Frankreichs Bischöfe im Dilemma – Eine Wahlempfehlung für Macron „kostet sie die letzte Glaubwürdigkeit“

Frankreichs Bischofskonferenz befindet sich im Dilemma.
Frankreichs Bischofskonferenz befindet sich im Dilemma.

(Paris) Frankreichs Bischöfe stecken in einem Dilemma. Die Mehrheit möchte mit den etablierten Kräften eine Wahlempfehlung für Emmanuel Macron abgeben. Eine Wahlempfehlung für Marine Le Pen steht außer Diskussion. Tun sie dies aber, „wäre ihre letzte Glaubwürdigkeit dahin“, so Riposte Catholique.

Frankreich Bischöfe haben 2002 noch entschieden Partei für den bürgerlichen Kandidaten Chirac und gegen Jean-Marie Le Pen bezogen. Seither hat sich einiges geändert. Die beiden Kandidaten der Stichwahl am 7. Mai sind Marine Le Pen, die Tochter von Jean-Marie Le Pen, und Emmanuel Macron, ein Vertreter des sozialistischen Lagers, mit dem die Kirche in den vergangenen fünf Jahren denkbar schlechte Erfahrungen machen mußte. Macron behauptet zwar, kein Vertreter des PS mehr zu sein, doch der Etikettenschwindel ist den Bischöfen natürlich bewußt. Einen Wahlaufruf für Macron wird es von den Bischöfen dennoch kaum geben. „Einige von ihnen werden persönlich nicht zögern,  Le Pen zu wählen“, so Riposte Catholique. Andere versuchen im Chor des mutmaßlichen Siegers mitzusingen, etwa Bischof Marc Stenger von Troyes.

Es wird daher keine brauchbare Orientierungshilfe für die Katholiken und alle Menschen guten Willens geben, wie sie bei der anstehenden Wahl entscheiden sollen. Die Bischöfe blockieren sich gegenseitig. Eine beispiellos einseitige Parteinahme, wie sie Kirchenvertreter in Deutschland gegen die AfD exerzieren, scheint in Frankreich nicht mehr denkbar. Die Formulierungen sollen zumindest tendenziell Macron unterstützen, indem sich die Bischöfe verbal der Angstkampagne gegen Le Pen anschließen. Ihre Aussagen lassen sich aber ebensogut gegen Macron ins Feld führen.

Im Vergleich zur Vergangenheit wird die größere Zurückhaltung von Teilen der katholischen Gläubigen als Fortschritt begrüßt. Eine ihrer bekanntesten Gestalten, Ludivine de la Rochere, die mit streitbarer Eleganz agierende Vorsitzende der Bürgerbewegung Manif pour tous, gehört zu ihnen. Sie gab für ihre Bewegung eine eindeutige Orientierungshilfe: „Nein zu Macron“.

Zweifelhafte Gesellschaft

Was spricht gegen Macron? „Er ist ein ehemaliger Minister von François Hollande, der Kandidat der Hochfinanz, der Exklusion der Armen, der Lüge über die Ehe, der Förderung der LGBT, der Ablehnung der Katholiken“, so Riposte Catholique.

Erzbischof Pascal Wintzer von Poitiers warnt vor einem „Populismus“ und bedient sich damit eines Schlagwortes, das im allgemeinen Sprachgebrauch gegen Le Pen eingesetzt wird. „Aber auch Macron ist auf seine Art ein populistischer Kandidat“, so Riposte Catholique. Seine Aussagen seien kaum mehr als einstudierte PR-Floskeln, penibel darauf bedacht, im Wahlkampf keine inhaltlichen Aussagen zu treffen.

Die Bischöfe „stecken in einem Dilemma“, so die Riposte Catholique. Die Mehrheit würde gerne den angekündigten Sieger Macron unterstützen. „Es hören ihnen aber weder ihre Gläubigen noch ihre Priester mehr zu. Wenn sie Le Pen und den Front National direkt anprangern und Macron offen unterstützen, verlieren sie ihre letzte Glaubwürdigkeit – für nichts.“

In der Tat würden sich die Bischöfe mit dem Großorient von Frankreich, der Großmoschee von Paris, der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei Frankreichs, die sich alle für Macron ausgesprochen haben, in zweifelhafte Gesellschaft begeben.

Katholiken hoffen auf Marion Maréchal-Le Pen

Glaubenstreue katholische Kreise richten ihren Blick unterdessen vermehrt auf Marion Maréchal-Le Pen, die Nichte von Marine Le Pen und Enkelin von Jean-Marie Le Pen. Marine habe die Härte ihres Vaters geerbt, aber Positionen eingenommen, die Mißtrauen erregen. Die Enkelin ist in den Umgangsformen einnehmender, gilt als ausgesprochen intelligent und entschlossen.

Die heute 27-Jährige gewann vor fünf Jahren mit 42 Prozent der Stimmen ihren Wahlkreis und zog als jüngste Abgeordnete in das französische Parlament ein. Sie genießt das Vertrauen der Katholiken, das Marine nie wirklich gewinnen konnte, und gilt als deren Hoffnung. Erzogen an einer traditionalistischen, katholischen Schule, nahm sie bereits mehrfach an der 100 Kilometer langen Fußwallfahrt der Piusbruderschaft von Chartres nach Paris teil, die jährlich zu Pfingsten stattfindet, auch nach ihrer Wahl zur Parlamentsabgeordneten, so 2013 und 2015. In den Reihen von Manif pour tous demonstrierte sie gegen die Legalisierung der „Homo-Ehe“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Riposte Catholique

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1 Kommentar

  1. Man konnte es überall lesen und hören:
    Die Bankenwelt, die Wirtschaftsbosse, die Börsianer, die Politiker jubelten über das Ergebnis des ersten Wahlganges.
    Dies zeigt deutlich, worauf es der Elite wirklich ankommt. Nicht die Interessen des Volkes sind für sie relevant, sondern ihr eigenes.
    Und die französische Bevölkerung hat wieder einmal gewählt – ganz im Sinne der über sie Herrschenden.
    Warum merken sie es nicht?

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