Jungfräulichkeitstests illegal – Verfahren gegen ägyptische Militärs vor Militärgericht anhängig

(Kairo) Die Jungfräulichkeitstests, die vom ägyptischen Militär an Frauen durchgeführt wurden, waren illegal. Das Militär hatte solche Kontrollen an Frauen durchgeführt, die bei den politischen Kundgebungen für die Demokratisierung des Landes verhaftet worden waren. Diese grundsätzliche Feststellung traf ein Zivilgericht in Kairo, nachdem Samira Ibrahim, die im März 2011 mit sechs weiteren jungen Demonstrantinnen verhaftet worden war, Anzeige erstattet hatte.

Während ihrer Haftzeit waren die jungen Frauen vom Militär gezwungen worden, sich einem Jungfräulichkeitstest zu unterziehen. Laut der Anzeige von Samira wurde der Test in Anwesenheit mehrerer Offiziere durchgeführt.

Samira ist die einzige der sieben Frauen, die den Mut hatte, nach der Haftentlassung Anzeige zu erstatten. Sie wurde deshalb mehrfach bedroht. Im März rechtfertigte sich das Militär mit der Behauptung, die Tests seien notwendig gewesen, um Falschanzeigen durch die Aktivistinnen wegen Vergewaltigung zu verhindern. Das Zivilgericht hatte allerdings nicht über ihren Fall zu entscheiden, der von der Militärgerichtsbarkeit verhandelt wird.

Zuletzt kündigte ein hoher Offizier die Verlegung des Falles an den Obersten Militärgerichtshof an. Er sagte, daß die Verantwortlichen „gerecht“ bestraft würden, sofern sich jemand etwas zuschulden kommen habe lassen. Bisher ist nichts mehr geschehen. „Ich hoffe, daß die Entscheidung des Zivilgerichts mir hilft, gegen die Offiziere zu gewinnen“, erkärte Samira. „Sie können sagen, was sie wollen. Ich aber verlange, daß die, die mir das angetan haben, bestraft werden und auch jene, die den Befehl dazu erteilt haben.“

Das Urteil des Zivilgerichts könnte einstweilen zur Suspendierung der angeklagten Militärs führen, bis zur endgültigen Klärung durch die zuständige Gerichtsbarkeit. Zu den anhängigen Fällen zählt auch jener der jungen Demonstrantin Ghada Kamal Abdel Raziq, die am 16. Dezember während einer Kundgebung von Soldaten getreten und geschlagen wurde. Die Bilder gingen um die Welt.

„Die Schläge gegen das Mädchen durch die Soldaten und der Mißbrauch gegen verhaftete Frauen haben das ganze Land schockiert“, erklärte die junge koptische Katholiken Riham Ramzy aus Oberägypten, die in der Demokratie- und Menschenrechtsbewegung Ägyptens aktiv ist. Am 20. Dezember gingen Tausende Frauen auf die Straße, um für die Menschenwürde der Frau zu demonstrieren.

Die ständigen Vorwürfe gegen das Militär zwingen die Streitkräfte zu größerer Rücksicht. Menschenrechtsaktivisten berichten, daß das Militär sich immer weniger erlauben könne. Am 25. Dezember ordnete ein Militärgericht die Freilassung des Bloggers Alaa Abd El Fattah an, der im Oktober während des Massakers vor dem Sitz des staatlichen Fernsehens verhaftet worden war.

Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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