Verwirrspiel um „päpstlichen Segen“ für eine „Regenbogenfamilie“

Brief von Papst Franziskus an Toni Reis
Brief von Papst Franziskus an Toni Reis

(Rom) Die Frage steht im Raum: „Wer kontrolliert die Briefe, die Papst Franziskus unterschreibt?“ Formuliert hat sie der katholische Publizist Lorenzo Bertocchi. Es geht um ein Schreiben aus dem Vatikan. Darin teilt ein Mitarbeiter des Staatssekretariats brasilianischen Eltern mit, die sich bei Papst Franziskus für die Taufe ihrer drei Kinder bedankten, daß ihnen der Papst den Apostolischen Segen erteilt hat. Der Haken: bei den „Eltern“ handelt es sich um zwei homosexuelle Männer und bei den Getauften um Adoptivkinder.

Das Schreiben machte in den Medien und Sozialen Netzwerken schnell die Runde. Veröffentlicht wurde er auf der Facebook-Seite von Toni Reis, einem der beiden homosexuellen Männer, der – wohl nicht ganz zufällig – Homo-Aktivist und Journalist von Congresso em foco ist, einer LGBT-Nachrichtenseite. Über die Taufe der Adoptivkinder berichtete Katholisches.info im vergangenen April: Adoptivkinder eines Homo-Paares in Kathedrale getauft – Kirchliche Kapitulation vor dem Zeitgeist.

„Offizielle Glückwünsche einer Institution, die während der Inquisition die Homosexuellen verbrannte“

Reis erklärte gegenüber brasilianischen Medien selbstsicher:

„Der Brief bedeutet einen großen Fortschritt in einer Institution, die während der Inquisition die Homosexuellen verbrannte und uns nun ein offizielles Schreiben schickt, um unsere Familie zu beglückwünschen. Ich bin sehr glücklich. Nun kann ich in Frieden sterben.

Das Antwortschreiben des Papstes auf den Dank eines brasilianischen Homo-Paares.
Das Antwortschreiben des Papstes auf den Dank eines brasilianischen Homo-Paares.

Es ist nicht klar, woher der LGBT-Aktivist seine Geschichtskenntnisse bezieht. Das Gespenst „Inquisition“ taugt jedenfalls für jede Schandtat. Abgesehen davon ist wegen seines letzten Satzes anzumerken, daß Reis 52 Jahre alt ist. Die Veröffentlichung auf seiner Facebook-Seite und seine Stellungnahmen stellen eine Instrumentalisierung des vatikanischen Schreibens dar.

Das Schreiben, um das es geht, wurde von Msgr. Paolo Borgia unterzeichnet, der im März 2016 von Papst Franziskus zum Assessor der Abteilung für Allgemeine Angelegenheiten des vatikanischen Staatssekretariats ernannt wurde. Borgia, der seit 2001 dem Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls angehört, ist damit Stellvertreter von Kurienerzbischof Angelo Becciu, der Nummer Zwei hinter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Im von Borgia unterzeichneten Schreiben heißt es, daß Papst Franziskus den Brief der beiden brasilianischen Homosexuellen gelesen habe und „schätze“, was sie ihm geschrieben haben. Borgia schrieb: „Auch Papst Franziskus wünscht Ihnen Glück“.

„Nur ein Routineschreiben“

Am Dienstag folgte eine Richtigstellung durch den Vatikan. In Rom heißt es, das nach Brasilien geschickte Schreiben sei ein „allgemeines“ Schreiben gewesen. Mit anderen Worten: Es war ein Standardbrief wie er jeden Tag tausendfach den Vatikan verläßt als Antwort an die vielen Gläubigen, die dem täglich dem Papst schreiben. Die Antwort sei zwar im Namen des Papstes erfolgt und von Msgr. Borgia unterzeichnet worden, sei aber von der portugiesischsprachigen Abteilung des Staatssekretariates vorbereitet worden.

Dafür sprechen der Stil und die unpersönliche Anrede ohne spezifische Namensnennung. Allerdings war es bereits  2015 zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, als Borgias Vorgänger, Msgr. Peter Wells, einem italienischen Lesbenpaar, die gemeinsam über Kinderbücher die Gender-Ideologie verbreitet, den Apostolischen Segen von Papst Franziskus zukommen ließ und das Paar ermunterte „weiterzumachen“. Auch die beiden Frauen gingen damit sofort an die Öffentlichkeit, und zahlreiche Medien titelten: „Papst segnet Gender-Theorie“.

Auch damals meldete sich das Presseamt des Vatikans zu Wort, allerdings mit einer zweifelhafteren „Richtigstellung“. Es habe sich um einen „Privatbrief“ gehandelt, der nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Gleichzeitig wurde präzisiert, daß „das Schreiben auf keine Weise die Absicht hatte, Verhaltensweisen und Lehren zu billigen, die nicht mit dem Evangelium übereinstimmen“. Der falsche Eindruck war zu diesem Zeitpunkt bei der Öffentlichkeit längst angekommen.

„Haben Papst sogar Foto [der „Regenbogenfamilie“] geschickt“

Die beiden homosexuellen Männer des nunmehrigen Briefes wollten eine „Abwertung“ des päpstlichen Briefes, den sie erhalten hatten, aber nicht akzeptieren. Sie gingen erneut an die Öffentlichkeit, um festzuhalten, daß sie keine Zweifel daran gelassen hatten, homosexuell zu sein. Sie hätten ihrem Brief an den Papst sogar ein Photo der ganzen „Regenbogenfamilie“ beigelegt.

Pressebericht zur Taufe der drei Adoptivkinder
Pressebericht zur Taufe der drei Adoptivkinder

War es also nur das Versehen mehrerer Vatikan-Mitarbeiter? Hat jemand seine Kontrollfunktion nicht wahrgenommen, der sie im Namen des Papstes wahrnehmen sollte?

Oder ist der Apostolische Segen für Homosexuelle und das Adoptionsrecht für Homosexuelle eine weitere Episode aus bewußten Schritten und bürokratischen Ausrutschern auf dem Weg zu einer „Öffnung“ gegenüber der Homosexualität?

Dafür spricht der ganze Fall an sich und auch die Reaktion von Il Sismografo sprechen. Die Presseschau des vatikanischen Staatssekretariats verbreitete eifrig die Nachricht vom päpstlichen Segen und verlinkte auf den Artikel von O Globo, einer der auflagenstärksten Tageszeitungen Brasiliens. O Globo titelte: „Ein Homo-Paar dankte Papst Franziskus für die Taufe der Kinder – und der Vatikan hat geantwortet“.

Ist Assessor Borgia vom Staatssekretariat in der Routinearbeit die Sache durchgeschlüpft? Betreibt Il Sismografo – wie schon in anderen Fällen – eine zu unkritische Papst-Verehrung? Oder ist  der Vatikan mit einer listenreichen Homo-Lobby konfrontiert?

Bertocchi zog sein eigenes Resümee:

„Jedenfalls wäre es angebracht, daß man sich im Staatssekretariat etwas mehr Fragen stellt, wenn man Routine-Antworten vorbereitet. Vor allem weil hinter der Ecke immer jemand bereitsteht, die Antworten zu instrumentalisieren. Aber auch, um zu vermeiden, daß Nicht-Wohlmeinende denken könnten, daß es hinter den vatikanischen Mauern eifernde Aktivisten geben könnte, die daran interessiert sind, der Homo-Welt die Tore zu öffnen. Vielleicht würde die eine oder andere Klarstellung mehr nicht schaden. Und schließlich würde es auch nicht schaden, wenn die Verantwortlichen für so unerfreuliche Situationen eingeladen würden, eine andere Aufgabe zu übernehmen.“

Text. Giuseppe Nardi
Bild: Facebook/MiL

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6 Kommentare

  1. 1. Geoge Soros findet die Homo-Ehe gut.
    2. Die UNO findet die Homo-Ehe gut.
    3. Wieso soll dann davon auszugehen sein, dass unser „Heiliger Vater“ die Homo-Ehe nicht gut findet?

  2. Aber es war doch nur wegen der Taufe der Kinder. Die Kinder sind nicht verantwortlich fuer die Taten der Erwachsenen und es ist doch gut dass sie getauft werden.

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