„Der leere Tanz um das goldene Kalb“ – Liturgie und Ius divinum – Bucherscheinung

(Rom) Im italienischen Lindau Verlag (Turin) erscheint am 10. Mai das für die aktuelle Entwicklung der katholischen Kirche ausgesprochen interessante Buch „Der leere Tanz um das goldene Kalb“ mit dem Untertitel „Verweltliche Liturgien und das Recht“. Der 144 Seiten umfassende Band, dessen Herausgeber der bekannte Liturgiker Don Nicola Bux und der Kirchenrechtler Raffaele Coppola sind, befaßt sich mit liturgischen Fragen und rechtlichen Fragen rund um die Liturgie. Die Einführung stammt von Raymond Leo Kardinal Burke, dem Präfekten der Apostolischen Signatur, die weiteren Beiträge von Fachreferenten, die am 25. März 2011 an einer Studientagung an der Juristischen Fakultät der Universität Bari teilnahmen.

Wer dieses Buch liest, wird verstehen, weshalb es im liturgischen Bereich dringend einer großen und klaren Ernsthaftigkeit bedarf. Eine Notwendigkeit, die sich aus dem Ius divinum (dem Göttlichen Recht) herleitet, um das richtige Verhältnis zwischen Gott und seiner Schöpfung einschließlich dem Menschen, dem einzigen Teil der irdischen Schöpfung, die er nach seinem Abbild geschaffen hat, wiederherzustellen. Kardinal Burke erinnert daran, daß der Herr vom Gesetz sprach:

„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.“ (Mt 5,17-19)

Die Worte Gottes bestätigen die grundsätzliche Aufgabe des Gesetzes, das göttliche Recht zu ehren und zu bewahren und auf diese Weise jene Ordnung zu ehren und zu bewahren, die Gott dem Universum eingeprägt hat.

„Alle Bestimmungen zielen auf dieses richtige Verhältnis ab, von dem die Rettung der Welt abhängt und so sind sie als Anordnung Gottes und nicht als Erfindung des Menschen zu respektieren. Im gegenteiligen Fall korrumpiert man das göttliche Gesetz für menschliche Zwecke“, so Kardinal Burke. Letzteres ist sicher der Fall bei dem ganzen Funktionalismus, von dem die moderne Philosophie durchtränkt ist, wie bereits der damalige Kardinal Joseph Ratzinger feststellte. Sie ist so davon durchtränkt, daß sie den Glauben selbst und den göttlichen Kult mit den Sakramenten zu einer „Funktion“ reduziert hat.

Einheit, Wahrheit, Güte, Schönheit und Gerechtigkeit sind die untereinander untrennbar verbundenen Aspekte der heiligen Realität und der Liturgie. Die im vorliegenden Buch gesammelten Beiträge zeigen Probleme und Lösungen auf, zum Teil auch aus spezifisch technischer Sicht, um das wahre und unwandelbare Wesen des heiligen Kultes, der eine direkte Anwendung des göttlichen Rechts ist, wiederzuentdecken. Die Liturgie ist der an Gott gewandte Kult, der durch die göttlichen Gesetze und die auf das engste mit der Kunst und der Musik übereinstimmenden Bestimmungen der Kirche geregelt ist. Ein außergewöhnliches Hilfsmittel, das die liturgischen, künstlerischen, architektonischen Bestimmungen lehrte und selbst die sakralen Paramente und Gegenstände miteinschloß, ist das im Mittelalter vom südfranzösischen Bischof Guillaume Durand (1230-1296) verfaßte Rationale Divinorum Officiorum, das zum Standardwerk für das Studium der Liturgie wurde und bis ins 17. Jahrhundert Verwendung fand.

Der heilige Karl Borromäus gebrauchte dieselbe Methode für seine Instructiones fabricae et suppellettilis ecclesiasticae (1577), die nur 15 Jahre nach der Professio fidei tridentinae (1564) erschienen und zum Vorbild einer Vielzahl ähnlicher Dokumente wurden, die von den Bischöfen ganz Europas für ihre Diözesen erlassen wurden.

Es ist bezeichnend, daß es heute diese rechtliche, liturgische und architektonische Einheit nicht mehr gibt. Man fragt sich deshalb „ob der Verfall der mit der Liturgie verbundenen Künste und vorher noch der Liturgie selbst, nicht zum Teil eine Folge der Spaltung des Wissens ist“.

Im Band „Der leere Tanz um das goldene Kalb“ werden die Lehren der kirchlichen Tradition gesammelt und wiederentdeckt, darunter jene des Konzils von Trient und des Katechismus des heiligen Papstes Pius X. Der Band versammelt die Prinzipien, Formen und Anwendungen, die jene eingangs genannte Ordnung wiederherstellen, wo der liturgische Subjektivismus der Nachkonzilszeit mit seinen Mißbräuchen schwere Irrtümer unter dem Klerus und den Gläubigen verbreitet hat, indem er einen Kult entwickelte, der sich nicht mehr an den Herrn richtet, sondern um das „Goldene Kalb“ tanzt oder anders ausgedrückt, der sich an den Menschen richtet, der sich selbst zelebriert.

Text: Corrispondenza Romana/Cristina Siccardi
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Weltchronik, Miniatur

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4 Kommentare

  1. (…)“Wer dieses Buch liest, wird verstehen, weshalb es im liturgischen Bereich dringend einer großen und klaren Ernsthaftigkeit bedarf“ (…)
    Es bedarf der Wiederentdeckung der Alten Messe und der Theologie, von der sie geprägt ist. Hier stimmt alles: Schönheit, Ehrfurcht, Anbetung. Und die Theologie.
    Ohne Kreuzestheologie, ohne „Opfertheologie“ wird sich nichts ändern an der Glaubens- und Kirchenkrise. Um das zu wissen, braucht man keine Prophetin zu sein…

  2. Wie vereinbart sich das mit der Vorstellung der dogmatischen Theologie, wonach die Identität des Glaubensgutes nur durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung gesichert werden kann? Sie gewährleistet doch die Aktualität der Überlieferung durch ständige Neuinterpretation. Ohne eine solche Aktualisierung würde der Bezug zur Überlieferung bald verloren gehen. Dann wären die Liturgie und die Hl.Schrift früher oder später nur noch ein kulturelles Erbe aus einer alten Zeit, mit der man sich nicht identifizieren kann und will. Jesus ging es nicht um Schönheit, Kunst oder Liturgie, sondern um echte Umkehr der inneren Überzeugungen.

    • Nach der katholischen Lehre gibt es keine ständige Weiterentwicklung, sondern eine Vertiefung, ein tieferes Verständnis der apostolischen Überlieferung. Alles andere ist „Memorandum-Theologie“, mehr oder weniger…
      Zur Liturgie:
      a) Nie hat Jesus den schönen, prächtigen Kult des Jerusalemer Tempels angegriffen, es ist kein Wort überliefert. Er hat im Gegenteil den Tempel mit seiner Liturgie geehrt als „Haus seines Vaters“.
      b) Während des Letzten Abendmahles, als Jesus sein Leiden und Sterben am Kreuz antizipierte und das Brot und den Wein als seinen Leib und sein Blut Gott dankend darbrachte und den Apoteln reichte, wurde die katholische Liturgie grundgelegt. Die sich natürlich erst nach Ostern entfalten konnte.
      Der Gegensatz zwischen Liturgie und Umkehr ist – mit Verlaub – konstruiert. Was wir in der hl. Messe ehrfürchtig, betend feiern, soll natürlich zur Umkehr führen, sich im Alltag auswirken.

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