Humanae vitae pfui, Donum vitae hui

Donum vitae und die 180-Grad-Drehung der deutschen Bischöfe

Donum vitae - deutschen Bischöfe legen 180-Grad-Drehung hin und sagen plötzlich über den Verein das Gegeneteil von dem, was sie bisher sagten.
Donum vitae - deutschen Bischöfe legen 180-Grad-Drehung hin und sagen plötzlich über den Verein das Gegenteil von dem, was sie bisher sagten.

(München) Kardinal Marx und die Deutsche Bischofskonferenz haben mit ihrem Lob für den ZdK-Verein Donum vitae eine 180-Grad-Wendung vollzogen. Steht sie im Zeichen einer bevorstehenden Abkehr Roms von Humanae vitae?

Deutsche Distanzierung von Humanae vitae

Die deutschen Bischöfe hatten von Anfang an ihre Probleme mit der „prophetische Enzyklika“ von Papst Paul VI. für das Leben. Kein Zufall ist, daß die Enzyklika gerade im Revolutionsjahr 1968 erschienen ist. Noch im selben Jahr gingen die deutschen Bischöfe auf Distanz. Die Königsteiner Erklärung schwebt seither im deutschen Sprachraum wie ein Damoklesschwert über der Kirche und markiert den Wendepunkt zu einem beispiellosen Niedergang. Die Tatsache, daß diese Erklärung bis heute nicht zurückgenommen wurde, spricht Bände über den Widerwillen und den Widerstand der Mehrheit in der Bischofskonferenz.

Sie markiert noch einen weiteren Mentalitätswandel. Die Distanzierung von Rom, die bereits im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils zum offenen Ausbruch gelangt war, führte zu einer Anlehnung an die politische Macht, wie sie bis dahin vor allem vom Protestantismus bekannt war. Zunächst in Bonn, heute in Berlin. Ohne Rom führt der Weg in die Nationalkirche. Soweit kam es bisher nicht, doch eine Grundtendenz ist feststellbar.

Das vergiftete Ei der Wiedervereinigung

Das subalterne Verhältnis zu den Mächtigen im Staat führte die Kirche in einen ungewöhnlichen Konflikt zum Abtreibungsgesetz. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde der vergrößerten Bundesrepublik Deutschland ein vergiftetes Ei ins Nest gelegt. Die linken Kräfte nützten die Rechtsharmonisierung zur Durchsetzung eines noch grausameren Abtreibungsgesetzes. Noch mehr ungeborene Kinder sollten noch leichter getötet werden können.

Die Kräfte im Staat, die Widerstand leisten sollten, die Unionsparteien und die Kirchen, erwiesen sich als zu lustlos, den bereits in den 70er Jahren verlorenen Kampf für das Lebensrecht noch einmal aufzunehmen. Durch Kapitulation und Resignation war das Thema in diesen Kreisen bereits ad acta gelegt worden. Auf der politischen Prioritätenliste standen andere Themen.

Beratungsschein und Scheinberatung

So wurde von der unionsgeführten Bundesregierung nur etwas Kosmetik betrieben und 1995 ein staatliches Beratungssystem eingeführt. Dieses zwingt zwar jede abtreibungsentschlossene Frau zur Beratung, weil die Bescheinigung über die durchgeführte Beratung (Beratungsschein) Voraussetzung für eine formalrechtlich nicht legale, aber straffreie Abtreibung ist. Die Beratung muß jedoch „ergebnisoffen“, also wertneutral durchgeführt werden.

Die „Neutralität“ des Staates gegenüber dem Schutz des Lebens machte es möglich: Die Trägerschaft der Scheinberatungsstellen übernahm die Abtreibungslobby teils selbst. Der bundesdeutsche Ableger des weltgrößten Abtreibungskonzerns Planned Parenthood, Pro Familia, betreibt Beratungsstellen für schwangere Frauen im Sinne des staatlichen Beratungssystems und daneben praktischerweise gleich die Abtreibungskliniken dazu. Natürlich alles pro forma und keimfrei getrennt. Und die Beratungsstellen läßt sich die Abtreibungslobby auch noch bis zu 90 Prozent vom Staat bezahlen.

Dieses Geld lockte auch manchen auf katholischer Seite. Mit dem Beratungs-Feigenblatt sollten die Abtreibungsgegner unter den gesellschaftlich relevanten Gruppen nämlich in das staatliche Abtreibungssystem eingebunden werdennnach dem Motto: „mitgehangen, mitgefangen“. Einige Kreise in der katholischen Kirche, die sich ohnehin mit der Abtreibung abgefunden hatten und dem politischen System besonders nahestanden (oder noch deutlicher gesagt: Unionspolitiker und Grüne), ließen sich bereitwillig auf den faulen „Kompromiß“ ein, an dem sie selbst mitgezimmert hatten.

Das Nein aus Rom

Die Lebensrechtler unter den Katholiken waren aber stark genug, die Falle zu erkennen und –  mit der Hilfe Roms, wo damals noch Papst Johannes Paul II. regierte und Joseph Kardinal Ratzinger Glaubenspräfekt war – dagegen Widerstand zu leisten. Der Heilige Stuhl verlangte schließlich eine klare Trennung und den Ausstieg der Kirche aus dem Beratungssystem, indem Johannes Paul II. den Beratungsstellen der katholischen Kirche die Ausstellung von Beratungsscheinen untersagte. Der Wunsch Leben retten zu wollen und die Mitwirkung am Tötungssystem stellt einen inakzeptablen Widerspruch dar.

Teils bereitwillig, teils widerwillig gehorchten die Bischöfe. Den längsten Widerstand leistete der besonders „soziale“ Bischof Franz Kamphaus von Limburg.

Die römische Forderung nach Klarheit sorgte tatsächlich für eine Wasserscheide. Nun wurde sichtbar, wie viele Ungehorsame es an der Spitze des deutschen Verbandskatholizismus gab, die es sich im System Bundesrepublik gemütlich gemacht hatten und sich auch von der Tötung ungeborener Kinder nicht stören lassen wollten. Sie sahen in der Maßnahme Roms nur ein Rückzugsgefecht aus Staat und Gesellschaft, denn die Tötung der ungeborenen Kinder war ja schon seit Jahrzehnten im Gange. Angeführt wurde der Ungehorsam gegen die Kirche vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) höchstselbigst. Diese Spaltung, die es schon längst gab, wurde nun offen sichtbar. Sie erklärt auch zu einem guten Teil die Schwäche der deutschen Katholizität. Weil die höchste Führungsriege geistig ermattet und längst von einem nichtkatholischen Denken unterminiert wurde. Die Quadratur des Kreises will auch dem ZdK nicht gelingen.

Die Provokation mit Donum vitae e.V.

Vom ZdK aber wollten sich die Bischöfe nicht trennen, und daher lahmt die Abtreibungsfrage wie insgesamt die ganze katholische Präsenz im Staat. Vielmehr stand von Anfang an die Frage im Raum, welche Seite in diesem seltsamen Dualismus die Oberhand gewinnen und die andere Seite kapern würde.

ZdKDas ZdK, mit ausreichend Infrastruktur und Geldmitteln ausgestattet, vor allem aber mit den besten Kontakten zu den Regierenden, gründete – Rom, dem Papst und der katholischen Morallehre zum Trotz – 1999 den Verein Donum vitae (Geschenk des Lebens). Der provokanten Namenswahl mangelt es nicht an einer Portion Gehässigkeit.

Donum vitae nennt sich eine Instruktion der Glaubenskongregation, die Kardinal Ratzinger und Papst Johannes Paul II. 1987 über die Achtung vor dem ungeborenen Leben und die Würde der Fortpflanzung erlassen hatten. Die von den beiden Kirchenführern gewollte Analogie zu Humanae vitae wurde als Namen für einen Verein, deren Gründer sich anderen Zielen verschrieben hatten, zum Hohn.

Donum vitae trat, so die Intention, an die Stelle der kirchlichen Beratungsstellen von Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF), die sich aus dem Scheinsystem verabschieden mußten. Damit entstand im Schoß des ZdK ein weiterer großer Verein und Arbeitgeber. Viele Niederlassungen und Mitarbeiter, die vom Staat bezahlt werden. Ganze 200 Beratungsstellen unterhält der Verein heute auf dem Bundesgebiet. Dafür stellen die Donum vitae-Beratungsstellen fleißig den Beratungsschein aus, mit dem schwangere Frauen dann straffrei ihr ungeborenes Kind töten lassen können. Das ZdK und Donum vitae haben ihre Hände mit Blut beschmiert. Von einem ernsthaften Lebensschutz kann keine Rede sein: Zeugnis von Schwangeren über ihre Erfahrung mit Donum vitae sprechen eine deutliche Sprache. Sie agieren wie katholische Ehevorbereitungskurse, bei denen Brautpaaren erklärt wird, wie sie sich scheiden lassen können.

Priorität Abtreibung

Donum vitae
Donum vitae

Die wirklich katholischen Beratungsstellen, die im Sinne der christlichen Morallehre beraten, müssen sich hingegen selbst finanzieren. Sie sind von den üppigen staatlichen Finanzierungen ausgeschlossen. Entweder man akzeptiert die Tötung ungeborener Kinder und macht dabei mit, oder es gibt keine müde Mark. Der „Schutz des menschlichen Lebens, namentlich den Schutz des Lebens ungeborener Kinder“, für die Donum vitae sich laut Eigenangaben einsetzt, spielt in Wirklichkeit nur eine verbale Rolle, weil schon das gesetzliche System gegenteilig aufgezogen ist. Vom Gesetzgeber wurden klare Prioritäten gesetzt: Die Möglichkeit zur Tötung des ungeborenen Kinder hat unbedingten Vorrang. Das ist der „politische Konsens“, den die Politiker beschwören.

Die Verurteilung durch Rom

Gegenüber dem Verein Donum vitae wurde 2000 vom Heiligen Stuhl ein klarer Trennstrich gezogen. Der Apostolische Nuntius erklärte im Auftrag der Glaubenskongregation,

daß sich der Verein Donum vitae „in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters“ und sein Handeln „das Zeugnis der katholischen Kirche verdunkelt, für die alle Glieder – Geistliche, Ordensleute und Laien – Verantwortung tragen“. Durch die Ausstellung des Beratungsscheines werde die Kirche in den Vollzug eines Gesetzes verstrickt, „das die Tötung unschuldiger Menschen zuläßt“.

Die Deutsche Bischofskonferenz, wo sich unterschiedliche Positionen gegenüberstehen, verhielt sich zurückhaltender. Sie versuchte den Spagat, einerseits dem Papst zu gehorchen, andererseits den guten Draht zur Regierung nicht zu verlieren.

Der Abgrenzungsbeschluß der Bischofskonferenz

Erst im Juni 2006 kam es zu einer expliziten Stellungnahme, als die Bischofskonferenz feststellte, daß Donum vitae ein Privatverein

„außerhalb der katholischen Kirche“ ist.

Der Verein ist von der Kirche nicht anerkannt und eine Zusammenarbeit kirchlicher Einrichtungen mit ihm ist nicht möglich. Auch die optische und räumliche Trennung müsse so eindeutig sein, daß eine Unterbringung einer kirchlichen Beratungsstelle und von Donum vitae im selben Gebäude unzulässig ist. Kirchlichen Angestellten wurde jede Mitarbeit bei Donum vitae untersagt. Zugleich wurden alle Katholiken, die in kirchlichen Räten, Gremien, Verbänden und Organisationen mitwirken, „ersucht […], zum Zweck der größten Klarheit des kirchlichen Zeugnisses auf eine leitende Mitarbeit bei donum vitae zu verzichten und so die Unterschiede zwischen Donum Vitae e. V. und Positionen der Kirche besser zur Geltung zu bringen und zu respektieren“.

Die späte Klarstellung zeigt, daß bis dahin diese Klarheit beim katholischen Kirchenapparat noch nicht überall angekommen war.

Selbst das reichte noch nicht, wenn den Worten keine Taten folgen. Papier ist bekanntlich geduldig.

Im Februar 2007 mußte Glaubenspräfekt Kardinal Levada erneut auf das Thema zurückkommen und gegenüber den deutschen Bischöfen darauf pochen,

daß den Gläubigen „entschieden“ klargemacht werden solle, „nicht nur auf eine leitende Mitarbeit bei donum vitae e. V., sondern auf jegliche Form der Unterstützung verzichten“ zu sollen.

Der Glaubenspräfekt erinnerte auch daran, daß das von Johannes Paul II. erlassene Verbot „für alle Glieder der Kirche“ gilt.

Und dann kam Franziskus

Im ZdK und bei Donum vitae gab man sich uneinsichtig und attackierte stattdessen die Kirche, was denn Graben weiter vertiefte. Allerdings vordringlich den zu Rom hin. Denn in Deutschland selbst zeigte das Zusammentreffen von Donum vitae-Exponenten und hohen Kirchenvertretern bei öffentlichen und halböffentliche Ereignissen, daß man weiterhin recht gut miteinander kann.

Papst Franziskus mit P. Antonio Spadaro SJ
Papst Franziskus mit P. Antonio Spadaro SJ

Und dann kam Franziskus, und plötzlich schwieg der Papst auf dem Stuhl Petri  zu den nicht verhandelbaren Grundsätzen. Ein halbes Jahr schwieg das Kirchenoberhaupt zu Abtreibung, Lebensrecht und Ungeborenen. Ein Schweigen, das von den einen mit zunehmendem Entsetzen, von den anderen mit steigender Aufmerksamkeit beobachtet wurde. Im September 2013 nahm Franziskus erstmals in einem Interview mit der Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica Stellung und bestätigte die Befürchtungen. Man müsse „nicht ständig“ über solche Themen sprechen.

Damit leitete er eine Abkehr der Kirche ein, die zwar formal nicht ihren Inhalt, aber dafür um so deutlicher ihre Vorgehensweise ändert.

Die heutige Haltung Roms zum Thema Lebensrecht entspricht in etwa jener, die von der Deutschen Bischofskonferenz schon seit langem praktiziert wird. Man nimmt gelegentlich, möglichst an unbeachteter Stelle für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder Stellung, vermeidet aber jede zu laute Verurteilung der Abtreibung und stellt vor allem nicht die geltende Abtreibungsgesetzgebung in Frage. Die Schlacht gilt als verloren. Die Gegenseite hat gesiegt. Wir bleiben Freunde.

Der Rhein fließt wirklich in den Tiber

Gemeinsam schwiegen Papst Franziskus und das ZdK 2015 zur Abtreibungsagenda der UNO, als die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) beschlossen wurden.

Kardinal Marx
Kardinal Marx

Die Auswirkungen des päpstlichen Schwenks konnten auch auf die bundesdeutsche Katholizität nicht ausbleiben. Von einer Zurücknahme der Königsteiner Erklärung ist die Deutsche Bischofskonferenz heute weiter entfernt denn je. Eine solche ist nicht einmal mehr ein Thema. Nachdem das linke Spektrum von den Kommunisten über Grüne und SPD bis zu den Liberalen ihren Mordplan gegen die Ungeborenen durchgesetzt hatte, machte sie das Thema zum Tabu. Deutsche Bischöfe reden daher nicht mehr darüber. Sie halten sich an die Spielregeln ihrer Nähe zu den Mächtigen. Sie sprechen daher über politische korrekte Themen und entfalten dort dafür Eifer und Tatendrang.

Beim Katholikentag 2014 kam es zum ersten Dammbruch. Dieser fand in Regensburg statt, wo einer der wenigen, standhafteren Bischöfe regiert. Der Druck auf Bischof Voderholzer war enorm. Ihm wurde quasi abgesprochen, für eine landesweite Veranstaltung „Partikularpositionen“ durchsetzen zu wollen. Der Streit drehte sich um die Teilnahme von Donum vitae, auf dem das ZdK pochte. Am Ende wurde der Verein zugelassen.

Woher der Druck kam, ließ eine andere Stellungnahme erahnen. Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München-Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sprach erstmals davon, daß Mitarbeiter von Donum vitae nicht aus der Kirche ausgegrenzt werden dürften. Der Ausgrenzungs-Diskurs beabsichtigte einen Rollentausch und machte Donum vitae implizit zum Opfer. Zum Opfer der Kirche. Kein dialektischer Kunstgriff hätte die Distanz des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe gegenüber der Position der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. drastischer unterstreichen können.

Die 180-Grad-Wende

Von da führt der Weg geradewegs zum nunmehrigen Schreiben von Kardinal Marx an das ZdK. Im Namen der Bischofskonferenz dankt der Kardinal plötzlich Donum vitae für seinen „Einsatz zum Schutz des Lebens“ und seine „Erfolge“ in der Konfliktberatung. Dabei geht es nicht nur um Worte. Die Bischöfe haben konkrete Beschlüsse gefaßt, wie ZdK-Chef Thomas Sternberg, ein langjähriger CDU-Abgeordneter, betont.

Donum vitae Wörtlich schrieb Marx laut kirche + Leben:

„Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein.“

Auch was die Mitarbeit angeht, findet die Bischofskonferenz ganz neue Töne. Marx weiter:

„Deshalb halte ich es für selbstverständlich, dass Personen, die in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle des Donum Vitae e.V. gearbeitet haben, in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden können.“

Wie das? „Selbstverständlich“? „Bestmögliche Hilfestellung“?

Marx legt eine 180-Grad-Drehung hin.

Was wurde aus der Verurteilung durch Papst Johannes Paul II. von 2000 und aus dem Abgrenzungsbeschluß der deutschen Bischöfe von 2006?

ZdK-Chef Sternberg: „Qualitativer Sprung“

ZdK-Präsident Thomas Sternberg „begrüßte“ die „Entscheidung“ und spricht von einer „wichtigen Klärung“ und einem „qualitativen Sprung“, der „manche Wunden heilen“ könne.

Damit steht zumindest eines fest: Der Abgrenzungsbeschluß der Bischofskonferenz von 2006 ist Makulatur. Obwohl sich seit damals in der Sache nichts geändert hat, haben die Bischöfe unter Marxens Führung ihre „Perspektive“ geändert. Damit ist auch die oben gestellte Frage beantwortet, welche Seite in diesem seltsamen Dualismus die Oberhand gewinnen und die andere Seite kapern würde. Für die Bischöfe gilt, was Goethe schrieb: halb sanken sie hin, halb wurden sie gezogen.

Die „Annäherung“ so gegensätzlicher Positionen kommt nicht über Nacht. Vielmehr gab es immer einen Teil der deutschen Kirchenführung, der sich nur widerwillig dem „römischen Diktat“ unterworfen hatte. Man wartete auf die Gelegenheit, und die erkannte man durch die Wahl von Papst Franziskus. Zwischenzeitlich wurden durch neue Bischofsernennungen weitere Bischöfe ins Amt gesetzt, die in Sachen Lebensrecht „keinen Kreuzzug“ beginnen wollen. Der Konsens mit der Regierung ist wichtiger und verlangt noch eine ganz andere Anpassungsfähigkeit.

Breiter Konsens in den oberen Etagen

Donum vitaeWie breit dieser Konsensstrom wider die kirchliche Lehre ist, zeigt der Umgang der kirchlichen Medien mit dem Marx-Brief an das ZdK.

Die bereits zitierte „Kirche+Leben“ titelte gestern:

„Bischöfe würdigen Schwangerenberatung von ‚Donum Vitae‘. Annäherung an Schwangerschaftsberatungsverein“

Domradio meldete:

„Entspannung im Beratungsstreit. Bischöfe und Donum Vitae gehen aufeinander zu“.

Wohlwollender geht es nicht mehr. Das verordnete Tabuthema, die Tötung ungeborener Kinder, wird ausgeblendet. Schließlich gilt in der deutschen Kirche als pädagogischer Ansatz die Maxime: Immer den Blick fest auf das „Positive“ richten.

Sabine Demel, das neue Gesicht von Donum vitae

Es lohnt daher ein kurzer Blick zurück. Im vergangenen Oktober wurde Sabine Demel neue Vorsitzende von Donum vitae in Bayern. Sie gilt als das neue Gesicht von Donum vitae, dessen Bundesvorstand schon sehr ergraut ist. Demel ist Lehrstuhlinhaberin an der Fakultät für Katholische Theologie an der Universität Regensburg und das wohlgemerkt für Kirchenrecht. Schon 1999 war sie Gründungsmitglied des Donum vitae-Landesverbandes Bayern. Trotz ihrer Position bei Donum vitae und trotz römischem Verbots und Unvereinbarkeitsbeschluß der deutschen Bischöfe hat sie ihren Lehrstuhl und übt unzählige Tätigkeiten im kirchlichen Umfeld aus. Erwähnt seien lediglich einige aussagekräftige: von 2001–2012 war sie Mitglied des ZdK, sie ist Mitglied des Berufsverbandes der PastoralreferentInnen Deutschlands, Mitglied der Helen Straumann-Stiftung für feministische Theologie und Mitglied im Stiftungsrat der Herbert Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche (wohlgemerkt, nicht Freiheit der Kirche).

Demel wurde am 5. Dezember 2017 in der Tageszeitung Die Welt Raum gegeben, einen Wunsch zu deponieren: Die Bischöfe sollten ihre Haltung überdenken. Gleichzeitig betonte sie, „stolz“ darauf zu sein, daß sich der Verein auch gegen die „Amtskirche“ entwickelt habe.

Donum vitaeUnd worum geht es Demel?

Ums Geld.

Jedes Jahr müsse sie für Donum vitae eine Million Euro an Spenden auftreiben.

„Würden die Bischöfe endlich ihre ablehnende Haltung uns gegenüber überdenken und uns an Kirchensteuermitteln partizipieren lassen, könnten wir noch viel mehr tun.“

Im Klartext möchte Demel, deren Verein ohnehin zum Großteil vom Staat finanziert wird, eine hundertprozentige Finanzierung aus Steuermitteln.

Der Brief von Kardinal Marx scheint nun den Weg zu ebnen.

Und 2018 muß aus Rom kein Widerspruch mehr befürchtet werden.

Dort wirkt seit über einem halben Jahr eine vom Papst eingesetzte Kommission, deren Existenz zuerst geleugnet wurde, dann bestätigt werden mußte. Ebenso undurchsichtig ist der Auftrag der Kommission. Nur soviel ist bekannt, daß sie Humanae vitae einer „Überprüfung“ unterziehen soll.

Lebensrechtler sehen darin kein gutes Zeichen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Donum vitae/ZdK/vatican.va/Kirche+Leben/Domradio/Die Welt (Screenshots)



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3 Kommentare

  1. Ich leide darunter, dass mit meinem Kirchensteuergeld der Bagger des Abbruchs der Heiligen katholischen und apostolischen Kirche bezahlt wird. Dieser Bagger sind fast alle deutschen Bischöfe und die unselige Bischofskonferenz, die es in der Hierarchie gar nicht gibt und die nur dazu da ist, restgläubige Bischöfe zu tabuisieren. Unter gläubigen Bischöfen würde es keine feministische Theologie, keine Frau Demel, kein ungläubiges Zentralkomitee, keinen Abtreibungsverein Donum vitae und fast alle heutigen kirchlichen Organisationen nicht geben. Setzen wir uns politisch dafür ein, dass die rechtliche Regelung zum Erheben der Kirchensteuer Ersatzlos gestrichen wird.

  2. Es sieht so aus, als wären wir wirklich machtlos gegen diese bedauernswerte Entwicklung!
    Sehe keine Möglichkeit dies alles aufzuhalten!

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