Trump spricht beim G20 mit Theresa May über den kleinen Charlie – „Protokoll für Versuchstherapie fertig“

Der kleine Charlie Gard mit seinen Eltern. Hilfe haben US-Präsident Donald Trump und Papst Franziskus angeboten.
Der kleine Charlie Gard mit seinen Eltern. Hilfe haben US-Präsident Donald Trump und Papst Franziskus angeboten.

(London) Das Leben des kleinen Charlie Gard hängt weiter an einem seidenen Faden. Einige Dutzend Abgeordnete zum Europäischen Parlament haben eine Petition zugunsten von Charlie unterzeichnet. Die Initiative geht von einem katholischen Abgeordneten der Slowakei aus, der Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) ist. Einer der Unterzeichner, der italienische Abgeordnete Massimiliano Salini, warnte schon vor Tagen: „Mit diesem Kind in der Wiege stirbt Europa“. Enttäuschend wenige der insgesamt 750 Abgeordneten sind bisher dem Aufruf gefolgt.1)Die im Vergleich zum Bevölkerungsanteil zehnfach überrepräsentierte Homo-Gruppe im Europäischen Parlament zählt mit 152 Abgeordneten dreimal soviel Mitglieder als bisher den Appell unterschrieben haben. Dennoch tut sich etwas beim G20-Gipfel in Hamburg und auf medizinisch-wissenschaftlicher Ebene. Auf Stur schalten nach wie vor die Londoner Bürokraten.

FightForCharlie – Mahnwachen vor Downing Street 10

In London geben sich viele aber noch nicht geschlagen. Vor Downing Street 10, dem Amtssitz der britischen Premierministerin, finden Mahnwachen statt. Dazu ruft unter anderem die Vereinigung Charlies Army auf. Über die Internetseite FightForCharlie wird mobilisiert. Es ist ein „Heer“ von Menschen „guten Willens“ (nicht zu verwechseln mit Gutmenschen), die das Schicksal des kleinen Charlie und seiner Eltern nicht kalt läßt, die sich solidarisieren, Petitionen unterschreiben und vor allem für den kleinen Charlie und seine Eltern beten.

Mahnwache vor Downing Street 10
Mahnwache vor Downing Street 10

Mit Mahnwachen und Sit-ins wird auf das Lebensrecht aufmerksam gemacht, das auch dem zehn Monate alten Jungen zusteht. Ein Recht, über das nicht andere verfügen können, schon gar nicht eine Krankenhausverwaltung, Beamte oder Richter. Kardinal Carlo Caffarra kritisierte, daß die westliche Gesellschaft „Gott zurückgewiesen und sich der Bürokratie ausgeliefert“ habe. Diese Bürokratie setzt das Elternrecht außer Kraft und maßt sich an, auch über Leben und Tod entscheiden zu können. Richter sind letztlich auch nur Bürokraten.

Trump macht Charlie zum Thema bei Begegnung mit Theresa May

US-Präsident Donald Trump und Papst Franziskus haben sich für Charlie zu Wort gemeldet und konkrete Hilfe angeboten. Eine solche Hilfe könnte es für das Kind mit einer seltenen, bisher unheilbaren Erberkrankung in den USA geben. Ein Arzt erklärte sich bereit, den Jungen mit einer experimentellen Therapie zu behandeln. Bisher lassen Britanniens Bürokraten den Jungen aber nicht ausreisen. Auch nicht auf eigene Kosten. Die Eltern konnten für den Transport und die Behandlung in den USA mehr als 1,4 Millionen Euro sammeln. Da es für die Therapie in den USA keine Erfolgsgarantie gebe, so die Bürokraten, habe das Kind in London zu bleiben – und zu sterben. Charlie hängt am Sauerstoffgerät. Das soll aber „in seinem Interesse“ abgeschaltet werden, was einer Hinrichtung gleichkommt.

Trump twitterte am Montag in Richtung „britische Freunde“, wenn er helfen könne, wolle er das gerne tun. Bisher haben sich die „britischen Freunde“ aber nicht gemeldet. Sie wollen Charlie offenbar lieber sterben lassen. Inzwischen kündigte der US-Präsident an, der sich zuletzt auf Staatsbesuch in Polen bafnd, vor dem G20-Gipfel in Hamburg mit der britischen Premierministerin Theresa May ein persönliches Wort in der Sache sprechen zu wollen. Ein Sprecher von May bestätigte: Die Premierministerin gehe davon aus, daß der kleine Charlie Thema bei der Vier-Augen-Begegnung sein werde.

Gestern wurde zudem bestätigt, daß das Weiße Haus Kontakt mit dem britischen Gesundheitsminister Jeremy Hunt aufgenommen und um Auskunft zum Fall Charlie gebeten hat. „Der Präsident ist vom Fall des kleinen Charlie tief bewegt und möchte der Familie helfen“, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses gestern abend.

„Wissenschaftliches Protokoll für experimentelle Therapie fertig“

Eine wichtige Nachricht kam gestern nachmittag noch von anderer Seite. Amerikanische Wissenschaftler und Ärzte der Päpstlichen Kinderklinik Bambino Ges๠in Rom haben in einer Videokonferenz therapeutische Möglichkeiten besprochen. Eine offizielle Stellungnahme der internationalen Ärztegruppe soll in diesen Augenblicken veröffentlicht werden. Dies gab Piero Santantonio bekannt, der Vorsitzende der italienischen Vereinigung Mitocon, die sich mit Erkrankungen wie jener des kleinen Charlie befaßt.

FightForCharlie
FightForCharlie

Mehrere Krankenhäuser außerhalb Großbritanniens erklärten sich bereit, den kleinen Charlie aufzunehmen und sein Lebensrecht sicherzustellen. Bisher weigerte sich die Leitung des Londoner Kinderkrankenhauses Great Ormond Street, in dem Charlie untergebracht ist, eine Ausreise zu erlauben. Dem Kind wird grundsätzlich untersagt, das Krankenhaus zu verlassen. Die Klinikleitung verweist auf die Gerichtsurteile und behauptet, „die Hände gebunden“ zu haben. Die Ärzte des Krankenhauses hatten die Gerichte aber selbst angerufen – und tragischerweise Recht bekommen: Laut Meinung der Londoner Ärzte und Richter sei es „im Interesse“ von Charlie, ihn sterben zu lassen.

Die Eltern, die ihren Sohn in die USA bringen wollen, weil es keine Möglichkeit unversucht lassen wollen, wandten sich – über die britischen Gerichte entsetzt – an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Der wusch sich aber die Hände in Unschuld und erklärte den Antrag der Eltern für nicht zulässig. In derselben Schüssel waschen sich inzwischen auch die Londoner Ärzte die Hände, indem sie auf die Richter verweisen.

Genau diese Haltung kritisierte Kardinal Caffarra, denn die Bürokratie ist unerbittlich und kalt, und niemand im bürokratischen Apparat ist schuld oder fühlt sich schuldig.

Santantonio richtete gestern einen Appell an Londoner Ärzte, das Sauerstoffgerät für Charlie nicht abzuschalten: „Unternehmt nichts, das wissenschaftliche Protokoll für die experimentelle Behandlung ist fertig.“

Die Eltern Chris und Connie Gard haben die Hoffnung für ihren kleinen Charlie nicht aufgegeben.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Church Militant/InfoVaticana/Avvenire (Screenshots)

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1. Die im Vergleich zum Bevölkerungsanteil zehnfach überrepräsentierte Homo-Gruppe im Europäischen Parlament zählt mit 152 Abgeordneten dreimal soviel Mitglieder als bisher den Appell unterschrieben haben.

2 Kommentare

  1. Mit welchem Recht maßen sich hier diese britischen Ärzte an, selber Richter über das Leben dieses kleinen Kindes spielen zu wollen?
    Was mich auch besonders traurig stimmt, das ist die m.E. Pilatus-Feigheit, mit der das Krankenhaus sich nunmehr hinter dem -selbst geschaffenen- „Bürokratismus“ versteckt.
    Traurig, trauriger, unendlich traurig das Ganze. Und trotzdem: Die Hoffnung nicht aufgeben und beten!!!

  2. Es gibt keine Proteste vor Downing Street 10, da die Downing Street seit Jahrzehnten abgesperrt ist und von Passanten überhaupt nicht betreten werden kann.

    Proteste kann es somit lediglich an den Querstrassen geben – und somit nicht im Blickfeld von Frau May.

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