Der Jesuit Ladaria Ferrer wird Nachfolger von Kardinal Müller als Glaubenspräfekt

Vatikan bestätigt Entlassung von Kardinal Müller als Glaubenspräfekt
Vatikan bestätigt Entlassung von Kardinal Müller als Glaubenspräfekt

(Rom) Der Vatikan bestätigte im Tagesbulletin des vatikanischen Presseamtes die Entlassung von Kardinal Gerhard Müller als Präfekt der römischen Kongregation für die Glaubenslehre. Zum Nachfolger ernannte Papst Franziskus den Jesuiten, Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, der bisher Sekretär der Glaubenskongregation war.

Das Tagesbulletin bestätigt die gestern bekanntgewordene Entlassung des Glaubenspräfekten. Papst Franziskus hatte gestern Kardinal Müller in Audienz empfangen. Dabei teilte er ihm seine Entlassung mit. Über eine solche war in den vergangenen Wochen immer intensiver spekuliert worden.

Luis Ladaria Ferrer SJ
Luis Ladaria Ferrer SJ

Zum neuen Glaubenspräfekten ernannte Franziskus die bisherige Nummer Zwei der Glaubenskongregation, den spanischen Kurienerzbischof Luis Ladaria. Ladaria ist seit 1995 für das ehemalige Heilige Offizium tätig. Zunächst war er Consultor. 2008 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof und Sekretär der Kongregation. Er ist der erste Jesuit in diesem Amt.

Als sich das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und Kardinal Müller schnell abkühlte, wurden verschiedene Namen als mögliche Nachfolger genannt, darunter die Papst-Vertrauten Bruno Forte (Erzbischof von Chieti-Vasto und Sondersekretär der Bischofssynode über die Familie), Titularerzbischof Victor Manuel Fernandez (Rektor der Katholischen Universität von Argentinien und Ghostwriter des Papstes), gelegentlich auch Kardinal Christoph Schönborn, der Erzbischof von Wien.

Da die Entlassung des Glaubenspräfekten ein Paukenschlag im schwelenden Konflikt um die Ausrichtung der katholischen Kirche ist, entschied sich Franziskus für eine weniger spektakuläre Nachfolgeregelung, indem er die bisherige Nummer Zwei an die Spitze setzte. Ladaria gilt als hochqualifizierter und orthodoxer Theologe. Dennoch dürfte der katholischen Kirche mit ihm ein zweiter Glaubenspräfekt Levada bevorstehen. Der US-Amerikaner William Joseph Kardinal Levada leitete von 2005-2012 die Glaubenskongregation. Der Nachfolger von Joseph Kardinal Ratzinger erfüllte hinter den Kulissen seine Arbeit, blieb jedoch farblos und ohne Außenwirkung.

Im Gegensatz zu Kardinal Müller, der um so mehr die Öffentlichkeit suchte, je mehr Papst Franziskus ihn im Vatikan isolierte, ist von Erzbischof Ladaria kein solches Verhalten zu erwarten. Dafür spricht seine bisherige Zurückhaltung, mehr noch aber allein schon die Tatsache, daß der neue Glaubenspräfekt Jesuit ist. Öffentlicher Widerspruch, ob direkt oder indirekt, ist von ihm gegen den ersten Jesuiten auf dem Papstthron nicht zu erwarten.

Diese sanfte Nachfolge kann nicht über die Dramatik des Eingriffes hinwegtäuschen, mit dem Papst Franziskus erneut Entschlossenheit demonstriert, mit starker Hand seinen Willen gegen Widerstände durchzusetzen.

Die Widerstände betrafen im konkreten Fall von Kardinal Müller das umstrittene nachsynodale Schreiben Amoris laetitia, das von Kritikern als erster Schritt zur Anerkennung von Scheidung und Zweitehe gesehen wird, und die von Benedikt XVI. postulierte „Nulltoleranz“ gegen päderastische Priester. Unter Papst Franziskus gilt diese zwar offiziell auch. Die Umsetzung scheint jedoch davon abzuhängen, wie hohe Fürsprecher ein betroffener Kleriker hat. Die Arbeit von Kardinal Müller wurde durch dem Papst nahestehende Interventionen behindert, wie beispielsweise die Fälle eines chilenischen Bischofs und von „Don Mercedes“ zeigten.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Kardinal Müller,
    nun, da Sie nicht mehr an die Stadt Rom gebunden sind, ich hätte Sie so gern in Köln oder in München.

  2. Mit dieser Personalentscheidung werden die Kanten geschliffen.
    2009 hat der neue Chef der Glaubenskongregation ein Buch mit Essays veröffentlicht, die die Hoffnung verbreiten die Hölle leer sei und der Himmel stehe allen offen.
    Scheinbar unaufhaltsam fassen die Anhänger des Universalismus Fuß. Die Kirche ist danach überflüssig, Sakramente braucht eh keiner und Sünde reduziert sich auf rigide Katholiken, die nicht an den zwischenzeitlich omnipräsenten gnostischen Gott der Überraschungen glauben wollen.

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