst Franziskus umgebe sich „bevorzugt“ mit „skandalumwitterten“ Gestalten, die durch einen zweifelhaften Lebenswandel oder durch offenen Widerspruch gegen die katholische Morallehre aufgefallen sind.

Dieses Muster lasse sich in erstaunlicher Dichte im direkten Umfeld des Papstes und an etlichen von ihm in Schlüsselpositionen gehobenen Kirchenvertretern ablesen.

InfoVaticana nennt als Beispiele den honduranischen Primas Oscar Rodriguez Kardinal Maradiaga, der in Finanzskandale verwickelt ist und sich ein Umfeld von zweifelhafter Moral gehalten habe. Oder Kardinal Coccopalmerio, ein treuer Parteigänger des Papstes, dessen Sekretär von der Vatikanpolizei in flagranti bei einer von ihm organisierten Homo-Drogen-Party erwischt wurde. Oder der chilenische Bischof Juan Barros Madrid, für den Papst Franziskus erstaunlich energisch Partei ergreift, dessen Kritiker als Verleumder beschimpft und dafür sogar einen ernsten Knick im öffentlichen Image riskierte. Genannt wird aber auch Reinhard Kardinal Marx, der mächtige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, den Franziskus für Europa in den C9-Kardinalsrat holte und zum Vorsitzenden der vatikanischen Wirtschaftskommission machte. Der Kardinal forderte bereits in zahlreichen Bereichen eine Abweichung von der kirchlichen Tradition. Jüngst sprach er sich für die „Segnung homosexueller Paare“ aus.

Der Fall Barros und der Fall Maradiaga

Gibt es neben der Gesinnungsübereinstimmung noch ein Muster? Der Fall Barros „ist emblematisch“ so InfoVaticana. Franziskus ernannte ihn zum Bischof, obwohl bereits damals ernste Bedenken vorlagen und sich die Mehrheit des chilenischen Episkopats dagegen ausgesprochen hatte. Obwohl den anderen Bischöfen damals die Vorwürfe noch nicht in allen Details bekannt waren, die heute bekannt sind, fiel ihr Urteil ganz anders aus, als das von Franziskus. Franziskus hält dennoch an seiner Ernennung fest, obwohl sie unter anderem auch seiner verkündeten Linie der Nulltoleranz gegenüber sexuellem Mißbrauch durch Kleriker widerspricht. Zeugt das von Klugheit?

Und zeugt es von Klugheit, die Römische Kurie unter den Generalverdacht der Korruption zu stellen und seit Jahren in diesem Sinne zu beschimpfen, ohne konkrete Fakten zu benennen, aber zum konkreten Fall Maradiaga in Tegucigalpa zu schweigen? Im Gegenteil: Franziskus stellte seinem Freund Maradiaga im Handumdrehen einen Persilschein aus. Causa finita.

Der Fall Ricca und der Fall Zanchetta

Msgr. Ricca mit Papst Franziskus
Msgr. Ricca mit Papst Franziskus

Und zeugt es von Klugheit, wie Papst Franziskus mit den Vatikanfinanzen und der Vatikanbank IOR umgeht, die zu Recht oder Unrecht in der Öffentlichkeit mit dunklen Geschäften in Verbindung gebracht wird, indem er sich Personen anvertraut wie Msgr. Ricca, den er zum persönlichen Delegaten und Hausprälaten der Bank ernannte? Riccas für einen Prälaten und Vatikandiplomaten wenig schmeichelhafte Vergangenheit war Auslöser für einen phänomenalen, aber zweifelhaften Paradigmenwechsel in der Morallehre der Kirche, indem Franziskus 2013 verkündete:

„Wer bin ich, um zu urteilen?“

Aus der Verteidigung einer Personalentscheidung, die er getroffen hatte, machte Franziskus eine Neuausrichtung von universaler Bedeutung. In einem Satz. Als wäre es das Normalste der Welt.

Ein weiterer Fall ist Msgr. Gustavo Oscar Zanchetta, der im vergangenen Dezember von Franziskus zum Assessor der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) ernannt wurde. Die Stelle wurde eigens für ihn geschaffen. Die APSA gilt als eine der geheimen Machtzentralen dieses Pontifikats. Ihre Führung ist so einflußreich, daß sie die gesamte von Franziskus selbst geplante Reform der Finanzen und der Verwaltung des Vatikans verhinderte. Dazu hatte der Papst das neue Wirtschaftssekretariat errichtet. Die APSA wehrte sich jedoch erfolgreich gegen die Eingliederung, sodaß Franziskus am Ende seine eigene Neuschöpfung fallenließ.

Zanchetta mußte als Diözesanbischof in Argentinien abgezogen werden, weil er die Finanzen seines Bistums Oran völlig zerrüttet hatte. Gleiches hatte er zuvor als Generalvikar bereits im Bistum Quilmes zustande gebracht. Dennoch ernannte ihn Franziskus zum Diözesanbischof. Als solchen mußte er ihn allerdings am 1. August 2017 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion entfernen, nachdem Priester und Gläubige des Bistums mit offenem Aufruhr drohten. Zanchetta wurde von Franziskus nach Rom geholt. Anstatt ihn von Finanzen und Verwaltung fernzuhalten, setzte er ihn an hoher Stelle bei der Güterverwaltung APSA ein, wo er nun 5.000 Immobilien und Geld im Wert von 3,2 Milliarden Dollar verwaltet.

Dazu InfoVaticana:

„Die Kirche rühmt sich zurecht, zur Vergebung fähig zu sein. Ist es aber klug oder auch nur normal Personen mit solcher Vergangenheit so große Geldsummen anzuvertrauen?“

„Blinde Loyalität und Kompetenz sind keine Synonyme“

Präfekt der APSA ist Kardinal Domenico Calcagno, der sich seit dem 13. März 2013 als überzeugter Bergoglianer bekennt. Der Purpurträger ist nicht nur als Waffenliebhaber bekannt, sondern auch dafür, daß im Konklave 2013 für ihn ein Maßstab galt: keinen Mann auf dem Stuhl Petri haben zu wollen, der ihm in seinem Bereich die Quere kommt. Franziskus hielt sich daran, indem er sein eigenes Wirtschaftssekretariat wieder demontieren mußte. Demontiert wurde zugleich auch Kardinal Pell, der als Präfekt des Wirtschaftssekretariats der APSA in die Quere gekommen war.

Zum „engsten Kreis“ von Papst Franziskus gehört auch Kardinal Godfried Danneels, der als Erzbischof von Brüssel sogar einen pädophilen Bischof deckte; dann der chilenische Kardinal Javier Errazuriz, der Bischof Barros gegen alle Widerstände verteidigte und dies jüngst auch mit einem Brief an die Vorsitzenden anderer Bischofskonferenzen versuchte. Dabei drehte er die Ereignisse zur Auslassungen und Entstellungen so lange durch den Wolf, daß er gar nicht bemerkte, am Ende implizit Franziskus selbst kritisiert zu haben.

In der Vergangenheit hatte bereits der Vatikanist Marco Tosatti die These geäußert: Papst Franziskus wähle seine engsten Mitarbeiter nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer „Vergangenheit“ aus. Tosatti:

„Der Papst rühmt sich, ein ausgezeichnetes Gedächtnis zu haben und es immer gehabt zu haben. Ohne Zweifel bieten in der Regierungsausübung Personen mit einer Vergangenheit einen Vorteil. Sie sind wie kaum jemand ihrem großmütigen Souverän zu Dank verpflichtet. Sie bieten allerdings nicht immer eine Garantie, für ihr Amt angemessen und geeignet zu sein. Blinde Loyalität und Kompetenz sind keine Synonyme.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL



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1 Kommentar

  1. „Papst Franziskus bevorzugt Mitarbeiter ‚mit einer Vergangenheit'“, lautet die Überschrift. Warum scheint er dies wohl zu tun?
    Nun, im normalen profanen Alltag gilt:
    „Mitarbeiter mit Vergangenheit“ wissen, dass sie ihrem jetzigen / neuen ‚Chef‘ „gefallen“ müssen, wenn sie ihren Posten behalten wollen. Also werden sie im Normalfall alles tun, was dieser ‚Chef‘ von ihnen erwartet.
    Im Umkehrschluss lässt das Verhalten von Führungskräften, die gezielt Mitarbeiter ‚mit einer Vergangenheit‘ protegieren, auch einiges über ihr wahres Ich erkennen.

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