Frontbriefe von der Kirche an den Rändern

Die Anthropozentrik und ihr Ergebnis: glaubenslose Priester

„An das Credo glaube ich nicht“, sagte Pfarrer Don Fredo Olivero in der Mitternachtsmette und stricht das Glaubensbekenntnis aus der heiligen Liturgie.
„An das Credo glaube ich nicht“, sagte Pfarrer Don Fredo Olivero in der Mitternachtsmette und strich das Glaubensbekenntnis aus der heiligen Liturgie.

(Rom) Die Kontraste und Gegensätze in der katholischen Kirche nehmen schwindelerregende Ausmaße an. Das Tempo der Drehungen beschleunigt sich. Nun gibt es auch Priester, die erklären, daß sie das Glaubensbekenntnis nicht glauben und zu Weihnachten „Meßabstinenz“ üben, um gegen den eine „kapitalistische Wirtschaft“ zu protestieren. Zwei Frontbriefe berichten über glaubenslose Priester als neue Front.

Diese und ähnliche Nachrichten sind Teil der Chronik über eine „Neokirche“. Briefe von der Front, der gerade aktuellen, vordersten Frontlinie der „Kirche der Ränder“ bieten einen „weihnachtlichen“ Einblick.

Frontbrief aus Turin

„Al Credo io non ci credo.“

„An das Credo glaube ich nicht“.

Das erklärte Pfarrer Fredo Olivero in der Kirche San Rocco in Turin den am Heiligen Abend zur Mitternachtsmette versammelten Gläubigen. Statt des Glaubensbekenntnisses stimmte der Priester ein Lied an, das sich an den Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi anlehnt. Gesungen wurde „Dolce sentire“ des Filmkomponisten Riz Ortolani, das dieser für den 1972 von Franco Zeffirelli gedrehten Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ über den heiligen Franziskus komponiert hatte. Von ihm findet sich aus demselben Film das Lied „Höchster, allmächtiger und guter Herr“ auch in der österreichischen Ausgabe des Gotteslobes. Der Film bracht „vor allem das Lebensgefühl und Sehnsüchte von Hippies und Popkünstlern der 1960er-Jahre zum Ausdruck“, wie es bei Wikipedia heißt. Das Besingen der Schöpfung wurde zum Ersatz für das Glaubensbekenntnis, das den Kern des Bekennens und Bezeugens im Glauben bildet.

Don Fredo Olivero
Don Fredo Olivero

„Eine schlechte Theologie“, so Andrea Zambrano, verdrängt das Elementarste des Glaubens. Die völlige Beseitigung des Glaubensbekenntnisses, in Italien wird das Große Glaubensbekenntnis gebetet, ist die Folge jahrelanger Auslassungen, Unterschlagungen, Verzerrungen und Deformierungen. Am Ende mußte, früher oder später, jemand wie Don Olivero aufspringen und das Herumbasteln am Credo dadurch „lösen“, daß er wie Alexander den Gordischen Knoten mit einem Schwertstreich beseitigt.

Die „schlechte Theologie“ frißt die Doktrin. Die Heilige Messe wird zur Show. Don Olivero weigerte sich, die Heilige Kommunion auszuteilen. Nur Kommunionhelfer teilten sie aus, obwohl sie in der Kirche offiziell lediglich geduldeten Status haben, wenn unbedingter Bedarf besteht. Sie drängten die Gläubigen, den Leib Christi in die Hand zu nehmen und in den Kelch mit dem Blut Christi einzutunken.

Schließlich ließ der Pfarrer auch das Vater unser unter den Tisch fallen. Hatte nicht sogar Papst Franziskus Kritik daran geübt, obwohl die Worte direkt auf Jesus Christus zurückgehen und es sich um das älteste aller christlichen Gebete handelt? Aber was schert das schon die Entertainment-Kirchenvertreter des 21. Jahrhunderts. „Es war niemand mit dem Tonbandgerät dabei“, hatte der „Schwarze Papst“, der General des Jesuitenordens vor wenigen Monaten geätzt, als ihm entgegengehalten wurde, Jesus selbst habe, wie die Evangelien bezeugen, die sakramentale Ehe für unauflöslich erklärt.

In San Rocco in Turin erklang statt dem Vater unser „Sound of Silence“, ein Lied von Simon & Garfunkel aus den 70er Jahren. Der zeitliche Rückgriff paßte durchaus, um zu erkennen, woher der Wind weht. Das Jahr 1968 ist die geistige Scheidelinie im Westen, wobei nicht vergessen werden darf, daß 68 in der Kirche schon einige Jahre früher vollzogen wurde.

So steht da ein Priester, der vor 50 Jahren geweiht wurde und auf eine bemerkenswerte Liste des sozialen Engagements zurückblicken kann. Don Olivero ist einer jener heute wieder so gerühmten „Straßenpriester“, der immer am sozialen Puls der Zeit ist und sich heute mit großem Einsatz für die Einwanderer einsetzt. Doch was versteht er von der Glaubenswahrheit? Was hat er begriffen oder verloren?

Jüngst gab er bekannt, das Verständnis von Transsubstantiation ändern zu wollen. Er, der „kleine Pfarrer“, der sich so engagiert für das irdische Wohl einsetzt, aber so wenig vom ewigen Heil verstanden hat.

Kritik an ihm ist aber nicht erlaubt. Sein Umfeld wird ganz zornig. Wer sich für das Soziale einsetzt, ist über jede Kritik erhaben. Daß er das Heilige mit Preßlufthammer und Abrißbirne behandelt, spielt dabei keine Rolle. Das ist fern und fremd und unverständlich.

Don Olivero in Turin kann am Abriß der Kirche tatkräftig Hand anlegen, und alle schauen tatenlos zu oder applaudieren ihm sogar. Wenn ein Priester aber Kritik an den Mißständen in der Kirche übt, wie es Don Alessandro Minutella in Palermo getan hat, dann wird er von der kirchlichen Autorität schwer bestraft und zum Schweigen gebracht.

Don Olivero forderte in seiner Predigt die Eltern auf, ihren Glauben den Kinder weiterzugeben (Welchen Glauben?), ermahnte sie aber, aufzuhören „von der Hölle zu sprechen“, denn das „hilft niemand und tut weh“.

Bei Minute 26:50 (siehe Video am Ende des Artikels) folgt die Überraschung. Statt des Glaubensbekenntnisses kündigt der Kantor das Ortolani-Lied an. Don Olivero liefert die Begründung:

„Wißt ihr, warum ich das Credo nicht spreche? Weil ich nicht daran glaube.“

Die Gläubigen lachen. Manche halten es wahrscheinlich wirklich für einen Scherz. Doch der Priester meint es ernst:

„Wenn es jemand versteht…. Ich aber habe nach vielen Jahren verstanden, daß ich es nicht verstehe und es nicht akzeptieren kann. Singen wir irgend etwas anderes, das die wesentlichen Dinge des Glaubens sagt.“

Welche „wesentlichen Dinge des Glaubens“ der Pfarrer von San Rocco meinte, kann man nur erahnen. Die von Linksextremen 2015 ausgegebene Parole Refugee Welcome gehört jedenfalls dazu.

Frontbrief aus Genua

In Turin ist es den Gläubige der Pfarre San Rocco noch „gut“ ergangen. Sie hatten zumindest eine Heilige Messe. Ganz anders erging es einer Pfarrei in Genua.

Don Farinella
Don Farinella

Don Paolo Farinella ist ein Priester des Erzbistums Genua. Er ist nicht irgendein Priester, sondern einer mit ständiger Kolumne in der größten linken Tageszeitung La Repubblica, die bekanntlich die einzige ist, die Papst Franziskus regelmäßig liest. Die Zeitung macht für halb Italien im öffentlichen Diskurs das gute und das schlechte Wetter.Die Zeitung nennt ihren Kolumnisten einen „Frontpriester“. Auch er ist „sozial engagiert“ und „zivilgesellschaftlich aktiv“. So sehr, daß er vor Wahlen zu Bürgerversammlungen in seine Kirche einlädt, um darüber zu diskutieren, mit welchen Kandidaten und Strategien die politische Linke siegen könne („Der Feind steht immer rechts“).

Farinella gab am 24. Dezember in seiner Kolumne bekannt, daß er in diesem Jahr die Heilige Messe sowohl am Christtag, zu Neujahr als auch zu Dreikönig gestrichen habe.

„Warum ich am Weihnachtstag verzichte, die Messe zu zelebrieren.“

Warum?

„Weil Weihnachten zu einem Krippenmärchen mit Wiegenliedchen verkommen ist, das allein der Stützung einer kapitalistischen und konsumorientierten Wirtschaft dient, die das ganze Christentum in eine ‚Zivilreligion‘ verwandelt hat.“

Noch vor zehn Jahren wäre ein Priester, der sich erdreistet, eigenmächtig Hochfeste abzuschaffen, zu Recht a divinis suspendiert worden. „Heute wird er fast zum Monsignore gekürt“, so Zambrano. Jedenfalls hat er nichts zu befürchten.

„Warum ich an Weihnachten darauf verzichte, die Messe zu feiern“
„Warum ich an Weihnachten darauf verzichte, die Messe zu feiern“

„Das Problem ist aber erschütternd ernst“, so Nuova Bussola Quotidiana. Es geht nicht nur um Priester, die offen bekennen, keinen Glauben zu haben oder lediglich einen Glauben der Marke Eigenbau. Es geht vor allem um die ihnen anvertrauten Schafe, die in die Irre geführt werden, was nur den kaltlassen kann, der selbst nicht das ewige Seelenheil oder die ewige Verdammnis glaubt.

Das Meßopfer und das Glaubensbekenntnis sind die zentralen Elemente des ganzen Glaubens. Der Katechismus der Katholischen Kirche setzt das Credo nicht von ungefähr gleich in den ersten Abschnitt, weil es sich dabei um „die Antwort des Menschen an Gott“ handelt. Mit ihr unterwirft sich der gläubige Mensch dem Allmächtigen. Es geht um den Glaubensgehorsam nach dem Vorbild Abrahams und Mariens. Alle unerschütterlichen Glaubenswahrheiten sind darin enthalten.

Die Negativbeispiele von Don Olivero und Don Farinella zeigen, zu welchen „neuen Horizonten“ Jahrzehnte eines beschnittenen und gefesselten Christentums Light und eine schlechte Theologie führen. Der Paradigmenwechsel nennt sich Anthropozentrik. Wenn der Mensch um sich selbst kreist, sind glaubenslose Priester das abscheuliche Ergebnis.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube/Ass. Turin/Repubblica (Screenshots)



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10 Kommentare

  1. Die Evangelische Landeskirche Württemberg hat schon vor 25 Jahren bei großen Schwierigkeiten mit Freikirchen, Sekten, Denominationen und allen möglichen Klubs entschieden, daß die Taufe auf die Heilige Dreifaltigkeit und das Bekennen des Credos die essenzielle und unerläßliche Kriterien sind um als christlich angesehen zu werden.
    Der erste Priester, Don Fredo Oliveri, und soviele seiner Confratres sind nicht christlich- deshalb auch keine katholische Priester mehr, sondern Schamane irgendwelcher anderer Tendenz.
    Die zuständige Bischöfe versäumen übrigens ihrer ganz eigenen jurisdiktionalen Pflicht.
    „Dürres Holz, das zu verbrennen ist“-Zizania ad comburrendum

    • Nennen wir das Kind beim Namen – Nicht irgendwelche Schamanen einer andern Religion -sagen wir der Freimaurer, sind hier am Werk. Beim ersten Priester hat der Teufel gewonnen. Der zweite Priester sieht es richtig. Würde er im Glauben diese unsere gesellschaftlichen Tatsachen bekämpfen, wäre er Christ mehr als wir alle. Diese Gesellschaft ist ein Produkt der Freimaurer innerhalb und ausserhalb der Kirche. Wir die wir hier schreiben sind genau so unchristlich, indem wir dieses Finanz- und falsche Sozialsystem unterstützen. Nicht der Taufschein allein, sondern die Tat in der uneingeschränkten Lehre Christi ist entscheidend.

  2. Ob Herr Olivero an das Credo glaubt oder nicht, muss er mit seinem individuellen Gewissen ausmachen. Wenn er es jedoch ablehnt, warum ist er dann eigentlich Priester in der katholischen Kirche? Ebenso ist der politische Kampf gegen den kapitalistischen Konsumwahn sicher eine ehrenvolle Tätigkeit. Wenn Herr Farinella jedoch meint, im Dienste dieses Kampfes eine Heilige Messe zu boykottieren, also seinen Gläubigen das Evangelium und das Heilige Sakrament zu verweigern – warum in Gottes Namen ist er dann katholischer Priester? Die Kirche ist weit mehr als ein Verein, aber man kann dennoch a fortiori argumentieren: jeder Verein würde ein Mitglied ausschliessen, wenn es den Statuten grob zuwiderhandelt – umso mehr wäre dies von der Kirche zu erwarten, gerade weil es um so viel mehr geht als bei einem gewöhnlichen Verein: um das Seelenheil von Millionen! Die grosse restitutio der Kirche, auf die ich hoffe, wird mit einer tiefgreifenden, weltweiten gründlichen Säuberung des Klerus einhergehen müssen. Alle, die die Kirche auf das Soziale reduzieren und den Gläubigen die – vertikal zu allem Sozialen gerichtete – aus dieser Welt hinausweisende Fülle der göttlichen Offenbarung vorenthalten, müssten konsequenterweise die Pfarreien räumen und nicht mehr von der Kirche, sondern von den sozialen Netzen der säkularen Gesellschaften alimentiert werden. Die Tätigkeit als Sozialarbeiter in einem weltlich-politischen Verein wäre ehrlicher.

  3. Wenn der eine „Priester“ eigenmächtig zwei hl. Messen ausfallen lässt und der andere das Credo und das Vaterunser daraus streicht, frage ich mich, wie Papst Franziskus reagiert, falls er davon erfahren sollte.
    Und ich frage mich auch, warum sich die Gläubigen das überhaupt gefallen lassen. Sind sie denn wirklich gläubig?
    Warum verlassen sie nach der Ankündigung, die Gebete nicht sprechen zu lassen, nicht die Kirche?
    Stattdessen lachen sie.

    • Papst Franziskus würde eigenmächtige Entscheidungen dieser oben beschriebenen Vorgänge natürlich ablehnen. Wahr ist aber auch ,daß ein Klima ,ein Nährboden entstanden ist der solches geschehen lässt.Das Merkmal der nachkonziliaren Entwicklung ist die schrittweise Verdunstung des Glaubens, die Kenntnisse darüber und das verachten der bewährten Tradition.Das sind Fakten. Das 2. Vaticanum hat das nicht gewollt. Dieser Papst unternimmt auch nichts dagegen. Dieser Papst weiß genau was er tut und was nicht. Er ist sehr klug und möchte eine andere Kirche.

  4. Der Antropozentrismus ist im Kern der „Kult des Menschen“, auf den (der wohl auch bald „heilige“) Papst Paul VI. seine peinliche Lobeshymne gesungen hat. Aus der Gottesverehrung wird Menschenvergötzung, also eine andere Religion. Und eine andere Religion braucht eben ein anderes Credo sowie eine andere Kirche. Diese „entpuppt“ sich nun schrittweise, nachdem der ausgesähte Same nun aufgegangen ist und die Masken (da nicht mehr erforderlich) zu fallen beginnen.

  5. Die Verblendung ist in manchen Hirnen total.
    Die Inhaber dieser haben sich mit ihrer Dummheit selber von der Hilfe abgeschnitten. Eine geistig ramponierte Gemeinde ist nicht mehr fähig, die notwendigen geistlichen Übungen zu erbringen, die den Hirten Hilfe bringen könnten.

    Ich selbst bin ein Drückeberger: Trotzdem behaupte ich, daß der Rosenkranz das einzige Hilfsmittel zur Rettung vieler ist, die nicht dem Hochmut verfallen sind.

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