Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin

Amoris laetitia ist Folge eines Paradigmenwechsels

Kardinalstaatssekretär Parolin: Amoris laetitia ist die Folge eines Paradigmenwechsels. Und jeder Wechsel bringt eben auch Schwierigkeiten mit sich.
Kardinalstaatssekretär Parolin: Amoris laetitia ist die Folge eines Paradigmenwechsels. Und jeder Wechsel bringt eben auch Schwierigkeiten mit sich.

(Rom) Vatican News, die neue Internetplattform des Vatikans, veröffentlichte gestern ein Videointerview mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Dabei wurde er auch zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia befragt und danach, warum es einen so großen Konflikt in der katholischen Welt provozierte.

Vatican News: Im August steht in Dublin das Weltfamilientreffen bevor: Ein wichtiger Termin, der zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Amoris laetitia stattfindet. Welche Bilanz kann man Ihrer Ansicht nach über die Aufnahme dieses Dokuments ziehen, und warum hat es eine so lebhafte Kontroverse in der katholischen Welt ausgelöst?

Kardinal Parolin: Offensichtlich hat sich die Kirche nach der Durchführung von zwei Synoden und der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens Amoris laetitia in diese Richtung bewegt. Und sicherlich wird auch das Weltfamilientreffen in Dublin eine – wie ich meine – wichtige Etappe sein, weil es letztlich auch die erste nach der Veröffentlichung des Dokuments ist. Eine Etappe des Nachdenkens, eine Etappe der Vertiefung und auch eine Etappe, um diesen Prozeß zur Umsetzung der Vorgaben von Amoris laetitia voranzubringen. Auch hier würde ich vielleicht denselben Begriff verwenden, den ich vorhin gebraucht habe, nämlich, daß Amoris laetitia letztlich die Folge eines neuen Paradigmas ist, das Papst Franziskus mit Klugheit voranträgt. Im Text selbst wird von uns ein Paradigmenwechsel gefordert: dieser neue Geist, dieser neue Ansatz! Daher wird klar: Jeder Wechsel bedeutet immer Schwierigkeiten, aber diese Schwierigkeiten sind in Rechnung zu stellen und mit Einsatz anzugehen, um Antworten zu finden, die zu weiteren Momenten des Wachstums und zu weiteren Vertiefungen werden. Auch hier glaube ich, daß Amoris laetitia, abgesehen davon, daß es eine Umarmung ist, die die Kirche der Familie und ihren Problemen in der Welt von heute schenkt, um ihr wirklich zu helfen, das Evangelium in der Familie zu verkörpern – das bereits ein Evangelium ist: das Evangelium der Familie -, es zugleich auch eine Bitte um Hilfe an die Familie ist, damit sie am Wachstum der Kirche mitwirkt und dazu beiträgt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican News/Youtube (Screenshot)



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3 Kommentare

  1. Die Kirche braucht weder einen Paradigmenwechsel noch einen „neuen Geist“ nach den Vorstellungen des argentinischen Papstes, sondern sie muss wieder zurückfinden zum Heiligen Geist, dem sie überhaupt ihr Dasein verdankt – siehe Pfingstereignis.
    Zwar gilt Kardinalstaatssekretär Parolin qua Amt derzeit nach Papst Franziskus als „mächtigster Mann“ im Vatikan. Bestimmte Anzeichen allerdings sprechen eher dafür, dass da noch ein paar einflussreiche Jesuiten und „Befreiungstheologen“ dazwischenstehen. So scheint es etwa einen Dissens zu geben zwischen Franziskus und Parolin bezüglich Beurteilung der Situation in Venezuela und des sozialistischen Präsidenten Maduro. In der Kurie selbst, seiner Hausmacht, dürfte Parolin, der gelernte und versierte Diplomat, allerdings viele Unterstützer haben. Würde es in Bälde zu einem Konklave kommen, hätte Parolin womöglich die größte Chance, Nachfolger des derzeitigen Papstes zu werden. Ob er aber wirklich der Richtige für die Kirche der Zukunft wäre? Ihm fehlt das Charisma der überzeugenden Heiligkeit, welches die Kirche m.E. heute mehr denn je benötigt. Franziskus‘ Vorgänger der vergangenen 100 Jahre besaßen es noch – eigentlich so gut wie alle.

  2. Der „neue Geist“: das ist mit Sicherheit „Ipse harmonia est“.
    Das ist in der Tat Unchristliches- Apostasie an der Spitze.

    Tibi Christe Splendor Patris

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