Kardinal Maradiagas Angriff gegen Kardinal Burke – Don Amorth und die „freimaurische Infiltration“ in der Kirche

Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga bringt sich mit seinem jüngsten Buch selbst als Franziskus-Nachfolger ins Spiel und tut dies mit einem abschätzigen und beleidigenden Angriff gegen Kardinal Raymond Burke: Was sagt uns das?
Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga bringt sich mit seinem jüngsten Buch selbst als Franziskus-Nachfolger ins Spiel und tut dies mit einem abschätzigen und beleidigenden Angriff gegen Kardinal Raymond Burke: Was sagt uns das?

(Rom) Das neue Buch von Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, mit dem er sich als potentieller Franziskus-Nachfolger in Stellung bringt, sorgt vor allem im spanischsprachigen Raum für einige Aufregung. Dabei wird sogar diskutiert, was einiges über die in der Kirche entstandene Stimmung aussagt, ob Kardinal Maradiaga einer der freimaurerischen Kirchenvertreter sein könnte, von denen der inzwischen verstorbene Hauptexorzist von Rom, Pater Gabriele Amorth, 2011 gesprochen hatte. 2011, so Infovaticana, sprach Don Amorth von einem „freimaurerischen Infiltrationsprozeß“ in der Kirche. Ein Ziel dieser „Infiltration“ sei es, so der bekannte Exorzist, das Ansehen „integrer und ehrlicher Prälaten“ zu zerstören.

Maradiagas beispielloser Angriff gegen Kardinal Burke

An diesem Punkt setzt, so Infovaticana, in der aktuellen Diskussion die Verknüpfung zu Kardinal Maradiaga ein. Es geht um den beispiellosen Angriff des honduranischen Papst-Vertrauten gegen Raymond Burke, seinen Mitbruder im Kardinalsrang. Die untergriffigen Bemerkungen Maradiagas in seinem neuen Gesprächsbuch „Nur das Evangelium ist revolutionär“ sind bereits der zweite beleidigende Angriff gegen Kardinal Burke in weniger als zwei Monaten.

Maradiagas neues Buch
Maradiagas neues Buch

Papst Franziskus kritisierte in seiner morgendlichen Predigt in Santa Marta Kleriker „ohne Aufgabe“, die sich „wie es scheint, der Spaltung der Kirche“ widmen, indem sie andere beschuldigen, nicht in Gemeinschaft mit der Kirche zu stehen.

Während Kardinal Maradiaga namentlich Kardinal Burke nannte, handelt es sich bei der Aussage von Papst Franziskus um eine namenlose Anspielung. Die Ereignisse der vergangenen drei Jahre, besonders der vergangenen sechs Monate erlauben allerdings die Lesart, daß in beiden Fällen der profilierte US-Kardinal gemeint war.

Kardinal Burke war den „Wahlhelfern“ von Papst Franziskus bereits während des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. ein Dorn im Auge. Eine Abneigung, die Papst Franziskus offensichtlich teilt, wenn die Zusammenhänge im Detail auch unklar sind, da Kardinal Burke nie mit Argentinien befaßt war. Die Vermutung liegt daher nahe, daß es sich nicht um eine persönliche, sondern um eine inhaltliche Abneigung handelt, um die Frage eines unterschiedlichen Kirchenverständnisses und möglicherweise auch um eine andere Theologie.

Päpstliche Demontage von Kardinal Burkes Einfluß

Kardinal Burke genoß das besondere Vertrauen von Papst Benedikt XVI., weshalb seine Gegner sich in Zurückhaltung üben mußten. Wie sehr der Wind sich mit der Wahl von Franziskus gedreht hatte, bekam der US-Kardinal wie kaum ein anderer  und umgehend zu spüren. Bereits 2013 entfernte ihn der neue Papst aus wichtigen Aufgaben an der römischen Kurie, besonders aus der Kongregation für die Bischöfe. Für progressive Kirchenkreise war Burkes Einfluß unter Benedikt XVI. auf die Ernennung von Bischöfen in den USA. Damit machte Franziskus als erstes Schluß. Die Bischofsernennungen in den USA tragen seither eine andere Handschrift.

Kardinal Burke organisierte im Vorfeld der ersten Bischofssynode an maßgeblicher Stelle die Verteidigung des Ehesakraments. Als Dikasterienleiter an der römischen Kurie war er automatisch Synodale und wurde zum Wortführer gegen die von Franziskus geförderten Thesen von Kardinal Walter Kasper. Die Folge dieses Widerstandes gegen die päpstlichen Pläne, obwohl sich Franziskus bis heute nicht offen zu den Kasper-Thesen bekannte, setzte er Kardinal Burke ab und entfernte ihn aus der römischen Kurie. Damit stellte er frühzeitig sicher, daß Burke an der zweiten Bischofssynode über die Familie im Oktober 2015 nicht mehr teilnehmen konnte.

Damals schob ihn Franziskus als Kardinalpatron zum Souveränen Malteserorden ab. Im Zuge des Konflikts zwischen Großmeister Festing und Großkanzler von Boeselager entzog ihm Franziskus auch diese Aufgabe. Seit Anfang Februar ist Kardinal Burke ein Kleriker „ohne Aufgabe“, denen Franziskus in seiner morgendlichen Predigt die „Spaltung“ der Kirche unterstellte.

Maradiagas Angriff – „Das Ansehen integrer und ehrlicher Prälaten zerstören“

Die Angriffe Maradiagas erfüllen alle Voraussetzungen, das „Ansehen eines integren und ehrlichen Prälaten“, wie es Don Amorth sagte, zerstören zu wollen. Stein des Anstoßes sind die Dubia (Zweifel) von vier namhaften Kardinälen zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia. Seit acht Monaten weigert sich Papst Franziskus auf fünf einfache Fragen zu grundlegenden Themen der Glaubens- und Morallehre zu antworten. Natürlich kann den Papst niemand zu einer Antwort zwingen. Die vier Kardinälen baten ihn allerdings eindringlich darum, mit der Beantwortung zweideutige Formulierungen in Amoris laetitia zu klären. An einer solchen Klärung ist der Papst aber offensichtlich nicht interessiert. Damit zieht er um so mehr den Verdacht auf sich, mit Amoris laetitia das tun zu wollen, was er und sein Umfeld bestreiten, nämlich die kirchliche Lehre ändern zu wollen. Der Papst hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert. Auf seinem Pontifikat lastet der Schatten, seine Aufgaben als Petrus nicht zu erfüllen.

Die Weigerung, klar formulierte Fragen zu beantworten, und die Härte, mit der engste Mitarbeiter des Papstes die vier Kardinäle anfeinden, bis hin zu pöbelhaften, persönlichen Beleidigungen, lassen kaum einen anderen Schluß zu.

Zu diesen Pöbeleien gehören auch die Angriffe von Kardinal Maradiaga, der Kardinal Burke als „armen Kerl“ herabsetzte. Die vom Koordinator des C9-Kardinalsrates gebrauchte Formulierung läßt sich auch mit „armseliger Kerl“ übersetzen. Womit die Tragweite der Herabwürdigung erst wirklich deutlich wird. Und das alles, weil Kardinal Burke es gewagt hat, zusammen mit anderen Kardinälen dem Papst Fragen zu stellen, die dazu dienen sollen, die entstandene Verwirrung zu klären.

In Wirklichkeit ist seit 2014 bekannt, daß von der päpstlichen Entourage kein Kardinal mehr gefürchtet und mehr verabscheut wird als der US-amerikanische Farmersohn Burke aus Wisconsin. Grund dafür ist dessen juristisch geschultes, messerscharfes Denken, seine bedingungslose Glaubenstreue und seine tiefe persönliche Frömmigkeit. Diese Charakterzüge, gepaart mit brillantem Fachwissen, machen ihn unzugänglich für zweideutige Schwammigkeit, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in machen Kirchenkreise sehr beliebt ist. Inhaltliche Klarheit wird in einem endlosen Wortschwall erstickt. Genau das geht mit Kardinal Burke nicht, und er sagt das auch, immer höflich, fast schüchtern, aber unnachgiebig.

Zavalas Gespräch mit Don Gabriele Amorth

Der spanische Journalist José Maria Zavala berichtet in seinem Buch „Das bestgehütete Geheimnis von Fatima“ (El secreto mejor guardado de Fatima), das im März in den Buchhandel gekommen ist, ein Gespräch, das er 2011 mit Pater Gabriele Amorth geführt hatte. Der Exorzist sprach damals über die Versuche der Freimaurer, „Diözesan- oder Ordenspriester für die Logen zu gewinnen.

Zavala mit Don Amorth
Zavala mit Don Amorth

„Sie müssen jung, intellektuell hervorstechend und mit einer Fähigkeit zur Kommunikation ausgestattet sein“, so der langjährige Hauptexorzist der Diözese Rom. Ausschlaggebend sei, daß diese, von den Logenbrüdern ausgewählten Priester „nicht an die Existenz einer freimaurerischen Verschwörung glauben“. Mit großer Geduld erfolge dann eine immer intensivere Annäherung bis man sie schließlich „mit einer brillanten kirchlichen Karriere“ locke. Die Aufgabe der Freimaurer in der Kirche sei es, „das Ansehen der integersten und ehrlichsten Prälaten“ zu beschädigen. In der Regel, so Amorth, geschehe dies, indem man sie „der Falschheit und der Heuchelei“ bezichtigt und als „falsch und heuchlerisch“ verunglimpft. Bereits der heilige Papst Pius X. warnte in der Enzyklika Pascendi Dominici Gregis vor der Infiltration der Freimaurerei in die Kirche, so Amorth.

Die Stelle in der Enzyklika Pascendi Dominici Gregis, auf die sich Don Amorth bezog, und „die an Maradiaga erinnert“, so Infovaticana:

Aber man muß bekennen: Die Zahl der Feinde des Kreuzes Christi ist in dieser letzten Zeit gewachsen; mit ganz neuen und verschlagenen Kunstgriffen suchen sie die Lebenskraft der Kirche zu zerstören und möchten gerne, wenn sie könnten, das Reich Christi selbst von Grund aus vernichten. Darum dürfen Wir nicht länger, schweigen; sonst setzen Wir Uns dem Schein aus, unser heiligstes Amt zu versäumen, und Unsere bisher in der Hoffnung auf bessere Einsicht gezeigte Güte könnte als Pflichtvergessenheit beurteilt werden.

In dieser Sache unverzüglich vorzugehen, fordert vor allem die Tatsache, daß die Anhänger der Irrtümer nicht mehr nur unter den offenen Feinden zu suchen sind, vielmehr – das ist das Allerschmerzlichste und Furchtbarste – im Herzen und Schoße der Kirche selbst verborgen sind, um so schädlicher, je weniger sichtbar sie sind – Wir reden, ehrwürdige Brüder, von vielen aus der Zahl katholischer Laien, ja, und das ist weit beklagenswerter, aus dem Kreise der Priester selbst, die, in einer gewissen verfälschten Liebe zur Kirche, ohne festen philosophischen und theologischen Schutz, vielmehr gänzlich angetan von den durch die Feinde der Kirche überlieferten giftigen Lehren, sich, bar jeder Bescheidenheit, zu Kirchenverbesserern aufwerfen und in kühnem Ansturm alles Heilige an Christi Werk angreifen, ja die Person des göttlichen Heilandes selbst nicht unangetastet lassen, die sie in sakrilegischem Unterfangen zu einem reinen und bloßen Menschen herabsetzen.

3 Dass Wir derartige Menschen zu den Feinden der Kirche rechnen, wenn, sie sich auch selbst darüber wundern, darüber kann niemand mit Recht staunen, der ihre Absicht, über die nur Gott ein Urteil zusteht, beiseite läßt und lediglich ihre Lehren und ihre Art zu reden und zu handeln zur Kenntnis nimmt. Der bleibt bei der Wahrheit, der sie für Gegner der Kirche, verderblicher als jeden anderen Gegner, hält; denn nicht außerhalb der Kirche, sondern, wie gesagt, innerhalb treiben sie ihre Anschläge auf das Verderben der Kirche; deshalb sitzt die Gefahr unmittelbar in den Adern und Eingeweiden der Kirche, und um so sicherer wütet der Schaden, je intimer sie die Kirche kennen. Sie legen ferner die Axt nicht an die Äste und Zweige, sondern an die Wurzel selbst, den Glauben und seine feinsten Fibern; ist aber die unsterbliche Wurzel getroffen, so treiben sie das Gift so durch den ganzen Baum, daß kein Teil katholischer Wahrheit übrigbleibt, an den sie nicht Hand anlegten, keiner, den sie nicht zu verderben sich bemühten. Sie gebrauchen tausend schädliche Künste; nichts ist verschlagener, nichts hinterlistiger als sie; durcheinander, spielen sie bald den Rationalisten, bald den Katholiken, und das so heuchlerisch, daß sie den Unvorsichtigen leicht in den Irrtum hereinziehen. Äußerst verwegen schrecken sie vor keinen Folgerungen zurück und drängen sie mit fester Zuversicht auf. Es kommt hinzu bei ihnen –. eine sehr geschickte Seelenfalle ! – ein sehr arbeitsames Leben, ein energischer, allenthalben sich betätigender Bildungstrieb und das Streben nach dem Ruhme einer zumeist strengen Sittlichkeit. Endlich und das nimmt fast das Vertrauen auf Heilung – sind sie auf ihre Lehren so versessen, daß sie jede Leitung verschmähen und keinerlei Zügel annehmen; im Vertrauen auf eine Art trügerisches Gewissen möchten sie dem Wahrheitsstreben zuschreiben, was einzig und allein dem Stolze und der Halsstarrigkeit zuzuschreiben ist.

Wir hatten zwar gehofft, diese Menschen zur besseren Einsicht einmal zurückrufen zu können; darum haben Wir zuerst liebevolle Zurede, wie gegen Söhne, dann Strenge, endlich, wenn auch widerwillig, die öffentliche Rüge gegen sie angewandt. Es war eitel, wie ihr wißt, ehrwürdige Brüder, für den Augenblick beugten sie den Nacken, um ihn alsbald nur stolzer zu straffen. Handelte es sich nur um sie, so könnten Wir vielleicht darüber hinweggehen, aber der feste Bestand des katholischen Namens steht auf dein Spiel. Längeres Schweigen wäre da Sünde. Wir müssen es unterbrechen und der ganzen Kirche jene unter böser Maske versteckten Menschen so zeigen, wie sie wirklich sind.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/La razon/Twitter (Screenshots)

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1 Kommentar

  1. („Die Folge dieses Widerstandes gegen die päpstlichen Pläne, obwohl sich Franziskus bis heute nicht offen zu den Kasper-Thesen bekannte, setzte er Kardinal Burke ab und entfernte ihn aus der römischen Kurie.“ – Unklar. MfG)

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