Konzentrierte Medienberichterstattung für Amazonas-Priestertum von Claudio Hummes und Erwin Kräutler

Angriff auf das Priestertum kommt in die „heiße Phase“

The Tablet über Kräutler und der Versuch der Zölibatsabschaffung über den Umweg Amazonas.

(Rom) Eine konzentrierten Medienberichterstattung signalisiert, daß es in Sachen Zölibatsabschaffung ernst wird. Offiziell ist von der panamazonischen Sondersynode die Rede, die von Papst Franziskus für Oktober 2019 einberufen wurde, doch jeder weiß worum es in Wirklichkeit geht – und manche sagen es auch ganz offen. Wo auf einer Packung derzeit Amazonas draufsteht, sind ein neues, verheiratetes Priestertum und das Frauenpriestertum drinnen. Wobei dem Frauenpriestertum am Ende dieselbe Rolle wie der Homosexualität bei der Familiensynode zukommen könnte. Sie wird angedeutet, aber dann fallengelassen, um das Hauptziel nicht zu gefährden.

Erwin Kräutler im The Tablet

Die progressive britische Wochenzeitung The Tablet gab dem emeritierten, österreichischen Missionsbischof Erwin Kräutler am 31. Oktober breiten Raum, um sein Lob auf Papst Bergoglio und die Forderung nach Abschaffung des Priesterzölibats ausbreiten zu können. Das, so Kräutler, sei das Ziel der panamazonischen Sondersynode, deren Einberufung Papst Franziskus angekündigt hat.

Kräutler, ein Missionar vom Kostbaren Blut, seit vielen Jahren ein Liebling der politischen Linken und kirchenfernen Medien, äußerte seine „Hoffnung“, daß die Sondersynode

„zur Zulassung von verheirateten Männern zum Priestertum und von Diakoninnen führt“.

Bischof Kräutler bei Indios im Amazonas
Bischof Kräutler bei Indios im Amazonas

Der Artikel stammt von Christa Pongratz-Lippitt, der in Wien ansässigen Österreich-Korrespondentin des Tablet, die aber auch in anderen progressiven Blättern publiziert.

Die Sondersynode für Amazonien „beweist die Entschlossenheit von Franziskus, die bischöfliche Kollegialität zu stärken“, so Kräutler, der von 1981 bis zu seiner Emeritierung 2015 Prälat der Territorialprälatur Xingu in Amazonien war.

Kräutler kennt bereits das Ergebnis der Sondersynode und liefert auch schon die Argumentation, warum die Synode so und nicht anders verlaufen könne:

„Die Kirche kann auf die Herausforderungen für die Amazonas-Region nicht von oben mit autoritären Lösungen antworten“.

Das kirchliche Lehramt habe nicht für jede Herausforderung „a priori“ Antworten parat, so der ehemalige Territorialprälat, der allerdings mehr für seinen Einsatz für den Regenwald bekannt wurde als für seine Treue zu dem von ihm genannten kirchlichen Lehramt.

Die konstruierte „Herausforderung“

Kräutler argumentiert mit zu wenigen Priestern für ein zu großes Gebiet. Seine Territorialprälatur gilt als größte Diözese der Welt, allerdings nur der Fläche nach. Amazonien ist zwar groß, aber sehr dünn besiedelt. Auf einem Gebiet, das fast der Größe der alten Bundesrepublik entspricht, sind nur 330.000 Katholiken zu betreuen. Dafür stehen 30 Priester zur Verfügung.

  • Die Bereitschaft von brasilianischen Priestern. im Urwald zu wirken, hält sich sehr in Grenzen.
  • Den Urwald-Indios fehlt der Zugang zum Priestertum, vor allem wegen der dafür notwendigen Ehelosigkeit.
  • Die Vertreter des „Konzilsgeistes“ stehen Lösungen selbst im Weg, da sie eine nationalgefärbte Evangelisierung ohne Einsatz von landesfremden Missionaren propagieren.

So hatte es Kardinal Hummes im Spätsommer postuliert, als ein entsprechender Vorschlag gemacht wurde, das Priesterproblem in Amazonien durch eine Bitte an die Missionsorden der Kirche zu lösen, je zwei Priester zu entsenden. „Nein, nein“, polterte Hummes, „das will der Papst nicht“, denn seit dem Zweiten Vaticanum müsse jedes Land sich selbst evangelisieren. Daß laut dieser Logik Erwin Kräutler nie Bischof von Xingu werden hätte dürfen und schon vor Jahrzehnten seine Koffer packen und nach Österreich zurückkehren hätte müssen, wird weder vom Kardinal noch von Kräutler thematisiert. Von Hummes wurde dergleichen natürlich auch nie gefordert. Kräutler ist Hummes bester Verbündeten im Kampf gegen den Zölibat. Beide sind treibende Kräfte der „Amazonas-Werkstatt“, wo nach „alternativen“ Formen für das Priestertum gesucht wird. Die Hauptstichworte lauten „indigener Klerus“ und „Gemeinschaftspriester“. Wer trotz der zahlreichen, gezündeten Nebelkerzen durchblickt, erkennt, daß sich alle Bemühungen auf zwei Alt-68er-Forderungen reduzieren, egal wie verpackt und kaschiert sie vorgetragen werden: die Abschaffung des Priesterzölibats und das Frauenpriestertum.

Progressive suchen nicht nur falsche Lösungen, sondern sind Teil des Problems

Noch ein Punkt ist zu erwähnen. Die Vertreter des sogenannten „Geistes des Konzils“ suchen nicht nur falsche Lösungen für ein Problem, sondern sind selbst Teil des Problems. Papst Benedikt XVI. hatte es Kräutler 2012 gesagt, was diesen aber nicht zu einem Nachdenken anregte, sondern lediglich empörte. Benedikt XVI. forderte den damals noch amtierenden Missionsbischof auf, auf den von ihm beklagten Priestermangel mit Gebet um Priesterberufungen zu reagieren. „Nicht mit mir“, empörte sich Kräutler noch zwei Jahre später in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten.

Claudio Hummes, wie Kräutler im politischen Einsatz
Claudio Hummes, wie Kräutler im politischen Einsatz

Daß die Gesamtfrage im Zusammenhang mit dem Amazonas-Becken aufgerollt wird, ist dabei nur zufällige Dekoration. Mit der Gesamtfrage hat sie nicht wirklich zu tun. Der Priestermangel Amazoniens ist vielschichtig, im konkreten Fall aber konstruiert. Amazonien wird mißbraucht, um einen weltweiten Vorwand zu haben. Die Frage wird entsprechend auch nicht von Urwald-Indios vorgebracht, sondern von progressiven, westlichen Kirchenkreisen, die durch die Wahl von Papst Franziskus ihre Stunde spät, aber doch noch gekommen sehen. Die Hauptagitation erfolgt aus dem deutschen Sprachraum. Kräutler ist Österreicher, Fritz Lobinger ist Bayer, Claudio Hummes ist der Enkel deutscher Einwanderer. Im deutschen Sprachraum finden sich die meisten kirchlichen Hierarchen, die lieber heute als morgen den Zölibat im Orkus versenken würden. Das Spektrum reicht vom Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, Alt-Abt Christian Heidinger, bis zum Erzbischof von Brüssel, Jozef de Kesel.

Verzerrte Darstellung und verkürzte Argumentation

Das Lamento, das Christa Pongratz-Lippitt Kräutler im Tablet anstimmen läßt, ist aus seinem Mund seit Jahren bekannt. Die Urwald-Indios würden der Eucharistie „beraubt“, weil die wenigen Priester die verstreuten, kleinen Dorfgemeinschaften nur selten besuchen könnten. Kräutler konstruiert eine Art von „Diskriminierung“. Implizit, so darf man annehmen, sei „böse“ „konservative“ und „reaktionäre“ Katholiken und Kirchenkreise schuld, daß die Urwald-Indios nur selten den Leib Christi empfangen können.

Daß das kapillare Pfarrnetz in Kräutlers Österreich sich auch erst in vielen Jahrhunderten entwickelte und seinen Höhepunkt erst im 19. Jahrhundert erreichte, verschweigt er. Viele Jahrhunderte war es für die Christen Europas selbstverständlich, daß sie weite Wege zu einem Meßort zurücklegen mußten. Der Luxus, in jedem Ort einen Priester zu haben, ist ein Phänomen der Neuzeit und umfaßte nur einen verhältnismäßig kurzer Zeitraum der gesamten Kirchengeschichte. Die Kirche gebot daher zu keiner Zeit mehr, als zumindest einmal im Jahr die heilige Eucharistie zu empfangen.

Diese Lücken in der Darstellung sind kein Zufall, sondern charakteristisch. Alles was dem angestrebten Ziel widerspricht, wird unterschlagen. Und noch einmal: Das eigentliche Ziel ist weit europäischer als brasilianisch: Es geht darum, den in liberalen Kreisen verhaßten Zölibat abzuschütteln.

Zölibat: Wesensmerkmal des Priestertums und Beweis für die wahre Kirche Jesu Christi

Dabei stellt der Priesterzölibat, auch das wird von Kräutler verschwiegen, einen Beweis dar, daß die römisch-katholische Kirche, die wahre Kirche Jesu Christi ist. Modernistische Kreise können auf diesen Anspruch freilich gerne verzichten, da ihnen der Ökumene wegen nichts daran gelegen ist. Ganz im Gegenteil.

Für die Wahrheitsfrage ist dieser Punkt aber durchaus von Bedeutung. Die römisch-katholische Kirche ist die einzige Realität, die das Priestertum in der reinsten Form erhalten hat. Dabei geht es auch hier um das gelebte Beispiel Jesu Christi, der eben unverheiratet blieb und die besondere Bedeutung des Zölibats sogar ausdrücklich hervorhob: „Wer es fassen kann, der fasse es.“

Die orientalischen und orthodoxen Kirchen haben zwar das Weihesakrament bewahrt, konnten den für das Priestertum konstitutiven Zölibat aber nur teilweise durchhalten. Bischöfe und Mönche leben zölibatär. Wer schon vor seiner Weihe heiratet, kann zumindest für das Weltpriestertum zur Priesterweihe zugelassen werden. Bischof kann so jemand allerdings nicht werden. Stirbt die Frau oder verläßt sie den Mann, kann auch ein Weltpriester nicht mehr heiraten. Die Folge ist, daß in der östlichen Kirche der Weltklerus fast durchgehend verheiratet ist. Gruppenzwang umgekehrt.

Die Protestanten aller Denominationen haben das Weihepriestertum ganz verworfen. Um so absurder ist es, daß gerade sie Vorbild der Alt-68er-Bewegung in der katholischen Kirche sind. Daraus folgt, daß es weniger um Protestanten oder Orthodoxe geht, sondern um die Sexualität. Seit der Sexuellen Revolution ist die Sexualisierung gesellschaftsbeherrschend. Keuschheit und Zölibat werden als Anachronismen dargestellt. In der Kirche selbst leiden manche unter diesem Druck der Welt, anstatt darin eine Chance zu erkennen, das „ganz andere“ des Christentums gegenüber der Welt herauszustreichen.

Die Sexualität an sich stellt natürlich eine permanente Herausforderung für den Menschen dar. Das ist kein Problem des heutigen Menschen. Die Kirche hatte immer wieder mit Strömungen zu ringen, die offen oder versteckt den Zölibat beseitigen wollten. Sie konnte sich in den vergangenen 2000 Jahren jedoch immer wieder behaupten.

Durch Luthers Reformation gab es auch in katholischen deutschen Diözesen kaum mehr zölibatär lebende Priester. Auch diese Tatsache dürfte zur schnellen Verbreitung der Reformation beigetragen haben, da es an geistigen Abwehrkräften fehlte. Durch die katholische Erneuerung und eine verbesserte Priesterausbildung wurde das Problem aber innerhalb von 40 Jahre geradezu völlig beseitigt.

Schwache Verteidigung des Priesterzölibats

Im deutschen Sprachraum wirkt die Kirche in diesem Punkt wenig glaubwürdig, weil die Progressiven ungeniert die Abschaffung dieses konstitutiven Elements des Priestertums fordern, während jene, allen voran die Bischöfe, die den Zölibat verteidigen müßten, dies wenig überzeugend und noch weniger entschlossen tun. Auch Papst Franziskus sprach in der Vergangenheit schon die verschwommene Sprache dieser wenig motivierten und vielleicht auch wenig überzeugten Oberhirten. Die Aussage aus seinem Mund, für ihn persönlich sei der Zölibat kein Problem, gibt nur eine persönliche Erfahrung wieder, sagt aber nichts über die Richtigkeit der Sache aus. Der Priesterzölibat würde dringend eine deutlichere Verteidigung verdienen, die auf sein Wesen eingeht.

Kräutler bleibt auch im hohen Alter, wie seine gehäuften Stellungnahmen in den vergangenen vier Jahren zeigen, alten Denkmustern der kirchlichen 68er-Bewegung verhaftet und Argumenten gegenüber resistent. Dominant scheint ein typisch linkes Denken, das auf vorhandene „Herausforderungen“ „strukturelle“ Antworten sucht. Diese linke Methode, gepaart mit progressivem Denken, läßt auf die Herausforderung Priestermangel nur eine Antwort zu, die Abschaffung des Priesterzölibats und die Zulassung von Frauen zum Weihesakrament. Damit würde zugleich der Sexuellen Revolution und dem Feminismus Genüge getan. Die Suche nach der Wahrheit, die immer eine Suche nach dem Wesen der Dinge ist, erfordert aber mehr als die für den Augenblick angeblich zweckmäßigste Antwort.

Auf die Ehe folgt der Zölibat: Franziskus und die Wiederholung des Szenarios

Fest steht, daß Papst Franziskus die Amazonas-Werkstatt von Kräutler und Hummes unterstützt. Wie bereits zum Ehesakrament wurde von ihm ein „Prozeß“ in Bewegung gesetzt, der nach demselben Muster abgewickelt werden soll. Die Rolle von Kardinal Kasper übernehmen in der Neuauflage Kardinal Hummes und Bischof Kräutler. Die Synode ist erneut das Vehikel, mit dem eine „freie“ Diskussion (hinter verschlossenen Türen) vorgetäuscht werden soll, während in Wirklichkeit das Ergebnis längst feststeht. Am Ende wird, je nachdem wie stark der Widerstand sein wird, ein zweideutiges nachsynodales Dokument folgen, das von progressiven und papistischen Kirchenkreisen auf die vom Papst gewünschte, aber nicht ausgesprochene Weise umgesetzt wird. Die Folge wird das nächste Interpretationschaos sein, wie es die Kirche bereits durch Amoris laetitia erlebt.

Der Widerstand könnte in diesem Fall sogar deutlich geringer sein, weil an der Synode nur die Bistümer beteiligt sind, die Anteil am Amazonas-Becken habe. Daran haben zwar viele Länder Anteil, doch der Großteil liegt in Brasilien. Bekanntlich ist der brasilianische Episkopat in einem ziemlich bedauerlichen Zustand – angesiedelt irgendwo zwischen teils mangelhafter Ausbildung, progressivem Denken und befreiungstheologischer Zersetzung.

Die bundesdeutsche Wochenzeitung Die Zeit rührte am 26. Oktober die Werbetrommel für die Zulassung verheirateter Priester. Eine entsprechende Petition liege auf dem Schreibtisch von Papst Franziskus. Bischof Kräutler sei einer ihrer Unterzeichner.

Die vorhergesagte Choreographie

Messaggero-Artikel von Giansoldati
Messaggero-Artikel von Giansoldati

Diese Choreographie sagten die beiden Vatikanisten Sandro Magister und Marco Tosatti bereits 2016 voraus. Die Petition liefere Franziskus die Rechtfertigung, behaupten zu können, nur auf einen „Ruf aus dem Volk“ zu reagieren. Die gleiche Melodramatik hatte der Papst bereits am Beginn der ersten Bischofssynode in Szene gesetzt, als er in seiner Ansprache am Vorabend der Synode die Synodalen aufforderte, den „Schrei“ des Volkes zu hören, der da besagen sollte, daß die wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten zugelassen werden sollten.

Gestern folgte die italienischen Tageszeitung Il Messaggero mit einem ausführlichen Artikel zugunsten der Zölibatsabschaffung. In der Tageszeitung sitzt mit Franca Giansoldati eine sympathische, aber geeichte Bergoglianerin. Sie bestätigte den Zeit-Bericht, daß „auf dem Tisch von Bergoglio“ die Forderung der brasilianischen Bischöfe liegt, die Tore „für verheiratete Priester zu öffnen“. Giansoldati beruft sich nicht auf Kräutler, dafür aber auf den anderen „großen“ Proponenten der Zölibatsabschaffung: Kardinal Claudio Hummes. Hummes gehört auch zu den Verfechtern des Frauenpriestertums und zu jenen, die sich unter Benedikt XVI., nach einem vatikanischen Rüffel, gut zu verstellen wußten. Im Konklave 2013 war er ein lautstarker Unterstützer von Kardinal Bergoglio, dem er – laut dessen eigener Angabe – den Namen Franziskus empfohlen habe.

„Testlauf in Brasilien könnte Wende für den Klerus vorwegnehmen“

Die konzentrierte Medienberichterstattung signalisiert, daß die heiße Phase begonnen hat. In der Sprache fällt dabei auf, daß der Zölibat bewußt in den Hintergrund tritt. Er wird kaum erwähnt. Dabei scheint es sich um eine strategische Entscheidung zu handeln. Stattdessen ist bevorzugt von „verheirateten Priestern“ die Rede. Offensichtlich sollen damit reflexartige Widerstände minimiert werden.

Ganz offen schrieb Giansoldati gestern zu Amazonien und der brasilianischen Forderung:

„Der Testlauf im lateinamerikanischen Land könnte eine Wende für den Klerus vorwegnehmen.“

Der Weg wird klar skizziert und möglichst wohlklingend präsentiert:

„Die Formel, an die gedacht wird, ist die der ‚viri probati‘: verheiratete Männer von sicherem Glauben.“

Zur Abwehr von Kritik werden zwei Argumenten ins Feld geführt. Giansoldati zitiert dazu Giacomo Canobio, den Vorsitzenden der Italienischen Theologenvereinigung. Die Argumente sind allerdings so alt wie die nachkonziliare Diskussion selbst:

  • Der Priesterzölibat, der nicht erwähnt wird, aber gemeint ist, „ist kein doktrinelles Dogma“. Damit glaubt man die Frage nach den Wesensmerkmalen des Priestertums bereits abhaken zu können, mit der man sich erst gar nicht beschäftigen will.
  • Der Priesterzölibat werde gar nicht abgeschafft. Jeder, der das wolle, könne sich weiterhin für ein zölibatäres Leben entscheiden.

Schließlich wird von Canobio – unbewiesen – behauptet:

„In Lateinamerika und in Afrika haben viele Priester eine Familie. Sie könnten dann aus der Illegalität heraustreten.“

Das Argument ist perfid, weil es beliebig eingesetzt werden kann. Interessant ist daran der Hinweis auf Lateinamerika und Afrika, wo es ehrlicher wäre, auf Europa zu verweisen – zumindest im deutschen Sprachraum. Die Proponenten der Zölibatsabschaffung wollen aber lieber von sich selber ablenken, weil sie selbst angreifbarer sind. Zudem würde das Wissen um die wirklichen, treibenden Kräfte im Hintergrund, das ganze Spektakel leichter durchschaubar sein lassen. Die Verlagerung in das in jeder Hinsicht ferne Amazonien soll wie eine Objektivierung wirken, die es aber nicht ist.

Giansoldati gibt offen zu erkennen, daß Amazonien nur der Vorwand für eine viel größere Operation ist und die eigentlichen Interessenten einer solchen Entwicklung ganz woanders sitzen. Wörtlich schreibt sie:

„Die mögliche Entscheidung des Papstes für ‚viri probati ad experimentum‘ für die Region, könnte einen Präzedenzfall schaffen und andere, interessierte Episkopate wie Deutschland, Belgien, Österreich, Tschechien veranlassen, sich ebenfalls darum zu bewerben, und damit eine innerkirchliche Debatte auslösen.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: The Tablet/Il Messaggero (Screenshots)

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4 Kommentare

  1. wenn man Berufung hat, kann man den Zoelibat halten, auch wenn man Brasilianer ist. Oder Deutscher oder was auch immer. Man wird doch freiwillig Priester.

  2. „Zölibat: Wesensmerkmal des Priestertums und Beweis für die wahre Kirche Jesu Christi“: und genau das ist die Konzilskirche nicht!

  3. Im August 1980 hielt Mutter Teresa vor englischen Priesterstudenten eine Ansprache, in der sie sagte: „Es bereitet mir große Freude, zu euch zu sprechen … Wisst ihr, was wir von euch erwarten? Dass Ihr uns das Brot des Lebens brecht – das Brot des Wortes Gottes und das Brot der Eucharistie. Ich brauche heilige Priester, – Priester, die gründlich bewandert sind in den gesunden geistlichen Lehren der Kirche, um meine Schwestern auf den Wegen zu geleiten, die zu Gott führen. Ihr seid Männer Gottes, Männer des Gebetes.
    Das Gebet muss euer tägliches Brot sein. Wenn ihr nicht beten wollt, könnt ihr nach Hause gehen … Die Arbeit des Priesters in der Gesellschaft besteht darin, den Menschen das Wort Gottes und die Sakramente zu geben. Nur er kann dies tun; das ist sein besonderes Charisma, zu dem er von Gott berufen wurde. Als Priester solltet ihr fähig sein, aus der Überülle eures Herzens zu sprechen. Es kommt immer darauf an, wieviel Liebe in dem steckt, was wir geben … Wie heilig müssen eure Hände sein, denn ihr bringt den Leib und das Blut Christi dar. Eine jede eurer Handlungen muss heilig sein – eure Reden, eure Gedanken, eure ganze Person. Ihr müsst Christus in euch wachsen lassen durch seine Liebe. Lasst Jesus euch als Werkzeug benutzen, ohne dass er euch fragen muss. Ihr bringt Jesus zu so vielen Herzen – wie nahe müsst ihr deshalb Jesus sein!“

    In diesen wenigen Worten ist das ganze geistliche Lebensprogramm des Priesters enthalten – das Bemühen, innerlich fromm zu sein, im eifrigen Gebet für sich und die ihm anvertrauten Seelen; Jesus, dem göttlichen Hohenpriester in vollkommener Hingabe zu dienen, sein Evangelium überall unverküzt zu verkünden, ihn vor allem im heiligsten Sakrament – und in den Seelen – wirklich lieben, was nur durch das Leben in bewusster Gottverbundenheit möglich ist. Aber wie lässt sich eine solch‘ innige Vereinigung erreichen? Wenn der heilige Pfarrer von Ars sagt: „Das Priestertum offenbart uns die Liebe des Herzens Jesu!“ Dann kann nur die aufrichtig erwiderte Liebe zu ihm diese Gnade erlangen.

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