Papst Franziskus über verheiratete Priester: „Das sind Märchen. Ist das klar!?“ – Ist es wirklich klar?

Papst Franziskus bezeichnete es am vergangenen Samstag in Medellin als "Märchen", daß es keine oder zuwenig Priester- und Ordensberufunen gebe. "Ist das klar!?" Welche "Klarheit" er damit aber bezüglich des Priestertums schaffte, bleibt unklar.
Papst Franziskus bezeichnete es am vergangenen Samstag in Medellin als "Märchen", daß es keine oder zuwenig Priester- und Ordensberufunen gebe. "Ist das klar!?" Welche "Klarheit" er damit aber bezüglich des Priestertums schaffte, bleibt unklar.

(Bogota) Papst Franziskus ist bekannt für Aussagen, die in ihrer Unschärfe in direktem Widerspruch zu anderen von ihm getätigten Aussagen stehen oder zumindest zu stehen scheinen. Darüber, ob es sich dabei um Unachtsamkeit in einem improvisierten Redestil oder um bewußte Absicht handelt, gehen die Meinungen in Ermangelung offizieller Korrekturen, Dementis oder Interpretationen auseinander. Eine Aussage, die er am vergangenen Samstag vor großem Publikum in Kolumbien tätigte, scheint in der zentralen Frage des Priestertums Klarheit zu schaffen. Tut sie das aber wirklich?

Bei seiner Begegnung mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Familien, die am 9. September in der Macarena von Medellin stattfand, sagte der Papst:

„Und kommt nicht her, um mir zu erzählen: ‚Nein, natürlich, es gibt nicht so viele Berufungen für eine besondere Weihe, weil – das ist klar – mit dieser Krise, die wir erleben…‘. Wißt Ihr, was das ist? Das sind Märchen? Ist das klar? Auch inmitten dieser Krise, beruft Gott.“

Eine klare Aussage, die von Franziskus mit Nachdruck geäußert wurde, um sicherzustellen, daß sie auch verstanden wird.

Ihr stehen allerdings andere Signale entgegen, die ihr Gewicht und Bedeutung nehmen. Denn nebeneinander betrachtet, stellt sich die Frage, was denn letztlich wirklich gilt. Da Franziskus selbst das Heft zur Klarheit in der Hand hält, es aber nicht nützt, muß eine gewisse, gewollte Ambivalenz angenommen werden. Beobachter sprechen davon, daß sich der Papst dadurch einen größtmöglichen Spielraum verschaffen wolle. Gibt es aber einen solchen Spielraum objektiv?

2014 – Bischof Kräutler: „Kühne Vorschläge“

Am 4. April 2014 war der inzwischen emeritierte Missionsbischof Erwin Kräutler von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen worden. Dem Österreicher wurde ein seltenes Privileg zuteil. Über die Begegnung liegen nur Aussagen Kräutlers vor, eines befreiungstheologisch angehauchten Lieblings der politischen Linken in seiner Heimat. Diese sind aber eindeutig und wurden, obwohl von zahlreichen Medien berichtet, vom Vatikan nicht dementiert.

Papst Franziskus mit Erwin Kräutler
Papst Franziskus mit Erwin Kräutler

Laut dem damals noch amtierenden Missionsbischof von Xingu in Brasilien war das Thema der Audienz die Zulassung von verheirateten Männern zum Priestertum. In einem Interview mit den Salzburger Nachrichten vom 5. April berichtete Kräutler, daß er dem Papst die Probleme der indigenen Amazonas-Bevölkerung wegen des Priestermangels geschildert und ihm Lösungen aufgezeigt habe. Der Papst habe die Sache ernst genommen und positiv reagiert.

Die Kernaussage der päpstlichen Antwort habe darin bestanden, daß er bereit sei, auf entsprechende Anträge der Bischöfe zu reagieren. Er habe dazu aufgefordert, ihm „mutige und kühne Vorschläge“ zu unterbreiten.

Kräutler ließ es gegenüber den Salzburger Nachrichten zugleich nicht an Kritik an Franziskus-Vorgänger Benedikt XVI. mangeln, denn der deutsche Papst habe auf die gleiche Schilderung des Priestermangels ganz anders reagiert als Franziskus, nämlich mit der Aufforderung, um Priesterberufungen zu beten. Da mache er aber nicht mit, ließ der österreichische Ordensmann wissen und forderte strukturelle Veränderungen der Zugangsbedingungen zum Weihesakrament.

2015 – Franziskus: Problem der verheirateten Priester „steht auf meiner Agenda“

Am 10. Februar 2015 hatte Papst Franziskus sieben Priester zur morgendlichen Messe in Santa Marta geladen, die ihr Goldenes Priesterjubiläum begingen. Zugleich waren aber auch fünf Ex-Priester anwesend, die ihr Priestertum aufgegeben und geheiratet hatten. Da die Teilnahme nur mit Erlaubnis möglich ist, konnte auch deren Anwesenheit nur gewollt sein. Beobachter sprachen von einer „gewohnt widersprüchlichen Art“ des Papstes.

Papst Franziskus mit dem Klerus von Rom (2015)
Papst Franziskus mit dem Klerus von Rom (2015)

Franziskus selbst gab das Detail bekannt, als er sich neun Tage später mit dem römischen Klerus traf. Bei dieser Gelegenheit warf der Priester Giovanni Cereti die Frage nach verheirateten Priestern auf. Auch in diesem Fall gilt, daß die an den Papst gerichteten Fragen vorab dem Vatikan vorgelegt und vom Heiligen Stuhl genehmigt werden müssen.

Don Cereti verwies auf die mit Rom unierten Ostkirchen und die neuen anglikanischen Personalordinariate, in denen verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden dürften, während in der lateinischen Kirche Tausende von verheirateten Priestern nicht zelebrieren dürfen. Papst Franziskus antwortete zum Erstaunen der zölibatären Priester mit dem kryptischen Hinweis:

„Das Problem steht auf meiner Agenda.“

Kardinalvikar Agostino Vallini bezeichnete darauf die päpstliche Bereitschaft „zuzuhören und Antwort zu geben“ als „ein Licht für den priesterlichen Weg“. Führende Medien berichteten hingegen von der „neuesten Öffnung von Papst Franziskus“ (RAI).

2016 – Kardinal Hummes: „Nein, nein, das ist nicht, was der Papst will“

Unter den zahlreichen, widersprüchlichen Gesten ist noch eine besonders zu nennen. Im Spätsommer 2016 hatte der „sehr befreiungstheologisch“ (Marco Tosatti) ausgerichtete Bichof von Osasco in Brasilien, Msgr. Joà£o Bosco Barbosa de Sousa, den Franziskus in dieses Amt berufen hatte, zu einem Treffen geladen. Der ranghöchste Teilnehmer war Kardinal Claudio Hummes, ein persönlicher Freund und enger Vertrauter des Papstes. Laut Schilderung des Papstes selbst, habe ihm Hummes nach der Wahl den Namen Franziskus empfohlen.

Papst Franziskus mit Kardinal Claudio Hummes (rechts)
Papst Franziskus mit Kardinal Claudio Hummes (rechts)

Hummes ist bekannt für seine umstrittenen Forderungen nach Aufhebung des Priesterzölibats, Anerkennung der „Homo-Ehe“ und die Einführung des Frauenpriestertums. Der Kardinal setzte in seinen Ausführungen den Priestermangel im Amazonasgebiet ebenfalls als „Brecheisen“ ein, um „neue Wege“ beim Priestertum zu fordern.

Als ein Tagungsteilnehmer den Vorschlag machte, jeden Missionsorden der Kirche um die Entsendung von zwei Priestern zu bitten, dann wäre das Problem gelöst, reagierte Hummes sichtlich erregt und rief: „Nein, nein, das ist nicht, was der Papst will“. Zur Rechtfertigung sagte der Kardinal, daß es nur mehr einen einheimischen Klerus geben dürfe, denn jedes Volk müsse sich selbst evangelisieren. Damit war die Katze aus dem Sack, denn es scheint kaum vorstellbar, daß Kardinal Hummes dem Papst willkürlich Aussagen unterstellt, die dieser ihm gegenüber nicht getätigt hat.

Bischof Bosco von Osasco gab auf derselben Tagung bekannt, daß alles für eine „Amazonas-Synode“ vorbereitet sei. Der Vatikanist Sandro Magister berichtete erstmals im Herbst 2015 über eine solche. Er ist überzeugt, daß es sich dabei um den „Antrag“ der zuständigen Bischöfe handelt, von dem Franziskus laut Kräutlers Schilderung ihm gegenüber gesprochen hatte.

Für Missionsbischof Erwin Kräutler und Kardinal Claudio Hummes scheint jedenfalls nicht „klar“ zu sein, daß es sich bei der Forderung nach Abschaffung des Priesterzölibats und Zulassung verheirateter Männer zur Priesterweihe um „Märchen“ handelt, wie Franziskus am vergangenen Samstag in Medellin sagte. Beide berufen sich für ihre Forderungen jedoch auf Franziskus.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshots)

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