Krippe soll „aus Respekt für Muslime“ weichen – Freiwillige errichten sie dennoch

Weihnachtskrippe auf dem Friedhof von Cremona (Bild aus dem Vorjahr)
Weihnachtskrippe auf dem Friedhof von Cremona (Bild aus dem Vorjahr)

(Cremona) Im lombardischen Cremona, der Stadt der berühmten Geigenbauer Amati, Stradivari und Guarneri, ordnete der neue katholische Kaplan des städtischen Friedhofs, Don Sante Braggià¨, „aus Respekt für die dort begrabenen Muslime“ an, keine Weihnachtskrippe mehr aufzurichten. Ein Streit, wie er heute an verschiedenen Orten stattfinden könnte. Nicht überall dürfte er allerdings denselben Ausgang nehmen.

Der Vorgänger von Don Braggià¨, Don Oreste Mori, kritisiert die Entscheidung scharf: „Das ist Wahnsinn. Wir sind nicht in Arabien“.

Das Jesuskind in der Krippe an einem Weg durch den Friedhof „könnte die Sensibilität der Islamischen stören“, gab hingegen der seit kurzem amtierende Kaplan bekannt. Der Konjunktiv weist auf eine gefühlte, keine tatsächliche „Störung“ hin. Die Entscheidung des Friedhofskaplans löste in der Stadt heftige Diskussionen aus. Es sei „vorauseilende Unterwürfigkeit“, werfen Kritiker dem katholischen Priester vor, der zwei Pfarreien am Stadtrand leitet.

Die Weihnachtskrippe war vor einigen Jahren von Don Mori eingeführt worden. Die Initiative ging 2010 auf eine Zusammenarbeit mit dem damaligen Kulturstadtrat Claudio Demicheli von der Lega Nord zurück. Der inzwischen 77 Jahre alte Priester, ist seit wenigen Monaten in Pension. Die Krippe hatte er jedes Jahr persönlich aufgerichtet.

Die Stadt Cremona wird seit Jahrzehnten von Koalitionen links der Mitte regiert. Eine Ausnahme bildete die Legislaturperiode 2009-2014. Die Linksopposition war schnell mit Vorwürfen zur Hand, die Lega Nord „mißbrauche“ religiöse Symbole für politische Zwecke. Kulturstadtrat Demicheli begründete seine Unterstützung damit, daß die eigene Kultur und deren Symbole gestärkt werden müßten, weil im Zuge von Masseneinwanderung und Globalisierung die Gefahr bestehe, sie aufzugeben. Nun sehen sich die damaligen Initiatoren bestätigt.

Die Segnung der Krippe im Vorjahr durch Don Mori. Links oben Don Braggià¨.
Die Segnung der Krippe im Vorjahr durch Don Mori. Links oben Don Braggià¨.

Die polemische Kritik damals verhallte schnell und die Krippe wurde schließlich allgemein akzeptiert. Von Don Braggiਠwurde den Graben wieder aufgerissen. Er sei bereit, obwohl die Existenz der Weihnachtskrippe von Muslimen nicht kritisiert wurde, die eigene Identität preiszugeben, so die Lega Nord, die sich heute in der Opposition befindet.

Der 57jährige Don Braggiਠrechtfertigte sich mit dem Hinweis, daß er die Krippe nicht allein aufrichten könne. Die Friedhofsangestellten „sind mit sehr vielen Kremationen beschäftigt, da kann ich sie nicht noch bitten, mir zu helfen“, wird er vom Corriere della Sera zitiert.

Ihn habe aber auch der Aufstellungsort der Krippe „nicht überzeugt“, um im nächsten Satz politische Rückendeckung bei der derzeitigen Linksregierung zu suchen: „Ich habe nichts gegen den ehemaligen Kulturstadtrat [Demicheli], aber er war ein hundertprozentiger Lega-Vertreter.“

Ein kleiner Teil des Friedhofes ist für die Bestattung von Muslimen reserviert. „Sie kommen her, um ihrer Lieben zu gedenken. Eine an so sichtbarer Stelle plazierte Weihnachtskrippe könnte ein Mangel an Respekt für die Gläubigen der anderen Religionen sein, die Sensibilität der Muslime stören, aber auch der Inder und auch der Atheisten. Kurzum, das wäre ein Schlamassel.“

Die linksdemokratische Stadtregierung hielt sich zurück und ließ wissen, daß die Krippenfiguren in den Depots bereitstehen. Mit anderen Worten: Wenn sie nicht aufgestellt werden, sei das allein die Entscheidung von Don Braggià¨.

Der Vorgänger Don Mori: „Noch sind wir in Italien und nicht in Saudi-Arabien“

Don Mori ist empört über seinen Nachfolger: „So dumme Begründungen will ich gar nicht hören. Die Krippe hat allen gefallen, nicht nur den Katholiken, auch den Nicht-Katholiken. Gestört hat sie niemand. Wir können nicht auf unsere Kultur und unsere Traditionen verzichten, das wäre ein  Zeichen einer unverzeihlichen Schwäche. Noch sind wir in Italien und nicht in Saudi-Arabien.“

Nach einem italienweiten Anschwellen der Polemiken trat Don Braggiਠetwas leiser. Zunächst lies er durchblicken, daß es doch eine Krippe auf dem Friedhof geben könnte, aber nicht mehr so sichtbar, sondern kleiner und in der im Inneren der kleinen Kapelle der Schmerzensmutter.

„Das ist ein halber Rückzug, aber immer ein Rückzug“, ließ der ehemalige Kulturstadtrat Demicheli wissen. Gemeinsam mit Freiwilligen rief er eine Initiative ins Leben, um das Angebot der Stadtregierung aufzugreifen, daß die Krippe und die Figuren zur Verfügung stünden. „Die Krippe wird es erneut geben und sie wird noch wirkungsvoller sein. Wir haben bereits mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen und um die Erlaubnis angesucht, auf dem Friedhof die Krippe aufrichten zu dürfen“, so Demicheli.

Don Braggiਠhabe eingesehen,  so der ehemalige Stadtrat weiter, „daß die Krippe nicht gegen jemand ist, sondern sichtbar macht, daß Jesus Christus geboren wurde und in die Welt gekommen ist, um alle zu retten. Es stimmt, daß auf unserem Friedhof auch Personen anderer Religionszugehörigkeit begraben werden, aber das ändert nichts daran, daß es Werte gibt, unsere Werte, von denen es kein Abrücken geben kann“, so Demicheli.

Das Bistum Cremona versuchte die Wogen zu glätten und sprach von einem „Mißverständnis“. Der zuständige Leiter des Pastoralamtes meinte, die Diözese hoffe, „daß die christlichen Symbole und Traditionen immer Brücken der Begegnung sein mögen und nie gebraucht werden, um zu trennen“.

Die Freiwilligen haben inzwischen mit der Errichtung der Krippe auf dem Friedhof begonnen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: PdC/WFC (Screenshots)

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4 Kommentare

  1. Den Angehörigen der muslimischen Verstorbenen ist ja bekannt, dass ihre Toten auf einem Friedhof der Christen begraben wurden und werden.
    Warum also diese völlig unverständliche und unnötige Unterwürfigkeit des Kaplan Don Braggiè?
    Gut, dass es noch Wackere gibt, die dagegen angehen.

  2. Warum ruft dieser Umnachtete nicht gleich aus „Respekt“ vor den Muslimen „Alahu akbar“ von den Zinnen seines Kirchturms. Warum befiehlt er nicht gleich seine Gläubigen zum ökumenischen Freitagsgebet? Diese Unterwerfungsmentalität im Namen vermeintlicher Toleranz offenbart nichts anderes als das erschreckende Ausmaß an krankhaftem Selbsthass/ -verachtung einer sich im Innersten entfremdeten Kultur/Religion.

  3. Don Mori hat recht: Eine dümmere Ausrede hätte Don Braggie wirklich nicht finden können! Nach seiner Argumentation müsste man ja auch sämtliche Kreuze, Marien- und Jesusstatuen und -bilder auf und neben den Grabsteinen beseitigen. Ein Kreuz stört Muslime jedenfalls mehr als eine Krippe!
    Hätte besagter Priester wirklich ein Herz für Muslime, hätte er auch ein Interesse daran, diesen d e n Erlöser näher zu bringen!

  4. http://www.ndr.de/kirche/Muslimischem-Vater-passt-Krippenspiel-nicht,gewissensfrage332.html

    Das gibt es nicht nur in Italien sondern auch hier. Siehe den Link.
    Mein Ratschlag;
    stellt Krippen in Euren Vorgärten auf. Oder vor der Haustür. Es gibt kleine
    aus Holz oder auch Kunststoff. Oder stellt eine in Euer Fenster zur Straße.
    Wir dürfen den unverschämten Forderungen der Muslime nicht kein beigeben.
    Die ist ein christliches Land. Und soll es bleiben!

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