Institut du Bon Pasteur hat neuen Generaloberen – Kommt es zur Spaltung des Instituts?

(Paris) Das altrituelle Institut du Bon Pasteur (Institut vom Guten Hirten) hat einen neuen Generaloberen. Zum neuen Generaloberen bestimmte das Generalkapitel des Instituts Pater Roch Perrel. Zum Ersten Assistenten wurde P. Paul Aulagnier, zum Zweiten Assistenten P. Leszek Krolikowski, zum Dritten Assistenten P. Stefano Carusi und zum Vierten Assistenten P. Louis-Numa Julien gewählt.

Der neue Generalobere Pater Roch Perrel war zuletzt Regens des institutseigenen Priesterseminars St. Vinzenz von Paul und zuvor Oberer des Instituts in Brasilien. Das noch junge Institut der Tradition habe sich mit den vom Heiligen Stuhl anerkannten Staturen konsolidiert. Auf diesem Weg werde der neue Generalrat seine Arbeit im Sinne der Gründung fortsetzen.

Soweit die offizielle Mitteilung des Sekretärs des Generalkapitels. Auf der Internetseite des Insituts findet sich als jüngster Eintrag hingegen der kryptische Vermerk, daß nur jene offiziellen Mitteilungen Gültigkeit hätten, die auf der offiziellen Internetseite veröffentlicht werden. Der Vermerk ist gezeichnet vom persönlichen Sekretär des bisherigen Generaloberen Pater Philippe Laguérie. Über das Generalkapitel des Instituts und die Neuwahl des Generaloberen und des Generalrats findet sich auf der Internetseite kein Wort. Dies deutet bereits auf einen schwerwiegenden Konflikt innerhalb des Instituts um die Führung an. Eine jüngere Generation hat die Führung übernommen angefangen beim noch sehr jungen Generaloberen. Ein Teil des Instituts scheint das Generalkapitel und die Neuwahlen nicht anzuerkennen. Eine Anrufung Roms gegen die Gültigkeit des Generalkapitels scheint nicht ausgeschlossen.

Besucht man den Blog des bisherigen oder Noch-Generaloberen Pater Laguérie wird der Konflikt vollends sichtbar. In einem Eintrag vom 6. Juli verweist Laguérie auf das Kirchenrecht. Seiner Meinung nach sei das Generalkapitel und damit auch die Neuwahl ungültig. Die Lage ist sehr verworren, da sich offenbar persönliche Aspekte mit kirchenrechtlichen und Fragen der Glaubenslehre vermengen.

Der institutsinterne Konflikt war im Frühjahr 2012 ausgebrochen und dreht sich um die Einigungsformel, auf dessen Grundlage sich das Institut 2006 mit dem Heiligen Stuhl geeinigt hatte. Wie der nun zum Dritten Assistent gewählte Pater Stefano Carusi damals öffentlich machte, verlangte die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei von ihm die Entfernung von zwei beanstandeten Artikel auf dem von ihm betreuten Blog. Gegenüber dem Institut verlangte die Kommission eine bessere Einbindung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des jüngeren Lehramtes in die Priesterausbildung sowie die Anerkennung des Katechismus der Katholischen Kirchen von 1992. Hinzu kam ein Konflikt darüber, was genau unter dem Recht auf Exklusivität in der Zelebration im Alten Ritus zu verstehen sei. Im Prinzip herrscht Einigkeit, nicht aber darin, wie dies zu formulieren sei.

Am 8. September 2006 waren die Statuten des Instituts von der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei provisorisch auf fünf Jahre anerkannt worden. Das Institut wurde kanonisch als Gesellschaft des apostolischen Lebens errichtet.

Unter der Führung von Pater Laguérie führten sechs ehemalige Mitglieder der Priesterbruderschaft St. Pius X. die Neugründung durch, fünf Priester und ein Diakon. Es handelte sich um die erste Gründung dieser Art unter dem Pontifikat Benedikts XVI. Das Institut wurde nach päpstlichem Recht anerkannt und ist direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt, wodurch es der ordentlichen Jurisdiktion der Diözesanbischöfe entzogen wurde. Ziel der Gründer war es, die volle Einheit mit dem Papst und der Weltkirche zu betonen. Das Institut zelebriert das Heilige Messopfer nur in der Außerordentlichen Form des Römischen Ritus.

Der spanische Kirchenhistoriker Francisco de la Cigoà±a spricht mit Bedauern von einem „Spaltungsgen, der bei den Traditionalisten vorhanden zu sein scheint“ und unterzieht den Drang zu Abspaltungen einer harten Kritik, die er in Zusammenhang mit Schwierigkeiten im Gehorsam gegenüber Rom in Zusammenhang bringt. Man gebe damit ein schlechtes Beispiel, weshalb er hoffe und wünsche, daß die persönlichen und internen Schwierigkeiten überwunden werden können.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: La cigüeà±a de la torre/institutdubonpasteur.org

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2 Kommentare

  1. Die treuen und konstruktiven Seelendes Institutes sollten sich besinnen, umkehren und wieder heimfinden zu ihrer alten Heimat, der Priesterbruderschaft St. Pius X.

  2. Opus Dei-Mann Cigoña lebt wohl noch in der Franco-Ära oder? Befehlt ist Befehl? Es gibt keine Gehorsamspflicht gegenüber er „vom Papst befohlenen“ Zerstörung unsere heiligen römisch-katholischen Glaubens! Ohne unverletztliches katholisches Dogma, gibt es keine Kirche mehr. Modernisten sind keine Kirche. Modernisten praktizieren divide et impera gegen ‚Traditionalisten‘ (=Katholiken).

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