Wahl wird zum Referendum über die päpstliche Abtreibungspolitik

Niederlage für Papst Franziskus

Kardinal Cupich getroffen, Papst Franziskus gemeint.
Kardinal Cupich getroffen, Papst Franziskus gemeint.

(Washington) Der von Papst Franziskus installierte Wortführer der progressiven US-Bischöfe, Erzbischof Blase Kardinal Cupich von Chicago, mußte eine Niederlage einstecken. US-Medien sehen die Abstimmung als „Referendum über die Abtreibungspolitik von Papst Franziskus“, so Crux Now. Die Niederlage habe Kardinal Cupich getroffen, aber Papst Franziskus gegolten.

Bei der Wahl für den Vorsitz in der Lebensrechtskommission der US-Bischofskonferenz setze sich Erzbischof Joseph Naumann von Kansas City gegen den Kardinal durch. Beide Kandidaten haben in der Vergangenheit Kundgebungen für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder und gegen die Abtreibung unterstützt. Die Bruchlinie verläuft vordringlich auf einer anderen Ebene.

Mißtrauensvotum gegen Abtreibungspolitik von Papst Franziskus

Blase Cupich ist das Symbol für eine radikale Kursänderung, die mit Papst Franziskus bei den Bischofsernennungen eingesetzt hat. Eine Kursänderung, die von einem Großteil der US-Bischöfe nicht gutgeheißen wird. Cupich ist „der Mann des Papstes“ in der US-Bischofskonferenz. Franziskus wird vorgeworfen, umso beschleunigter den Umbau des US-Episkopats zu betreiben.

Erzbischof Naumann konnte sich überraschend mit 96 zu 82 Stimmen gegen den ranghöheren Cupich durchsetzen. Die katholischen US-Medien sehen das Wahlergebnis ohne Wenn und Aber als Niederlage von Kardinal Cupich (und seiner Unterstützer). Zu letzteren wird vor allem Papst Franziskus gezählt, der den progressiven Außenseiter 2015 auf den wichtigsten Bischofsstuhl der USA gesetzt und kurz darauf zum Kardinal erhoben hatte.

Die 82 Stimmen werden daher wie folgt gelesen: Einen beträchtlicher Teil dieser Stimmen sei ihm deshalb zugefallen, weil er als Kardinal der ranghöhere Kandidat war, und in der Kirche grundsätzlich die Neigung besteht, dem Ranghöheren den Vortritt zu geben, weil davon ausgegangen wird, daß er mehr Autorität für ein Anliegen in die Waage legen könne. Deshalb galt Cupich als klarer Favorit.

Naumann: Pro Life ohne Wenn und Aber

Während sich Cupich in anderen Bereichen als progressiv erwies, so auch beim umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia, kommt Erzbischof Naumann auch in Sachen Lebensschutz aus einer anderen Schule. Er verweigerte seinerzeit der amtierenden Gouverneurin von Kansas, Kathleen Sabelius, wegen ihrer Abtreibungsbefürwortung die Kommunion. US-Präsident Obama, selbst radikaler Abtreibungsbefürworter, machte Sabelius hingegen 2009 zur Gesundheitsministerin. Kardinal Raymond Burke, damals noch Präfekt der Apostolischen Signatur, verteidigte Erzbischof Naumann, der ein „Beispiel pastoraler Liebe für den Schutz“ des Allerheiligsten gegeben habe.

Naumann ist Nachfolger von Kardinal Timothy Dolan, dem Erzbischof von New York, der bisher Vorsitzender der Lebensrechtskommission war.
Er ist auch Vorstandsmitglied von Human Life Action. Die Lebensrechtsorganisation ist ein Projekt des National Committee for a Human Life Amendment, das sich seit dem Urteil Roe gegen Wade des Obersten Gerichtshofes, mit dem die Abtreibung in den USA legalisiert wurde, für einen Verfassungszusatz zum Schutz des Lebens einsetzt.

Im vergangen Mai wies Erzbischof Naumann die Pfarreien seines Erzbistums an, den Girl Scouts (weibliche Pfadfinder) keine Unterkünfte mehr zur Verfügung zu stellen, weil sie den Abtreibungskonzern Planned Parenthood unterstützen.  In einem Interview mit der US-Nachrichtenseite Crux Now bezeichnete er die Abtreibungsfrage als eines der wichtigsten Themen, „allein schon wegen der großen Zahl unschuldiger Leben, die jedes Jahr beseitigt werden“. Die Lebensrechtsbewegung gratulierte Erzbischof Naumann zu seiner Wahl.

Römischer Paradigmenwechsel

Tagung: Referenten, die keine Vertreter der Kultur des Lebens sind.
Tagung: Referenten, die keine Vertreter der Kultur des Lebens sind.

Die „Niederlage“ für Papst Franziskus, als die das Abstimmungsergebnis gewertet wird, bekommt besondere Brisanz, weil vom 16./17. November die Päpstliche Akademie für das Leben im Vatikan eine Tagung über die Euthanasie durchführt. Unter den Referenten findet sich erstmals eine amtierende Vorsitzende des Abtreibungskonzerns Planned Parenthood, an dem das Blut von Millionen unschuldiger Kinder klebt. Es handelt sich um die Schweizer Gynäkologin Yvonne Gilli. Ob Gilli selbst ungeborene Kinder tötet oder zu den Schreibtischtätern gehört, ist derzeit nicht bekannt.

Ihre Einladung ist ein ungeheuerlicher Bruch in der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche, seit 1920 die Sowjetunion als erstes Land der Welt die Tötung ungeborener Kinder legalisierte, und seit die Gründerin von Planned Parenthood, Margaret Sanger, bereits einige Jahre zuvor, in New York illegal ihre erste Abtreibungsklinik eröffnete.

Seit der Wahl von Papst Franziskus fand in Rom ein radikaler Umbruch statt. Seit dem Schweigen des neuen Papstes zum Lebensrecht und seiner irritierenden Ankündigung, nicht ständig davon reden zu müssen, und der Einladung an die Vorsitzende des Schweizer Ablegers des weltgrößten Abtreibungskonzerns liegen nur vier Jahre.

Der Paradigmenwechsel mit seiner Abkehr von der Kultur des Lebens und dem Ausrollen des roten Teppichs für die Kultur des Todes ist von solcher Radikalität, daß sie gedanklich bereits vor dem Konklave 2013 zum inhaltlichen Gepäck gehört haben muß. Die Annahme liegt daher nahe, daß mit der Wahl von Jorge Mario Bergoglio auch genau dieser Paradigmenwechsel beabsichtigt war.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: InfoCatolica

 



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2 Kommentare

  1. „Der von Papst Franziskus installierte Wortführer der progressiven US-Bischöfe, Erzbischof Blase Kardinal Cupich von Chicago, mußte eine Niederlage einstecken.“
    Wenn sie Papst Franziskus und Erzbischof Blase Kardinal Cupich eine richtige Niederlage beibringen wollen dann müßten sie rein symbolisch dem Konzilsgeist einen Mühlstein um den Hals binden und ihn auf der tiefsten Stelle im Michigansee ersäufen. Dann käme richtig Freude auf der progressiven, fortschrittlichen und der Zukunft zugewandten Avantgarde der Kirche auf. Ich bin kein Reformator aber hier schreibe ich und kann nicht anders.
    Per Mariam ad Christum.

  2. „Der Paradigmenwechsel mit seiner Abkehr von der Kultur des Lebens und dem Ausrollen des roten Teppichs für die Kultur des Todes ist von solcher Radikalität, daß sie gedanklich bereits vor dem Konklave 2013 zum inhaltlichen Gepäck gehört haben muß. Die Annahme liegt daher nahe, daß mit der Wahl von Jorge Mario Bergoglio auch genau dieser Paradigmenwechsel beabsichtigt war.“

    Prägnant zusammengefaßt! So wird es wohl sein. Damit sind die Propagandisten und Wähler von Papst Franziskus an der Einführung der Kultur des Todes in die Kirche selbst mitschuldig, je nach eigener Kenntnis in verschiedenem Ausmaß – aber eigentlich gibt es keine Entschuldigungsgründe, daß man es nicht hätte wissen können.

    Und wiederum waren es Jesuiten, die sich in Sachen Abtreibung besonders stark pro-choice bzw. pro-death positioniert hatten. Dafür gibt es keine Entschuldigungsgründe. Und zu viele Bischöfe haben wohlwollend zugeschaut.

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