Fiktiver Brief des Erasmus von Rotterdam zur Konfusion um „Amoris laetitia“

Fiktiver Brief des Erasmus von Rotterdam an die Kardinäle der Heiligen Kirche zur Verwirrung um "Amoris laetitia"
Fiktiver Brief des Erasmus von Rotterdam an die Kardinäle der katholischen Kirche zu "Amoris laetitia" - Eine ernstgemeinte Glosse eines besorgten Katholiken

Ein fiktiver Brief des Erasmus von Rotterdam, einem vertrauten Freund des Hl. Thomas More, zur Konfusion um „Amoris laetitia“ – Eine ernstgemeinte Glosse eines besorgten Katholiken

von Dr. Markus Büning*

Liebes Kardinalskollegium, hoher Senat der Römischen Kirche,
Eminenzen,

ich erlaube mir doch nun, mich zu dem Durcheinander zu äußern, welches jüngst ein Lehrschreiben des Pontifex Maximus, bekannt unter dem doch sehr gewöhnungsbedürftigen Titel „Amoris laetitia“ (= AL), über die ganze Christenheit wie ein Lauffeuer gebracht hat. Ich fühle mich da geradewohl an eine andere Episode der langen Geschichte unserer Kirche erinnert, die sich im sechzehnten Jahrhundert in unserem schönen England abspielte. Ich meine da das Durcheinander, welches der damalige König Heinrich VIII. durch sein liederliches Verhalten bezüglich seines Heiligen Ehebundes über ganz Europa gebracht hat.

Warum, fragt Ihr euch, habe ich wohl diese Erinnerung? Weil es im Kern jetzt wieder um ein Thema geht, welches das Zentrum unseres Glaubens berührt: Es geht um die Unauflöslichkeit der Ehe. Es geht um das Heilige Ehesakrament, welches – so sagt es ja bekanntlich schon der Völkerapostel Paulus – ein Bild für die Liebe Christi zu seiner Kirche ist. So wie Christus seine Kirche nicht im Stich lässt, sollen auch die Ehegatten einander bis in den Tod treu sein. Soweit ich mich richtig erinnere, hat schließlich unser Herr selbst gesagt: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen!“. Ja, und was machte dieser Heinrich: Er scherte sich einen Kehricht um dieses Gesetz Christi und trat die Ehe mit seinen Füßen. Gegen den Willen des Papstes setzte er unter Zuhilfenahme des gesamten britischen Episkopates seine Ehebruchtaktik fort. Nur ein Bischof, ja Ihr hört richtig, nur einer wagte es, dem König die Stirn zu bieten: der Heilige John Fisher. Dafür musste er dann allerdings seinen Kopf lassen.

Ja, und dann war da noch mein bester Freund, Thomas More, bekannt für seine Gelehrsamkeit und tiefe Gottesfurcht, ehemals Lordkanzler des Despoten Heinrich, der tapfer und treu zum Wort des Herrn über die Ehe stand und ebenfalls sein Leben lassen musste. Dieser tapfere Ehemann und Familienvater konnte es nicht ertragen, dass der König mit Hilfe der Bischöfe die Unauflöslichkeit der Ehe angegriffen hat. Mir war am Tage, wo ich von der Hinrichtung meines Freundes erfuhr so, als ob man mir selbst den Kopf nahm.

Erasmus von Rotterdam (wahrsch. 1466-1536)
Erasmus von Rotterdam (wahrsch. 1466-1536)

Ihr werdet mich nun sicher fragen, was das denn alles mit „Amoris laetitia“ und Eurem jetzigen Papst Franziskus zu tun hat. Ich sage Euch folgendes: Wie damals, geht es auch nun ums Ganze! Unter dem Deckmantel einer Barmherzigkeitspastoral ohne Grenzen, unter Bezugnahme auf das fehlgeleitete Gewissen und die individuelle Lebenswirklichkeit sogenannter wiederverheirateter Geschiedener wird nun der Versuch unternommen, die bisher immer geltenden Gesetze der Kirche auszuhebeln. Ja, auszuhebeln! Warum? Ich will Euch ehrlich sagen, wie ich das sehe: Um der Welt zu gefallen! Ja, es ist die offensichtliche Kapitulation vor jedem Anspruch, sein Leben in Treue und Verlässlichkeit zu gestalten. Und, das ärgert mich als ein Mann, der sein ganzes Leben mit dem akademischen Disput verbracht hat besonders, dies alles wird mit ungeheuerlichen Tricks gemacht. Da wird dann in einer Fußnote die Tür zum Sakramentsempfang für Ehebrecher geöffnet! Ja, in einer Fußnote! Hat der Verfasser denn gedacht, diese würde überlesen werden? Scheinbar für manche ja. Einige von Euch reden ja deshalb so daher: Es hat sich durch AL doch gar nichts verändert! Alles bleibt beim Alten! Also ist die berühmte Fußnote nicht wichtig? Andere hingegen tun so, als ob die Fußnote der Kern der Botschaft ist. Ja, die Lehre hat sich selbstverständlich geändert. So jüngst noch ein Bischof aus dem schönen Vorarlberger Land. Dann tönen wieder andere aus Eurem werten Kreis, jeder müsse nun nach der Prüfung seines Gewissen selbst entscheiden, ob er zur Hl. Kommunion gehen dürfe oder nicht. Ach ja? Von welchem Gewissen reden wir denn hier? Ein Gewissen, welches sich nach Gottes Gesetz ausgerichtet hat, kann gar nicht zu einem solch törichten Entscheid gelangen. So habe ich das jedenfalls noch in meinem Theologiestudium gelernt. Und dann werden in diesem Schrieben noch einige Schriften ehrenwerter Autoritäten aus dem Zusammenhang gerissen und sinnverstellend zitiert, um dieser Schrift den Anschein der Katholizität zu geben. Ich versichere Euch, ein Thomas von Aquin würde dieses Schreiben bereits wegen seiner amateurhaften Machart zur Seite legen! Über seine möglicherweise inhaltlich vorgenommene Bewertung möchte ich hier mal lieber nicht mutmaßen.

Und, was tut Ihr? Fast alle schweigen seit Monaten und erwecken vor den treuen Katholiken den Eindruck, dass diese Änderung der Lehre durchaus akzeptabel sei. Nur vier, ja nur vier mutige Männer aus Eurem Kreis, haben es gewagt, ihre berechtigten Zweifel dem Pontifex vorzulegen. Doch dieser hält es nicht für nötig, zu antworten. Vielmehr wurden in den letzten Wochen einige seiner treusten Vasallen losgeschickt, um diese vier Kardinäle einzuschüchtern. Oh je, welch verdorbene Sitten in einer Kirche, die sich doch so sehr dem Dialog öffnen wollte. Ehrlich gesagt, da haben wir uns vor fünfhundert Jahren mitunter besser benommen.

Ich will Euch nur an das schlechte Beispiel Eurer Bischofskollegen im England zur Zeit des Hl. Thomas More erinnern. Wollt ihr so in die Annalen der Kirchengeschichtsschreibung eingehen? Wollt ihr so vor den treten, der die Ehe als einen unauflöslichen Bund den Menschen geschenkt hat? Bitte stellt Euch mal in Eurem Gewissen diese Fragen und betet hierbei besonders um die Fürsprache dreier Heiliger, die für die Unauflöslichkeit der Ehe gestorben sind: Johannes der Täufer, John Fisher und Thomas More. Wie damals, sind es auch heute vor allem die Laien, die auftreten und Euch seit Monaten zurufen, die Würde des Ehesakramentes zu schützen. Ich hoffe, dass Ihr Eure Gewissen nochmals in dieser Angelegenheit intensiv erforscht.

Ich selbst bin, wie Ihr sicher wisst, auch von geistlichem Stand und kann in Sachen Ehe nicht aus eigener Erfahrung sprechen. Aber eines darf ich Euch abschließend mitteilen: Ich habe zeitlebens darunter gelitten, dass ich unehelicher Herkunft war. Ich habe dies immer als Makel empfunden. Umso mehr durfte ich dann während meiner vielen Aufenthalte im Hause More sehen, wie beglückend dieses Sakrament für die Menschen ist. Folgendes habe ich damals über die Ehe aufgeschrieben:

„Die Ehe wurde von Christus in Kana gutgeheißen. Sie wird von der Natur gebilligt und von Ketzern verdammt. Eingesetzt wurde sie nicht von Lykurg, Moses oder Solon, sondern durch den Schöpfer des Universums, denn Gott sagte: ‚Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei‘, und er schuf Eva, nicht aus Erde wie Adam, sondern aus seiner Rippe, damit niemand ihm näher und vertrauter sei als die Gattin. Nach der Sintflut sagte Gott zu den Menschen: ‚Seid fruchtbar und mehret euch.‘ Sollte man nicht die Ehe vor allen anderen Sakramenten ehren, weil sie als erstes eingesetzt wurde, und durch Gott selbst? Die anderen Sakramente wurden auf der Erde eingesetzt [gemeint ist nach dem Sündenfall], dieses im Paradies, die anderen als ein Heilmittel, dieses als Gemeinschaft im Glück [die Bereitschaft zur Nachkommenschaft eingeschlossen]. Die anderen wurden für die gefallene Natur verordnet, dieses aber für die unverdorbene Natur. Wenn die menschlichen Gesetze geehrt werden, um wieviel mehr sollten wir dann das Gesetz der Ehe ehren, das wir von dem empfangen, der uns das Leben gab. Der Anreiz durch die Liebe, der für die Ehe nötig ist, kommt von der Natur, und alles, was von der Natur [durch die Kraft des Schöpfers] stammt, ist rein und heilig. Die frömmste Art zu leben, in Reinheit und Keuschheit, ist die Ehe.“ (zitiert nach Walter Nigg, Erasmus von Rotterdam. Christliche Humanität, Ostfildern 1983, S. 9 f.).

Bitte tragt Sorge dafür, dass diese frömmste Art zu leben, weiterhin in unserer Kirche geschützt wird und ermahnt den Petrus von Heute, sich klar und eindeutig zum Wort des Herrn zu bekennen, wonach die Ehe unauflöslich ist.

Mit diesen Überlegungen und den guten Wünschen für das neue Jahr bin ich in tiefer Ergebenheit

Euer

Erasmus von Rotterdam

*Markus Büning, geboren 1966 in Ahaus (Westfalen), studierte katholische Theologie und Philosophie in Münster in Westfalen und München. Nach seinem erfolgreichen Studienabschluß absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten von Konstanz und Münster und wurde 2001 in Münster zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert. Nach Tätigkeiten als Assistent an den Universitäten Konstanz und Münster trat er als Jurist in den Verwaltungsdienst. Der ausgewiesene Kirchenrechtler veröffentlichte zahlreiche Publikationen zu kirchenrechtlichen und theologischen Themen und über Heilige. Dr. Markus Büning ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Bild: Johann Holbein der Jüngere (1530/1531)/Wikicommons

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2 Kommentare

  1. Katholisch – Prädikat sehr gut!
    Ein herrlich klug gewählter Weg eine Ermahnung zu kommunizieren und damit den wichtigen Aufruf zur Treue zur vollen Wahrheit der katholischen Lehre und Gebote Gottes zu verbinden.
    Zugleich ist es ein erbauliches Bekenntnis des Verfassers, ihm danke ich persönlich. Hoffentlich lesen diesen Text viele.

    To whom it may concern – Kardinäle, Bischöfe, Kleriker, Ordensleute, Theologen, Laien aller Stände:
    Wer aufrichtig in Herz, Seele und Verstand ist, kann sich dieser Ermahnung und diesem Aufruf nicht gutem Gewissens verweigern.

  2. Vielen Dank, für diese wunderbaren, mutigen Worte! Rufen wir diese drei großen Heiligen und alle heiligen Ehepaare um Ihre Fürsprache an. Möge GOTT uns beistehen!

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