Jesuiten bieten Exerzitien „mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen“

Wiens Jesuiten bieten "Exerzitien" nach einem spirituelle Cocktail von Martin Luther und Ignatius von Loyola.
Wiens Jesuiten bieten "Exerzitien" nach einem spirituelle Cocktail von Martin Luther und Ignatius von Loyola.

(Wien) Wiens Jesuiten möchten mit „Ökumenischen Exerzitien im Alltag mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen“ schaffen, was noch keinem gelungen ist: die Quadratur des Kreises.

Unter dem Motto „Mein Leben reformieren“ werden im März an jedem Donnerstag an der Wiener Jesuitenkirche am Ignaz-Seipel-Platz „Exerzitien im Alltag“ angeboten. Die „Initiative der Jesuiten in Wien 1“, wie es auf den Plakaten und Einladungszetteln heißt, birgt eine „ökumenische“ Sensation. Die Exerzitien im Alltag finden „mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen“ statt.

„Reformation“ und „Gegenreformation“

Mit Luther ist der Sachse Martin Luther gemeint, der im Januar 1521 von Papst Leo X. als Häretiker exkommuniziert wurde, und über den im Mai desselben Jahres von Kaiser Karl V. die Reichsacht verhängt wurde. Luther schaffte das Weihepriestertum und die Heilige Messe ab und bis auf die Taufe alle Sakramente. Er verfaßte zwar die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, behauptete aber, daß der Mensch keinen freien Willen habe.

"Exerzitien im Alltag mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen"
„Exerzitien im Alltag mit Luther und Ignatius als Glaubenszeugen“

Mit Ignatius ist der heilige Ignatius von Loyola, ein Baske, gemeint, der zeitgleich im Mai 1521 als Soldat im Krieg gegen Frankreich schwer verletzt wurde. Während seiner Genesung im Kloster Montserrat legte er eine Lebensbeichte ab und die Waffen nieder und wurde vom adeligen Soldaten zum armen Pilger.1534 legte er durch ein Gelöbnis in Paris den Grundstein zum Jesuitenorden, der sich in den Dienst des von Luther verhaßten Papsttums stellte, um in den Ländern zu missionieren, die durch Luther und andere „Reformatoren“ von der Kirche abgefallen waren.

Als Loyola 1556, zehn Jahre nach Luther, stirbt, zählte der Jesuitenorden bereits über 1000 Mitglieder. Der baskische Adelige, der freiwillig zum Bettler geworden war, hatte die Keimzelle zur „Fußtruppe“ für die katholische Erneuerung gelegt, die als „Gegenreformation“ in die Geschichte eingehen sollte.

Was jahrhundertelang Symbolfiguren von „Reformation“ und „Gegenreformation“ waren, wollen die Jesuiten der Wiener Altstadt einem radikalen Geschichtsrevisionismus unterziehen und zu trauter Harmonie und Eintracht zusammenpressen. Die„kontroverstheologische“ Sicht Luthers und des heiligen Ignatius soll durch eine ökumenische-dialogische Sicht ersetzt werden. Man könnte auch sagen, die wirkliche Sichtweise der Betroffenen soll durch eine fiktive, 500 Jahre später gewünschte Sichtweise übertüncht werden.

Mit einer Selbstverständlichkeit wird von den Jesuiten suggeriert, daß Martin Luther und der heilige Ignatius „Zeugen“ desselben Glaubens seien.

Papst Franziskus: „Luther wollte Kirche erneuern, nicht spalten“

Bereits 2014 hatte die Deutsche Jesuitenprovinz die Juni-Ausgabe ihrer Monatszeitschrift JesuitenIgnatius und Luther“ gewidmet.

Völlig unhistorisch, wie die angekündigten „Ökumenischen Exerzitien“, wurde darin Luther vom Jesuiten Markus Schmidt in dessen Aufsatz „Luther aus der Sicht eines Jesuiten heute“ skizziert. Schmidt kann nichts Anstößiges an Luthers Leben, Wirken und Schriften finden. Er biegt Luther so zurecht, daß er perfekt in das gewünschte Ökumeneverständnis des „gemeinsamen Reformationsgedenkens“ des 21. Jahrhunderts paßt. Schmidt ist Assistenzprofessor am Institut für Systemische Theologie der der Universität Innsbruck.

Weit ehrlicher ist der Artikel des Protestanten Christoph Picker zum Thema „Stolz und Vorurteil. Wie sehen Protestanten heute Ignatius?“ Picker ist Direktor der Evangelischen Akademie der Pfalz.

Am vergangenen 19. Januar empfing Papst Franziskus eine „ökumenische Delegation“ aus Finnland. In seiner Ansprache sagte er:

„In Lund wurde daran erinnert, daß es vor 500 Jahren die Absicht Martin Luthers war, die Kirche zu erneuern, nicht zu spalten.“

Das haben bisher so ähnlich nur die Protestanten behauptet. Wer die Geschichte kennt, weiß, daß es anders war. Angesichts solcher päpstlicher Worte, scheinen die Wiener „Exerzitien im Alltag mit Luther und Ignatius“ nur eine logische Konsequenz.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: JesuitenWien1/Jesuiten (Screenshots)

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21 Kommentare

  1. Exerzitien mit Luther und Ignatius.
    Wahrlich: die Quadratur des Kreises. Aber mit diesem Papst im Rücken schaffen Jesuiten auch das.

  2. Die Wiener Jesuiten führten letztes Jahr auch eine „Woche der Wirksamkeit“ durch, bei der – man höre und staune – Gerald Knaus von der Europäischen Stabilitätsinitiative, einer Soros-Organisation, referierte:
    http://www.wochederwirksamkeit.at/referierende/

    Da diese „Initiative“ Europa im Jahr 2015 gefährlich destabilisiert hat (Knaus gilt als Einflüsterer für Merkels Wahnsinnspolitik), ist ihr Name freilich lügenhaft. Sie müßte Europäische Destabilisierunginitiative heißen. Auch hier läßt George Orwell grüßen.

    Was sagt uns das alles? Erstens, daß die Unterwanderung der kirchlichen Strukturen in Österreich durch die vis inimica vollständig gelungen ist. Zweitens, daß der Jesuitenorden am Ende ist. Was sich jetzt abspielt, hat Ignatius – selbstverständlich – nicht angestrebt.
    Vom Wahnsinn, die Lutherschen Ideen als Grundlage für Exerzitien heranzuziehen ganz abgesehen: Ignatius und seine Schüler lehrten immer, daß man sich der Wirklichkeit zu stellen habe. Der Jesuit analysiert die Wirklichkeit, wie sie nun einmal ist, um allfällige passende Gegenmittel zu ergreifen.
    Nun aber betreibt man dort Wirklichkeitsbekämpfung, nämlich im Gewand der Geschichtsfälschung („fiktive Sichtweise“, wie es im Artikel zutreffend heißt).

    So geht eine Ära zu Ende. Dann möge es eben so sein. Die Verantwortlichen werden aber bald vor dem Gericht Gottes stehen. Das sollten sie noch bedenken.

  3. „Luther als Glaubenszeuge“ – ist das nicht zum Heulen, zum Auf-und-davon-laufen? Selbst gemessen an den damaligen Umständen, muss man auch und gerade aus heutigem Verständnis Martin Luther zurecht als Hassprediger bezeichnen. O-Ton Luther über die Juden: „Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“ Und so entwarf er folgendes antijüdisches „Aktionsprogramm“, dessen radikale Umsetzung rd. 400 Jahre später durch die Nationalsozialisten erfolgen sollte: „Erstlich, dass man ihre Synagoga oder Schulen mit Feuer anstecke … Zum anderen, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre … Zum dritten, dass man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein … Zum vierten, dass man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren … Zum fünften, dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe … Zum sechsten, dass man … nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold und lege es beiseite zum Verwahren … Zum siebten, dass man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen … “ So konnte der berüchtigte braune Hetzer Julius Streicher vor dem Nürnberger Militärtribunal überzeugungsvoll sagen: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank.“ Und ausgerechnet der wird nun von unserer katholischen Kirche unter der derzeitigen Leitung des Jesuiten Mario Jorge Bergoglio zum Glaubenszeugen, zum „Zeugen des Evangeliums“ erhoben. Unglaublich! Welchen Evangeliums eigentlich, welcher Frohbotschaft bitte?
    Zwischenfrage: Gab es vergleichbare Äußerungen bekannter Persönlichkeiten oder Zustimmung aus der Katholischen Kirche?
    Noch ein paar weitere entlarvende Luther-Sprüche gefällig? Etwa zum Humanisten Erasmus von Rotterdam: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!“ Oder, als angeblicher „Frauenbefreier“, zu werdenden Müttern: „Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ Oder über die aufständischen Bauern im Bauernkrieg: „Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.“ Oder zum Thema Hexen: „Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder …“ Bekanntlich war in den protestantischen Reichsteilen die Hexenverfolgung schärfer und länger anhaltend als in den katholischen.
    Ob wohl der Jesuiten-Papst Franziskus von diesen und all den anderen menschenverachtenden, erbarmungslosen erniedrigenden Luther-Worten Kenntnis hat? Vielleicht schon. Denn er sagt ja immer wieder, dass der Vater alle Sünden vergibt, alle; und somit ist der „Reformator“ schon mal reingewaschen. Ganz sicher aber müssen seine Mitbrüder in Wien Luthers Hasstiraden kennen. Man sollte mal hinhören, ob und was sie in ihren angekündigten Donnerstags-Meditationen im März dazu zu sagen haben und wie sie es dann sagen – ohne oder mit „jesuitischer Schläue“. Oder werden sie der Einfachheit halber all das Erschreckende aus Luthers Mund ausblenden …, es könnte ja das ökumenische Reformationsgedenken stören?

    • Wenn man sich schon dazu entschließt, dieses Thema überhaupt anzusprechen, dann sollte man fairerweise den Text als ganzes lesen (https://ia601402.us.archive.org/26/items/VonDenJudenUndIhrenLuegen/LutherMartin-VonDenJudenUndIhrenLuegen154318S..pdf ) und sich nicht von der leidenschaftlichen, unbeherrschten grobianistischen, zuweilen unflätigen Rhetorik Luthers vom Sachinhalt ablenken lassen: Luther hat keine Judenvernichtung gefordert. Er hat auch nicht gefordert, die Juden zu verfolgen und zu misshandeln. Und man sollte nicht Themen vermengen. Zu jedem der in Fedors Kommentar angesprochenen Stichworte wäre eine Menge sachlich zu sagen, was aber in diesem Forum so wenig möglich ist wie in Deutschland überhaupt. Es gibt bis 1945 kein einziges historisch stichhaltendes deutsches Dokument, das eine Judenvernichtung beinhaltet. Hingegen gibt es ein Buch des amerikanischen Juden Theodore N. Kaufman, „Germany Must Perish“ (https://ia801407.us.archive.org/31/items/GermanyMustPerish/KaufmanTheodore-GermanyMustPerish194135P..pdf ), das einen Plan darlegt, wie das gesamte deutsche Volk, damals also 70 Millionen Deutsche, physisch ausgerottet werden soll. Dieses Büchlein erschien nicht in einer Nische, wo es keiner bemerkte, wurde von den größten US-Zeitungen wohlwollend kommentiert!

      • Fedor weiß sehr wohl, dass „Katholisches.info“ kein wissenschaftliches Forum ist. Aber soweit ich das zu beurteilen vermag, kann all das Monströse, das Luther drei Jahre vor seinem Tod über die Juden von sich gab, auch im historischen Kontext als Hassrede bezeichnet werden. Warum sonst sollten Vertreter aller möglichen protestantischen Gemeinschaften hierzulande aus Verlegenheit, vielleicht auch Scham immer mal wieder Entschuldigungsaktionen in Form von Vorträgen, Tagungen, ja sogar von Ausstellungen organisieren?
        Liest man die diesbezüglichen Texte des „Reformators“, könnte man glatt meinen, dass M.L. nicht mitgekriegt hat, dass auch Jesus, Maria und Josef sowie die Apostel und Evangelisten Juden waren. Da er das natürlich doch wusste, sind seine Ausfälle gegen das auserwählte, aber mitnichten verstoßene Volk Gottes, für mich (bin aber kein Theologe) nicht mehr und nicht weniger als eine Sünde wider den Heiligen Geist. Gott war im Schoß einer jungen jüdischen Frau Mensch geworden. Papst Franziskus hat am 23. Januar 2017 bei der Morgenmesse in der Casa Santa Marta festgestellt: „Wer gegen den Heiligen Geist lästert, der schließt sich ja selber aus der Vergebung aus.“ Und eine Lästerung der Juden, wie sie M.L vornahm, beinhaltet in meinen Augen eine schwere, wenn wahrscheinlich auch unbeabsichtigte Lästerung der Heiligen Familie. Der Papst – und damit meinte Luther wahrscheinlich das von Jesus eingesetzte Petrusamt als solches – war für ihn der im Dienst des Teufels stehende Antichrist.
        „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ – blickt man auf die Früchte des „Reformators“, so wird man feststellen müssen: Luther hat die – leider auch mitunter von sündigen Päpsten und Kardinälen geführte – Kirche Jesu Christi nicht nur gespalten, sondern war auch die Ursache für den verheerenden 30jährigen Krieg und danach für viele andere kriegerische, zahllose Menschenleben kostende Auseinandersetzungen.
        Die Dokumente, die Gunther M. Michel bei der von Fedor angeführten Umsetzung von Luthers „Aktionsprogramm“ vermisst, die gibt es natürlich. Doch diese Dokumente sind weit mehr als nur beschriebenes Papier: das waren lebende, handelnde Personen, und das waren und sind ihre später für alle sichtbar gewordenen durch und durch bösen Taten. Heute, 27. Januar, ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Ist das vielleicht kein bleibendes Dokument!? Denn ganz gewiss war es kein Zufall, dass die Reichspogromnacht 1938 auf den 9./10. November datiert, auf Luthers Geburtstag. Ja, die Nationalsozialisten konnten sich wirklich und unverhohlen auf Luthers Schriften berufen und so versuchen, die Vertreibung und Ermordung der Juden während des Dritten Reichs zu legitimieren. Einer ihrer Kronzeugen war der von mir angeführte Julius Streicher bei den Nürnberger Prozessen.
        Bezüglich des Buchs „Germany Must Perish“ des amerikanischen Juden Theodore N. Kaufman, welches lt. G. M. Michel „einen Plan darlegt, wie das gesamte deutsche Volk, damals also 70 Millionen Deutsche, physisch ausgerottet werden soll“, kann ich nur sagen: Das ist nichts als – vermutlich sogar beabsichtigter – Unsinn hoch 3. Das Buch kenne ich nicht und werde es sicher auch nie lesen.

      • Noch eine Ergänzung: Dass Luthers antijüdische Hasstiraden auch vor hundert Jahren noch bekannt und mitverantwortlich waren an einer der verhängnisvollsten Ausprägungen des Nationalsozialismus, dem Antisemitismus, offenbart sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass die protestantischen Regionen besonders anfällig waren für nationalsozialistisches Gedankengut, ja sogar bestimmte Orte zu regelrechten „Wallfahrtsstätten“ wurden. Man denke nur an die alte Reichsstadt Nürnberg oder an den mittelfränkischen Hesselberg, der während des Dritten Reichs zum protestantischen „Heiligen Berg“ Frankens mutierte, zu dessen prominentesten „Pilgern“ auch Göring, Goebbels und sogar Hitler selbst gehörten. Der Franke Julius Streicher hatte geplant, sich dort oben ein Mausoleum errichten zu lassen. Vom überlieferten, eigentlichen Heiligen Berg der Franken, nämlich dem Kreuzberg in der Rhön, gibt es nichts Vergleichbares festzustellen. In Franken existierte eine starke nationalprotestantische Bewegung. So ist in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 22. März 2016 der Satz zu lesen: „Immerhin fiel den nationalprotestantisch gesinnten Ortspfarrern eine entscheidende Rolle zu für die Tatsache, dass sich die Nazis schon vor 1933 in Westmittelfranken ausbreiteten wie sonst kaum irgendwo.“ (http://www.sueddeutsche.de/bayern/ns-vergangenheit-frankens-braune-wallfahrt-1.2916753) Von „nationalkatholischen Pfarrern“, die es vereinzelt wahrscheinlich auch gegeben haben mag, habe ich persönlich als „Bewegung“ noch nie gehört. Sehr wohl aber von zahlreichen katholischen Geistlichen, deren Leben als Märtyrerpriester vornehmlich im KZ Dachau endete. Zwei aus ihren Reihen werden seit jüngster Zeit in der fränkischen Diözese Würzburg, angeführt von den Frankenheiligen St. Kilian, St. Kolonat und St. Totnan, als Selige verehrt: Pfarrer Georg Häfner (seit 2011) und Pater Engelmar Unzeitig (seit 2016). „Dich loben, dir danken, deine Kinder in Franken …“ Aber auch – nicht zu vergessen – standhafte evangelische Pfarrer, oft genug denunziert aus den eigenen Reihen, zählen zu den Opfern der Nationalsozialisten.

  4. Es wundert mich nicht, dass sich jetzt bereits die Jesuiten mit Luther „verpartnern“.
    Vielleicht sollte man den Teufel höchstpersönlich auch noch mit ins Boot nehmen – das wäre echt sensationell….
    Es wäre zumindest eine aussergewöhnliche Trinität: Jesuiten, Luther und Luzifer. Da kann sich jeder dann aussuchen, womit er den jeweils anderen „erneuern“ – natürlich nicht spalten – will……
    In Trier wurden am Wochenende 2 Theologiestudenten promoviert. Das Thema der Lectio lautete: „Zeuge, Opfer, Kämpfer – Gedanken zur Theologie des Martyriums in Christentum u n d Islam“. In der katholischen Kirche ist wirklich im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los. Heilige Märtyrer, die ihr Blut um des Glaubens willen vergossen haben, müssen sich mit islamistischen Selbstmordattentätern vergleichen lassen – es ist unfassbar……der Himmel weint…..
    Da bleibt nur das Gebet: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen (wirklich) nicht?, was sie tun.“…..

  5. Spiritueller Chemtrail, hohe Verseuchungsgefahr für jene, die in der katholischen Glaubenslehre und Tradition nicht gut gebildet und glaubensfest sind.

  6. „In Lund wurde daran erinnert, daß es vor 500 Jahren die Absicht Martin Luthers war, die Kirche zu erneuern, nicht zu spalten.“
    Genau dieser Satz entlarvt das zweite vatikanische Konzil und beweist, dass die katholische Kirche protestantisiert wurde. Die nachkonzilare „katholische“ Kirche spricht immer wieder davon, dass die Kirche sich erneuern muss….Es werden deshalb auch immer wieder offiziell wirre „Fürbitten“ vorgetragen, die Gott um die Erneuerung seiner eigenen Kirche bitten…….Das Gott ein solches Plappern erhört, ist genauso unmöglich wie die Tatsache, dass Gott sich nicht selbst eliminieren, verändern oder erneuern kann. Gott , der Heiligste, der Vollkommenste, kann niemals von der Wahrheit zur Lüge wechseln, auch nicht ein ganz klein bisschen….auch nicht mit ständigem hartnäckigem Wiederholen einer Forderung nach einer „erneuerten Kirche“.
    Durch mehrere Heilige wie Franz von Sales und Papst Piux X. wurde das genaue Gegenteil gesagt: Nicht die Kirche, sondern jeder einzelne Gläubige muss sich jeden Tag in Christus erneuern. Jeder Christ muss sich täglich vor Gott erneuern, Falsches erkennen, bereuen, regelmäßig beichten und vor Gott aufrichtigen Herzens Besserung geloben. Die Institution Kirche ist der mystische Leib Christi. Dieser mystische Leib ist vollkommen, ,weil von Gott geschaffen. Er kann und darf niemals von der Hand eines Geschöpfs verändert, modernisiert oder zeitgeistig „angepasst“ werden. Zeitgeist, Beliebigkeit und Willkür bilden eine unheilige, eine satanische Dreifaltigkeit.
    Danke an Fedor für Ihre entlarvende Zusammenstellung wichtiger Zitate von Martin Luther. Sie haben Luther als Hassprediger bezeichnet, was sicher nicht untertrieben ist. Ich empfehle allen, sich die aufschlussreiche Dokumentation eines Videos bei you tube anzusehen. Dort gibt es ein etwa 40 minütiges Video mit dem Titel.: „Die dunkle Seite von Martin Luther“. Diese Dokumentation zeigt in Vergleichen was Jesus sagte und wie Luther das Wort Gottes abänderte, verdrehte oder wie er zum Hassprediger wurde…Luther war besonders mit seinem auffälligem Judenhass – was heute viele – auch Protestanten – gar nicht wissen oder einfach „ausblenden“ – der Wegbereiter für Adolf Hitler und seine Verfolgung und Ermordung unzähliger Juden!!!!!!
    Sünde gebiert Sünde, Hass gebiert Hass, wie Luther und Hitler beweisen. Was die Hexenverfolgung betrifft, habe ich das noch nicht nachgeprüft, aber meine Freundin sagt, dass die grausamen Hexenverfolgungen und -Verbrennungen von Martin Luther und nicht von der katholischen Kirche ausgingen. Die katholische Kirche hat sich mitschuldig gemacht, wird aber in der Öffentlichkeit stets als allein Schuldige für diese vielfachen Folterungen und Morde, dahingestellt. Ich glaube, es war Papst Johannes Paul II. , der sich vor vielen Jahren für die Hexenverfolgungen und – Tötungen in aller Öffentlichkeit entschuldigt hat….Soweit mir bekannt, hat sich die evangelische Gemeinschaft als Urheber der Hexenverfolgung bis heute noch nicht öffentlich zur ihrer Schuld bekannt.

  7. Was den Fall der Mauer und das Ende der damaligen DDR betrifft, gibt es erstaunliche Paralellen zum jetzigen Luther-Jubel-Jubiläumsjahr 2017. Die Unrechtregierung unter Erich Honecker regierte und reagierte mit Kontrollen, Stasi, Repressalien, Erschießung, Gefängnis und mit ständiger Ignoranz gegenüber dem Volk, welches in demokratischer Freiheit leben wollte.
    Die evangelische Gemeinschaft verschließt seit 500 Jahren Augen, Ohren, Herz und Mund vor den Gräueltaten ihres Gründers, Martin Luther. Jetzt – zum Jubiläumsjahr – wehren sich viele – meist traditionelle Katholiken mit der göttlichen Wahrheit – gegen die Verklärung dieses Häretikers und Hasspredigers. Sie sagen: Wir (die Katholiken) sind die Kirche – nicht die Protestanten, nicht der Häretiker Luther – ähnlich wie die DDR-Bürger damals skandierten: “ Wir sind das Volk – wir sind das Volk“…..Die DDR – Regierung wollte ein Jubel-Jubiläum anlässlich des 40 jährigem Staatsbestehens feiern – das Jubiläum wurde zum Desaster – die Mauer fiel – die DDR löste sich auf…..Es bleibt zu wünschen, dass die ganze Wahrheit über Martin Luther endlich im Jubiläumsjahr ans Licht kommt und dass die evangelische Pseudokirche wie die DDR und wie die Mauer ( in den Köpfen der evangelischen Gläubigen) endlich zugunsten der Umkehr zum Katholizismus fällt. Eine Religion und eine „erneuerte Kirche“, die auf Lügen gegründet wurden, sind – ähnlich der DDR – früher oder eben 500 bzw. über 50 Jahre später – dem sicheren Untergang geweiht.

  8. Fedor hat im obigen Kommentar von befürchteter „jesuitischer Schläue“ gesprochen.
    Zu Ihrer Beruhigung: „Schläue“ kommt nicht von Gott – Schläue stammt von jemandem, der nicht in der Wahrheit ist, der versucht die Gläubigen „auszutricksen“. Von Gott stammen: Heiligkeit, Liebe, Einfachheit, Demut, Wahrheit, Gebet, Treue, Gnaden, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frömmigkeit, niemals aber eine „heimlich-hinterlistig-anmutende „Schläue“……

  9. „Schläue“ bezeichnet eine relativierte Klugheit. Gott besitzt auch – wir durch den Heilgen Geist wissen – die Eigenschaft der Klugheit, aber Gott lässt sich nie relativieren. Deshalb müssen wir Schläue ganz deutlich von der Klugheit trennen. Kardinal Sarah wählte die Tatsache der Klugheit und der Vollkommenheit Gottes als Überschrift für sein Buch. Es heißt: „Gott oder Nichts“. Dem ist von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen.

    • Der Rauch Satans ist in den Vatican eingedrungen. (Johannes XIII.) Er hat leichtes Spiel auch mit leichtglaeubige Klerikern. Dieser Ungehorsam aller Glaeubiger und die Spaltung in Lehre und Wahrheit ist Schuld an den staendigen Beben in Italien. Hoeren wir auf Gott zulaestern und beginnen wir mit Suehnegebet, wie es die Gottes Mutter es seit 100 Jahren will.

  10. Einspruch, werter Herr Gunther M. Michel!
    Luthers Rhetorik gehört sehr wohl zum „Sachinhalt“ des Kommentars von „Fedor“! Luther war zweifellos ein Hassprediger, ein strategisch agierender dazu, der einmal bei Tisch freimütig die allgemeinen Zwecke und Ziele seiner Predigten am Beispiel „Bauern“ offenlegte und sich seiner Strategie, zu der gerade auch seine fäkalische Predigtweise gehörte, noch brüstete: „Prediger sind die allergrößten Totschläger. Denn sie ermahnen die Obrigkeit, dass sie entschlossen ihres Amtes walte und die Schädlinge bestrafe. Ich habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen; all ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich schiebe es auf unseren Herrgott; der hat mir befohlen, solches zu reden…Gott ist wunderbar, der uns Predigern das Amt seines Wortes befiehlt, mit dem wir die Herzen der Menschen regieren sollen“ (Tischreden, WA 3, S. 75).
    Unter diesem ernsten Vorzeichen müssen auch Luthers Ausfälle gegen die Juden gesehen werden – vor allem die gegen Ende seines Lebens. Von Eisleben aus schreibt er seiner Frau Käthe am Tage von Mariae Reinigung 1546 (2.Februar) über die anstehenden Vertreibungspläne gegen die in der Stadt Eisleben wohnhaften Juden:
    „Wenn die Häuptsachen geschlichtet wären, so muss ich mich dran legen, die Juden zu vertreiben. Graf Albrecht ist ihnen feind und hat sie schon preisgegeben. Aber niemand tuet ihnen noch ichts. Will’s Gott, ich will auf der Kanzel Graf Albrechten helfen und sie auch preisgeben…“
    Am 15. Februar 1546, drei Tage vor seinem Tod in Eisleben, machte Luther den Predigtanfang, durch perfides Schüren von Alltagsängsten die Kirchenbesucher der Stadt aufzuhetzen: „Der verböste Jude wird nicht ablassen, dich auszusaugen und dich zu töten… Die Juden können Arzneien verabreichen, davon der Patient in einer Stunde, in einem Monat, in einem Jahr, ja in zehn oder zwanzig Jahren sterben muss. Die Kunst können sie“ (Walther Bienert, Martin Luther und die Juden, Frankfurt 1982, S. 174-177).
    Im September 1937 schrieb Thomas Mann mit Recht: „Hitler ist kein Zufall, kein illegitimes Unglück und keine Entgleisung. Von ihm fällt Licht auf Luther zurück und man muss diesen weitgehend in ihm wiedererkennen“ (vgl. FAZ vom 8. August 2007, S.15).

  11. Einspruch II:
    Am übelsten hetzte Luther fraglos gegen die Juden, mit dem Ziel, vor ihnen Abscheu im Volk zu erzeugen. In seiner Schrift, „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543), finde ich wörtlich:
    „Pfui euch hier, pfui euch dort, und wo ihr seid, ihr verdammten Juden! Wenn du einen Juden siehst, magst du mit gutem Gewissen ein Kreuz vor dich schlagen und frei sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel! Darum wisse, dass du nächst dem Teufel keinen bitteren, giftigeren Feind hast als einen rechten Juden. Sie glauben närrische Lügen und statt in das schöne Angesicht des göttlichen Wortes, kucken sie dem Teufel ins schwarze, finstere Hinterlügenloch und müssen seinen Stank anbeten. Sie sind giftige, hämische Schlangen, Meuchelmörder und Teufelskinder. Mein treuer Rat ist, wie droben gesagt, ernstlich: dass man ihre Synagogen mit Feuer verbrenne und, wer kann, Schwefel und Pech hinzufüge; wer auch höllisch Feuer zuwerfen könnte, wäre auch gut. Darum soll der Juden Maul nicht wert gehalten werden, sondern mit Säudreck soll man auf sie werfen. Verbrenne ihre Synagogen und gehe mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeit um… Will das nichts helfen, so müssen wir sie wie die tollen Hunde hinausjagen. Wenn mir Gott keinen anderen Messias geben wollte, als wie die Juden begehren, so wollte ich lieber eine Sau als ein Mensch sein“[150]
    Und in Luthers letztem Pamphlete „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi“ findet sich folgende Skulpturbeschreibung:
    „Es ist hie zu Wittenberg an unser Pfarrkirchen eine Sau in Stein gehauen; da liegen junge Ferkel und Jüden unter, die saugen; hinter der Sau steht ein Rabbin, der hebt der Sau das rechte Bein empor, und mit seiner linken Hand zeucht er den Pirzel über sich, bückt und kuckt mit großem Fleiß der Sau unter dem Pirzel in den Talmud hinein, als wollt er etwas Scharfs und Sonderlichs lesen und ersehen…Denn also redet man bei den Deutschen von einem, der große Klugheit ohne Grund furgiebt: Wo hat ers gelesen? Der Sau, grob heraus, im Arsch…. Hieher zum Kusse! Der Teufel hat in die Hosen geschissen und den Bauch abermal geleeret. Das ist ein recht Heiligthum, das die Juden und was Jude sein will, küssen, fressen und sauffen, was solche Jünger speien, oben und unten auswerfen können. Hie sind die rechten Gäste und Wirthe zusammengekommen, habens recht gekocht und angerichtet… Der Teufel frisst nun mit seinem englischen Rüssel und frisst mit Lust, was der Juden unteres und oberes Maul speiet und spritzet…Ein solch verzweifelt, durchböset, duchgiftet, durchteufelt Ding ist’s umb diese Jüden, so diese 1400 Jahr unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewest und noch sind. Summa wir haben rechte Teufel an ihnen“.
    Das hat mit zeitüblicher Grobianik nichts mehr zu tun. Das ist bereits die Sprache des Herrenmenschen, der in den Juden den Untermenschen gesehen hat:
    Bitteres Fazit: Ohne weite Kreise der evangelisch-lutherischen Volkskirche und den in ihr tief verwurzelten lutherischen Antijudaismus wäre nach 1933 die Festigung der nationalsozialistischen Herrschaft und seine Politik des Antisemitismus und damit der Judenvernichtung wohl nicht möglich gewesen.

  12. Falls der eine oder andere Leser einen guten „Draht“ zu S.E. Walter Kardinal Kasper haben sollte, möchte er ihn doch darum bitten, den ihm nahestehenden Papst Franziskus doch dahingehend zu inspirieren, im Umgang mit der Person und der Lehre des Reformators Martin Luther nicht allzu blauäugig und sorglos umzugehen. Denn das könnte unserer Katholischen Kirche durchaus schweren Schaden zufügen, indem es irgendwann einmal in den Medien pauschalierend heißt, die CHRISTEN hätten gegen die Juden gehetzt und seien schuld an der Entstehung des Nationalsozialismus. Solche Stimmen gibt es ja seit längerem. Erinnert sei an die infamen und völlig haltlosen Angriffe auf Papst Pius XII. Schützen Sie, verehrter Herr Kardinal, unseren Papst und die gesamte katholische Kirche vor dieser nicht zu unterschätzenden Gefahr. Wie schon im ersten Kommentar angedeutet: Ich kenne keine ernstzunehmende prominente katholische Stimme, die auch nur annähernd so spricht wie Martin Luther. Wer eine kennt, möge sie doch bitte posten.

  13. Bevor der Artikel geschlossen wird, doch noch eine allgemein gehaltene Replik auf die Kommentatoren Fedor und Sophus.
    Hassrede, hatespeech ist ein ideologischer und politischer Kampfbegriff. Was Hassrede ist, wird durchaus verschieden empfunden und beurteilt. Empfindungen als solche sind unwiderlegbare subjektive Gegebenheiten.
    Die zum Reformationsgedenken sich anschickenden Protestanten, überhaupt das christliche Publikum, nehmen sehr wohl Luthers Schattenseiten wahr. In der „Fischer Klassik“-Reihe z.B. ist „Martin Luther – Das große Lesebuch“, hrsg. von Karl-Heinz Göttert, erschienen (ISBN: 978-3-596-90636-9, Leseprobe http://www.fischerverlage.de/media/fs/308/LP_978-3-596-90636-9.pdf ). Darin werden auch die anstößigen Haupttexte gegen die aufständischen Bauern und gegen die Juden wiedergegeben. Offenbar wird mit urteilsfähigen Lesern gerechnet. Noch einmal möchte ich empfehlen, sein Urteil nicht auf ausgewählte Skandalzitate zu stützen, sondern die Texte als ganze zu lesen und im Epochenzusammenhang zu sehen (hier nochmal der fragliche Luthertext: https://archive.org/details/VonDenJudenUndIhrenLuegen ). Luther kannte die Judenheit seiner Zeit und hatte auch, wie andere Autoren des Humanismus, Kenntnis von ihrem Schrifttum. Es darf erinnert werden, dass die katholische Kirche den Talmud verbrennen ließ nicht wegen seiner dem Christentum widersprechenden Lehren, sondern wegen der darin enthaltenen Lästerungen gegen den Herrn Jesus Christus und die Gottesmutter Maria, also wegen der Punkte, woran Luther Anstoß nahm.
    Wenn hier darauf abgehoben wird, dass Jesus seiner Menschheit nach Juden war: ja, das war er, und er musste dem Fleisch nach wie auch dem jüdischen Recht nach ein Nachfahre Davids sein, um der Messias/ Christus, sein, dessen Ämter antreten, Aufgaben ausführen und Verheißungen in Anspruch nehmen zu können. Aber für uns Christen kann und darf das kein Grund sein, irgendeine Volkszugehörigkeit oder ein Volk, auch das israelitische bzw. jüdische, zu idolisieren. Kinder Gottes sind aus Gott geboren, nicht aus „Geblüt“, nicht aus dem „Willen des Fleisches“ (vgl. Joh 1,13). Den von Judaisierern verführten Galatern schrieb Paulus: „Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten“ (Gal 6,8). Und der Segen, den Gott durch den Samen Abrahams den Völkern verhieß, ist in Jesus Christus erfüllt, wie der Hebräerbrief hervorhebt.
    Das Thema Judentum, besonders das Unterthema: Beziehung des talmudisch-pharisäischen Judentums zu den Nichtjuden, ist, entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, wichtiger als der Islamismus, da grundlegender und von mehr Auswirkungen auf die Weltpolitik bis hinein in unseren Alltag (z.B.: wer betreibt die Migration und warum?). Es hat auch Bezug zur Geschichte und Geschichtsschreibung des 20. Jh.s.
    Wer hier mehr und Tieferes wissen will als das, was die Hauptstrommedien unentwegt wiederholen, dem ist eigenes Nachforschen nicht erspart. Es geht hier nicht um meine Privatansichten, vielmehr darum, dass jeder Suchende sich ein verantwortliches Urteil bildet, indem er zu Streitfragen unterschiedliche, ja gegensätzliche Ansichten gründlich zur Kenntnis nimmt, diese vergleicht und abgleicht und erst dann Schlüsse zieht.
    Zu dem ganzen Themenkomplex möchte ich einige jüdische Autoren empfehlen, wie besonders: die Rede von Benjamin Freedmann (Konvertit zur röm.-katholischen Kirche) im Willard-Hotel 1961 (pdf und youtube); Israel Shahak, „Jüdische Geschichte und jüdische Religion – Der Einfluss von 3000 Jahren“ (http://politik.brunner-architekt.ch/wp-content/uploads/shahak_juedische_geschichte.pdf ); Shlomo Sand, „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ (Buch u. pdf); Norman Finkelstein über die Holocaust-Industrie; Miko Peled, The General’s Son; vor allem aber: Gerard Menuhin, Wahrheit sagen Teufel jagen (Original „Tell the Truth and Shame the Devil“), in deutscher Übersetzung als pdf im Internet, als englisches Buch im Buchhandel (als deutsches Buch nicht im üblichen Vertrieb). Es ist eines der wichtigsten Bücher der letzten Jahrzehnte überhaupt.

  14. Einspruch III:
    Es ist wohl abzusehen: Über den abtrünnigen, unheiligen Gewaltmenschen Luther wird wohl auch 2017 der Mantel des Schweigens gebreitet werden. Doch es geht heute nicht mehr an, Luther relativierend dem zeitgemäßen Typus des cholerischen Renaissancemenschen zuzuordnen, der sich hemmungslos auslebte. Wer Martin Luther heute ehren will, muss den ganzen Luther in den Blick nehmen und ehren, was von ihm übrig bleibt.
    Die evangelische Kirche in Deutschland wäre gut beraten, wenn sie die von ihr propagierte „Entmythologisierung der Evangelien“ zunächst einmal durch eine Entmythologisierung ihres Lutherbildes ersetzen würde. Denn Luthers Entmythologisierung ist überfällig und müsste für alle Lutheraner ein echtes historisch-kritisches Anliegen sein, um zu wissen, wer Luther in Wahrheit gewesen ist. Der Anfang dazu wäre längst gemacht. Den Impuls, die Lutherschriften erst einmal nach ihrem Alkoholgehalt hin zu ordnen, gab schon der vom betrunkenen Luther in Wittenberg eigenhändig geohrfeigte Melanchthon. Aber die Geister, die Luther gerufen hat, werden wohl zur Entgeistigung ihrer selbst nicht bereit sein. Denn dann müssten die Märchen vom gewittrigen Klostereintritt und vom Thesenanschlag und einiges mehr als unhistorisch in Frage gestellt werden. Und das angesichts dessen, was seine Schriften belegen, dass er bis in seine letzten Tage hinein unversöhnlichen Hass gepredigt hat, um Volk und Herrschaft aufzuwiegeln: gegen Papst, Bauern, Täufer, Juden, gegen das Mönchsleben und das Messopfer, gegen Andersdenkende und Andersglaubende, ausgedrückt in entsetzlichen Mordaufrufen wie diesen: „Wenn wir Diebe mit dem Strang, Mörder mit dem Schwert, Ketzer mit dem Feuer bestrafen, warum greifen wir nicht mit allen Waffen diese Lehrer des Verderbens an, diese Kardinäle, die Päpste und die ganze Rotte des römischen Sodoma, und waschen unsere Hände in ihrem Blut“ (zit. bei Remigius Bäumer, Martin Luther und der Papst) (Ov48) (M68/69).
    Von daher ist Luther zu beurteilen – und auch von seiner häretischen Privattheologie her, die von den neutestamentlichen Schriften nur das gelten lässt, was ihm passt:
    Zur Rechtfertigung seiner subjektivistischen Rechtfertigungslehre fertigte er eine eigene, im Umfang reduzierte Bibelübersetzung an. Was Lutheraner als „Lutherbibel“ zu lesen bekommen, ist kein „irrtumsloses Gotteswort“, sondern ein reduziertes, reformatorisch gefiltertes und präpariertes Wort, denn die von Luther vorgelegte Bibel hat den Zweck, seine subjektivistische Selbstrechtfertigungslehre der Öffentlichkeit gegenüber textlich abzusichern. Daher enthält das Alte Testament, gemessen am katholischen Kanon, statt 45 nur 38 Bücher und das Neuen Testament unter den Hauptschriften statt 27 nur 23. Dazu kommt Luthers selektive Wahrnehmung von bestimmten Schriftstellen, die zu Lasten der Lehre über die Heilsrelevanz von guten Werken wegmanipuliert werden. Das geht so weit, dass in Luthers Nachfolge die protestantische Bibelwissenschaft eifrig bemüht ist, Jesu Anmahnungen zum Tun guter Werke sowie drohende Gerichtsworte des Herrn durch Spätdatierung zu entsorgen.

    Zur Halbzeit der Lutherdekade unkte „Die Zeit“: „Das Reformationsjubiläum entwickelt sich zunehmend zum Bumerang für die Lutherkirche…Je näher das Reformationsjubiläum rückt, desto fremder wirkt der Reformator“. Dabei zitiert die Zeitung den protestantischen Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann zum „ganzen Luther“, den dieser eine „gebrochene, verhärtete, notorisch überforderte Gestalt“ nennt (Die Zeit vom 27.12.2012). Wenn der Widerstand gegen eine Art Heldenverehrung Martin Luthers wächst, täte man gut daran, auch längst bekannte Forschungsergebnisse in der protestantischen Exegese angemessen zu berücksichtigen. Nach wie vor ist es erstaunlich, wie gerne protestantische Theologen, die sonst jeden Satz der Bibel historisch-kritisch unter die Lupe nehmen, Luther-Legenden ungeprüft lassen. Hartmut Lehmann, zugleich Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Instituts in Washington/USA, spielt explizit auf den „historisch nicht belegbaren „Thesenanschlag“ Luthers an, der „früh durch Legendenbildung, als mutiger Akt der Tat gegen die Macht des Papstes“ inszeniert worden sei.
    Insofern sehe ich dem angebrochenen Jahr 2017 mit gewissen Freuden entgegen, in dem Luther, die Gallionsfigur eines neuzeitlichen individualistischen Protestantismus, endlich entmythologisiert werden wird.

  15. Ich bleibe dabei: die hässlichen Worte des Martin Luther, eigentlich sein gesamtes Leben relativieren alles, was er an Gutem je produziert haben mag. Sein Verdienst, so wird jedenfalls immer wieder gesagt: Er hat die Heilige Schrift übersetzt (- und einiges dabei weggelassen oder irgendwie nach seinen Vorstellungen manipuliert). Aus dem AT hat er, dem damaligen Zeitgeist folgend, die Hexenvernichtung abgeleitet und gefordert. Er hätte sie natürlich auch innerhalb der Kirche entschieden bekämpfen können mit Verweis auf das Evangelium. Hat er aber nicht. (Leider Gottes zunächst auch kein anderer maßgeblicher römisch-katholischer Christenmensch; da musste erst beispielsweise ein Friedrich von Spee sich zu Wort melden. Der aber war kein Spalter.) Vom Geist des Neuen Testaments, unserer alles entscheidenden Schrift, vom Geist Jesu ist bei ihm, der doch als Rebell und Reformierer auftrat, relativ wenig zu spüren. Vergleicht man die Worte und Taten Jesu mit den Worten und Taten Luthers, erkennt jeder Mensch guten Willens: Auf der einen Seite ist es wahrhaftig Christus, der Herr! – Und auf der anderen Seite? Nur ein armer Sünder wie viele, viele andere auch, darunter sicher auch Päpste? Ja. Vielleicht aber sogar eine Personifizierung des Antichristen? Zugegebenermaßen eine heikle Frage, die wohl erst am Ende der Zeiten beantwortet werden wird. Ein GLAUBENSZEUGE nach urkatholischem Verständnis ist unbestritten Ignatius von Loyola, Luther aber sicher nicht, und er wird es auch nie werden. Das bleibt unseren verstorbenen und noch lebenden bekannten und verborgenen echten Heiligen vorbehalten, über die wir uns nach wie vor freuen dürfen. Luther war und ist kein Erneuerer, kein Helfer und Heiler, kein Vorbild im Glauben . Er war, ist und bleibt ein Verwirrer und Spalter.

  16. Werter Herr Gunther M. Michel
    Aus Ihrer Replik glaube ich zu erkennen, dass Sie zu „lutherische“ Streitfragen unterschiedliche, ja gegensätzliche Ansichten nicht gerne zur Kenntnis nehmen wollen, geschweige denn sich selber die geforderte Stufenfolge des Vergleichens, Abgleichens und erst dann des Schlüsseziehens abverlangen wollen.
    Daher ein weiteres Beispiel zur Relativierung:
    Luthers grundsätzliche Minderbewertung der Frau wurde besonders schlimm, wenn sie ein geistig behindertes Kind zur Welt brachte, denn solche Kinder, Wechselbälger genannt, waren nach Luther „Kinder des Teufels“. Die meist nicht immer gleich bemerkbare geistige Behinderung erklärte man damit, dass der Teufel durch eine Hexe das gesund geborene Kind heimlich gegen das behinderte Kind ausgewechselt habe. Luther beschreibt Behinderte allgemein in seinen Reden und Schriften ausnahmslos als Teufelsgeschöpfe, und befürwortete deren Tötung, weil es sich lediglich um eine seelenlose „Fleischmasse“ handle, in welcher der Teufel den Platz der Seele eingenommen habe. Deshalb hat er zweien Fürsten auf deren Anfrage geraten, in dem von ihnen vorgetragenen Fall das Kind im Fluss zu ertränken. Am Tisch sagte er später, als Fürst hätte er diese Tötung durchgeführt, doch man habe nicht auf ihn gehört. Dass die Fürsten Luthers Rat nicht angenommen haben, spricht für sie. Sie sind seiner Argumentation offenbar nicht gefolgt, dass ein behindertes Kind eine lebensunwerte Fleischmasse sei, die, anstatt es nach dem Vorbild Jesu zu heilen (Mt 11,5), zu beseitigen sei (vgl. Tischreden Nr. 4513 und 5207).

    Luthers menschenverachtende Haltung gegenüber Behinderten hatte Fernwirkung: 1940 rechtfertigte der NS-Gutachter Werner Catel die unter dem Begriff „Euthanasie“ versteckte Ermordung von Zehntausenden missgebildeter Kinder und geistig Behinderter mit Luthers Aussagen: Sie besäßen keine Persönlichkeit und Willensentscheidung. Die den evangelischen Behinderteneinrichtungen in Neuendettelsau/Bayern anvertrauten Menschen wurden in den Jahren 1940/41 schließlich mit Berufung auf die Staatslehre Martin Luthers den staatlichen Behörden ausgeliefert. Dass sie umgebracht werden, war den Verantwortlichen bekannt.
    Damit nicht genug! Das Bild von der persönlichkeitslosen „Fleischmasse“ ist 1990 sprachlich modernisiert als „pränataler Zellhaufen“ ins Vokabular von AbtreibungungsbefürworterInnen eingegangen, denn wenn Luther das Töten eines geborenen menschlichen Lebens unter bestimmten Umständen empfohlen hat, dann muss das unter bestimmten Umständen wohl auch für einen „Zellhaufen“ im Mutterleib gelten!
    Übrigens: Das Rose-Urteil in den USA, das die Abtreibung in den 80er Jahren freigegeben hatte, war auch von einem „Zellhaufen“ ausgegangen: Das größte Unrechtsurteil der amerikanischen Geschichte, meinte kürzlich der neue Vizepräsident!
    Hätte Luther die Tradition der existierenden römisch-katholischen Kirche zur Kenntnis genommen, hätte er gegenüber den fürstlichen Rat-Fragern die nach wie vor gültigen drei Sätze Tertullians in Erinnerung rufen müssen, die, zum Schutz des ungeborenen Lebens gesprochen, erst recht für das geborene zu gelten hatten: „Wir aber dürfen, weil Mord ein für allemal untersagt ist, auch die im Mutterleib empfangene Leibesfrucht nicht zerstören, während noch Blut für einen neuen Menschen abgezweigt wird. Es ist ein vorweggenommener Mord, wenn man eine Geburt verhindert, und es ist nicht ausschlaggebend, ob man einer Seele, die schon geboren ist, das Leben nimmt, oder eine, die im Entstehen ist, vernichtet. Ein Mensch ist auch, wer auch künftig ein Mensch sein soll; auch sonst ist jede Frucht schon in ihrem Samen enthalten“ (Apologeticum 9,8). Das, und nicht nur das, scheint die neue amerikanische Politik begriffen zu haben!

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