„Kulturelle Fäulnis homosexueller Subkultur“ – Nigerias Bischöfe warnen vor Kulturimperialismus des Westens


Erzbischof Ignatius Ayau Kaigama von Jos, Vorsitzender der Nigerianischen Bischofskonferenz
Erz­bi­schof Igna­ti­us Ayau Kai­ga­ma: Nige­ri­as Bischö­fe fin­den kla­re Wor­te, die euro­päi­schen Bischö­fen oft fehlen

(Abi­jan) Am ver­gan­ge­nen 8. Juli ver­ab­schie­de­te die Nige­ria­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz unter der Lei­tung von Erz­bi­schof Igna­ti­us Ayau Kai­ga­ma von Jos eine Erklä­rung, die eine schar­fe Ankla­ge gegen den „kul­tu­rel­len Impe­ria­lis­mus“ des Westens ist. Kon­kret ver­ur­tei­len die nige­ria­ni­schen Bischö­fe die Ver­su­che west­li­cher Regie­run­gen und inter­na­tio­na­ler Insti­tu­tio­nen den afri­ka­ni­schen Staa­ten die Homo-Agen­da aufzuzwingen.

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Die Bischö­fe war­nen vor den wach­sen­den Gefah­ren des „homo­se­xua­li­sti­schen Irr­we­ges“ des Westens. Die Erklä­rung trägt den Titel: „Unser Stand­punkt zu Ehe, Fami­lie und mensch­li­che Gesellschaft“.

Dar­in bekräf­ti­gen die Bischö­fe Nige­ri­as, ohne drum her­um zu reden, die Posi­ti­on der katho­li­schen Kir­che zu Ehe und Fami­lie. „Das jüng­ste Anwach­sen des LGBT-Akti­vis­mus, der Volks­ent­scheid in der Repu­blik Irland und die Ent­schei­dung des Ober­sten Gerichts­ho­fes der USA wird zu einer beacht­li­chen und schnel­len Ver­än­de­rung der öffent­li­chen Mei­nung bezüg­lich der Natur und der Bedeu­tung der Ehe und der Fami­lie bei­tra­gen. Das hat in vie­len Län­dern zu mäch­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen in Gesetz­ge­bung und Recht­spre­chung geführt, die dar­auf abzie­len, die Ehe neu zu defi­nie­ren, um die ‚Homo-Ehe‘ ein­zu­füh­ren. Wir bekräf­ti­gen, daß es sich dabei um eine trau­ri­ge, unge­rech­te und tadelns­wer­te Ent­wick­lung han­delt, die groß­teils auf einem ver­zerr­ten Ver­ständ­nis des Natur­rechts, des Wil­lens Got­tes und der mensch­li­chen Natur beruht.“

„Wirtschaftshilfe nur, wenn inakzeptable Ideologien übernommen werden“

Die Erklä­rung nennt Roß und Rei­ter und zählt die Staa­ten auf, die mit ihren ver­häng­nis­vol­len poli­ti­schen Absich­ten sich selbst, aber auch den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent schä­di­gen wol­len: „Kana­da, Spa­ni­en, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Irland und die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka sind eini­ge Län­der, die die­sen Weg ein­ge­schla­gen haben. Es sind Natio­nen, die unleug­ba­ren kul­tu­rel­len, sozia­len und wirt­schaft­li­chen Ein­fluß auf vie­le afri­ka­ni­sche Natio­nen haben, dar­un­ter auch Nige­ria.“ Die­se und wei­te­re west­li­che Staa­ten „öff­nen inner­halb ihrer Gesell­schaft die Tür zur kul­tu­rel­len Fäul­nis homo­se­xu­el­ler Subkultur“.

Die Nige­ria­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz klagt zudem an, daß die Pro­gram­me der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit und huma­ni­tä­ren Hil­fe Euro­pas und ins­ge­samt des Westens häu­fig an die Bedin­gung gekop­pelt sind, daß inak­zep­ta­ble ideo­lo­gi­sche Pro­gram­me über­neh­men wer­den müs­sen: „Die­se Staa­ten pro­du­zie­ren zahl­rei­che Medi­en­pro­duk­te, die in unse­rem Land und Kon­ti­nent kon­su­miert wer­den, so auch einen Groß­teil der Schul­bü­cher. Zudem bie­ten die­se Staa­ten ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen und Pro­jek­ten in unse­rem Land groß­zü­gig huma­ni­tä­re Hil­fe an. Auf die­se Wei­se wol­len sie ihre Sicht­wei­se, ihr Den­ken und ihre Nei­gun­gen in das Herz unse­rer Gesell­schaft ein­prä­gen, indem sie vie­le Men­schen beein­flus­sen, beson­ders die leicht beein­druck­ba­re Jugend.“

Die nige­ria­ni­schen Bischö­fe wen­den sich daher an die poli­ti­schen Füh­rer ihres Lan­des und war­nen vor der Bedro­hung durch den Import eines schäd­li­chen west­li­chen Lebens­stils. „Wir sind in Sor­ge, was die stän­di­ge und anhal­ten­de För­de­rung und Glo­ba­li­sie­rung des homo­se­xu­el­len Lebens­stils und die Anstren­gun­gen betrifft, die Ehe neu zu defi­nie­ren als Aus­druck einer ver­zerr­ten Sicht­wei­se der mensch­li­chen Sexualität.“

Kardinal Sarah: „Gender-Ideologie ist zur perversen Bedingung für Entwicklungszusammenarbeit geworden“

Die Bischö­fe war­nen daher die poli­ti­sche Füh­rung ihres Lan­des, die­sem kul­tu­rel­len Impe­ria­lis­mus, der vom Westen mit dem Scheck­buch in der Hand betrie­ben wer­de, nach­zu­ge­ben. Die Fol­gen „für unse­re Nati­on wären ver­hee­rend“. Die nige­ria­ni­schen Bischö­fe ver­tre­ten damit den­sel­ben Stand­punkt, wie ihn der afri­ka­ni­sche Kar­di­nal Robert Sarah, seit Herbst 2014 Prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on an der Römi­schen Kurie, in sei­nem Buch „Dieu ou rien“ (Gott oder nichts) dar­ge­legt hat: „Einen christ­li­chen, einen genu­in katho­li­schen Stand­punkt“, wie der Kar­di­nal bei der Buch­vor­stel­lung in Paris sagte.

Auch er warnt in sei­nem Buch vor dem „Gen­der-Dik­tat“ west­li­cher Staa­ten gegen­über Afri­ka. „Man­che afri­ka­ni­sche Staa­ten haben eige­ne Mini­ste­ri­en für die Gen­der-Theo­rie errich­tet, nur um Wirt­schafts­hil­fe zu erhal­ten! Eini­ge afri­ka­ni­sche Staa­ten, glück­li­cher­wei­se die Min­der­zahl, haben bereits dem Druck zugun­sten der ‚sexu­el­len und repro­duk­ti­ven Rech­te‘ nach­ge­ge­ben. Wir stel­len mit gro­ßem Schmerz fest, daß die ‚repro­duk­ti­ve Gesund­heit‘ eine ‚Norm‘ der Welt­po­li­tik gewor­den ist, in Wirk­lich­keit aber das per­ver­se­ste ent­hält, was der Westen dem Rest der Welt auf der Suche nach einer inte­gra­len Ent­wick­lung zu bie­ten hat. Wie kön­nen gewis­se west­li­che Staats­män­ner nur sol­chen Druck auf Ihres­glei­chen in oft zer­brech­li­chen Staa­ten aus­üben? Die Gen­der-Ideo­lo­gie ist zur per­ver­sen Bedin­gung für die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit geworden.“

„Afrikaner großteils schutzlos fanatischen westlichen Ideologen ausgeliefert“

Der Kar­di­nal schreibt zudem: „Im Westen for­dern homo­se­xu­el­le Per­so­nen, daß ihr Zusam­men­le­ben recht­lich aner­kannt und der Ehe gleich­ge­stellt wird. Eini­ge Orga­ni­sa­tio­nen, die die­se For­de­run­gen über­neh­men, üben im Namen einer Respek­tie­rung der Men­schen­rech­te star­ken Druck aus, damit die­ses Modell auch von den afri­ka­ni­schen Regie­run­gen über­nom­men wird. In die­sem kon­kre­ten Fall ver­las­sen wir, mei­nem Urteil nach, die Moral­ge­schich­te der Mensch­heit. In ande­ren Fäl­len muß­te ich fest­stel­len, daß es inter­na­tio­na­le Pro­gram­me gibt, die Abtrei­bung und Ste­ri­li­sie­rung von Frau­en auf­zwin­gen. Eine sol­che Poli­tik ist um so abscheu­li­cher, weil der Groß­teil der afri­ka­ni­schen Men­schen schutz­los fana­ti­schen west­li­chen Ideo­lo­gen aus­ge­lie­fert ist.“

Die nige­ria­ni­schen Bischö­fe bekräf­ti­gen in ihrer Erklä­rung ohne Zwei­deu­tig­kei­ten und Wort­spie­le die immer­wäh­ren­de Leh­re der katho­li­schen Kir­che zu Ehe, Fami­lie und Homo­se­xua­li­tät. „Die Erklä­rung der Bischö­fe Nige­ri­as ist lebens­not­wen­di­ger Sau­er­stoff für die katho­li­sche Kir­che, die im Westen immer mehr von ver­wirr­ten, zwei­deu­ti­gen und kryp­ti­schen Inter­pre­ta­tio­nen erstickt wird“, so Cor­ri­spon­den­za Roma­na.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

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