Werden Kardinal Rivera und Kardinal Vallini abgelöst? – Personalentscheidungen für Mexiko und Rom

Papst Franziskus mit Kardinalvikar Vallini bei der Pastoraltagung der Diözese Rom zu Amoris laetitia (Juni 2016, Lateranbasilika)
Papst Franziskus mit Kardinalvikar Vallini bei der Pastoraltagung der Diözese Rom zu Amoris laetitia (Juni 2016, Lateranbasilika)

(Rom/Mexiko Stadt) Norberto Kardinal Rivera Carrera vollendet am kommenden 6. Juni sein 75. Lebensjahr, dann muß der Erzbischof von Mexiko-Stadt und Primas von Mexiko seinen Rücktritt anbieten. Laut Gerüchten bestehe kein Zweifel: Papst Franziskus werde die Gelegenheit nicht ungenützt verstreichen lassen, um dem mexikanischen Episkopat eine Bergoglianische Spitze zu geben.

Msgr. Rivera war von Papst Johannes Paul II. 1985 zum Bischof von Tehuacan ernannt und 1995 zum Erzbischof von Mexiko-Stadt befördert worden. 1998 nahm ihn der polnische Papst in das Kardinalskollegium auf. Als 36. Bischof von Mexiko ist er zugleich Kustos des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau von Guadalupe. Erster Bischof und Erzbischof von Mexiko war der baskische Franziskaner Don Juan de Zumárraga (1530-1548). Als König von Spanien hatte ihm Kaiser Karl V. 1527 den Titel und das Amt eines „Protektors der Indianer“ verliehen. Während seiner Amtszeit als Bischof war die Gottesmutter Maria 1531 dem getauften Indio Juan Diego erschienen.

Mexiko ist neben der Dominikanischen Republik das einzige lateinamerikanische Land, in dem aus den USA operierende evangelikale Denominationen kaum Erfolg haben, während sie in anderen Staaten der katholischen Kirche zweistellige Prozentanteile abnahmen. Als Grund wird die jahrzehntelange Kirchenverfolgung durch die sozialistisch-freimaurerische Regierung genannt, die fast das ganze 20. Jahrhundert andauerte. Ihren Höhepunkt hatte die Verfolgung in der grausamen Niederschlagung des katholischen Cristero-Aufstandes in den 20er Jahren erreicht. Erst 2000 wurden letzte antikatholische Gesetze beseitigt. Papst Benedikt XVI. war es, der 2012 bei seinem Mexiko-Besuch den Schlachtruf der Cristeros „Viva Cristo Rey“ (Es lebe Christuskönig) öffentlich rehabilitierte. Die Zeit der Verfolgung hatte die Kirche zusammengeschweißt und standhaft gemacht.

Kardinal Riveras Kritik an Papst Franziskus

Kardinal Rivera ließ nach dem Besuch von Papst Franziskus in Mexiko, im Februar 2016, seinem Unmut über die Papst-Rede an die mexikanischen Bischöfe freien Lauf. Bei seinen „improvisierten Worten“ sei der Papst „schlecht beraten“ gewesen. Den „schlechte Ratgeber“ sah der Kardinal in Christophe Pierre, dem damaligen Apostolischen Nuntius für Mexiko. Ganz anders sah das Franziskus, der Pierre kurz darauf zum neuen Nuntius für die USA beförderte und ihm damit einen der prestigeträchtigtsen und vor allem bedeutendsten Posten im diplomatischen Dienst anvertraute.

Kardinal Norberto Rivera, der Primas von Mexiko
Kardinal Norberto Rivera, der Primas von Mexiko

Kardinal Rivera ärgerte sich über eine Papst-Schelte für Mexiko und verwies auf den hohen Katholikenanteil des Landes. Unüberhörbar war der Seitenhieb auf den Papst-Vertrauten, Kardinal Maradiaga, in dessen Heimat Honduras der Katholikenanteil wegen der starken Ausbreitung evangelikaler Gruppen, während Maradiagas Amtszeit, auf unter 50 Prozent gefallen ist.

In Rom wurde Riveras Kritik, obwohl er seinen Leitartikel in der Kirchenzeitung nicht namentlich gezeichnet hatte, genau registriert. Die päpstlichen Journalisten, allen voran der Hausvatikanist Andrea Tornielli, holten sofort zur Verteidigung von Franziskus aus.

Als Nachfolger für Kardinal Rivera wurde im Herbst 2016 Msgr. Carlos Aguiar Retes, Erzbischof von Tlanepantla, gesehen, den Papst Franziskus am 19. November in den Kardinalsrang erhob. Diese „Vorstufe“ zur Nachfolge von Kardinal Rivera besorgte nicht wenige mexikanische Katholiken wegen der Bergoglianischen Ausrichtung Aguiars. Francisco Fernandez de la Cigoà±a, aufmerksamer Beobachter Lateinamerikas mit bestem Draht zu wichtigen Informationsquellen, nennt nun einen zweiten möglichen Kandidaten für die Nachfolge Riveras. Es handelt sich um Msgr. Jorge Carlos Patron Wong, den früheren Bischof von Papantla, den Papst Franziskus im September 2013 in der ersten Phase seiner personellen Umbauten an die Römische Kurie holte. Er stellte ihn dem bisherigen Sekretär der Kleruskongregation, einem Priester des Opus Dei, zur Seite und übertrug ihm den Aufgabenbereich Priesterseminare. Nuntius Pierre war 2009 Patrons Hauptkonsekrator bei dessen Bischofsweihe.

Ernennt Papst Franziskus einen neuen Kardinalvikar für Rom?

Eine nicht minder wichtige Personalie betrifft Rom selbst, die Diözese des Papstes. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, daß im Juni nicht nur Kardinal Rivera in Mexiko, sondern auch Kardinalvikar Vallini in Rom abgelöst wird. Der Papst ist zwar zugleich Bischof von Rom, läßt dieses Amt jedoch durch einen von ihm ernannten Kardinalvikar ausüben.

Seit 2008 hat dieses Amt Msgr. Agostino Vallini inne, den Papst Johannes Paul II. 1989 zum Weihbischof von Neapel, 1999 zum Bischof von Albano und 2004 zum Präfekten der Apostolischen Signatur ernannte. Papst Benedikt XVI. erhob ihn als solchen 2006 in den Kardinalsstand.

Vallini paßte sich schnell an das Pontifikat von Franziskus an und hatte keine Probleme Anfang Oktober 2016, im Namen des Papstes, Richtlinien für die Priester in der Diözese Rom zu erlassen, mit denen der Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene freigegeben wurde. In Rom wurde damit mit der überlieferten pastoralen Praxis der Kirche gebrochen. Als Vorbereitung auf die neuen Richtlinien hatte im Juni 2016 in der Lateranbasilika eine Pastoraltagung zu Amoris laetitia stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit hatte Papst Franziskus behauptet, daß die „große Mehrheit“ der kirchlich geschlossenen Ehen „ungültig“ seien. Die Stelle wurde im Zuge der offiziellen Veröffentlichung seiner Rede durch den Heiligen Stuhl stillschweigend in „ein Teil“ korrigiert.

Kardinal Vallini, der am 17. April 77 geworden ist, scheint dennoch einem anderen Kirchenvertreter Platz machen zu müssen, der Papst Bergoglio nähersteht. Der Kardinal selbst soll im vertrauten Kreise seine bevorstehende Ablösung angekündigt haben.

Bald wird in beiden Fällen Klarheit herrschen. Ein konkreter Name, wer Vallini als Vikar des Papstes in Rom nachfolgen könnte, wurde noch nicht bekannt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/Siame (Screenshots)

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