Jordanien: Christin verweigert islamischen Schleier und verliert Arbeitsplatz

(Amman) Es handelt sich um den ersten eklatanten Fall von religiöser Diskriminierung. In Jordanien herrscht offiziell Religionsfreiheit. Die Jordan Dubai Islamic Bank (JDIB) in Amman entließ die Christin Vivian Salameh, weil sie sich weigerte, einen Schleier zu tragen. Die Frau begründete die Ablehnung mit religiösen Gründen, da der Schleier mit dem Islam verbunden sei, der nicht ihre Religion ist. Die Bank gab sich 2011 eine neue Hausordnung, die sich an der Scharia ausrichtet und von allen weiblichen Angestellten das Tragen eines Schleiers verlangt.

Die christliche Gemeinschaft Jordaniens wandte sich mit einem Appell zur Verteidigung der Religionsfreiheit an die Presse. Man wünsche den christlich-islamischen Dialog, lehne aber eine Entrechtung und Bevormundung der Christen ab.

Pater Rif’at Bader, ein Priester des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem und Direktor des Medienforschungszentrums bestätigte, daß in Jordanien „eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft im Gange“ ist. „Die Golfstaaten gebrauchen die islamischen Banken, um in der Bevölkerung anderer Staaten die Vorschriften der Scharia einzuführen“, so der katholische Priester. Bisher sei in Jordanien „niemand diskriminiert worden, weil er Christ ist“. Die Regierung dürfe nicht zulassen, daß sich ähnliche Fälle wiederholen, so Pater Bader. „Unsere Verfassung verteidigt die Religionsfreiheit.“

2010 übernahm die Jordan Dubai Islamic Bank die Industrial Development Bank, für die die Christin Vivian Salameh bereits seit 25 Jahren gearbeitet hatte. Anfangs hätten die neuen islamischen Vorgesetzten den Anschein erweckt, als würden sie sich an die vertraglichen Verpflichtungen halten und die Rechte des übernommenen nicht-islamischen Personals anerkennen. Doch schon 2011 führten sie ohne Rückfrage neue verpflichtende Verhaltensregeln auf der Grundlage der Scharia ein. Dazu gehört eine einheitliche Betriebskleidung. Salameh akzeptierte die neue Betriebskleidung, nicht aber den islamischen Schleier, da er ihre durch die Verfassung garantierte Religionsfreiheit verletze.

Nach mehreren Aussprachen mit den Vorgesetzten, die sich jedoch weigerten, die Beweggründe der Frau zu akzeptieren, und zwei Abmahnungen durch die Direktion, wurde der Christin am 21. Mai 2012 ohne Angabe von Gründen gekündigt.

Auf Empfehlung von Pater Bader erstattete die Frau Anzeige gegen ihre Arbeitgeber. Sie ist entschlossen, ihren Fall notfalls bis vor den Obersten Gerichtshof zu bringen.

Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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