Zwölf neue Bischöfe, die Kardinal Ouellet auswählte – Versuch einer Bilanz

(Rom) Der Vatikanist Sandro Magister versucht, eine persönliche Bilanz des ersten Amtsjahres von Kardinal Marc Ouellet als Präfekt der Bischofskongregation zu ziehen.

Er präsentiert zwölf Bischöfe, deren Ernennung oder Beförderung durch den frankokanadischen Präfekten erfolgten und die, laut Magister, dem von Kardinal Ouellet in seinem Interview mit der Tageszeitung Avvenire vom 18. November 2011 skizzierten Profil der „neuen Bischöfe“ entsprechen, die die Kirche brauche.

In seinem Interview sagte der Kardinal, daß die neuen Bischöfe vor allem Verteidiger des Glaubens, der Kirche und des Papstes sein müßten, die also treu zum Lehramt und zum Papst stehen und imstande sind, den Glauben auch öffentlich zu erklären und zu verteidigen.

Magister sieht diese Vorgabe Kardinal Ouellets bestätigt. Seit der frühere Erzbischof von Quebec der Bischofskongregation vorsteht, sei es unübersehbar, daß bevorzugt Kandidaten ausgewählt würden, die sowohl Theologen als auch Verteidiger des Glaubens sind, so Magister.

Für die vergangenen fünf Monaten nennt Magister mindestens zwölf Ernennungen, die diesen Kriterien entsprechen, darunter auch eine im deutschen Sprachraum. Die Zusammenstellung Magisters wird hier kommentarlos zugänglich gemacht, wenn auch zumindest die Nennung des neuen Erzbischofs von Manila etwas erstaunt. Einige eingefügte Ergänzungen sollen lediglich die biographischen Angaben etwas vervollständigen.

1. Ernennung, 28. Juni 2011
Kardinal Angelo Scola (Jahrgang 1941), Patriarch von Venedig, zum Erzbischof von Mailand, dem bedeutendsten Bischofssitz nach Rom.

2. Ernennung, 19. Juli 2011
Charles J. Chaput (Jahrgang 1944), Erzbischof von Denver, zum Erzbischof von Philadelphia und damit zum Kardinalsanwärter. Chaput gilt als großer Apologet, der imstande ist, das Evangelium von den Dächern zu verkünden ohne jede Scheu und ohne Abstriche, und dies in einem Land wie den Vereinigten Staaten von Amerika, in dem der Kampf besonders rauh ist auch innerhalb und gegen den religiösen Bereich. Es war gerade sein Einsatz als Verteidiger der Kirche ausschlaggebend dafür, daß die Entscheidung schließlich auf ihn fiel.

3. Ernennung, 27. Juli 2011
Ivo Muser (Jahrgang 1962) zum Bischof von Bozen-Brixen. Aus der Südtiroler Diözese stammen die Vorfahren mütterlicherseits von Papst Benedikt XVI. Der Dogmatiker studierte in Innsbruck und Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Er unterrichtete an der Philosophisch-Theologischen Hochschule von Brixen.

4. Ernennung, 26. September 2011
Stanislaw Budzik (Jahrgang 1952), Weihbischof von Tarnow zum Erzbischof von Lublin. Der bisherige Generalsekretär der polnischen Bischofskonferenz studierte ebenfalls in Innsbruck. Der Dogmatiker hatte an der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau eine Professur inne.

5. Ernennung, 10. Oktober 2011
Nuno Brás da Silva Martins (Jahrgang 1963) zum Weihbischof von Lissabon (Titularbischof von Elvas). Der neue Bischof absolvierte seine Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana und unterrichtete Fundamentaltheologie an der Portugiesischen Katholischen Universität und an der Gregoriana in Rom. Er war Regens des Päpstlichen Portugiesischen Kollegs in Rom und zuletzt Regens des Priesterseminars der Erzdiözese Lissabon.

6. Ernennung 13. Oktober 2011
Luis Antonio Tagle (Jahrgang 1957), Bischof von Imus, zum Erzbischof von Manila. Der neue Erzbischof promovierte an der Catholic University of America in Washington mit einer Arbeit über „Die Bischöfliche Kollegialität in der Lehre und Praxis von Paul VI.“. Mit seinem Doktorvater Joseph Komonchak arbeitete Tagle an der Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils, die von der „Schule von Bologna“ um Don Giuseppe Dossetti verbreitet wurde und bisher als Standardwerk zum Thema galt. Sie vertritt die These, daß das Konzil ein Bruch mit der Vergangenheit und ein Neubeginn war. Tagle verfaßte unter anderem das Kapitel über die „schwarze Woche“. Gemeint ist jene Woche im November 1964, in der die Progressivsten auf dem Konzil eine Niederlage einstecken mußten, als Papst Paul VI. der dogmatischen Konstitution Lumen gentium einen von ihnen bekämpften Vorspann vorstellte, um möglichst Mißverständnisse auszuräumen, die das zweideutige Dokument provozieren konnte. Manila ist traditionell mit der Kardinalswürde verbunden. Manche nennen Erzbischof Tagle bereits als „papabile“.

7. Ernennung, 3. November 2011
Pater Charles Morerod (Jahrgang 1961) zum Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Der Dominikaner ist ein Theologe von Weltruf. Seine Studien begann er an der Universität Freiburg, wo er später auch unterrichtete. Der Thomist war zuletzt Generalsekretär der Internationalen Theologischen Kommission. Er ist Berater der Glaubenskongregation und war auch bereits Regens des Angelicum in Rom. Morerod war einer der drei Theologen, die für den Heiligen Stuhl die Lehrgespräche mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. führten. Er steht der Tradition nahe.

8. Ernennung, 14. November 2011
Kanonikus Francesco Cavina (Jahrgang 1955) zum Bischof von Carpi in der Lombardei. Der Kirchenrechtler war seit 1996 Offizial der Abteilung für die Beziehungen zu den Staaten des vatikanischen Staatssekretariats. Gleichzeitig unterrichtete er Sakramententheologie an der Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz in Rom.

9. Ernennung, 21. November 2011
Filippo Santoro (Jahrgang 1948), Bischof von Petropolis, zum Erzbischof von Tarent in Apulien. Er gehört der Gemeinschaft Comunione e Liberazione an, als deren Verantwortlicher für Lateinamerika er nach Brasilien ging. 1992 nahm er als Theologe am 4. Konferenz des lateinamerikanischen Episkopats in Santo Domingo teil. 1996 wurde er Weihbischof der Erzdiözese Rio de Janeiro, 2004 Bischof der brasilianischen Diözese Persepolis.

10. Ernennung, 24. November 2011
Franco Giulio Brambilla (Jahrgang 1949), Weihbischof von Mailand zum Bischof von Novara in der Lombardei. Brambilla gilt als einer der renomiertesten italienischen Theologen. In Mailand war Bischofsvikar für die Kultur. Er unterrichtete Christologie und theologische Anthropologie an der Theologischen Fakultät Norditaliens, deren Dekan er 2007 wurde. Er war auch als Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz im Gespräch.

11. Ernennung, 26. November 2011
Jan (Johannes Wilhelmus Maria) Liesen (Jahrgang 1960), Weihbischof von ’s-Hertogenbosch zum Bischof von Breda in den Niederlanden. Seine Studien absolvierte Liesen am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom und in Jerusalem. Der Neutestamentler unterrichtete Biblische Exegese des Neuen Testaments, Biblische Theologie und Hebräische Bibel an der Abtei Rolduc und den Priesterseminaren von Haarlem und s‘-Hertogenbosch. Seit 2004 ist er Mitglied der Internationalen Theologenkommission.

12. Ernennung, 26. November 2011
Charles John Brown (Jahrgang 1959) zum Kurienerzbischof (Titularerzbischof von Aquileia). Der US-Amerikaner studierte Geschichte, Mediävistik und katholische Theologie. Promoviert wurde er in Sakramententheologie an der Päpstlichen Hochschule Sant’Anselmo in Rom. Seit 1994 ist der Priester der Erzdiözese New York an der römischen Glaubenskongragation tätig. 2009 wurde er beigeordneter Sekretär der Internationalen Theologenkommission. Nun trat Brown in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein und wurde zum neuen Apostoloschen Nuntius in Irland ernannt. Eine Entscheidung, so Magister, die aufgrund seines Einsatzes als “defensor fidei“ und “defensor ecclesiae“ erfolgte.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Messa in Latino

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