Fatima und das Dritte Geheimnis: Zeuge bestätigt Dollinger – „Ich kann mir das Dementi Roms nicht erklären“

Fatima und das Dritte Geheimnis: "Dollinger erzählte mir bereits im Herbst 2000 die Worte von Kardinal Ratzinger: Das Dritte Geheimnis wurde nicht vollständig veröffentlicht".
Fatima und das Dritte Geheimnis: "Dollinger erzählte mir bereits im Herbst 2000 die Worte von Kardinal Ratzinger: Das Dritte Geheimnis wurde nicht vollständig veröffentlicht".

Am 26. Juni 2000 fand im Vatikan eine Pressekonferenz statt. Vor die Presse traten der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Joseph Kardinal Ratzinger, und der Sekretär dieser Kongregation, Kurienerzbischof Tarcisio Bertone SDB. Im Auftrag von Papst Johannes Paul sollen sie das sogenannte Dritte Geheimnis, besser gesagt den dritten Teil des „Geheimnisses von Fatima“ „im Wortlaut“ veröffentlichen. Der Moraltheologe Ingo Dollinger sagte 2016 unter Berufung auf Benedikt XVI., daß damals „nicht das ganze“ Dritte Geheimnis veröffentlicht wurde. Es kam zu einem Zwischenfall. Rom dementierte rüde. Nun bekommt Dollingers Aussage Unterstützung.

Die Pressekonferenz vom Juni 2000

Was die beiden höchsten Vertreter der Glaubenskongregation im Juni 2000 vorlegten, war nicht einfach der „Wortlaut“ des „Dritten Geheimnisses“, sondern eine umfassende Dokumentation.

Die Pressekonferenz im Juni 2000: Kardinal Ratzinger und der spätere Kardinal Bertone (links).
Die Pressekonferenz im Juni 2000: Kardinal Ratzinger und der spätere Kardinal Bertone (links).

Dazu gehört eine ausführliche Einführung, die von Kurienerzbischof Bertone unterzeichnet ist.

Der erste und zweite Teil des „Geheimnisses“ samt Facsimile, wie es Schwester Lucia in der „Dritten Erinnerung“ am 31. August 1941 aufgezeichnet und für den Bischof von Leiria-Fatima bestimmt hat.

Der dritte Teil des „Geheimnisses“ samt Facsimile der handschriftlichen Aufzeichnungen von Sr. Lucia.

Dazu eine „Deutung des ‚Geheimnisses“ bestehend aus einem Schreiben von Papst Johannes Paul II. vom 19. April 2000 an Sr. Lucia (wiederum das Facsimile des Originals und die Übersetzung); dem Gesprächsprotokoll der Begegnung zwischen Johannes Paul II. und Sr. Lucia am 27. April 2000 im Karmel von Coimbra, bei dem auch Erzbischof Bertone anwesend war; der von Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano am 13. Mai 2000 am Ende der von Johannes Paul II. in Fatima zelebrierten Messe verlesenen „Mitteilung“.

Abschließend noch ein ausführlicher Kommentar zum Geheimnis von Fatima von Joseph Kardinal Ratzinger.

Die Zweifel und der Hickson-Bericht

Bald nach der Pressekonferenz wurden Zweifel laut, die sich auf zwei Punkte bezogen. Erstens, ob der dritte Teil des „Geheimnisses“ wirklich vollständig veröffentlicht worden war. Zweitens, ob die Deutung des „Dritten Geheimnisses“ richtig ist, daß sich die von den Hirtenkindern geschaute Vision eines „weißgekleideten Bischofs“, der „getötet“ wurde, auf Johannes Paul II. und das letztlich mißlungene Attentat bezogen hat, das am 13. Mai 1981 vom Türken Mehmet Ali Agca auf dem Petersplatz verübt worden war.

Am 15. Mai 2016 berichtete Maike Hickson bei OnePeterFive über ein Telefongespräch mit dem Priester und Moraltheologen Prof. Ingo Dollinger, einem langjährigen persönlichen Freund von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Prof. Dollinger, Jahrgang 1929, verbringt seinen Ruhestand in Wigratzbad in seiner Heimatdiözese Augsburg verbringt.

Dollinger bestätigte Hickson, was bereits 2004 unter Berufung auf ihn geschrieben worden war. Hickson berichtete die Aussage wie folgt:

„Nicht lange nach dem Juni 2000, der Veröffentlichung des dritten Geheimnisses von Fatima durch die Kongregation für die Glaubenslehre, sagte Kardinal Joseph Ratzinger Dollinger in einem persönlichen Gespräch, daß es noch einen Teil des dritten Geheimnisses gibt, den sie nicht veröffentlicht haben! ‚Es ist mehr als das, was wir veröffentlicht haben‘, sagte Ratzinger. Er sagte Dollinger auch, daß der veröffentlichte Teil des Geheimnisses authentisch ist und daß der nicht veröffentlichte Teil des Geheimnisses von ‚einem schlechten Konzil und einer schlechten Messe“ spricht, „die in naher Zukunft kommen soll‘.“

Das Dementi aus Rom

Johannes Paul II. mit Sr. Lucia in Coimbra
Johannes Paul II. mit Sr. Lucia in Coimbra

Hicksons Bericht, der von anderen Medien aufgegriffen wurde, sorgte im Vatikan offenbar für solche Unruhe, daß das Presseamt des Heiligen Stuhls am 21. Mai im Tagesbulletin dazu Stellung nahm.

„Einige Artikel haben jüngst Erklärungen berichtet, die Ingo Dollinger zugeschrieben werden, laut denen Kardinal Ratzinger nach der Veröffentlichung des dritten Geheimnisses von Fatima, die im Juni 2000 erfolgte, ihm anvertraut hätte, daß diese Veröffentlichung nicht vollständig war.
Diesbezüglich teilt Benedikt XVI. mit, ‚nie mit Professor Dollinger über Fatima gesprochen zu haben‘, erklärt in aller Klarheit, daß die Dollinger zugeschriebenen Aussagen zu diesem Thema ‚reine Erfindungen sind und absolut nicht wahr‘, und bekräftigt mit Eindeutigkeit, daß ‚die Veröffentlichung des dritten Geheimnisses von Fatima vollständig ist‘.“

Die Stellungnahme wurde am 22. Mai auch im Osservatore Romano abgedruckt.

Es ist die erste Erklärung des emeritierten Papstes, die seit seinem Amtsverzicht vor vier Jahren offiziell vom Presseamt des Heiligen Stuhls verbreitet wurde. Das unterstreicht die Bedeutung, die der Sache vom Vatikan beigemessen wird. Die Diskrepanz zwischen dem veröffentlichten Inhalt und früheren Aussagen höchster Kirchenvertreter über den Inhalt des Geheimnisses, auch durch Papst Johannes Paul II. und Schwester Lucia, wurden nicht thematisiert.

Benedikts Aussagen von 2010 zu Fatima

Am 13. Mai 2010 sagte Papst Benedikt XVI. in Fatima:

„Wer glaubt, daß die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich.“

Auf dem Rückflug von Portugal nach Rom sagte er in einem Interview zum Dritten Geheimnis:

„So, würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus, die wir in erster Linie auf Papst Johannes Paul II. beziehen können, Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen. Daher ist es richtig, dass man über den in der Vision gezeigten Moment hinaus die Notwendigkeit eines Leidens der Kirche sieht, das sich natürlich in der Person des Papstes widerspiegelt, aber der Papst steht für die Kirche, und daher werden Leiden der Kirche angekündigt.“

Dollinger zeigte sich verwundert über die römische Reaktion, bestätigte Hickson jedoch seine Aussage. Die Historikerin Maike Hickson schrieb Benedikt XVI. einen offenen Brief und bat ihn, den „fehlenden Teil des Geheimnisses von Fatima“ zu veröffentlichen. Dieses Mal gab es keine Reaktion aus dem Vatikan.

Ungereimtheiten der römischen Reaktion

Kardinal Ratzinger in Fatima (1998)
Kardinal Ratzinger in Fatima (1998)

Erstaunlich an der römischen Reaktion ist zunächst das Tempo des Vatikans, der es ansonsten in den vergangenen vier Jahren mit Dementis nicht so eilig hat und zu manchen, oft schwerwiegenden Themen solche vermissen läßt. Da Benedikt XVI. kein Internet nützt, muß ihn jemand auf den Hickson-Bericht aufmerksam gemacht haben. Jemand, der wahrscheinlich auch auf eine Stellungnahme im Sinne eines Dementi gedrängt hat. Da es sich um die erste und bisher einzige Stellungnahme dieser Art seit dem Amtsverzicht von Benedikt XVI. handelte, der selbst erklärte, außerhalb des Klosters Mater Ecclesiae nur das zu tun, worum ihn Papst Franziskus ersuche, erscheint es naheliegend, anzunehmen, daß der Wunsch nach einem Dementi von höchster Stelle gekommen ist.

Daß es sich um ein gewünschtes Dementi handelt und nicht um eine persönliche Stellungnahme von Benedikt XVI. legt die Behauptung „nie mit Professor Dollinger über Fatima gesprochen zu haben“ nahe. Daß Dollinger nicht nur den Inhalt des Gesprächs falsch wiedergeben, sondern gleich das ganze Gespräch erfunden haben soll, ja daß Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI. überhaupt „nie“ mit ihm über Fatima gesprochen haben soll, das erscheint höchst unglaubwürdig. Die beiden sind seit Jahrzehnten befreundet und das Thema Fatima ist für Prälat Dollinger wie insgesamt für die katholische Christenheit von ausreichender Bedeutung, als daß er ausgerechnet mit dem seit 1981 als Glaubenspräfekt in Rom tätigen Ratzinger nie über Fatima gesprochen haben sollte.

Im vatikanischen Dementi wurde nicht gesagt, Ratzinger habe mit Dollinger nie über das Dritte Geheimnis gesprochen, sondern er habe „nie“ mit ihm über Fatima gesprochen. Und das ist sehr unwahrscheinlich und zieht die gesamte Stellungnahme des vatikanischen Presseamtes vom 21. Mai in Zweifel. Nicht zuletzt, weil Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI. es weder 2004 noch 2009 für notwendig erachtete, Dollinger zu dementieren, als bereits damals seine Aussage berichtet wurde.

Gottfried Kiniger: „Dollinger hat es mir im Herbst 2000 so erzählt“

Nun stützt ein weiterer Zeuge die Aussage Dollingers. Er kann nicht das Gespräch zwischen Dollinger und Kardinal Ratzinger bezeugen, aber die Schilderung Dollingers darüber, und das bereits im Jahr 2000.

Gottfried Kiniger mit seiner Frau (2009)
Gottfried Kiniger mit seiner Frau (2009)

Gottfried Kiniger ist Hutmacher in dem kleinen Tiroler Bergdorf Sillian in Österreich. Ein Handwerk, das seit Generationen in der Familie ausgeübt wird und das er 1955 beim Tod seines Vaters übernommen hat und zur Perfektion beherrscht. Kiniger ist in seiner Heimat kein Unbekannter. Der kaisertreue Monarchist und ehemalige Bezirksvorsitzende der Paneuropa-Bewegung, „für Kronprinz Otto“ (von Habsburg), stand, wann immer es darum ging, den katholischen Glauben und die Kirche zu verteidigen, manchmal auch gegen deren eigene Vertreter, zuvorderst an der Front. Mit Martin Humer kämpfte er gegen blasphemische Filme, Theaterstücke und Kunst und gegen die Überschwemmung des Landes und Korrumpierung des Volkes durch Pornographie. Bei Wahlen konnte er in seinem Osttirol bis zu 15 Prozent der Wählerstimmen bewegen. 2009 feierten er und seine Frau die Goldene Hochzeit. Inzwischen ist es, seit er auf die 90 zugeht, etwas ruhiger um den streitbaren Katholiken geworden. Mit Prälat Dollinger traf er erstmals in den 90er Jahren in Salzburg zusammen. Daraus wurde eine Freundschaft. „Wir haben uns jedes Jahr mindestens zweimal getroffen“, so Kiniger. Seit Dollinger in Wigratzbad lebt, traf man sich meist dort. Erst in den letzten Jahren sei das altersbedingt nicht mehr möglich.

Der Hutmacher
Der Hutmacher

Zwei Protokolle von Gesprächen mit Kiniger liegen uns vor. Das erste Gespräch fand am 21. Dezember 2016 statt, das zweite, mit Tonaufzeichnung, am 17. Januar. Beim ersten Besuch kam das Gespräch zufällig auf den Hickson-Bericht, den Kiniger, der kein Internet nutzt, nicht kannte. Bei der Schilderung der römischen Dementierung geriet Kiniger in Aufregung. Daß Benedikt XVI. eine solche abgegeben habe soll, das konnte er sich nicht erklären, denn was Hickson berichtet hatte, das habe ihm Dollinger „schon 2000“ gesagt. Aus diesem Grund fand dann ein zweites Gespräch statt, bei der Kinigers Schilderung aufgezeichnet wurde. Er erklärte sich bereit, sein Wissen zu berichten und gab die Zustimmung, daß es auch veröffentlicht werden kann.

„Das genau Datum weiß ich nicht mehr“, so Kiniger, „aber es war noch im Jahr 2000, dessen bin ich mir sicher. Ich sehe noch die Pressekonferenz in Rom vor mir, wie sie damals im Fernsehen gezeigt wurde. Im Herbst habe ich wie gewohnt Dollinger besucht, mit dem ich seit Jahren befreundet bin. Bei dieser Gelegenheit erzählte er, bald nach der Pressekonferenz mit Kardinal Ratzinger, damals Präfekt der Glaubenskongregation, zusammengetroffen zu sein. Er konzelebrierte damals sogar mit ihm, etwas was Dollinger normalerweise nicht tut, aber Ratzinger hatte ihn dazu eingeladen. Im Anschluß an die Zelebration hat Dollinger den Kardinal auf Fatima und das Dritte Geheimnis angesprochen. Ratzinger sagte zu ihm: ‚Was wir veröffentlicht haben, ist nicht das ganze Geheimnis‘. In der Sakristei waren noch weitere, teils hochrangige Priester anwesend, denen sich der Kardinal zwischendurch zuwenden mußte. Er kam dann aber auf Dollinger zurück und sagte ihm: ‚Es ist uns so aufgetragen worden‘. Diesen Satz hat Dollinger wiederholt. ‚Es ist uns so aufgetragen worden.‘
Er hat die Worte so gedeutet, daß Johannes Paul II. es so gewollt und angeordnet hatte. Bei dem Treffen, als mir Dollinger das erzählt hat, waren auch andere Personen zugegen, darunter auch meine Begleiter.
Diese Episode hat Dollinger in den Jahren danach noch mehrfach bei unseren Begegnungen wiederholt. Auch dabei waren meist weitere Personen anwesend. Es war kein Geheimnis, nichts was er geheimhielt. So hatte es ihm der Kardinal gesagt, so gab er es weiter. Manchmal saßen Priester und Seminaristen vom Seminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad am Tisch. Ich kenne ihre Namen nicht. Jedenfalls haben diese Schilderung im Laufe der Jahre zahlreiche Leute gehört. Ich persönlich kann die Schilderung seit dem Herbst 2000 bezeugen, als Dollinger sie mir das erste Mal erzählt hat. Und ich kann bezeugen, daß er sie mir genauso im Laufe der Jahre noch mehrere weitere Male erzählt hat. Es besteht für mich kein Zweifel, daß Prof. Dollinger, zu dem ich vollstes Vertrauen habe, die Sache wahrheitsgetreu wiedergegeben hat. Welchen Grund hätte er gehabt, so kurz nach der damaligen Pressekonferenz ein solches Gespräch und einen solchen Inhalt zu erfinden und ihn dann auch noch frei und offen jedem zu erzählen, der es hören wollte. Daß Benedikt es nach 16 Jahren plötzlich abstreitet, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Das scheint mir vielmehr unglaubwürdig. Warum Rom das tut, weiß ich nicht. Ich kann es mir nicht erklären. Es scheint, als möchte man den Deckel auf Fatima daraufsetzen und die Sache abschließen. Aber das geht nicht. Ich weiß aber nicht, warum das Rom so getan hat.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: cooperatores-veritatis/Famiglia Cristiana/movimientomariano/Marktgemeinde Sillian (Screenshots)

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11 Kommentare

  1. Nicht auszudenken, wenn die oberste Kirchenhierarchie tatsächlich ihren Gläubigen eine Botschaft vorenthält, die
    heilsbedeutung hat, weil sie z.B. vor Fehlentwicklungen warnt? Sollte es dabei gar um den Abfall der obersten Kirchenhierarchie vom Glauben geben..? Wenn es so wäre, würde dieses Verschweigen keinesfalls folgenlos bleiben. Dann möchte ich nicht in der Haut derjenigen stecken, die das zu verantworten haben…

  2. Was immer bisher über den Rücktritt von Benedikt geschrieben und gesagt und gemeint wurde und wird, egal, die wahre Bedeutung von diesem Ereignis wird sich erst entfalten. Es ist offensichtlich, dass das Leben von Benedikt „erhalten wird“.

    Rückschau auf Original-Benedikt (aus dem Artikel oben)

    Am 13. Mai 2010 sagte Papst Benedikt XVI. in Fatima:
    „Wer glaubt, daß die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich.“
    Auf dem Rückflug von Portugal nach Rom sagte er in einem Interview zum Dritten Geheimnis:
    „So, würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus, die wir in erster Linie auf Papst Johannes Paul II. beziehen können, Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen. Daher ist es richtig, dass man über den in der Vision gezeigten Moment hinaus die Notwendigkeit eines Leidens der Kirche sieht, das sich natürlich in der Person des Papstes widerspiegelt, aber der Papst steht für die Kirche, und daher werden Leiden der Kirche angekündigt.“

    Es ist nachvollziehbar, dass Benedikt — zu diesem Zeitpunkt 2010 — die große Vision des Leidens in seiner Stellungnahme auf JP II „in erster Linie“ bezieht. Der Text des Geheimnisses verlangt einfach nach einer Identifizierung der Person des „Bischofs in Weiß“. Ich bin überzeugt, dass Benedikt, der ja den gesamten Text des 3. Geheimnisses kennt, in 2010 bereits ein geweitetes Verstehen des Geheimnisses hatte. Er mag ahnen, dass „der Bischof in Weiß“ möglicherweise er selber sein könne/werde…. Vielleicht war kein Papst in seinem Pontifikat so sehr bedrängt im Vatikan wie Benedikt? Es ist offiziell bekannt, dass im Vatikan drei Freimaurerlogen sich eingenistet haben, und vieles mehr….

    Sein Handeln, nämlich das Erlassen von MOTU PROPRIO SUMMORUM PONTIFICUM über den Gebrauch der Römischen Liturgie in der Gestalt vor der Reform von 1970, kann nicht hoch genug bewertet werden! Benedikt hat damit der „kommenden schlechten Messe“ den Weg verstellen wollen. Es war Benedikt, der uns oft ermahnt und aufgerufen hat, die Hl. Schrift zu kennen, wir müssen unseren Glauben kennen, wir müssen wissen was wir glauben…. Dieser Ruf schallt heute laut in unseren Ohren, da das Verdrehen, das Ändern von Gottes Wort bis hin zur Marginalisierung und Entleerung/Abschaffung der Gebote Gottes im Gange ist!!

    Benedikt ist vom Amt zurückgetreten, von der Ausübung. Von sonst nichts. „Einmal Papst, immer Papst“ – sind seine Worte, und Benedikt hat immer überlegt gesprochen.
    Wir haben keine Ahnung von der wahren Demut dieses gottesfürchtigen Diener des Herrn.

    • Lieber Wegsucher @, Sie schreiben:
      „Es war Benedikt, der uns oft ermahnt und aufgerufen hat, die Hl. Schrift zu kennen, wir müssen unseren Glauben kennen, wir müssen wissen was wir glauben……..“

      Benedikt hat uns nicht nur aufgerufen die Hl. Schrift zu lesen und zu kennen, sondern er hat uns auch durch William Kardinal Levada aufgerufen, Privatoffenbarungen die auf die „Öffentliche Offenbarung“ hinweisen nicht achtlos beiseite zu schieben ……..

      http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html
      Zitat: „…….Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt. Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, dass sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist. Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken. Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl. 1 Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss. Auf jeden Fall muss es darum gehen, dass sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind (Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Die Botschaft von Fatima [26. Juni 2000]: Ench. Vat. 19, Nrn. 974-1021)“.[1]“
      Dieses Schreiben wurde vom Vatikan am 14.Dez. 2011 veröffentlicht.

      Fortsetzung folgt!

    • Fortsetzung:
      Am 10. Mai 2012 hat er die Hl. Hildegard – die schon immer als Heilige verehrt wurde – heilig gesprochen und sie sogar am 7. Okt. 2012 zur Kirchenlehrerin erhoben.

      Die Hl. Hildegard beschreibt in ihren Visionen ausführlich das Auftreten des Antichristen (öffentliche Offenbarung) und weist auch darauf hin, daß Gott vorher noch durch einen „Unberedten und Ungelehrten“ noch viel Mystisches, das bisher verborgen war, verkünden wird!

      Scivias, 11. Vision des 3. Teils – Das Ende der Zeiten:
      „18. Warum Gott neue Geheimnisse und viel Mystisches, das bisher verborgen war, nur durch einen Unberedten und Ungelehrten verkündet:
      Doch jetzt wankt der katholische Glaube unter den Völkern und das Evangelium steht bei diesen Menschen auf schwachem Fuß (Claudicat). Auch die dicken Bände, welche die erfahrenen Lehrer mit großem Eifer herausgegeben hatten (enucleaverant), lösen sich in schmählichen Überdruß auf und die Lebensspeise der göttlichen Schriften ist schon lau geworden. Deshalb spreche ich jetzt durch einen unberedten Menschen über die Heilige Schrift; er ist nicht von einem irdischen Lehrer belehrt, sondern ich, der ich bin, verkünde durch ihn neue Geheimnisse und viel Mystisches, das bisher in den Büchern verborgen war. So verfährt ein Mensch, der sich zuerst Lehm sammelt und dann daraus irgendwelche Formen nach seinem Wunsch heraushebt.“

      Und am 11. Feb. 2013 hat er seinen Amtsverzicht bekanntgegeben!
      Ich denke, Benedikt hat uns damit vor seinem Amtsverzicht in Bezug auf „neuere Privatoffenbarungen“ noch vieles sagen wollen. Wir müssen eben auch ein bißchen zwischen den Zeilen lesen lernen.
      „Ich preise Dich Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du dieses vor Weisen und Klugen verborgen, den Kleinen aber geoffenbart hast. Ja, Vater, so war es Dir wohlgefällig. (Matth. 11,25)“
      Komm, Herr Jesus, komm bald!

      • Lieber @Jurmiel,
        vielen Dank für diese bereichernden Beiträge!
        Sie stützen meine Sicht, die ich ja kaum zu artikulieren wage – nämlich: Benedikt hat noch eine große Aufgabe für die Kirche zu leisten, er ist in einer „Warteposition“. Es drängt sich der Gedanke auf, dass Benedikt in der Leitung der wahren katholischen Kirche nochmals sehr gebraucht werden wird. Wird er der Bischof in Weiß sein, der aus dem Vatikan flieht und dabei an vielen hingemordeten Klerikern segnend vorüberschreiten muss? Wird er der Bischof in Weiß sein, der nach Jerusalem gehen und selbst auf Golgotha den Tod finden wird?
        Die Kirche wiederholt die Passion Christi.
        Dies sind die Leiden, auf welche Benedikt in 2010 mit wohlbedachten Worten hinweist?

        • wer kennt die Malachias-Weissagung aller Päpste bis zur Wiederkunft des Herrn Jesu ?
          Da wird P. em. Bendikt XVI das Motto „Gloria Olivae“ zuteil.
          Nun – ich deute dies „Ehre des Ölbaums / -zweigs “ in Bezug auf die Heilige Schrift:
          Offb. 11,4 und Sach. 4,11

          Weiters hat die Hl. Hildegard bzgl. dieser „2 Zeugen“ ganz konkrete Angaben gemacht (Elia + Mose).

          Dazu assoziere ich Berg Tabor, aber auch die Bitte der Zebedäusmutter Ihre 2 Söhne zur „Rechten und Linken“ des Herrn der Erde zu sehen … die BOANERGES (Donnersöhne) – ich verweise auf die 7 Donner in Offb. 10 …

          Es gäbe noch vieles in diesem Sinne zu bedenken – führt aber zu weit hier.

          Ich warte mal die verheißenen Ereignisse (nicht nur der folgenden Quelle) aus San Sebastian de Garabandal ab: Warnung + Wunder –> also das für jedermann nachvollziehbare Eingreifen Gottes, dann sehe ich weiter.
          Bis dahin heisst mein Motto: „bleib eine kluge Jungfrau“!

          Gottes Huld und Segen über uns

  3. Willkommen in der „postfaktischen“ Kirche… Da ich einer von den Gestrigen bin, ist mir ein biederer deutscher Katholik, der sein Leben lang sein Handwerk getrieben und seine Familie ernährt hat, glaubwürdiger als alle Päpste der letzten 60 Jahre zusammengenommen, wo es um die Wiedergabe eines einfachen, wirklich Geschehenen geht.

  4. Wenn es im dritten Geheimnis von Fatima heißt, daß ein „Bischof in Weiß“ getötet würde, kann sich das nicht auf Wojtyla beziehen, denn Wojtyla wurde eben nicht getötet, sondern „nur“ verletzt. „Getötet“ heißt nun einmal „getötet“, man sollte die Worte von Fatima nicht verdrehen. Ich frage mich, ob das Dementi vom 21./22.V.2016 wirklich von Benedikt XVI. stammt.

  5. Bei aller Liebe zum Unbefleckten Herzen Mariens: Ich halte diese Spekulationen über den wahren Text des Dritten Geheimnisses für Zeitverschwendung was mein Seelenheil betrifft.Wenn diese Herren uns seit Jahrzehnten etwas verheimlichen, weil sie dann ihre eigene Schande gestehen müssten, nehmen sie das auf die Kappe ihres eigenen Gewissens. Diese „heilsbedeutsamen“ Fehlentwicklungen vor denen Fatima (vielleicht) gewarnt hat und uns (vielleicht) verheimlicht wurden, sind dann ja nicht Fehlentwicklungen in der Laienschaft, sondern Fehlentwicklungen in der Hierarchie. Dass diese Hierarchie aber sich selbst die Nächste ist, und auf mein Seelenheil keinen Pfifferling gibt, weiß ich auch wenn ich den Osservatore Romano lese und dabei meinen Katechismus im Hinterkopf habe. Dafür brauche ich die Bestätigung der Muttergottes nicht. – „Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe“, hat Prof. Georg May schon vor vielen Jahren immer betont.
    Was ich viel wichtiger finde, ist das, was am schon immer veröffentlichten Texten der Erscheinungen Fatimas irritieren sollte. Es wird von Leuten, die kein Portugiesisch können und nicht den größten Teil ihres Lebens im Land gelebt und dort den Glauben praktiziert haben, leider gar nicht wahrgenommen. Und ich, die mehr in Portugal als in Deutschland beheimatet ist, weiß, dass ich jetzt wieder tauben Ohren predigen werde und man mich für verrückt erklären wird: Da heißt es „in Portugal“ würde das Dogma des Glaubens „immer erhalten“ bleiben. Ja? Wie, bitte schön!? Wo soll denn in Portugal der Glaube (nach Fatima, wie wir es wissen) erhalten worden sein, wenn das 2. Vatikanum (nach Fatima, wie wir spekulieren) nun doch ein Irrweg gewesen sein soll? Man kann definitiv nicht beides in Portugal haben: Den „Glauben“ und die „Warnung“ vor diesem. – Wer Portugal kennt, weiß, dass sich dort das 2. Vatikanum zu 150% durchgesetzt hat: Handkommunion, geschminkte Nonnen in Zivil, Priester im Konkubinat etc. Die Bischöfe sind allesamt ausgekochte Modernisten von Schlage eines J. Bergoglio. Es gibt im ganzen Land keine einzige „Ecclesia Dei/Summorum Pontificium“-Messe und vielleicht gerade drei portugiesische Familien, die die ausschließlich von der Piusbruderschaft angebotene alte Liturgie aus Glaubensgründen wählen und nicht, weil sie gerade „hipp“ ist. (Forts. folgt)

  6. Fortsetzung:

    Ich befürchte, dass das wahre Problem, dass Rom mit dem vollen Text des Dritten Geheimnisses hat, leider nicht nur eines der Glaubwürdigkeit der Hierarchie, sondern auch der Glaubwürdigkeit Fátimas sein könnte. Es dürfte weitere Schwierigkeiten bezüglich der Glaubwürdigkeit einer Marienerscheinung auslösen, die von Anfang an politisch instrumentalisiert wurde. – Vielleicht (und ich sage betont „vielleicht“) war Fátima auch nur ein „Medjugorje“ von 1917, aber die Kirche hat Fatima eben von ganz oben als „echt“ bestätigt, weil der Katholizismus als Gesellschaftsmodell nicht nur in Portugal politisch unter Druck kam… Nach dem 2. Weltkrieg hat man sich an Fátima als Schlüssel zur Erklärung des selbstverschuldeten kirchlichen Verfalls geklammert, wie an einen hermeneutischen Strohhalm, hauptsächlich aber doch außerhalb Portugals. – Ich habe noch einen kurzen Auftritt von Schwester Lucia im portugiesischen Fernsehen im Jahr 1974 oder 1975 (kurz nach der sogenannte „Revolution“) in Erinnerung, in dem sie erklärte, warum Demokratie doch eine wunderbare Angelegenheit sei. Für die Portugiesen ist Fatima soetwas wie Altötting für die Bayern. Da gibt es eine Wallfahrt zur Muttergottes. Aber was da war, welche Botschaft da verkündet wurde und ob das alles stimmt, ist völlig zweitranging. – Die Geschwister Marto sind sicher heilig, weil sie heroisch Sühne für die Sünden der Welt geleistet haben, völlig unabhängig davon, ob die Erscheinung echt war oder nur ein tiefes religiöses Erlebnis. Sie haben es mit ihrem Glauben sehr ernst gemeint und sie waren Kinder. Was Schwester Lucia betrifft, nun ja, da gibt es genauso widersprüchliche Zeugenaussagen, wie die, über das, was der Vatikan über das Dritte Geheimnis produziert. – Fazit: Es kann nicht meine Aufgabe als Katholikin sein, Ordnung und Durchsicht in dieses von der Hierarchie verschuldete Chaos zu bringen.
    Man sollte wissen, dass bereits Papst Pius X., der ja bereits 1914 gestorben war, auf eine Sühneandacht zum Unbefleckten Herzen Mariens an fünf aufeinanderfolgenden „ersten Samstagen“ einen Ablass verliehen hatte. Umfang dieser Andacht waren: Beichte, Sühnekommunion, Rosenkranz und Betrachtung über dessen Geheimnisse. Und allgemeine Sühne und Buße für die Sünder sind etwas, was die Kirche aus guten Gründen immer empfohlen hat. Das man aufgrund der Weltlage täglich den Rosenkranz betet, sollte sich von selbst verstehen… Das, was für uns persönlich wichtig an Fatima ist, gab es also bereit vor Fatima und es behält auch ohne Fatima seinen Wert.

  7. Warum wird das III. Geheimnis nicht auf Erzbischof Oscar Romero hin gedeutet? Der ist ja nun 1980 wirklich getötet worden.
    Und wo sind die anderen Opfer des vorhergesagten Massakers, wie es in der Vision beschrieben ist: „Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen.“ (Zitat Ende)
    Jeder, der Stimmen hört oder Visionen hat, ist mir suspekt. Wer die Zukunft vorhersagt, betreibt Wahrsagerei und befördert damit mehr den Aberglauben als dass er der Nachfolge Jesu hilfreich ist.

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