Wenn Kleider Nonnen machen – Amerikanische Ordensfrauen: Eine Bestandsaufnahme

(New York) Der Konflikt zwischen dem Zusammenschluß der US-Ordensoberinnen und dem Heiligen Stuhl wirft die Frage nach der Situation der katholischen Frauenorden in den USA auf. Sind alle amerikanischen Ordensfrauen im rebellierenden LCWR zusammengeschlossen? Haben alle US-Ordensfrauen ihr Ordenskleid mit Aloa-Hemden und einer Zivilkleidung für ältere Damen eingetauscht? Sind alle Ordensgemeinschaften von einer Form feministisch-deistischer Selbsterlösung befallen? Selten hat Kleidung eine so klare Aussagekraft wie beim Vergleich der beiden großen Strömungen der amerikanischen Frauenorden. Ein kurzer Überblick:

Leadership Conference of Women Religious: Die LCWR wurde 1956 als Zusammenschluß aller weiblichen Ordensoberinnen der Vereinigten Staaten von Amerika gegründet. Ihr gehören rund 80 Prozent aller Frauenordensgemeinschaften an, das heißt rund 1500 Konvente oder Gemeinschaften mit etwa 45.600 Ordensfrauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 73 Jahren. Die wenigen Frauen, die noch den in der LCWR zusammengeschlossenen Orden beitreten, sind im Durchschnitt bereits 40 Jahre alt. Die LCWR steht in zahlreichen Bereichen in offenem Widerspruch zur katholischen Glaubenslehre und der kirchlichen Ordnung. Aus den Reihen der LCWR stammen politisierende Ordensfrauen, die sich vor Atomkraftwerken anketten lassen, die auf der Straße für Abtreibung und Homo-„Ehe“ demonstrieren, die darüber diskutieren, ob sie überhaupt noch Priester, da Männer, in ihre Klöster einlassen sollen, um die Heilige Messe zu zelebrieren oder ob sie sich auch liturgisch selbst genügen, die das Frauenpriestertum fordern, die die Gottessohnschaft Jesu Christi anzweifeln und überhaupt die Existenz eines personalen Gottes, statt dessen aber ein Sammelsurium an Elementen anderer Religionen, der Gnosis und des New Age in ihre Klöster einließen.

https://lcwr.org/

Council of Mayor Superiors of Women Religious: Der CMSWR ist der zweite Dachverband amerikanischer Frauenorden. Er wurde 1992 in direktem Gegensatz zur LCWR gegründet, da eine Reihe von Orden und Konventen die ideologische Politisierung und die schrittweise Entfernung vom katholischen Glauben nicht länger mitmachen wollten. Dem CMSWR gehören inzwischen bereits rund 20 Prozent der amerikanischen Frauenordensgemeinschaften an, das sind derzeit 11.400 Ordensfrauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren. Die Frauen, die im CMSWR zusammengeschlossenen Orden beitreten, sind im Durchschnitt 21 Jahre alt. Die im CMSWR zusammengeschlossenen Konvente legen besonderen Wert auf die Ordensregeln, die Spiritualität der Ordensgründer, das Lehramt der katholischen Kirche und die Einheit in Gehorsam mit Rom. Auf diese Kräfte zählt Rom. Sie sind zwar an Zahl geringer als die größere LCWR, vergleicht man jedoch die Berufungen, dann zeigt sich eindeutig, wer Zukunft hat und wer wie die LCWR ein Auslaufmodell mit Ablaufdatum ist.

www.cmswr.org/

Als 1956 die Konferenz der Oberinnen gegründet wurde, die sich 1971 in LCWR umbenannte, dachte man an eine lose Einrichtung, die den Austausch zwischen den Orden in geistlicher, apostolischer und intellektueller Hinsicht fördern und einen gemeinsamen Kommunikationskanal mit dem Heiligen Stuhl schaffen sollte. Die Frauenorden waren damals in den USA eine starke, kompakte und beeindruckende Größe, die auf vielfältige Weise apostolisch wirkten: in der Erziehung, im Gesundheitswesen, in Werken der Nächstenliebe, der Glaubensverkündigung, Missionen, geistlichen Zentren, Medien.

Als das Zweite Vatikanische Konzil 1965 das Dekret Perfectae Caritatis veröffentlichte schien in den USA ein unbändiger Aufbruch stattzufinden. Mit ungeheurem Eifer drängten überall Wortführer und junge Ordensleute auf Reformen, die das Ordensleben zu spirituellen Wurzeln der Gründer zurückführen sollten. Doch die Erneuerer kamen im Eifer ihres Kahlschlags vom Kurs ab und schnitten sich selbst von ihren geistlichen Wurzeln ab.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Divinas vocaciones religiosas

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2 Kommentare

  1. Die Zukunft gehört der „katholischen Tradition“. Auch wenn es fast abwegig klingt, ich bin mir nicht sicher, dass das derzeit in „Rom“ mehrheitlich erkannt wird. Die Progressisten in Rom werden nicht einfach das Feld räumen. Irgendwann wird auch ihre Zeit vorbei sein. Wann? Und in welcher Verfassung wird sich die Kirche dann befinden?

  2. Cuppa: Leider werden ja auch die Progressisten von Heiligen Vater papst Bendeikt XVI massiv unterstützt, siehe die Ernennung des neuen Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Erzbischof MÜLLER, und alleine wenn ich den Namen Schönborn in der Mitgliedsliste dieser Kongregation lese, ist mir klar wohin der Zug fährt.

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen.

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