Hat Lidl seine antiidentitäre Marketing-Strategie aufgegeben?

Das Problem mit dem Kreuz: Lidl rudert auch in Italien zurück

Lidls Probleme mit dem Kreuz. Hat der Konzern seine antiidentitäre Marketing-Strategie aufgegeben?
Lidls Probleme mit dem Kreuz. Hat der Konzern seine antiidentitäre Marketing-Strategie aufgegeben?

(Rom) Der Discount-Konzern Lidl war in die Kritik geraten, weil er das christliche Kreuz aus seinen Geschäften verbannte. Nun rudert er nach einem weiteren Vorfalla auch in Italien zurück. Rückt das Unternehmen damit von seiner antichristlichen und antiidentitären Strategie ab?

Ob im deutschen Sprachraum, in Griechenland oder Italien: Lidl geriet in den vergangenen Wochen in die Kritik, weil das christliche Kreuz systematisch getilgt wurde. Ob auf griechischen Produkten, auf denen eine orthodoxe Kirche zu sehen ist, oder in Italien, wo man an den Filialen großflächige Darstellungen eines idyllischen Dorfes anbrachte: Wo eine Kirche zu sehen war, wurden die Kreuze wegretuschiert.

Kulturfälschung im Namen der „Neutralität“

Dem Konzern wurde „Kulturfälschung“, Kulturbarbarei“ und eine antichristliche Haltung vorgeworfen. Der katholische Erzbischof von Prag, Kardinal Duka, sprach in einem Schreiben an die griechische Botschaft seines Landes von einem „beispiellosen Akt“ und solidarisierte sich mit orthodoxen Griechenland.

Der Konzern begründete sein Vorgehen mit „religiöser und politischer Neutralität“, die er einhalten wolle. Ihm wurde deshalb vorgeworfen, im Namen der „Neutralität“ die Realität zu verfälschen und damit gerade nicht neutral zu sein.

Wegen der wegretuschierten Kreuze auf den Verpackungen griechischer Produkte entschuldigte sich das Unternehmen nach einem Proteststurm. „Hier ist ein Fehler passiert“ teilte Lidl Österreich im September mit.

Gleiches ist einen Monat später nun auch in Italien geschehen. Dort ging es nicht um griechische Produkte, sondern um eine Werbeaktion, mit der das Unternehmen die „Verbundenheit“ mit dem Land zum Ausdruck bringen wollte. In Camporosso in Ligurien wurde eine großflächige Photographie des idyllischen Ortes Dolceacqua angebracht. Doch bei dem Bild stimmte etwas nicht, wie den Kunden schnell auffiel. Die beiden Kirchen des Ortes, die darauf zu sehen waren, hatten keine Kreuze. Die waren einfach wegretuschiert worden.

Wie zuvor in anderen Ländern mit den verschwundenen Kreuzen des orthodoxen Klosters auf den Verpackungen griechischer Produkte reagierte der Konzern-Ableger in Italien auf erste Anfragen mit dem Verweis auf die „Neutralität“, der man sich verpflichtet fühle. Deshalb würde man „religiöse Symbole“ nicht zeigen. Gegen den „Kulturfrevel“ liefen die Kunden Sturm. Der Bürgermeister von Dolceacqua schrieb im Namen seiner Bürger einen Protestbrief und wollte wissen, was es für einen Sinn habe, einen Ort abzubilden, aber eine zentrale Ausdruckform seiner Identität auszutilgen. Er protestierte dagegen, daß der Konzern die Wirklichkeit im Namen einer abstrakten Konzernlinie manipuliere. Der Bürgermeister verlangte daher, das Bild zu entfernen. Der Ort solle gezeigt werden, wie er ist, oder gar nicht.

„Keine Absicht“ nur ein „Versehen“

Seit 12. Oktober hängt nun ein neues großflächiges Bild an der Lidl-Filiale von Camporosso. Es zeigt denselben Ort Dolceacqua, auch dasselbe Bild, aber nun mit den Kreuzen auf den Kirchen. Der Direktor von Lidl-Italien, Markus Rose, lud den Bürgermeister von Dolceacqua zum Phototermin vor dem Großflächenplakat und sprach von einem „Versehen“.

Der Konzern ist sichtlich um Beschwichtigung bemüht. Die Proteste der Kunden haben ihn verschreckt. Wie zuvor in anderen Ländern bei ähnlichen Vorfällen wurde die Begründung geändert. Auch in Italien ist nicht mehr von einer fiktiven „Neutralität“ des Konzerns die Rede, sondern von einem „Fehler“, dem keine Absicht zugrunde gelegen habe. Man habe, so Lidl Italien, das Bild von einer Photoagentur gekauft und nicht bemerkt, daß die Kreuze entfernt worden waren. Lidl-Direktor Rose entschuldigte sich bei den Kunden und den Bewohnern von Dolceacqua.

Die Begründung ist natürlich wenig glaubwürdig angesichts der systematischen Vorfälle in anderen Ländern. Die Frage ist also mehr, wie man an der Konzernspitze tickt. Kundenunmut in sozialen Netzwerken und auf gedrucktem Papier zeigen jedenfalls Wirkung, auch gegen die Kulturvernichtung im Namen einer Pseudo-Neutralität, die sich so trefflich auf Relativismus reimt und im Reigen des dominanten Zeitgeistes tanzt.

Ob Lidl damit wirklich auf den Weg der Vernunft zurückgekehrt ist, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, da der Konzern erst auf eine Welle des Protestes reagierte. Erst die nächste Zeit wird zeigen, ob Lidl seine antiidentitäre „Marketing-Strategie“ über Bord geworfen hat.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Avvenire (Screenshot)



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1 Kommentar

  1. Zuerst der Verweis auf eine angebliche Neutralität und dann plötzlich (nach einem Proteststurm) der Verweis auf einen Fehler.
    Ich denke, dass die Leser von katholisches.info genau wissen, welche der zwei Begründungen gelogen war.
    Leider die zweite und deshalb werde ich nie wieder in einen Lidl Laden gehen. Bisher ging ich im Schnitt da einmal im Jahr hin, wenn mir ein besonders günstiges Angebot bekannt wurde.
    Das wird so nicht mehr passieren – meine Entscheidung darf mich ruhig auch was kosten.
    Eine echte Entschuldigung sieht anders aus.
    Ende der 80er Jahre veröffentlichte der Otto-Katalog Werbeplakate (Jeanswerbung) auf denen Jesus beim letzten Abendmahl mit barbusigen Frauen zu sehen war. Nach einem Protestbrief meiner Mutter (Otto Kundin) meldete sich der Konzern brieflich bei ihr und bat quasi um Entschuldigung weil er ihre religiösen Gefühle verletzt hat.
    Anders jetzt diese „Entschuldigung“:
    Vor dem Proteststurm: „Wir wollen neutral sein“ !
    Nach dem Proteststurm: „Uns ist ein Fehler passiert, wir haben nicht bemerkt, dass diese Werbeagentur neutral sein wollte“.

    Soll heißen: Wir sind gar nicht schuldig, wir haben nur den Fehler der anderen nicht bemerkt. Ungeheuerlich dieser Affront gegenüber gläubigen Lidl-Kunden.

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