Katholische Kirche ist nicht Mitglied des globalistischen Dachverbandes

Papst Franziskus besucht Ökumenischen Kirchenrat in Genf

Weltkirchenrat
Ökumenisches Zentrum des World Council of Churches (WCC) in Genf, das Papst Franziskus besuchen wird.

(Rom) Vatikansprecher Greg Burge bestätigte gestern den künftigen Besuch von Papst Franziskus in Genf. In den Tagen zuvor hatten bereits Schweizer Medien darüber berichtet. Papst Franziskus wird aber nicht die Schweiz besuchen, sondern den Ökumenischen Rat der Kirchen, der seinen Sitz in Genf hat. Die katholische Kirche gehört ihm nicht an.

Das vatikanische Presseamt veröffentlichte folgende Erklärung des Vatikansprechers:

„Seine Heiligkeit, Papst Franziskus, hat die Absicht, den Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf anläßlich seines 70. Gründungsjubiläums zu besuchen. Der Besuch wird am Donnerstag, 21. Juni 2018 stattfinden. Das Programm der Reise wird demnächst veröffentlicht.“

Der „Weltkirchenrat“

Logo der 70. Jahrfeiern
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Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), auf englisch World Council of Churches (WCC), wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet. Ihm gehören heute 348 Mitgliedskirchen in 120 Staaten an. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist die Anerkennung einer „Basiserklärung“. Teil dieser Erklärung ist das Trinitätsbekenntnis nach dem Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis.

Der ÖRK betrachtet seit 1950 (Erklärung von Toronto) alle Mitgliedskirchen als Ausdruck der „einen, wahren Kirche“, selbst dann wenn sie nicht „als Kirchen im wahren und vollen Sinn des Wortes“ anzusehen sind.

Ursprünglich war der „Weltkirchenrat“, wie der Zusammenschluß auf englisch heißt, laut offiziellen Erklärungen dazu gedacht, die Einheit der Christenheit zu fördern und wiederherzustellen. Davon ist man seit Jahrzehnten wieder abgerückt und betont heute die „Vielfalt“.

Seit 2005 gilt für Entscheidungen ein Konsensverfahren, nachdem orthodoxe Kirchen mit dem Austritt gedroht hatten.

Spielwiese des liberalen Protestantismus

Paul VI. beim WCC 1969
Paul VI. beim WCC 1969

Der ÖRK erwies sich in der Vergangenheit als Spielwiese des liberalen Protestantismus, der tonangebend ist, was seinen Niederschlag in Sympathien für kommunistische Regime, revolutionäre Bewegungen und sozialistische und feministische Projekte sowie in der Forderung nach Anerkennung der Homosexualität und des „Frauenpriestertums“ fand.

Der Dachverband stellt eine Parallele zur Gründung der Vereinten Nationen (UNO) auf religiöser Ebene dar. Entsprechend machte sich der „Weltkirchenrat“ sofort die UNO-Menschenrechtserklärung von 1948 zu eigen.

Die katholische Kirche lehnte bisher eine Mitgliedschaft ab. Unter Johannes XXIII. kam es im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils jedoch zu einer Annäherung. ÖRK-Beobachter wurden zum Konzil eingeladen. Umgekehrt entsendet der Vatikan Beobachter zu den ÖRK-Vollversammlungen. In manchen Kommissionen sind katholische Theologen seit Ende der 60er Jahre Vollmitglieder.

Dennoch ist die Sinnhaftigkeit und Bedeutung des Dachverbandes in der katholischen Kirche umstritten.

Dritter Besuch eines Papstes

Johannes Paul II. beim WCC 1984
Johannes Paul II. beim WCC 1984

Im Gegensatz zur katholischen Kirche traten die orthodoxen Kirchen in den ÖRK ein. Das Ökumenische Patriarchat gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Die Gründe für die Mitgliedschaft anderer orthodoxer Kirchen, die in den vergangenen 25 Jahren zu zahlreichen Spannungen mit dem liberalen Protestantismus führte, sind in den politischen Verhältnissen nach dem Zweiten Weltkrieg zu suchen, als weite Teile von kommunistischen Regimen abhängig waren. Im selben Sinn ist die Mitgliedschaft des regimehörigen, protestantischen Dachverbandes China Christian Council/Three-Self Patriotic Movement of the Protestant Churches in China (CCC/TSPM) in der Volksrepublik China zu sehen.

Seinen Sitz hat der „Weltkirchenrat“ im „Ökumenischen Zentrum“ in Genf in der Schweiz. Die Gesamtzahl der Christen, die den „Mitgliedskirchen“ des ÖRK angehören, wird mit knapp 600 Millionen angegeben. Das entspricht weniger als einem Viertel aller Christen. Die katholische Kirche zählt aktuell 1,3 Milliarden Angehörige.

Papst Franziskus wird der dritte Papst sein, der den ÖRK-Sitz besucht. Vor ihm taten das bereits Paul VI. 1969 und Johannes Paul II. 1984. Zwischen dem ersten und dem zweiten Besuch lagen nur 15 Jahre. Zwischen dem zweiten und dem bevorstehenden aber 34 Jahre. Zeitspannen, die etwas zu Prioritäten und Beziehungen aussagen.

Der Spagat

Der Ökumenische Kirchenrat bewegt sich im Spannungsfeld des Spagats, einerseits durch Gemeinsamkeit der christlichen Stimme im Konzert der internationalen Institutionen Gehör zu verschaffen, andererseits konträre Positionen von liberal bis orthodox auf einen Nenner zu bringen sowie der Gefahr, zum Anhängsel religionsfremder „Menschheits“-Ideen zu werden.

ÖKR-Logo
ÖKR-Logo

Die Gründungsidee des ÖRK wurde seit seiner Gründung von Teilen der Christenheit, auch in den Mitgliedskirchen abgelehnt. Es fehle dem „Weltkirchenrat“ an einer „soliden und klaren dogmatischen Linie“, er fördere einen christlichen „Minimalismus“ und arbeite „mit Freimaurerei und Kommunismus“ zusammen.

In freikirchlichen, orthodoxen, aber auch katholischen Bereichen wird die Gründung des „Weltkirchenrates“ sogar insgesamt als Ausdruck der Freimaurerei gesehen. Die Internationale Zeitschrift für Theologie Concilium zitierte beispielsweise 1996, wenn auch ablehnend, orthodoxe Quellen: „Die Freimaurer wollen mittels der ökumenischen Bewegung alle Konfessionen zu einem einzigen Einheitsbrei machen und die Wahrheit mit der Lüge vermischen“. Der Antichrist führe im ÖRK den Vorsitz, weshalb die russisch-orthodoxe Kirche austreten und eine allgemeine Synode zur Verurteilung des Ökumenismus als „Häresie aller Häresien“ einberufen solle.

Zu dieser Auffassung vom ÖRK trug dessen weltbürgerliche Ausrichtung bei, die man heute „globalistisch“ nennen würde. Der Brookhaus schrieb 1974 dazu: „Das Weltbürgertum behielt in der Gedankenwelt des Liberalismus, der Freimaurerei und der sozialistischen Bewegungen seinen Platz“.

Das betrifft bereits die inhaltliche Ausrichtung der Vorläuferinitiativen und ihrer Initiatoren in der Zwischenkriegszeit, teils bereits vor dem Ersten Weltkrieg, aber auch deren Finanzierung durch Persönlichkeiten wie J.P. Morgan und John Rockefeller Jr. (zur Familie Rockefeller) Dazu gehört der von Rockefeller in den 20er Jahren in New York finanzierte  Bau der „interdenominational, interracial and international“ Riverside Church, eines der größten Kirchengebäude der Welt. Sie spielte bei der Gründung des ÖRK eine Rolle. Diese Kirche verfügte 2007 über einen Jahreshaushalt von 14 Millionen Dollar und 130 hauptamtlichen Mitarbeitern. Sie gilt als ein wichtiger gesellschaftspolitischer Diskursort des linksliberalen Mainstream. Die Kirche gehört der liberalen, evangelisch-reformierten United Church of Christ an, die Mitglied des ÖRK ist.

Am 31. Oktober 2016 traf sich Papst Franziskus mit dem Lutherischen Weltbund in Lund, um an Martin Luther und seine „Reformation“ zu gedenken. Eine umstrittene Geste, die unter Katholiken einiges Unverständnis und auch Kritik auslöste. Der Besuch des Weltkirchenrates zu seinem 70. Gründungsjubiläum scheint sich auf derselben Ebene der päpstlichen Agenda zu bewegen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons/WCC (Screenshots)



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