Nach 1300 Jahren läuten erstmals wieder Glocken im Zentrum der Schiiten

(Bagdad) Nach 1300 Jahren des Schweigens erklingen in Nadschaf, einer heiligen Stadt der Schiiten wieder Glocken. Dem außergewöhnlichen Ereignis bietet der saudische Fernsehsender al-Arabiya heute viel Raum. Der päpstliche Gesandte für den Nahen Osten, der Apsotolische Nuntius Msgr. Giorgio Lingua zelebrierte in der Kirche des Klosters Abdal Massih (arabisch: „Diener Christi“) in Hira. Die alte christliche Stadt war erst vor kurzem in der unmittelbaren Nähe von Nadschaf entdeckt worden. An der Meßfeier nahmen zahlreiche Priester und Bischöfe des Orients teil, darunter der armenisch-katholische  Bischof Emmanuel Dabbaghian. Anwesend war auch Raad Kachaci, der Vorsitzende des Regierungsamtes für die Christen und die anderen Religionen im Irak.

Die christliche Delegation wurde von der weltweit höchsten religiösen Autorität der Schiiten, von Großayatollah Ali al-Sistani empfangen. Bei der Begegnung legten beide Seiten wert darauf, daß die Christen ein integraler und ältester Bestandteil der irakischen Gesellschaft sind. „Ziel der Reise nach Nadschaf war der Besuch der christlichen Stätten, die in Hira entdeckt wurden“, so Msgr. Lingua.

Der Direktor des Archäologischen Amtes der Stadt, Mohammed Hadi al Maiyali erklärte, daß „al-Hira einmal wie ein Vatikan für die Christen des Orients war und es daher nicht verwunderlich ist, wenn bisher von den Archäologen mehr als 33 Klöster und Kirchen in der Gegend von Nadschaf entdeckt wurden“.

Al-Hira war für das vorislamische Arabien ein wichtiger Handels- und Fürstensitz. Im 5./6. Jahrundert nach Christus wurde al-Hira zur Hauptstadt der arabischen Dynastie der Lachmiden. Laut dem Historiker Hassan al Hakim handelte es sich seit dem 4. Jahrhundert um eine christliche Stadt. Bereits im Jahr 410 nahm ein Bischof aus al-Hira an einer Synode teil. Im Jahr 420 nahm der Lachmidenfürst Numaan al Mundhir I. das Christentum an und ließ sich taufen.

Die Stadt war auch nach der arabisch-islamischen Unterwerfung des Gebiets noch lange mehrheitlich christlich. Das Läuten der Glocken wurde ihnen jedoch bald untersagt. Die Stadt blieb noch bis ins 11. Jahrhundert Bischofssitz. Letzter namentlich bekannter Bischof von al-Hira war Johannes von Nazuk, der 1012 zum Patriarchen erhoben wurde. In der Stadt wurden mindestens sechs nestorianische Katholikoi  bestattet. Die ersten beiden Kirchen von al-Hira waren bereits  1931 von einem Oxforder Archäologenteam ausgegraben worden. Seit dem 6. Jahrhundert gab es in der arabischen Stadt eine damals im Orient bekannte theologische Schule.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Archeologia cristiana



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