Priestermangel nicht dem Konzil anzulasten – Ursachen älter, virtuelles Konzil brachte ihn nur zum Ausbruch

Kardinal Mauro Piacenza zum Konzilsdekret über die Priester. Priestermangel und falsches Priesterbild nicht dem Konzil anzulasten, Ursachen dafür älter, die nur durch falsche Wahrnehmung des Konzils ausbrachen. Priesterweihen Opus Dei(Rom) „Der Rückgang der Priesterberufungen, der auf das Zweite Vatikanische Konzil folgte, ist in keiner Weise dem Konzil zuzuschreiben noch seiner, teilweise zweifelhaften Rezeption. Es ist notwendig, zu erkennen, daß die Krise bereits vorher war, daß sie tiefere und ältere Wurzeln hatte“, und daß die Konzilsreformen, wahrscheinlich, die zerstörerischen Folgen eingedämmt haben. Dies schreibt Mauro Kardinal Piacenza, der Präfekt der Kleruskongregation in dem neuen Buch Presbyterorum ordinis. 50 Jahre danach. Es bildet den ersten Band einer neuen Buchreihe zu den Konzilsdokumenten, die im traditionsreichen katholischen Verlag Cantagalli (Italien) anläßlich der 50 Jahre seit Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils erscheint.

Der wieder genesene Kardinal greift damit jenen Widerspruch zwischen „realem“ und „virtuellem“ Konzil auf, den Papst Benedikt XVI. noch kurz vor seinem Amtsverzicht betonte. Das reale Konzil als Ausdruck der Kirche ist in den Konzilsdokumenten greifbar und nur dort, das virtuelle Konzil hingegen in einer Art Scheinwelt aus Erwartungen, Interpretationen und Projektionen eigenen Denkens der Menschen von damals und der Nachkonzilszeit. Laut Kardinal Piacenza habe diese Parallelwahrnehmung des Konzils während und nach dem Konzil die Krise des Priestertums, durch Zehntausende von Priestern, die ihr Priestertum aufgaben und durch den anhaltenden Mangel an Berufungen sichtbar gemacht, deren Ursachen jedoch schon auf die Zeit vor das Konzil zurückreichen.

In neuer Buchreihe stellen Kardinäle Konzilsdokumente vor – Auftakt Priesterdekret durch Kardinal Piacenza

Jeder Band der neuen Buchreihe widmet sich einem Dokument des Konzils und wird von einem Kardinal herausgegeben. Jener von Kardinal Piacenza (216 Seiten) enthält das Konzilsdokument zum Weihepriestertum in lateinischer und italienischer Sprache, das vom Herausgeber kommentiert und dargelegt wird. Die Buchreihe wendet sich nicht an ein Fachpublikum, sondern an eine breite Leserschaft. Der Verlag schreibt, daß man damit „auf die Lehren der Konzilsdokumente selbst schauen will, indem auf ideologische oder Sonderinterpretationen verzichtet wird“. Man hofft, so der Verlag, „den Jüngeren zu helfen“, das „große Ereignis zu entdecken, das die Geschichte der Kirche des 20. Jahrhunderts geprägt hat“ und „das Erbe ohne einseitige Vermittlung anzunehmen“. Mit Blick auf die „weniger Jungen“ hofft der Verlag, daß diese „die Freude, den Enthusiasmus und den missionarischen Eifer der Konzilsjahre neu erleben“.

Soweit der Verlag. In seinem Kommentar zum Konzilsdokument, das sich mit dem Priestertum befaßt, schreibt Kardinal Piacenza: „Wenn Soziologen und Religionshistoriker betonen, daß der Verlust an Priestern und der Rückgang an Priesterberufungen, die auf das Ökumenische Zweite Vatikanische Konzil folgten, in der Kirchengeschichte nichts Vergleichbares kenne, nicht einmal wenn man es mit der lutherischen „Reformation“ vergleicht, dann ist dies in keiner Weise dem Konzil zuzuschreiben, noch seiner teilweise zweideutigen Rezeption.“ Die Wurzeln der Berufungskrise und damit der Krise des Priestertums seien älter. „Die Reformen des Konzils und auch Presbyterorum ordinis haben die zerstörerischen Auswirkungen eingedämmt“, so der Kardinal.

Konzilsdekret „in völliger Übereinstimmung mit der gesamten kirchlichen Tradition“

Der Präfekt der Kleruskongregation merkt dann an, daß bei einer Analyse des Konzilsdekrets klar wird, „daß die dort präsentierte Lehre sowohl vom sakramentalen als auch vom pastoralen Gesichtspunkt in völliger Übereinstimmung mit der gesamten kirchlichen Tradition und mit den dogmatisch bedeutendsten Konzilen, darunter jenem von Trient, stehen und ein Profil der priesterlichen Identität bietet, das vollkommen im Weihesakrament verwurzelt ist und vollständig von diesem abhängt, auch was den Auftrag betrifft.“

Piacenza schreibt in seiner Analyse, daß „vor allem in den ersten Jahrzehnten unmittelbar nach der Veröffentlichung von Presbyterorum ordinis, neue Formen der Ausübung des priesterlichen Amtes gesucht wurden, die mehr den Bedürfnissen der zeitgenössischen Kultur entsprechen würden und vom missionarischen Gesichtspunkt aus effizienter seien. Diese Suche hatte jedoch nicht wenig Einseitigkeiten zur Folge, die Köpfe und Herzen jener vereinnahmten, die es zuließen, daß weltliche Maßstäbe in den Glaubenshorizont eindringen, und sich dadurch statt mit einer neuevangelisierten Welt mit einem völlig verweltlichten Glauben wiederfanden, oft sogar ganzer Gemeinschaften.“

Bei jeder Reform „muß als Maßstab ein Kriterium über allen anderen stehen: das Heil der Seelen“

Der Kardinal bekräftigt, daß „jede authentische Erneuerung in der Kirche nicht ohne den fundamentalen Beitrag der Priester möglich ist. So wahr es ist, daß der Heilige Geist frei ist, in jeder Epoche das Antlitz der Braut Christi neu zu gestalten, vor allem indem er Heilige, Frauen und Männer erweckt, die völlig von Christus erfüllt und daher imstande sind durch ihr eigenes Leben zu evangelisieren und die Kirche und die Welt zu erneuern, so gilt nicht minder, daß die Priester in ihrer täglichen und konkreten Ausübung ihres Hirtenamtes für das heilige Volk Gottes deklinieren, was die Weltkirche und in ihr die höchste Autorität als Weg der notwendigen Erneuerung aufzeigt.“ In dieser nicht leichten Aufgabe, so Kardinal Piacenza, „muß als Maßstab ein Kriterium immer über allen anderen stehen: das Heil der Seelen. Bei jedweder Reform und ihrer Umsetzung muß immer und eindeutig eine entscheidende Frage bestimmend sein: Hilft es dem Glauben? Fördert es eine größere Anhänglichkeit an Christus?“

Und Kardinal Piacenza weiter: „Wenn dieses einfache und unmittelbare Kriterium immer angewandt worden wäre, gäbe es weder gefährliche unbegründete Verdrehungen der Glaubenslehre noch nostalgische Verhärtungen von zweifelhaftem missionarischen Nutzen.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Opus Dei

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20 Kommentare

  1. Welch ein Kauderwelsch,was der Typ da herunterleiert.Kopfschüttel-hoffentlich fällt der Kopf nicht herunter,er wackelt ja schon bei soviel Unsinn!

  2. Ich bin es nur noch leid. Nein, die „Ratzingianer“ bringen es nicht. Sie können von ihren Illusionen nicht lassen. Wenn wir das „virtuelle Konzil“ überwinden und das wahre Konzil entdecken, wie es in seinen widersprüchlichen Texten zum Ausdruck kommt, dann bricht der Frühling der Kirche an.
    Die Lage der katholischen Kirche scheint aussichtslos.
    (Ich war heute mit lutherischen Freunden unterwegs. Sie sind so glücklich mit dem neuen Papst und arbeiten daran, mich zu ihm zu „bekehren“).
    Hoffentlich kann die FSSPX-Führung von ihren Rom- Illusionen lassen. Na ja, dafür wird der Papst sorgen, das scheint sicher. Er wird sie zwingen. Das ist zwar ein sehr bitterer Trost, aber besser als nichts…
    Doch sicher ist nichts. Wenn ich pius-info gerade lese, weiß ich nicht, warum der Erzbischof 1988 Bischöfe weihen musste. Er muss das in einem seltsamen Anfall von Trotz getan haben, könnte ich meinen. Wenn ich nicht die Bücher über ihn hätte – zum Glück…

  3. Viel Blablabla, noch mehr Ausreden und ganz viel Schönfärberei von Kardinal Piacenza. Aber immerhin hat er ja begriffen: „Bei jeder Reform „muß als Maßstab ein Kriterium über allen anderen stehen: das Heil der Seelen““, und heutzutage muß man ja schon froh sein, daß überhaupt jemand in der Hierarchie der katholischen Kirche soetwas Selbstverständliches ausspricht.

    • (…) „Es ist fast einmütige Auffassung der Gläubigen und der Nichtgläubigen, dass alles auf Erden auf den Menschen als seinen Mittel- und Höhepunkt hinzuordnen ist.“
      (Gaudium et Spes, 12.)
      Dieser Satz spiegelt nicht perfekt ein „virtuelles Konzil“ wider, sondern das reale Konzil.
      Klar, es handelt sich nur um einen Satz. Aber er ist typisch für den Geist des Konzils, der nicht zu trennen ist in konziliar und nachkonzilar.
      2000 Jahre lang war die Kirche der Auffassung, ihre Aufgabe ist es, den Menschen auf Gott hinzuordnen als Mittel-, Höhepunkt und Ziel des Lebens über den Tod hinaus.
      Bis zur anthropologischen Wende, die auf jenem Konzil vollzogen wurde. Real nicht virtuell…
      Bis dahin war das Seelenheit der Maßstab.

      • Nun, cuppa, man kann diesen Satz des Konzils richtig verstehen im Sinne der überlieferten katholischen Lehre. Alles auf Erden, ja der ganze Kosmos, ist um des Menschen willen geschaffen, der Mensch aber ist um Gottes willen geschaffen, zu Seinem Bild und Gleichnis. Richtet sich der Mensch wahrhaft auf Gott hin aus, kann er auch die Schöpfung in richtiger Weise gebrauchen.

  4. Was die Oberhirten gar nicht können, was aber eine Grundforderung der christlichen Botschaft ist, daß ist Fehler und Sünden einsehen und ! eingestehen. Da wird dann notfalls das Blaue vom Himmel schwadroniert oder wie man in der Psychoanalyse sagen würde: rationalisiert. Ein gutes Beispiel Paul VI. Plötzlich gab es wieder einen Satan, der mit seinem Rauch durch irgendwelche Ritzen in die Kirche eingedrungen war. Fakt ist ja, daß massenweise Priester, sowie männliche und weibliche Ordenspersonen ihren Beruf aufgaben ( eine Tante nach 40 Ordensjahren in der Mission ). Sie alle haben die Botschaften des Konzils gut begriffen und die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Ist es nicht enthüllend, daß gerade in den Jahren nach dem Konzil die Mißbrauchsfälle gehäuft auftraten, in der Hölle brannte Ja kein Feuer mehr!

  5. Aber der Kardinal hat ja doch auch Recht, denn schon lange vor dem VK II hat die Krise der Kirche begonnen. Denn schon vor dem Konzil konnten antikatholische, Häretiker und Schismatiker wie Hans Küng, Hans Urs von Baldasar, Yves Congar, Henri de Lubac, Karl Rahner, Edward Schillebeecks usw. usw. ihr antikatholisches Gift versprühen und auch damals schon wurden Häretiker und Schismatiker mit Samthandschuhen angegriffen, sie wurden nicht exkommuniziert, laisiert geschweige den in den Laienstannd zurückversetzt, so konnte dieses antikatholische Gift dieses Nattern und Schlangengezüchtes auf dem VK II voll zuschlagen.

    Denn „Wer schweigt der duldet“ und die Obrigkeit hat nichts ernsthaftes gegen die vo mir oben erwähnten Wölfe unternommen, und dies ist ein Beweis dafür dass schon vor dem Konzil die abscheulichen Früchte des Konzils bewusst gelegt wurden. Und daran ändern auch so namhaft klingende Namen wie Papst PIUS XI, PIUS XII nichts.

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen.

  6. Wo die tieferen und älterne Wurzeln der Krise nun seiner Ansicht nach liegen, verrät uns der Kardinal wohl nicht? Schade. Natürlich hatte auch das Konzil seine geistesgeschichtlichen Voraussetzungen. Beispielsweise den I. Weltkrieg, in dessen Konsequenz die bis dahin bestehende Werteordnung zusammenbrach. Als Antwort auf die alles umfassende Sinnkise, jener Hinterfragung aller überlieferten Glaubens- und Wertvorstellungen, die durch millionenfaches Sterben und das Auflösen der alten Ordnungen hervorgerufen wurde, brach sich eine Lebensreformbewegung bahn, die in Einfachheit und einer Rückkehr zu den (natürlichen) Ursprüngen ihren Gegenentwurf zu dem als morsch empfundenen Wertekanon gefunden zu haben glaubte. In dieser Lebensreformbewegung wurzelt auch die Liturgische und die ökumensiche Bewegung. Der Zweite Weltkrieg verschärfte nochmals die allgemeine Sinnkrise, die 68er-Bewegung war die radikalisierte Antwort. Das Konzil nahm die Anliegen der Reformbewegung auf und formte sie zum offiziellen Programm der Kirche. Trotz der Lehramtsnähe von Presbyterorum ordinis bedeutete dies für das Priestertum eine scheinbar vom Konzil legitimierte Phase der Entsakralisierung, die eine gigantische Identitätskrise hervorrief. Mit anderen Worten: im Vereinfachen, Abschaffen und Reduzieren wurde nichts wirklich Neues hervorgebracht, das sinnstiftend gewirkt hätte. Mit der Vereinfachung ging lediglich eine Verarmung und Auflösung einher. Und es war wohl Benedikts ziemlich einsame Erkenntnis, dass wahrhafte Reform nicht in einer Zerschlagung, sondern nur in einer erneuten Sinnfindung für die gewachsenen, überlieferten, die identitätsstiftenden Formen bestehen konnte.

    • Sehr guter Kommentar! Ich kann alles unterschreiben. Das Konzil kann man natürlich nur aus den Ereigneissen der gesamten historischen Entwicklung verstehen. Ob die krisenhaften Bewegungen innerhalb der Kirche vor dem Vaticanum II sich so verheerend ausgewirkt hätten, wenn man auf dem Konzil ein paar klare Verwerfungen (z.B. gegen die marxistische Ideologie und den realen Kommunismus) vorgenommen hätte, wenn man die Modernismusfrage nicht einfach eingeweicht hätte, wenn man die Frage der Geschlechter subtiler und tiefer reflektiert hätte, die Tradition als lebendig gehalten hätte – ja, das wäre der richtige Weg gewesen. Stattdessen: gelehrte Fahrlässigkeit!

  7. Man kann den Päpsten Pius XI. und Pius XII, vielleicht vorwerfen, dass sie nicht hart genug durchgriffen. In Lehrschreiben haben sie durchaus die Irrtümer verurteilt. Karl Rahner und Henri de Lubac hatten Schreibverbot, wenigstens teilweise. Erst auf dem 2. Vatikanischen Konzil konnten sie mit Billigung der Konzilspäpste als einflussreiche Periti ihren Einfluss offiziell geltend machen und die Meinungsführerschaft übernehmen. Insofern muss doch klar eine Trennungslinie gezogen werden zwischen den Vor- und den Konzils- und Nachkonzilspäpsten. Es wäre auch eine Illusion zu glauben, dass Päpste alles unterbinden können, was an Universitäten, an kirchlichen Hochschulen geschieht.
    Diese vor dem Konzil noch umstrittenen Theologen wurden während des Konzils geachtete Berater von Kardinälen und Bischöfen, die von den Konzilspäpsten gefördert wurden auf Kosten der Kurie und einer konservativen Minderheit.

    • Cuppa: Auch von den Päpsten PIUSXI und PIUSXII wurde dass damals gültige Kirchenrecht nicht ernst genommen. Den schon damals galt das Gesetz das Häretiker und Schismatiker zu Exkommunizieren sind. Und da dies nicht geschehen ist, konnte eben die Häretiker als Priester und Periti am Konzil teilnehmen. somit ist erwiesen das schon damals diese alte Weisheit nicht eingehalten wurde:

      „Währet den Anfängen“

      Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

  8. Anfangs habe ich gezögert, doch die Ausführungen Piacenzas (man müßte noch mehr Details seiner Analyse kennen) treffen wohl zu. Die Geschichte des Zweiten Vatikanums des Historikers Roberto de Mattei zeichnet sehr genau die unterirdischen Strömungen in der vorkonziliaren Kirche nach. Sie waren alle bereits vorhanden, fanden zwar wenig Möglichkeit sich offen zu artikulieren, wirkten und verformten jedoch an den Seminaren und Universitäten. Es ging nur alles verborgener vor sich, weil man eben Rom „fürchten“ mußte.
    Mit dem Konzil und der Eigendynamik des erzeugten Erwartungsdrangs brachen diese abweichenden Meinungen dann offen hervor, während das Konzilsdokument über die Priester doch sehr gut ist. Im Kleinen erleben wir es jetzt ja auch, wie sie nach dem Rücktritt alle hervorkamen, erleichtert und Morgenluft witternd, weil Benedikt XVI. abgetreten ist, und wie sie ihre Vorstellungen auf Papst Franziskus projizieren (so wie damals und seither alles mögliche auf das Konzil projiziert wurde, obwohl sich das Wenigste darin widerfindet).
    Anders läßt es sich auch schwer erklären, wie Zehntausende von Priester nach dem Konzil ihr Priestertum wegwarfen. Sie waren alle in der (angeblich, ich habe sie nicht erlebt) so heilen Vorkonzilszeit ausgebildet und geformt worden. Das entschlossene Regiment der Pianischen Päpste hielt die Dissidenten (soweit sie erkennbar waren) nieder. Der Eindruck von Geschlossenheit brachte aber offensichtlich auch falsche Früchte hervor, die bei der ersten Gelegenheit faulten, weil sie schon vorher innerlich hohl waren.
    Eine diferenzierte Sicht der Stärken und Schwächen vor und nach dem Konzil helfen der Kirche, die richtigen Antworten zu finden, mehr als vereinfachende Schwarz-weiß-Malerei. Das meinte Piacenza wohl auch in dem Schlußsatz.

  9. Natürlich gab es vor dem II. Vaticanum bereits auffallende Krisensymptome. Nicht umsonst schlug Kardinal Ottaviani Papst Johannes XXIII. vor, ein Konzil einzuberufen. In der Hoffnung, es würden die umherschleichenden Irrtümer und Häresien verurteilt werden.
    Doch es ist zu keinem Abwehrkampf der Konzilspäpste gekommen. Wir haben es doch unlängst hier auf ‚katholisches‘ gelesen: Der Privatsekretär Johannes XXIII. bezeichnete diejenigen, die in der Kurie bereit waren für den Glauben zu kämpfen, als „alte Aasgeier.“
    Den Hinweis auf das Buch von Roberto de Mattei kann ich nur wiederholen. In jeder Weise. Es gibt Aufschluss darüber, wie bedroht der Glaube bereits war. An Ordenshochschulen, theologischen Fakultäten etc.
    Es gibt auch Aufschluss darüber, dass die Konzilspäpste diese Gefahr nicht nur nicht erkannten, sondern die Neomodernisten untersützten, was zu ihrem Sieg entscheidend beigetragen hat. Paul VI. hat nur die schlimmsten Auswüchse beschnitten.
    Dass Piacenca glaubt, ein virtuelles Konzil vom realen Konzil unterscheiden zu können, das den Aufbruch, die Erneuerung bringen kann, zeigt, dass die „Ratzingerinaner“ das Problem nicht lösen können, sondern Teil der Krise sind.
    Konservative lassen sich immer wieder täuschen. Weil Joseph Ratzinger-Papst Benedikt im Herzen konservativ war, an der Tradition hing, dem Verstand nach ein Modernist war. Diese Unterscheidung haben die Bischöfe Tissier de Mallerais und Fellay von der FSSPX deutlich getroffen. Bischof Tissier dürfte noch immer daran festhalten, Bischof Fellay leider nicht mehr.
    Das scheint das wirkliche Unglück jetzt. Dass der letzte Widerstand gegen den Neomodernismus zu brechen scheint.
    Doch die Zeit geht auch über die gemäßigten Neomodernisten mit ihrem Widerspruch, einerseits die Tradition retten zu wollen, andererseits den Glauben geschichtlich neu interpretieren zu wollen, hinweg. Piacenca ist Vertreter einer Minderheit. Wieviel Rücksicht Franziskus auf sie nehmen wird, diese Frage ist offen.

  10. Das Vat.II hat sich schon dadurch deklassiert, daß es eine Hermeneutik braucht oder aufmunternde Parolen, die u.a. sind: „Seht das Konzil im Licht der Tradition“. – „Seht das Konzil im Sinn von Benedikt XVI.“ Bis zum Vat. II haben die Konzilien Unklarheiten in der Lehre und Unregelmäßigkeiten in der Disziplin behoben. Sie trugen zur Glaubenssicherheit bei Klerus und Volk bei.-

    • Ja, „an ihren Früchten …“ – nur, was ich bis jetzt nicht verstehe, worauf ich bis jetzt noch keine (theologisch!) plausible, wirklich „stimmige“ Antwort gefunden habe, ist, ‚wie konnte das nur passieren? wie konnte ein legitimes Konzil – zumindest in den Folgen – so dermaßen fehlgehen?‘ …
      Und: Standen nicht *alle* (‚aktiven‘) Konzilsteilnehmer unter Eid (sogar mehreren, vom Firm- über das Weiheversprechen über das Glaubensbekenntnis & den Eid, den die Teilnehmer bei der Konzilseröffnung abgelegt haben, bis zum ‚Antimodernisteneid‘ – an den doch alle ausdrücklich noch gebunden waren, oder?) …? Letzterer wurde ja erst (und LEIDER) 1967 abgeschafft … – war es … „in Teilen“ jedenfalls … ein Konzil von (man wagt’s ja kaum niederzuschreiben, aber es ist ja ne echte Frage) also von Eidbrüchigen? Könnte dies eine theologische Erklärung für die o.g. Fragen sein …? – Das ist ja letztlich auch der Kern des (oder ein Hauptpunkt im) ‚theologischen Disputs‘ zw. der Priesterbruderschaft des hl. Pius X. und dem Hl. Stuhl bzw. den Vertretern der Glaubenskongregation (wenn ich das richtig verstanden habe) …

      • Den Begriff ‚Konzil von Eidbrüchigen‘, wenn auch nur in eine Frage eingebaut, zieh ich zurück; hoff aber trotzdem, daß der Sinn/die Intention meiner Frage(n) einigermaßen rüberkam … – was ist da passiert (nicht unbedingt nur im Sinne der historischen Entwicklung), und warum, und wie kann man das verstehen? Wenn man sich den ’status quo‘ der Kirche so ansieht … fragt man sich doch, was … oder eher, warum da was damals (und seitdem) ziemlich schiefgelaufen ist und wie man das auch heilsgeschichtlich „einordnen“ kann; wie konnte der Hl. Geist es zulassen, daß ‚ein Lehramt‘ solche Konsequenzen haben konnte? Was lief falsch …?

    • Sie bringen es in vier Sätzen auf den Punkt. Danke!
      Genau das ist das Problem. Und deswegen bin ich überzeugt, dass es nichts hilft, nur Kritik zu erlauben an einzelnen Texten oder Passagen. Alles muss regelrecht verworfen werden, mit Ausnahme der Textpassagen, in denen die bereits definierte Lehre wiedergegeben wird.
      Weil erzählende Textformen, Predigten auszuschließen sind, wenn es um verbindliche Glaubensaussagen geht, die zum Glauben verpflichten. Jeder Katholik kann sich sonntags von der Pedigt des Priesters mehr oder weniger angesprochen fühlen, ohne dass er damit seinen Glauben in Gefahr bringt. Wenn ein Konzil sich so äußert, ohne verbindliche Definition, dann gerät der Glaube insgesamt in Gefahr. Und mithin die kirchliche Unfehlbarkeit, die nur für definierte Glaubenswahrheiten gilt.
      Das II. Vaticanum kann als „Pastoralkonzil“ zurückgewiesen werden. Aber dazu braucht es die Autoriät eines (späteren) Konzils.
      Das muss aber geistes-theologiegeschichtlich vorbereitet werden. Leider sind die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften in dieser Hinsicht ein Totalausfall. Sie haben sich an das II. Vaticanum gekettet.
      Das ist mein innerer Konflikt mit der Leitung der FSSPX: Um endlich anerkannt zu sein, den Makel des Ausgeschlossenseins loszuwerden, streben sie in die gleiche Richtung. Es ist menschlich sehr verständlich. Doch der Glaube der Kirche erstickt in Häresien. Wenn nicht die Aussageform bekämpft wird, ein „Pastoralonzil“, dessen Texte in sich mehrdeutig sind. Die den Glauben allein durch ihre Form gefährden, die Unfehlbarkeit, das Fortbestehen der Kirche Jesu Christi ernsthaft in Gefahr bringen.

      Man hätte sehr viel zu tun in der FSSPX, eine umfassende, grundlegende Kritik des II. Vaticanums vorzulegen, statt sich zu verzetteln in der Suche nach Kompromissformeln. Die dieses unselige Konzil noch zementieren.
      Ich meine nicht die Patres in den Prioraten, denen die Seelsorge anvertraut ist, die ausgelastet sind. Was machen die Theologen der FSSPX?

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