Luther, Mohammed und das Konzil – Beobachtungen zur Zerstörung des Christentums

"Der Türck ist Luthers Glück" - Martin Luther und der Islam (Bild: Süleyman I.)
"Der Türck ist Luthers Glück" - Martin Luther und der Islam (Bild: Süleyman I.)

Von Wolfram Schrems*

Angesichts des mehr oder weniger intensiv gefeierten Luther-Jahrs 2017 sei hier eine kritische Wortmeldung am Platz. Der Ausgangspunkt dafür ist das für unsere Zeit sinnbildliche Drama, das sich am 31.10. des Vorjahres im mittelfränkischen Altdorf abspielte. Dieses soll als Ausgangspunkt für weiterführende Überlegungen zur derzeitigen Islamisierung ehemals christlicher Länder dienen.

Was geschah in Altdorf?

Der Pfarrer der lutherischen Gemeinde an der Laurentiuskirche Altdorf (Nähe Nürnberg), Dekan Jörg Breu, hatte die Idee, Aiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, zum Reformationstag als Festredner in die Kirche einzuladen. Dieses Vorhaben löste erhebliche Konsternation aus. Dekan Breu erhielt nach eigenen Angaben etwa hundert kritische e-mails, darunter nach seinen Angaben auch Drohungen. Der Dritte Bürgermeister von Altdorf, Johann Pöllot (CSU), sprach ihm eine geharnischte Nachricht auf den Anrufbeantworter.

PEGIDA Nürnberg hielt am Veranstaltungstag vor Beginn des Gottesdienstes eine Protestkundgebung mit zwei, drei Dutzend Teilnehmern, gegen die ihrerseits seitens des „Altdorfer Bündnisses für Toleranz und Respekt“ mit etwa 400 Teilnehmern protestiert wurde („Halt’s Maul!“). Ein Posaunenchor war aufgeboten worden, um die PEGIDA-Kundgebung zu stören.

Das versinnbildlicht das derzeitige deutsche Verständnis von Versammlungsfreiheit.

Die Rede Mazyeks fand im Anschluß an den Gottesdienst statt. Nach den Medienberichten zu urteilen, war allerdings der Übergang von gottesdienstlicher Handlung zur Rede fließend.

Islamische Propaganda trifft auf offene Ohren

Die Rede Mazyeks war geradezu ein Lehrbeispiel für islamische Propagandakunst. Er weiß, was man hören will. Die Phraseologie, die Mazyek bediente, reichte von „religiös Unmusikalischen“ über „rassistische Anschläge“ bis zur „zivilgesellschaftlichen Solidarität“ und zur „dunklen Geschichte Deutschlands“. Er zitierte Altkanzler Helmut Schmidt, sowie Goethe, Herder, Rückert und Lessing, übte rituelle Kritik am islamischen Terror und betete am Schluß zu Allah. Dabei mischten sich Gebet und Appell an die Zuhörer: Interessanterweise baute er nämlich in seine Invokation ein Herrenwort ein: „Laßt uns denen zurufen, die das dennoch tun [nämlich die Ehre und die Würde der Menschen zu beschädigen]: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23, 34).

Aiman Mayzek vom "Zentralrat der Muslime in Deutschland" spricht in Altdorfer Laurentiuskirche über Martin Luther.
Aiman Mazyek vom „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ spricht in Altdorfer Laurentiuskirche über Martin Luther.

Mazyek weiß eben, was er wo sagen muß. Er wird auch nie rot.

Auf ein harmloses Scherzchen des Vortragenden folgte braves Gelächter. Auf das Ende des Vortrags folgte langer Applaus, wobei es nach anfänglichem Zögern zu – ebenfalls braven – standing ovations kam.

Eine klare Grundaussage, in einem Satz zusammengefaßt, gab es nicht. Die Rede erzeugte, wie in solchen Fällen üblich, eine suggestive, hypnotische Stimmung, in der man sich gerne innerlich öffnet und sagt: Wie schön!

Wenn man die Rede in einem Satz zusammenfassen will, könnte man etwa sagen: „Der Islam ist friedlich, er gehört zu Deutschland, und jede Kritik daran führt zu rassistischer Gewalt.“

Vielsagend war übrigens die Gestaltung des Redepults in der Kirche: ein gerahmtes Bild mit Davidsstern, Halbmond und Kreuz, von oben nach unten. Das paßt eben zur Sichtweise Mazyeks und Lessings, den er erwähnte. Mazyek sagte, daß die „drei monotheistischen Religionen desselben Ursprungs“ wären. Diese Sichtweise ist heute – gegen jede Logik – praktisch allgegenwärtig. Offensichtlich ist also Lessings „aufgeklärte“ Sichtweise („Ringparabel“) mit dem Islam durchaus kompatibel. Islam und Freimaurerei sind offensichtlich keine Widersprüche. Auch der Davidsstern stört in dem Ensemble nicht.

In unserer Zeit arbeiten also Christen aller Bekenntnisse, besonders aber deren Kirchenführer, an der politisch gewünschten Islamisierung und der Abschaffung des Christentums. Dabei kommt es zu volksfrontartigen Koalitionen von irregeleiteten Christen mit Muslimen und straßenkampferprobten „Antifas“ aller Art.

Welche Weichenstellungen haben dazu geführt?

Martin Luther: Kritik am Islam und gleichzeitig Begünstigung der Islamisierung

Die Kritik Martin Luthers an Mohammed und dem Islam ist zwar sachgemäß und zutreffend. Michael Stürzenberger, umtriebiger Islam-Aufklärer, zitierte bei der erwähnten Kundgebung einige Aussprüche Luthers aus einem Spiegel-Bericht.

Luthers Rolle in der Spaltung der Christenheit und in der Erschaffung einer neuen Religion begünstigte jedoch faktisch die Entchristlichung Europas und damit langfristig die Islamisierung. Das geschah einerseits durch die Verwerfung des überlieferten, katholischen und apostolischen Glaubens und durch die Erfindung eines neuen Glaubenssystems, das organisatorisch und dogmatisch in der Luft hängt. Es konnte nicht recht überzeugen und führte folgerichtig zu weiteren Spaltungen.

Als Kronzeuge für diese Beurteilung sei Dekan Jörg Breu selbst aufgerufen: Dieser begründete die Einladung Mazyeks, es sei Anliegen der Reformation, „althergebrachte Denkstrukturen aufzubrechen“.

Nun denn!

Man wird sagen können, daß das „Aufbrechen“ so gründlich durchgeführt worden ist, daß man von einer Selbstabschaffung des reformatorischen Christentums in Europa sprechen muß. Diese läuft seit einigen Jahrzehnten immer schneller. Wie am 31.10.2016 gesehen, unterwirft man sich bereitwillig den Muslimpropagandisten.

„Reformation“ – oder doch eher Revolution?

Auf Cicero nahm der offenkundig mit Martin Luther sympathisierende Historiker Dr. Klaus-Rüdiger Mai zur Formulierung von Dekan Breu kritisch Stellung und meinte, daß Luther eben keine Revolution gewollt, sondern eine Rückkehr „zu althergebrachtem Denken“ intendiert habe. Die Absicht Luthers sei es gewesen, „zurück zu den Quellen des Glaubens“ zu gehen. Die „frühchristliche Freiheit“ sei durch einen „politische[n] Apparat“ (nämlich „die Kirche mit ihrer Hierarchie“) so Mai wörtlich „zerstört“ worden.

Nun, das ist eben eine heutzutage so virulente Selbsttäuschung der Luther-Apologeten, die auch völlige Unkenntnis über die frühe Kirche verrät.

Anzunehmen, Luther habe den ursprünglichen Glauben revitalisieren wollen, heißt, daß man Luthers Texte nicht kennt.

Wer zudem etwas Vertrautheit mit den Schriften der apostolischen Väter und frühen Apologeten der Kirche des 1. und 2. Jahrhunderts hat, weiß, daß die Kirche von Anfang an als klare Hierarchie vorhanden war.

Luther hingegen erfand eine neue Religion, die eigenen psychologischen Bedürfnissen entsprechen sollte, er erschuf eine neue Hierarchie unter Beteiligung der Landesfürsten (die sich nur allzu gerne am Kircheneigentum bzw. am Eigentum der Gläubigen bereicherten) und fiel dem Kaiser in den Rücken, der seinerseits im Abwehrkampf gegen die Muslime stand. „Der Türck ist Luthers Glück“, wie es eben heißt.

Das alles kann sich nicht auf die Bibel berufen.

Luthers Religion hat mit einem romantisch verklärten „reinen Christentum“ eben gar nichts zu tun, weil es das niemals gab. Was es gab, war die Allgemeine, die Katholische Kirche, die das volle Offenbarungsgut besitzt. Ihre Glieder sind aufgrund der menschlichen Anfälligkeit für die Lauheit und das Böse an Haupt und Gliedern immer wieder bekehrungs- und insofern „reform“-bedürftig.

Ist es zudem nicht merkwürdig, daß ein Mann, der den Kampfschrei Sola Scriptura, „die Bibel alleine“, ausgab, selbst Schriften im Umfang von etwa 80.000 Seiten (Quartformat) hinterließ? Nicht alles dort ist übrigens zitierfähig.

Nein, die „Reformation“ war keine. Sie war eine Revolution. Und als solche begünstigte sie, ungeachtet aller zutreffenden Aussagen Luthers über Mohammed, den Islam, der seinerseits eine Revolution gegen den kirchlichen Glauben darstellt, und zwar im Gewand einer christologischen Häresie, die mit jüdischen und arabischen Elementen vermischt und mittels Eroberungszügen durchgesetzt wurde.

Katholische Realitätsverweigerung im Gefolge des Konzils

Dignitatis humanae: Zelt der Begegnung im GottesGarten (Bamberg) von kath. und evang. Dekanat, Israelitischer Kultusgemeinde und Muslimischer Gemeide.
50 Jahre Dignitatis humanae: „Zelt der Begegnung“ im „GottesGarten“ (Bamberg) von kath. und evang. Dekanat, Israelitischer Kultusgemeinde und Muslimischer Gemeinde.

Auch die Katholische Hierarchie hat – allerdings erst seit fünfzig Jahren – „althergebrachte Denkstrukturen aufgebrochen“ und den Weg zur Verwirrung und zur Islamisierung geöffnet. Das Konzilsdokument Dignitatis humanae spricht gegen jede Evidenz allen „Religionen“ noble Gewissensgründe zu. Damit wird mit Berufung auf eine unscharf gefaßte „Menschenwürde“ und „Religionsfreiheit“ die Abwehr islamischer Subversion in katholisch geprägten Staaten verunmöglicht. Das Dokument Lumen gentium sagt groteskerweise aus, daß Christen und Muslime zum selben Gott beten würden. Nostra aetate schließlich ist – auch das gegen die Evidenz der jeweiligen Glaubenslehren und der Geschichte – von einem Geist unbegründeten interreligiösen Optimismus erfüllt.

Alle diese Texte haben sich in den letzten fünfzig Jahren als Makulatur erwiesen – und zum Verschwinden der christlichen Zivilisation beigetragen.

Es ist ein schweres Ärgernis, daß derzeit auch im Vatikan selbst „interreligiöse“ Veranstaltungen aller Art, auch Gebete, durchgeführt werden. Dieser Verstoß gegen das 1. Gebot ist aber aus den Konzilstexten ableitbar. Ohne formelle Verwerfung der Konzilslehren durch das Lehramt wird die Islamisierung daher in Europa vermutlich bald ihr Ziel erreicht haben.

Die Ausrufung Martin Luthers als „Zeugen des Evangeliums“ durch vatikanische Bürokraten vor kurzem setzt dem ganzen Aberwitz die Krone auf.

Pseudodialog als Einfallstor der Islamisierung

Angesichts der schlimmsten Christenverfolgung aller Zeiten, die derzeit großteils (also etwa außerhalb Chinas und Nordkoreas) von Muslimen praktiziert wird, ist die Ignoranz der Kirchenführer im Westen schändlich, feige, ehrlos und verurteilenswert. Papst Franziskus hätte hier eine besonders schwerwiegende Verantwortung. Aber wie zur Zeit des Konzils, als die Kirche ihre Märtyrer im Sowjetblock verriet, verrät sie jetzt ihre Märtyrer im islamischen Machtbereich.

Dieser erstreckt sich ja in das Herz Europas: Orientalische Christen und Konvertiten werden in Deutschland und Österreich von Muslimen bedrängt und drangsaliert, aber fast niemand spricht darüber in Kirche und Politik.

Warum hatte Dekan Breu nicht etwa einen zum Christentum konvertierten Ex-Muslim als Festredner eingeladen? DAS wäre mutig gewesen und hätte „althergebrachte“, allerdings falsche, Denkstrukturen „aufgebrochen“.

Der institutionalisierte „Dialog“ schläfert aber die Christen ein und wiegt sie in falscher Sicherheit. Gleichzeitig wird die islamische Landnahme immer aggressiver und in den europäischen Städten nicht nur mit Worten sondern mit Waffen ausgetragen. Sie fordert bereits Opfer an Gesundheit und Leben. Das ist aber alles kein Thema.

Dazu kommt, daß die „Dialog“-Partner niemals repräsentativ sind. Sie können gar nicht repräsentativ sein, weil es eben keine einheitliche Führung im Islam gibt. Schon in Deutschland ist der großspurig so genannte Zentralrat der Muslime nur eine von mehreren „Dachorganisationen“, die aber auch nicht alle Muslime erfassen.

Man fragt sich also, für wen Mazyek eigentlich spricht.

Andererseits kann man sicher sagen, daß er für „den Islam“ spricht. Denn dieser ist eben schillernd und irrlichternd und fühlt sich im „Dialog“ mit „kuffar“ (Ungläubigen) nicht an die Wahrheit gebunden.

Resümee

Aber offensichtlich wollen die Christen, katholische wie lutherische, gerne belogen sein. Theologische Weichenstellungen der letzten 500 bzw. der letzten 50 Jahre begünstigten die Verwirrung auf ihre Weise. Sie werden zum völligen Verschwinden der in der Wahrheit gründenden Freiheit im Privaten und Politischen führen. Sie müssen daher revidiert werden, besser heute als morgen.

(Dieser Text ist die überarbeitete und verbesserte Version eines am 18.01.17 auf www.andreas-unterberger.at unter dem Titel Luther, Mohammed und die Zerstörung des Christentums erschienenen Textes. Ich sandte am 20.01. den Link an Herrn Dekan Breu und an Herrn Dr. Mai zur gefälligen Kenntnisnahme. Eine Antwort blieb bislang, 26.01., aus.)

*MMag. Wolfram Schrems, Wien, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist (www.katechisten.org)

Bilder: Cicero/Kolpingwerk Augsburg (Screenshots)

 

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16 Kommentare

  1. Danke fuer die klaren Worte.
    Die Islamisierung Europas ist in vollem Gange und die Mehrheit verschliesst die Augen vor der Realitaet. Das wird nicht gutgehen.

  2. Die Mehrheit ist leider völlig a-religiös,sehe das im meinem Umfeld.
    Darum wird die Gefahr der Islamisierung gar nicht so wahrgenommen,höchstens als diffuse allgemeine Bedrohung.
    Diesen grossen verborgenen Kampf zwischen Gut und Böse verorten die meisten im Reich der Märchen.

  3. Vielen Dank für die klaren Worte. In ihnen wurde die Realität geschildert. Besonders befremdlich ist dabei die Linie des Bamberger Oberhirten, der alles Gesagte in den Schatten stellt. Er kann sich nicht nur einen islamistischen Bundespräsidenten vorstellen, sondern beklagtsich öffentlich über sein gläubiges Volk, das einfach noch nicht begreifen will, wie schön es wäre, wenn der Ruf „Allah sei gepriesen“ in den katholischen Gotteshäusern erschallen würde. Erzbischof Schick ist einer der Hauptvertreter der These, dass der Islam eine friedfertige Religion sei und der Terror nur von einigen Verrückten ausgeübt würde. Ich habe noch nie gehört, dass jemals ein bekennender Katholik mit dem Ruf „Gelobt sei Jesus Christus“ mit einem Schlachtermesser einen Menschen umgebracht hätte, wie das bei den islamistischen Verbrechern der Fall ist. Wo die Moslems die Mehrheit haben, ist es aus mit Demokratie und Toleranz- das ist systemimmanent. Scheinbar muss der Bamberger Oberhirte erst selber den blanken Stahl an der Kehle fühlen, bevor er begreift, in welcher Todesangst die verfolgten Christen leben müssen und wie es ist, wenn christliche Flüchtlinge in den Asylantenunterkünften gemobbt, verprügelt und vergewaltigt werden. Davon hat der Islamfreund noch niemals gepredigt.

  4. Bei der ganzen Lutherdiskussion und -polemik wird zu wenig berücksichtigt, dass jedes Volk sich das Christentum auf je eigene Weise zu eigen machte und macht, nicht nur kulturell (Architektur, bildende Kunst, Musik…), auch theologisch. Das deutsche Volk bildet da keine Ausnahme. Das ist von den ersten christlichen Literaturdenkmälern an zu beobachten (Wessobrunner Gebet, Sächsischer Heliand, Otfrieds Evangelienharmonie…). Nicht umsonst wird Deutschland Ursprungsland der Reformation genannt, wiewohl sie Wegbereiter in anderen Nationen hatte. Luther und seine Theologie muss auch als deutsches Phänomen verstanden werden. Man begreift ihn jedenfalls nicht und zerreibt sich nur unfruchtbar, wenn man ihn bloß als Verkörperung eines bösen Willens zur Häresie betrachtet.

    • Bevor wir Luther in einen „deutschen Rahmen drängen“, was ich persönlich eher für einen wenig treffenden Konstrukt halte, der dem nationalgeschichtlichen Denken des ausgehenden 19. Jh’s entspricht, ist eine Betrachtung der Persönlichkeit Luthers insbesondere seine psychische Verfassung von Bedeutung. Paul Hacker (+) „Das Ich im Glauben Martin Luthers“ ist da zu empfehlen. Neben seiner Heilsangst sei auch der geistliche Einfluß einiger Reformbewegungen zu nennen, die ihren Hauptverbreitungsgebiete dort hatten, die dann auch die Stammlande der Reformation wurden.

  5. Islamisierung ist der falsche Begriff.
    Wie richtig ausgeführt, ist „unsere“ Gesellschaft areligiös. Eine solche Gesellschaft lässt sich nicht „islamisieren“. Ich glaube auch nicht, dass sie seitens islamischer Machthaber einem „Islamisierungsderuck“ ausgesetzt wäre. Warum auch? Sie „marginalisiert“ selbst, dh sie verrottet, verfault, schwindet. Das ist auch das Ziel der Strippenzieher. Der Islam ist eine reine Sekundärinfektion bzw gar ein Schlussabwickler, ein Totengräber, Aasfresser, der längst Gestorbenes beseitigt.
    Er ist lästig, uU tödlich, aber letztlich gehen wir an der uns auferzogenen Dekandenz und Fäulnis zugrunde, an Liberalismusm,Genderismus, Feminismus,Fernstesliebe, Hedonismus, Säkularlismus, Egalitarismus und wie die Dinge auch immer heißen mögen.
    Wenn man diesen Artikel aufmerksam liest, dann merkt man, dass der Autor es genau weiß: die Gefahr, die uns so zusetzt, kommt nicht vom Islam!

    • Sehr geehrter Herr Franz Lechner,
      Noch einmal möchte ich auf ein Buch hinweisen, das in der Analyse und im Ergebnis erheblich, um nicht zu sagen total von dem abweicht, was Sie zum Thema „Islamisierung“ prognostizieren. Eine Rezension über diese Buch wurde von „Aquila“ am 22.02.2016 23:16 unter: http://katholischpur.xobor.de/t1608f111-Massenzuwanderung-und-Asylanten-26.html#msg9568 ins Netz gestellt und mit folgenden Einleitungsworten versehen:

      Liebe Mitglieder, liebe Mitleser!
      Im Jahre 2009 erschien ein Buch mit dem Titel „Das moderne trojanische Pferd: Al Hijra – Die islamische Doktrin der Migration“. Also noch vor der aktuellen fast ausschliesslich moslemischen Migrantenbewegung Richtung Europa ! In einer Rezension über den Inhalt dieses Buch im Jahre 2010 skizzierte Janet Levy damals gleichsam bereits das, was heute offenbar Realität geworden ist: die „humanistisch“ begünstigte unkontrollierte Ausbreitung der islamischen Doktrin der Migration.
      Frau Levy schließ ihre Rezension mit folgenden Sätzen:
      Solomon und Maqdisi betonen, dass die Hijra ein umfassender und direkter politischer Versuch ist, die Kultur und die Werte der Gastländer zu untergraben und sie durch den Islam und die Scharia zu ersetzen. Es ist eine hinterhältige Art der Migration, die versucht Kulturen, Verhaltensweisen, Sitten, Regeln und Gesetze eines Gastlandes zu verändern, um den Islam zu verbreiten und einen islamischen Staat einzurichten.
      Die Stufen der Hijra werden in den verschiedenen Ausprägungen in allen westlichen Gesellschaften heute offensichtlich. Ironischerweise haben unsere offenen demokratischen Gesellschaften mit konstitutionell geforderter Redefreiheit, Religions- und Versammlungsfreiheit diesen Marsch in den Untergang unseres Lebensstils begünstigt. „Das moderne trojanische Pferd“ sollte von allen Bürgern westlicher Demokratien, die dringend verstehen wollen, was die Hijra bedeutet und die Drohung, die sie beinhaltet, gelesen werden.
      Das Buch klingt alarmierend. Denn die vorsichtige Evaluation dessen, was augenscheinlich als unschuldige und religiöse Praxis in der Mitte unserer Gesellschaft erscheint, hat dunkle Motive und will unsere Gemeinschaften für immer verändern“.
      Viel Spaß bei der Lektüre der vollständigen, recht ausführlichen Rezension!

    • Genau so ist es,eine verrottende Gesellschaft.
      Jetzt erst verstehe ich die Worte Jesu „wo ein Aas ist,versammeln sich die Geier“-
      beim Anblick der nichtendenwollenden Flüchtlingsströme kam mir dies spontan in den Sinn.

  6. Werter Günther M. Michel!
    Leider muss ich Ihnen schon wieder widersprechen, wenn Sie den Eindruck erwecken wollen, „dass jedes Volk sich das Christentum auf je eigene Weise zu eigen machte und macht ….auch theologisch. Das deutsche Volk bildet da keine Ausnahme.“ Das mögen Sie so sehen, um die Zersplitterung des Protestantismus in über 600 Denominationen schönzureden. Auf die römisch-katholische Kirche, deren Kirchensprache nach wie vor das Latein ist, trifft ihre Behauptung nicht zu, zumal es zu Luthers Zeiten das „deutsche Volk“ als Rechtskörperschaft noch nicht gegeben hat. Den Gipfel ihrer „Volkstheologie“ bedeutet Ihr Resümee: „Luther und seine Theologie muss auch als deutsches Phänomen verstanden werden“. Nein, Wertester, die Reformation ist ein Produkt der unheiligen Allianz zwischen Luther und den unter Kaiser Friedrich II. weitgehend selbständig gewordenen Territorialherren,, die sich in Dauer-Konkurrenz zum habsburgischen Kaiser sahen und ihre Machtposition unter dem Protestantimus durch „Übernahme“ des Kirchengutes ausbauen wollten. Von denen hat es im Reichsgebiet rund 300 gegeben hat, angefangen von Reichsfürsten über Reichsgrafen, Reichsklöster, Reichsstädte bis hinunter zum einfachen Reichsdorf. Unter all den Herrschaften durften ihre Untertanen nicht in eigener Sache über ihren Glauben entscheiden. Sie blieben nach dem Willen des Landesherrn entweder römisch-katholisch oder sind durch den Machtanspruch der protestantisch gewordenen Landesfürsten,über „Land und Leute“ frei zu verfügen, nach dem Prinzip „cuius regio, eius religio“ also, zwangsreformiert worden. Die „Landeskinder“ hatten keine Entscheidungsfreiheit. Ein nie dagewesener Vorgang!
    Wenn der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD Huber 2007 zur Eröffnung der Lutherdekade meinte, Luther habe die Freiheits- und Demokratieentwicklung in Europa befördert, so ist das Gegenteil dieser Schönfärberei wahr! Durch seine Vernetzung von Religion und Macht, die seinem lebenslangen Hang zu den Mächtigen entsprach, entbrannten Glaubenskriege, die im europäischen Absolutismus endeten, welcher im Gegensatz zu England auf dem europäischen Kontinent die Demokratieansätze des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit liquidierte.
    Fazit: Luther hat alle Ansätze zu einer Pluralisierung der Gesellschaft mit demokratischen Machtverteilungen durch die religiöse und politische Spaltung des Reiches und die Unterwerfung der Reformation unter die Landesherren um Jahrhunderte verzögert. Denn für Martin Luther stand die jeweilige Obrigkeit im Dienste Gottes: „Die Obrigkeit ist eine Dienerin Gottes. Von sich aus könnte sie keine öffentliche Ordnung erhalten. Sie ist wie ein Netz im Wasser: Unser Herrgott aber jagt ihr die Fische zu. Gott führt der Obrigkeit die Übeltäter zu, damit sie nicht entkommen … Gott ist ein gerechter Richter auf Erden. Deswegen entgeht keiner, der nicht Buße tut, der gerechten Strafe durch die Obrigkeit. Entläufst du mir, so entläufst du doch dem Henker nicht“ (Luther Deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die Gegenwart. Herausgegeben von Kurt Aland. Band 9: Tischreden. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart 1960; Reclam-Ausgabe, Ditzingen 1987, 430.
    In Luthers Todesjahr 1546 begann mit dem Schmalkaldischen Krieg der erste Religionskrieg in Deutschland. Melanchthon wusste das Geschehen einzuschätzen: „Das ganze Wasser der Elbe reicht nicht aus, um die Tränen zu nähren, die das Desaster der Reform beweinen. Das Leid kennt kein Heilmittel“ (Epistole, IV, 100) (Ov 48).
    Bald nach Hitlers Machtergreifung 1933 haben die „Deutschen Christen“, die nationalsozialistischen Ableger des deutschen Protestantismus, für die Neugestaltung der Hausaltäre die Bilder Luthers und Hitlers im Verbund ohne Kreuz vorgeschlagen und für anbetungswürdig gehalten, was bis nicht vor allzu langer Zeit einen Einblick in die destruktiven Möglichkeiten des politischen Luthertums vermittelte

  7. Der Artikel ist nicht schlecht. Vor allem der Denkansatz, dass Luther seine eigenen psychologischen Bedürfnisse (meine Interpretation) im Protestantismus verwirklicht hat, das sehe ich als sehr wahrscheinlich an. Ein Weiteres fällt mir dazu ein. Nämlich, dass Europa immer dann unter verheerenden Kriegen gelitten hat, als das katholische Christentum in Vergessenheit geriet. Luther hat unbestreitbar den 30-jährigen Krieg zwischen Christen und Protestanten ausgelöst, damit das Christentum in den Türkenkriegen entscheidend geschwächt. Insofern war Luther damals schon ein Helfer des Islams, genauso wie heute. Und der zweite Weltkrieg wurde ebenfalls durch eine im Grunde gottlose Ideologie, den Nationalsozialismus ausgelöst. Die Menschen haben sich auf weltliche Dinge, nicht auf Gott verlassen. Das ist immer der grundlegende Fehler, der alles weitere in die Wege leitet.
    Ich denke, jede Form der Relativierung Martin Luthers ist fruchtlos und täuscht über die dramatischen Folgen hinweg, die sein sündhafter Stolz dem christlichen Europa einbrachte bzw bis heute noch einbringt. Darin unterscheidet er sich kaum von den Türken/Muslimen. Es ist der Stolz der sie vor besserer Einsicht und von der eigenen Umkehr abhält. Die Hölle ist voll von Menschen, die zu stolz waren, um umzukehren und ihre Sünden zu bekennen. Wieviele stolze, sture Menschen gibt es heute, gerade in wichtigen Machtpositionen in der europäischen Politik? Ich denke dabei gerade an die, die die christlichen Wurzeln Europas zu ersticken versuchen.

  8. Mmag. Wolfram Schrems räumt in seinem Artikel ein: „Die Kritik Martin Luthers an Mohammed und dem Islam ist zwar sachgemäß und zutreffend.“ Richtig. Damit stand Luther in der ununterbrochenen Tradition der katholischen Islamkritik (Päpste, Theologen, Heilige) seit dem 7. Jh., und darin unterscheidet er sich von den nachkonziliaren Päpsten, die von dieser Tradition merklich abweichen. Luther schrieb zutreffend: „All der Unflat, den der Teufel durch andere Ketzer hin und wieder gestreut hat, den hat er durch Muhammad auf einmal herausgespien.“ —
    Schrems weiter: „Luthers Rolle in der Spaltung der Christenheit und in der Erschaffung einer neuen Religion begünstigte jedoch faktisch die Entchristlichung Europas und damit langfristig die Islamisierung.“ Dass Glaubens- und Kirchenspaltungen die Christenheit schwächten, ist unstrittig. Wiewohl es christliches Aufblühen epochenweise auch in nichtkatholischen Ländern gab – das ist zumindest profangeschichtlich bzw. aus ökumenisch-christlicher Sicht unbestreitbar. Die Zerrissenheit der Christenheit hatte aber lang vor der Reformation begonnen, nämlich nach dem Zeugnis des Neuen Testaments schon in apostolischer Zeit. Die Uneinigkeit des Christentums ist sein wohl augenfälligstes Ärgernis für Nichtchristen. Aber gründete Luther eine „neue Religion“, wie Schrems schreibt? Dann müssten auch das altorientalische und das griechisch-orthodoxe Christentum „neue Religionen“ sein. Wann hätte die römisch-katholische Kirche je solches behauptet? Entchristlichung und Islamisierung christlicher Gebiete gab es leider schon vor der Reformation, so bekanntlich schon im 1. Jahrtausend in Nordafrika. Hilft ingrimmiger Groll gegen Martin Luther, um die Gründe für die Entkatholisierung und Entchristlichung ehemals kompakt katholischer Länder zu verstehen, wie Südirland, Polen, Kroatien, die romanischen Länder Europas, Malta, Mittel- und Südamerika, u.a.?
    Zum Deutschtum… Luther sagte: „Für meine Deutschen bin ich geboren. Meinen lieben Deutschen will ich dienen.“ Deutsch ist man oder ist es nicht. Die es sind, stellen sich vielleicht irgendwann die Frage: was ist das eigentlich?, und besonders heute die Zusatzfrage: will ich das überhaupt sein? Hier ist jedoch nicht der Ort, das zu erörtern. Wenn das Verhältnis des Christentums zu den verschiedenen Kulturen belanglos wäre, warum gibt es dann den Begriff der Inkulturation? In Wirklichkeit stellte sich dieses Problem vom ersten Moment an, das das Christentum aufhörte, eine innerjüdische Sekte zu sein, schon als Petrus das Haus des Hauptmanns Kornelius betrat, und erst recht, als Paulus Gemeinden in Kleinasien und Griechenland gründete. Über das Verhältnis des Christentums zum Deutschtum gibt es genügend Literatur. Wer sucht, der findet. Wem das keine Frage ist, lässt es bleiben.

  9. Werter Gunther M. Michel!
    Sie täuschen sich schon wieder!
    Kein Katholik dürfte „ingrimmigen Groll“ gegen die Person Martin Luther hegen, sondern bestenfalls Mitleid!
    Wenn man auf evangelisch-lutherischer Seite mit Blick auf die Ökumene mit Stolz gesagt hat, dass die katholische Kirche„keinen Ort für sich selbst in diesem Reformationsgedenken erkennen kann“ (EKD-Papier, DT, 13.Oktober 2009, Sp4), so ist das zugegebenermaßen richtig, denn wer stellt sich schon gerne freiwillig an die Seite eines Kirchenspalters und Hasspredigers, der nach heutigem Rechtsverständnis wegen Volksverhetzung, Totschlags, schwerer Körperverletzung, wegen Anstiftung zum Mord, zum Landfriedensbruch, zur Brandstiftung, und wegen Vergewaltigung von Abhängigen angeklagt gehörte. Das alles konnte sich der „Reformator“ Luther unter landesherrlichem Schutz leisten, weil er sich schon erlöst fühlte, und weder gute noch böse Werke seine Heilsgewissheit aufhellen noch trüben konnten.Ihm war nicht das nach Jesu Frohbotschaft ethisch gewissenhafte Handeln nach dem Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe, sondern das Verkündigen seiner häretischen Privatbotschaft das Wichtigste gewesen – wenngleich er sich seiner Laster durchaus bewusst gewesen war: „Mag ich immerhin als hoffärtig, geizig, als ein Ehebrecher, Totschläger, Feind des Papstes und aller Laster schuldig gefunden werden, wenn ich nur nicht des gottlosen Stillschweigens angeklagt werde“ (Brief an Staupitz, WA Br2, 264, 24-27).
    Aber das Predigen über den Glauben ohne das Tun guter Werke gibt es in Jesu Heilbotschaft ebensowenig, wie Tun guter Werke ohne Glauben!

    Was Ihre Inkulturationstheorie betrifft, der gemäß Luther das Christentum ins Deutschtum „inkulturiert“ habe, sind Sie dem typisch protestantischen Versuch aufgesessen, der Kirchenspaltung Luthers einen deutschnationalen Anstrich zu geben. Jesu Missionsauftrag hat gelautet: Gehet hin und lehret alle Völker..alles zu halten, was ich euch geoffenbart habe!“ Sein Auftrag ist nicht gewesen, Seine Lehre in bestimmte Kulturen unter Relativierung Seiner Heilsbotschaft zu inkulturieren. Das ist auch nicht geschehen! Bisher sind alle von Protestanten zur Entlastung Luthers angeführten Inkulturationsbeispiele widerlegt worden, so auch die Inkulturationstheorie zum Weihnachtsfest und zu Mariä Himmelfahrt.

    • Fortsetzung zu Herrn Gunther M. Michel

      Zur protestantisch-ökumenischen Strategie gegen die römisch-katholische Kirche gehört es seit einiger Zeit, katholische Festtage durch die Behauptung aus ihrem kirchengeschichtliche Zusammenhang zu lösen, es handle sich um christlich inkulturierte heidnische Feste. Die dahinter stehende Absicht ist es, Luthers häretische Kirchenspaltung als berechtigte Inkulturation des Christentums ins „Deutschtum“ hinzustellen und der Kirche ökumenisch tolerierbar erscheinen zu lassen.

      So behaupten protestantische Exegeten aus ihrer Abneigung gegenüber der Marienverehrung in der katholischen Kirche, die Idee zum Fest Mariä Himmelfahrt habe Cyrill von Alexandrien im 5. Jhdt. dem Aufstieg der Zeustochter und Göttin Astraea zu den Sternen entnommen und zur Himmelfahrt der Jungfrau und Gottesmutter Maria verchristlicht. Dass die Wahrheit eine andere sein könnte, interessiert nicht weiter. Nach katholischer Lehre ist das Fest Mariä Himmelfahrt aus der Marientheologie entstanden und hat mit dem griechischen Götterhimmel des 5. Jhdts. nichts zu tun.

      Über die Jungfrau Maria schrieb schon der Kirchenvater Irenäus von Lyon um 170 n. C.: „Eva musste notwendigerweise in Maria wiederhergestellt werden, damit eine Jungfrau, indem sie zur Anwältin einer Jungfrau werde, durch ihren jungfräulichen Gehorsam den jungfräulichen Ungehorsam rückgängig mache“ (Epideixis 33). Seine Einrichtung um die Mitte des 5.Jahrhunderts verdankt das Fest Impulsen aus der Christologie. Hintergrund war der Streit Cyrills mit Nestorius von Konstantinopel über das Wesen Christi. Die Irrlehre des Nestorianismus bestand darin, dass es in Jesus Christus eine göttliche und eine menschliche Person gegeben habe, das heißt eine Person mit einer göttlichen Natur und eine Person mit einer menschlichen Natur. Beide Personen seien getrennt voneinander zu sehen und lediglich durch das Band der Liebe verbunden.

      Das hatte Folgen im Hinblick auf Maria als Mutter Jesu: Maria sei nur Christusgebärerin, nicht aber Gottesgebärerin. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde der Nestorianismus insgesamt verworfen. Bereits auf dem Konzil von Ephesus 431 n.C. wurde gegen den Nestorinismus entschieden: Maria ist Gottesgebärerin! In diesen Zusammenhang gehört das Fest Mariä Himmelfahrt. Es geht also auf ein Marienfest zurück, das Cyrill von Alexandrien im 5. Jahrhundert zu Ehren der Gottesgebärerin einführte. Dieses Fest legte er auf den 15. August. Mehr ist nicht bekannt. Doch aus der Würde der Gottesgebärerin ergibt sich, analog zur Himmelfahrt Christi, die Himmelfahrt Mariens. Mit der Göttin Astraea hat das nichts zu tun.
      Ob gerade an diesen Tag im August die Heiden überhaupt die Sternenfahrt der Astraea feierten, ob das ein reichsweites Fest gewesen ist, ob es um 450 noch eine Bedeutung hatte, nachdem das Christentum 395 Staatsreligion geworden war, ob nicht vielmehr umgekehrt heidnisch gebliebene Reichsbewohner an diesem von Kyrill festgelegten Festtag Mariens, der Jungfrau und Gottesgebärerin, ihre Astraea reaktivierten, um mitfeiern zu können, ohne aufzufallen, das alles sind Fragen, die offen sind.

      Das Beispiel zeigt, dass die Astraea-Version zur Herkunft des Festes Mariä Himmelfahrt nicht einer ergebnisoffenen Forschung unter Einbeziehung aller denkbaren Aspekte entspringt, sondern vom erwünschten reformatorischen Ergebnis her methodisch inszeniert wird: Das rein katholische Fest Mariä Himmelfahrt soll als ursprünglich heidnisches Fest diskreditiert werden. Solcher Bibelforschung geht es nicht um die historische Wahrheit, sondern um die antirömisch gegen das Lehramt der Kirche verwertbare Wirkung ihrer „Erkenntnisse“ – hier zugunsten der Rechtfertigung der protestantischen Vorstellung von Luthers „Inkulturation des Christentums ins Deutschtum“.

    • Fortsetzung:
      Zur protestantisch-ökumenischen Strategie gegen die römisch-katholische Kirche gehört es seit einiger Zeit, katholische Festtage durch die Behauptung aus ihrem kirchengeschichtliche Zusammenhang zu lösen, es handle sich um christlich inkulturierte heidnische Feste. Die dahinter stehende Absicht ist es, Luthers häretische Kirchenspaltung als berechtigte Inkulturation des Christentums ins „Deutschtum“ hinzustellen und der Kirche ökumenisch tolerierbar erscheinen zu lassen. So behaupten protestantische Exegeten aus ihrer Abneigung gegenüber der Marienverehrung in der katholischen Kirche, die Idee zum Fest Mariä Himmelfahrt habe Cyrill von Alexandrien im 5. Jhdt. dem Aufstieg der Zeustochter und Göttin Astraea zu den Sternen entnommen und zur Himmelfahrt der Jungfrau und Gottesmutter Maria verchristlicht. Dass die Wahrheit eine andere sein könnte, interessiert nicht weiter. Nach katholischer Lehre ist das Fest Mariä Himmelfahrt aus der Marientheologie entstanden und hat mit dem griechischen Götterhimmel des 5. Jhdts. nichts zu tun.
      Über die Jungfrau Maria schrieb schon der Kirchenvater Irenäus von Lyon um 170 n. C.: „Eva musste notwendigerweise in Maria wiederhergestellt werden, damit eine Jungfrau, indem sie zur Anwältin einer Jungfrau werde, durch ihren jungfräulichen Gehorsam den jungfräulichen Ungehorsam rückgängig mache“ (Epideixis 33). Seine Einrichtung um die Mitte des 5.Jahrhunderts verdankt das Fest Impulsen aus der Christologie. Hintergrund war der Streit Cyrills mit Nestorius von Konstantinopel über das Wesen Christi. Die Irrlehre des Nestorianismus bestand darin, dass es in Jesus Christus eine göttliche und eine menschliche Person gegeben habe, das heißt eine Person mit einer göttlichen Natur und eine Person mit einer menschlichen Natur. Beide Personen seien getrennt voneinander zu sehen und lediglich durch das Band der Liebe verbunden. Das hatte Folgen im Hinblick auf Maria als Mutter Jesu: Maria sei nur Christusgebärerin, nicht aber Gottesgebärerin. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde der Nestorianismus insgesamt verworfen. Bereits auf dem Konzil von Ephesus 431 n.C. wurde gegen den Nestorinismus entschieden: Maria ist Gottesgebärerin! In diesen Zusammenhang gehört das Fest Mariä Himmelfahrt. Es geht also auf ein Marienfest zurück, das Cyrill von Alexandrien im 5. Jahrhundert zu Ehren der Gottesgebärerin einführte. Dieses Fest legte er auf den 15. August. Mehr ist nicht bekannt. Doch aus der Würde der Gottesgebärerin ergibt sich, analog zur Himmelfahrt Christi, die Himmelfahrt Mariens. Mit der Göttin Astraea hat das nichts zu tun.
      Ob gerade an diesen Tag im August die Heiden überhaupt die Sternenfahrt der Astraea feierten, ob das ein reichsweites Fest gewesen ist, ob es um 450 noch eine Bedeutung hatte, nachdem das Christentum 395 Staatsreligion geworden war, ob nicht vielmehr umgekehrt heidnisch gebliebene Reichsbewohner an diesem von Kyrill festgelegten Festtag Mariens, der Jungfrau und Gottesgebärerin, ihre Astraea reaktivierten, um mitfeiern zu können, ohne aufzufallen, das alles sind Fragen, die offen sind. Das Beispiel, dass die Astraea-Version zur Herkunft des Festes Mariä Himmelfahrt nicht einer ergebnisoffenen Forschung unter Einbeziehung aller denkbaren Aspekte entspringt, sondern vom erwünschten reformatorischen Ergebnis her methodisch inszeniert wird: Das rein katholische Fest Mariä Himmelfahrt sollte als ursprünglich heidnisches Fest diskreditiert werden. Solcher Bibelforschung geht es nicht um die historische Wahrheit, sondern um die antirömisch gegen das Lehramt der Kirche verwertbare Wirkung ihrer „Erkenntnisse“ zugunsten der Vorstellung von Luthers „Inkulturation des Christentums ins Deutschtum“.

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